Digitale Souveränität : Digitale Souveränität: Tiroler Unternehmen müssen diese Schritte befolgen | Österreich Digitalisierung

Person liest auf Tablet Bericht über digitale Souveränität in Tirol

Die im Auftrag der Standortagentur Tirol kürzlich veröffentlichte und durch die Landesinitiative digital.tirol finanzierte Studie zur digitalen Souveränität liefert einen umfassenden Einblick in die digitale Realität der Tiroler Wirtschaft.

- © Standortagentur Tirol

Tiroler Betriebe kämpfen im digitalen Wettbewerb mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig. Einerseits belasten hohe Ausgaben und komplexe IT-Systeme die Budgets, andererseits macht die Abhängigkeit von internationalen Technologiekonzernen vielen Unternehmen zu schaffen.

Dabei liegen in digitalen Lösungen erhebliche Potenziale: Sie können die IT-Sicherheit erhöhen, Abläufe effizienter gestalten und die Eigenständigkeit stärken. Eine aktuelle Untersuchung der Standortagentur Tirol analysiert, wo die Wirtschaft in der Region aktuell steht – und welche Maßnahmen jetzt helfen, um Datensouveränität zu gewährleisten, Ausgaben besser zu kalkulieren und die Innovationskraft auszubauen.

Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Westen Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!

Was digitale Souveränität für Unternehmen bedeutet

Wenn Betriebe ihre IT-Systeme, Informationen und Arbeitsabläufe eigenverantwortlich steuern und überwachen können, spricht man von digitaler Souveränität. Sie treffen selbstständig Entscheidungen über eingesetzte Technologien, Dienstleister und Plattformen – orientiert an eigenen Zielen und Schwerpunkten. 

Das verbessert die Sicherheit und Nachvollziehbarkeit, fördert die regionale Innovationskraft und bringt für BürgerInnen, Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen konkrete Vorteile im täglichen Betrieb.


„Digitale Souveränität ist Tirols Versicherung für die Zukunft: Sie schützt Daten, hält Wertschöpfung im Land und sichert Arbeitsplätze. Deshalb schaffen wir Rahmenbedingungen, damit sich Tirols Betriebe auf europäische Lösungen verlassen können, anstatt von außereuropäischen Angeboten abhängig zu sein", sagt Landeshauptmann Anton Mattle

Landesrat für Wirtschaft, Tourismus und Digitalisierung Mario Gerber ergänzt: „Tiroler Unternehmen, die ihre Daten und Systeme souverän managen, treffen Entscheidungen schneller, handeln sicherer und arbeiten kosteneffizienter. Durch gezielte Digitalisierung und den Einsatz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz können Prozesse vereinfacht und Bürokratie spürbar reduziert werden."

Digitalisierung Tirol: Studie untersucht Stand der regionalen Wirtschaft

Brimatech Services hat im Auftrag der Standortagentur Tirol eine umfassende Analyse erstellt, finanziert durch die Landesinitiative digital.tirol. Die Bestandsaufnahme zeigt:

Bereits realisiert haben Tiroler Betriebe hauptsächlich Maßnahmen zum Datenschutz und zur IT-Sicherheit (74 %), die Nutzung lokaler Software (53 %) und gezielte Schulungen für MitarbeiterInnen (44 %). 

Den höchsten Nutzen sehen die Betriebe beim Schutz vertraulicher Informationen und bei der Kontrolle der IT-Infrastruktur (jeweils 71 %). Danach folgt die Reduktion von Cyberrisiken (58 %).

Österreich Digitalisierung: Aufholbedarf bei Cloud und KI

Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt Österreich bei der Cloud-Nutzung mit 35,6 % der Unternehmen hinter dem europäischen Durchschnitt (38,9 %). Die digitale Verwaltung schneidet hingegen positiv ab. 

„Gerade bei Künstlicher Intelligenz und Data Analytics besteht Aufholbedarf – das sind Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit", sagt Franz Unterluggauer, Clustermanager für Informationstechnologien. 

Auch Zahlen der Statistik Austria verdeutlichen den Handlungsbedarf. Lediglich 5,2 % der Tiroler Betriebe erreichen eine sehr hohe Digitalisierungsintensität (Rang 8 österreichweit). Gleichzeitig beträgt der Anteil digital gut aufgestellter KMU 31,1 % (Rang 3). 

Die Standortagentur Tirol bietet den Betrieben konkrete Unterstützung: „Cybersicherheit und digitale Souveränität sind zentrale Standortthemen in Europa. Darauf antworten wir als Innovationsagentur des Landes mit konkreter Umsetzung: Über digital.tirol, den datahub.tirol und den Cluster Informationstechnologien Tirol stärken wir Kompetenzen, vernetzen Unternehmen und Forschung und bringen souveräne Lösungen ‚made in Tirol' in die Anwendung", so Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol.

Datenökosysteme und KI: Basis für digitale Unabhängigkeit

Digitale Souveränität setzt Datensouveränität und einen verantwortungsbewussten KI-Einsatz voraus. 

Mit der Initiative digital.tirol unterstützt das Land Tirol den Aufbau einer Digitalisierungsplattform, aus der Projekte wie datahub.tirol hervorgegangen sind – ein vernetztes Datenökosystem, das Innovation, Kooperation und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft vorantreibt.

Vier zentrale Handlungsfelder für mehr IT-Souveränität

Die aktuelle Studie identifiziert vier wesentliche Bereiche, in denen Wirtschaft und öffentliche Hand gemeinsam aktiv werden sollten:
 

  1. Bewusstsein und Sichtbarkeit für digitale Souveränität schaffen
  2. Digitale Selbstbestimmung in Betrieben ausbauen
  3. Dezentrale digitale Infrastruktur und technologische Resilienz erweitern
  4. Finanzielle Impulse für souveräne digitale Innovation bereitstellen

Praktische Schritte für Betriebe zur Stärkung der Datenhoheit

Für Unternehmen ergeben sich daraus folgende direkt umsetzbare Maßnahmen:
 

  • Daten und Infrastruktur eigenständig verwalten: vertrauliche Informationen lokal ablegen, hybride Cloud-Strategien implementieren, Monitoring und Verschlüsselung erweitern.

     

  • Rechtliche Absicherung gewährleisten: IT-Partner mit EU-Sitz auswählen, transparente Lizenzen einsetzen, DSGVO-Konformität kontinuierlich überprüfen.

     

  • Kompetenzen aufbauen: regionale Initiativen wie digital.tirol und den Digital Innovation Hub West für Schulungen und Beratung nutzen.

     

  • Unabhängigkeit sicherstellen: offene Standards und Schnittstellen verwenden, Lock-in-Effekte verhindern, modular skalieren.

     

  • Innovation fördern: vertrauenswürdige KI- und Analytics-Lösungen zur Automatisierung nutzen, Kooperationen mit regionalen IT-Anbietern und Hochschulen sowie Datenökosysteme einbinden.

🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?

Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden!