Austropapier : Austropapier warnt vor Energiekosten: Papierbranche investiert Milliarden in Österreich

Martin Zahlbruckner, Präsident Austropapier, Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin Austropapier, Harald Ganster, Vorstandsmitglied von Austropapier, Ronald Scheucher, Industrieökonom bei Mainland Economic Consultants

Martin Zahlbruckner, Präsident Austropapier, Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin Austropapier, Harald Ganster, Vorstandsmitglied von Austropapier, Ronald Scheucher, Industrieökonom bei Mainland Economic Consultants

- © Daniel Schaler

Die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie hält trotz schwieriger Rahmenbedingungen am heimischen Standort fest. Nach Angaben von Austropapier investierte die Branche in den vergangenen fünf Jahren rund 1,3 Milliarden Euro in heimische Werke. Allein 2025 flossen etwa 190 Millionen Euro in Modernisierung, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit. 

Gleichzeitig sieht die Papierbranche ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zunehmend durch hohe Energiekosten unter Druck.

Mit einem Branchenumsatz von 4,4 Milliarden Euro und einer Exportquote von rund 88 Prozent zählt die Papier- und Zellstoffindustrie zu den exportintensiven Industriezweigen Österreichs. Rund 440.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier. Statistisch ist damit etwa jeder elfte Arbeitsplatz in Österreich mit diesem Bereich verbunden.

„Die österreichische Papierindustrie ist eine Vorzeigeindustrie – exportstark, innovativ und stark verzahnt mit der heimischen Forst- und Holzindustrie, der Weiterverarbeitung und dem Recyclingsektor. Das macht sie unverzichtbar für den Standort Österreich", sagt Austropapier-Präsident Martin Zahlbruckner

Die Industrie sei bereit, weitere Arbeitsplätze zu schaffen und die Transformation hin zu einer klimaneutralen Branche fortzusetzen. Jetzt sei aber die Politik gefordert, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sicherzustellen, "unnötige und überzogene Regulierungen abzubauen und Berichtspflichten auf das notwendige Maß zu reduzieren“, so Zahlbruckner. 

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Austropapier sieht Energiepreise als Standortnachteil

Nach Einschätzung von Austropapier verschärfen sich die Unterschiede bei den Energiekosten innerhalb Europas weiter. Besonders im Vergleich zu Deutschland sehen heimische Unternehmen Nachteile bei den Produktionskosten

„Österreichische Werke stehen im direkten Vergleich mit Standorten, die bei den Energiekosten deutlich bessere Ausgangsbedingungen haben. Die Strompreiskompensation wird hierzulande nun zwar umgesetzt, bleibt aber klar hinter dem Niveau von Deutschland", sagt Harald Ganster, Vorstandsmitglied von Austropapier. Österreichische Betriebe zahlen das 2,3-Fache an Energiekosten im Vergleich zu deutschen Standorten. Energiekostenunterschiede dieser Größenordnung entscheiden darüber, wo investiert und wo Beschäftigung gesichert wird." 

Die Branche verweist in diesem Zusammenhang auf das geplante Standortabsicherungsgesetz. Die vorgesehenen Entlastungen würden laut Austropapier nicht jenes Niveau erreichen, das vergleichbare Industrien in anderen EU-Staaten erhalten.

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Papierbranche baut Verpackungspapiere aus

Die Produktionsstruktur der österreichischen Papierindustrie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während grafische Papiere weiterhin einen wichtigen Teil der Produktion ausmachen, gewinnen Verpackungspapiere zunehmend an Bedeutung.

2025 entfielen laut Austropapier rund 2,666 Millionen Tonnen auf Verpackungspapiere. Das entspricht einem Anstieg von etwa 37 Prozent gegenüber 2015. Gleichzeitig wurden 1,164 Millionen Tonnen grafische Papiere produziert. Ergänzt wird das Portfolio durch Spezialpapiere für Medizin, Hygiene, Pharma und industrielle Anwendungen.

Im Branchenbericht verweist Austropapier zudem auf den steigenden Stellenwert der Bioökonomie. Die Papier- und Zellstoffindustrie sieht sich dabei als Teil einer industriellen Kreislaufwirtschaft, in der Holz möglichst lange stofflich genutzt wird. 

Papierfasern könnten bis zu 25-mal wiederverwendet werden. Die Recyclingquote bei Papier und Karton liegt laut Branchenbericht bei 88 Prozent, im Verpackungsbereich bei rund 90 Prozent.

Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft als Wachstumsfelder

Die Papierbranche sieht insbesondere bei biobasierten Anwendungen weiteres Wachstumspotenzial. Im Jahresbericht werden unter anderem neue Einsatzmöglichkeiten für Lignin, Hemicellulose und Zellstoff beschrieben. Diese Stoffe sollen künftig stärker als Rohstoffe für industrielle Anwendungen genutzt werden.

Als Beispiele nennt der Bericht biobasierte Verpackungslösungen, Hygieneprodukte sowie Anwendungen in der Pharmaindustrie. Auch die Nutzung von Holzbestandteilen für Biokraftstoffe, Klebstoffe oder chemische Grundstoffe wird als Zukunftsfeld beschrieben.

Ein konkretes Praxisbeispiel liefert AustroCel Hallein mit dem Produkt Retentis. Dabei handelt es sich um ein biologisches Wasserspeichergranulat auf Ligninbasis, das Wasser und Nährstoffe im Boden speichern kann. Laut Branchenbericht soll dadurch der Bewässerungsbedarf in der Land- und Forstwirtschaft sinken.

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Auch die Lenzing Gruppe wird als Beispiel für biobasierte Wertschöpfung angeführt. Am Standort Lenzing entstehen holzbasierte Cellulosefasern für Bekleidung und Heimtextilien. Die Produkte sollen fossile Kunststofffasern schrittweise ersetzen.

Dekarbonisierung bleibt zentrales Thema der Industrie

Die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Bis 2030 sollen die fossilen CO₂-Emissionen gegenüber 2021 um 43,5 Prozent sinken.

Bereits zwischen 2000 und 2020 reduzierte die Branche ihre fossilen Emissionen laut Jahresbericht um 25 Prozent. Gründe dafür seien Investitionen in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, der Einsatz biogener Reststoffe und die Elektrifizierung industrieller Prozesse.

Zunehmend beschäftigt sich die Papierbranche außerdem mit Technologien zur CO₂-Abscheidung und Nutzung. Im Forschungsprojekt „Carbon Emission Utilisation and Storage in Pulp and Paper Industry“ (CEUS-PPI) untersuchen Unternehmen und Forschungseinrichtungen die Möglichkeiten von Carbon Capture, Utilisation and Storage (CCUS).

Dabei geht es unter anderem um die Nutzung von biogenem CO₂ für synthetische Kraftstoffe oder chemische Anwendungen. Laut Austropapier könnten daraus zusätzliche industrielle Wertschöpfungsketten entstehen.

„Die Nutzung von biogenem CO2 aus der Papier- und Zellstoffindustrie eröffnet neue Perspektiven für industrielle Innovation und nachhaltige Wertschöpfung“, so Daniela Leibetseder vom Austrian Institute of Technology.

Industriestrategie 2035 als politischer Rahmen

Die Branche bewertet die Industriestrategie 2035 der Bundesregierung grundsätzlich positiv. Aus Sicht von Austropapier greift die Strategie zentrale Themen wie Energieversorgung, Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie und Transformation auf.

Die Papier- und Zellstoffindustrie verweist darauf, dass sie bereits heute rund 70 Prozent erneuerbare Energieträger einsetzt und mehr als 100.000 Haushalte mit Strom und Fernwärme versorgt. Gleichzeitig fordert die Branche eine rasche Umsetzung industriepolitischer Maßnahmen.

„Österreich hat eine Industriestrategie – das ist richtig und wichtig. Die Bundesregierung hat damit die Chance und das Mandat, Österreich wirtschaftspolitisch wieder auf Kurs zu bringen. Entscheidend ist nun eine rasche Umsetzung", sagt Austropapier-Geschäftsführerin Sigrid Eckhardt. "Wettbewerbsfähige Energiepreise sind hier aus Sicht der Papierindustrie genauso wichtig wie die Verlängerung der freien Zuteilung von CO₂-Zertifikaten im ETS, um genau jene Unternehmen zu unterstützen, die bereits in Transformation und Dekarbonisierung investiert haben."

Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bezeichnet die Papier- und Zellstoffindustrie als wichtigen Bestandteil des Industriestandorts. Die Branche stehe für technologische Kompetenz, Exportorientierung und regionale Wertschöpfung.

Gleichzeitig verweist der Minister auf die Herausforderungen energieintensiver Industrien. Dazu zählen hohe Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten und steigende regulatorische Anforderungen.

Fachkräfte und Ausbildung bleiben strategischer Faktor

Neben Energie- und Standortfragen sieht die Papierbranche die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte als entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Das brancheneigene Ausbildungszentrum in Steyrermühl gilt laut Austropapier als führend im DACH-Raum.

Im Jahresbericht wird außerdem auf den steigenden Frauenanteil in der Industrie verwiesen. Die Branche sieht darin einen wichtigen Schritt, um zusätzliche Fachkräftepotenziale zu erschließen.

PRO-GE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder betont im Bericht die Bedeutung langfristiger Perspektiven für Beschäftigte. Neben Ausbildung und Weiterbildung seien sichere Arbeitsbedingungen sowie moderne Schichtmodelle zentrale Faktoren.

„Wenn Politik und Sozialpartnerschaft an einem Strang ziehen, wird die österreichische Papier- und Zellstoffindustrie auch künftig erfolgreich sein und sichere, hochwertige Arbeitsplätze in Österreich erhalten“, so Binder.

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