Lohnnebenkosten Österreich : Laut IV-Tirol Präsident Max Kloger gibt es nur mehr einen Ausweg für Österreich

das präsidium der iv tirol beim Neujahrsempfang 2026

Das Präsidium der IV Tirol

- © IV Tirol

Beim Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung Tirol präsentierte Präsident Max Kloger alarmierende Zahlen. Die Industrie Tirol hat seit dem dritten Quartal 2023 über 2.500 Arbeitsplätze eingebüßt

Kloger appelliert eindringlich, dass nur innovative Technologien und neue Absatzmärkte den Wirtschaftsstandort Tirol retten können – der reine Kostenwettbewerb sei für Österreich längst verloren.

„Wir müssen aufhören, uns die Lage schönzureden. Statistisch mag die Rezession vorbei sein, aber die Realität in den Betrieben spricht eine andere Sprache", eröffnete Kloger den Empfang der Tiroler Industrie 2026 im Salzlager Hall. „Was wir erleben, ist keine bloße Konjunkturdelle, das ist Deindustrialisierung in Echtzeit. Wir warnen seit Jahren vor der Abwanderung – jetzt ist sie da. Wir verlieren diese Arbeitsplätze nicht, weil unsere Qualität nicht stimmen würde. Wir verlieren sie, weil wir schlicht zu teuer geworden sind."
 

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Hohe Energiepreise belasten Standort Tirol

Die ökonomischen Basisdaten untermauern das strukturelle Kostenproblem der österreichischen Industrie eindeutig. Besonders aussagekräftig entwickelten sich die Lohnstückkosten

Während diese seit 2016 um satte 34,6 Prozent nach oben schnellten, stieg die Produktivität im selben Zeitraum lediglich um magere 5,1 Prozent.


Kloger analysiert die Problematik im Detail: „Die hohen Standortkosten fressen die Margen der Betriebe auf. Damit fehlt das Eigenkapital für Investitionen in neue Anlagen. Die Folge ist eine fatale Abwärtsspirale: Wir investieren zu wenig, der Maschinenpark altert, und wir fallen bei der Produktivität weiter zurück, während die Kosten weiter steigen."

IV-Tirol-Präsident Max Kloger bei seiner Rede am Industrieempfang der Tiroler Indudstrie 2025
IV-Tirol-Präsident Max Kloger: „Die hohen Standortkosten fressen die Margen der Betriebe auf." - © IV Tirol / Frischauf

Lohnkosten und Sozialpartnerschaft im Fokus

Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Österreich leidet zusätzlich unter massiven Nachteilen bei zentralen Standortfaktoren. Während hierzulande noch debattiert wird, handelt Deutschland bereits, so formuliert es Kloger. Dort senkt ein Paket über 29,5 Milliarden Euro 2026 die Stromkosten für deutsche Unternehmen erheblich. Der entscheidende Mechanismus: Die Bundesregierung finanziert Energiewende und Netzausbau aus dem Staatsbudget.
 

„In Deutschland zahlt der Finanzminister den Ökostrom-Ausbau, in Österreich zahlen ihn die Betriebe über die Stromrechnung. Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung", so Kloger. "Wir fordern Waffengleichheit bei den Systemkosten: Wenn der Nachbar fast 30 Milliarden Euro mobilisiert, um seine Industrie zu entlasten, kann Österreich nicht tatenlos zusehen."

Bürokratieabbau Österreich: 15 Milliarden Euro jährlich in Verwaltung verbrannt

Neben internationalen Wettbewerbsnachteilen würden selbstverschuldete Hemmnisse den Wirtschaftsstandort Tirol zusätzlich schwächen. Österreich leiste sich mit Bürokratiekosten von bis zu 15 Milliarden Euro pro Jahr einen der kostspieligsten Verwaltungsapparate in ganz Europa.

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„Jeder Euro, den wir in überlangen Verfahren verbrennen, fehlt uns für Forschung und Innovation", kritisiert Kloger. 

Eine Möglichkeit für den Bürokratieabbau sieht der Präsident der Industriellenvereinigung Tirol im Tirol Konvent. „Maßnahmen wie die digitale Verfahrensplattform sind wichtige Schritte, um endlich Tempo in die Genehmigungen zu bringen. Doch digitale Tools allein reichen nicht: Die Modernisierung der Verwaltung wird nur erfolgreich sein, wenn sich parallel dazu das Amtsverständnis ändert. Wir brauchen Behörden, die Projekte ermöglichen wollen, statt sie nur zu verwalten."

Produktivität österreichische Industrie steigern: Automatisierung als einziger Ausweg

Umso wichtiger sei es, jetzt den Produktivitäts-Turbo zu zünden: "Nur wenn wir die Wertschöpfung durch Automatisierung und Digitalisierung massiv steigern, bleibt der Standort attraktiv und finanzierbar."
 

Neue Wachstumschancen sieht Kloger auf zwei Ebenen: 

  • Global durch die Erschließung neuer Absatzmärkte – Stichwort Mercosur-Abkommen
  • Regional direkt vor der Haustür: Beim Nachbarn Deutschland startet eine doppelte Investitionswelle: Einerseits durch das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr, andererseits durch den enormen Sanierungsbedarf bei der Deutschen Bahn sowie den Ausbau der Stromnetze.

Tiroler Unternehmen würden über das erforderliche Know-how verfügen, um hier zu profitieren. Kloger fordert jedoch strategischen Weitblick: „Damit wir dieses Potenzial voll ausschöpfen können, brauchen wir moderne Rahmenbedingungen, die uns als verlässlichen Partner in europäischen Lieferketten positionieren. Nutzen wir unsere geographische Nähe und technologische Exzellenz."

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