AI Act EU : AI Act Österreich: Was Unternehmen immer noch unterschätzen
Inhalt
- Technologischer Fortschritt überholt rechtliche Absicherung
- EU AI Act macht Mitarbeiterqualifizierung unverzichtbar
- KI Compliance geht über AI Act hinaus
- KI kann gelernt werden
- Digitalisierung verliert an Bedeutung für den Mittelstand
- Microsoft eröffnet AI Innovation Factory in Wien
- Regulierungsfragen bleiben eine Herausforderung
Seit dem 1. Februar 2025 verpflichtet der EU AI Act Unternehmen dazu, den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) nachzuweisen.
- © Adobe stock/GorodenkoffSeit dem 1. Februar 2025 verpflichtet der EU AI Act Unternehmen dazu, den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) nachzuweisen.
Erstmalig gelten einheitliche Vorschriften für Europa. Auch österreichische Betriebe stehen vor konkreten Aufgaben: KI-Systeme überprüfen, interne Regelwerke entwickeln und Personal entsprechend weiterbilden. Das betrifft nicht nur große Konzerne, sondern auch den Mittelstand.
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Eurostat-Erhebungen von 2024 verdeutlichen hier aber einen dringenden Handlungsbedarf: Kontinentweit verwendeten lediglich 13,5 Prozent sämtlicher Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten KI-Technologie – ein Zuwachs von 5,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.
Österreich positioniert sich überdurchschnittlich stark: 20,3 Prozent der heimischen Unternehmen setzten 2024 bereits auf Künstliche Intelligenz, nahezu eine Verdoppelung gegenüber 2023 mit damals 10,8 Prozent.
Besonders häufig kommt KI bei Textanalyse, Spracherkennung, automatischer Text- und Sprachproduktion, Bilderkennung und Bildbearbeitung, maschinellem Lernen zur Datenauswertung sowie bei der Automatisierung von Workflows und Entscheidungsabläufen zum Einsatz.
Technologischer Fortschritt überholt rechtliche Absicherung
Die praktische Anwendung nimmt rasant zu, dennoch bleibt die juristische und strukturelle Absicherung oftmals zurück. Zahlreiche Organisationen integrieren KI-Lösungen bereits routinemäßig, allerdings fehlen begleitende Qualifizierungsmaßnahmen – was rechtliche Gefahren im operativen Alltag schafft.
Genau an diesem Punkt greift die neue EU-Verordnung. Firmen dürfen Künstliche Intelligenz nicht einfach einsetzen – sie müssen auch belegen, dass ihre Beschäftigten sachkundig und regelgerecht damit arbeiten.
Lesen Sie auch hier: KI in der Vermögensverwaltung: Wachstum, Innovationen und neue EU-Vorgaben
EU AI Act macht Mitarbeiterqualifizierung unverzichtbar
„Der AI Act verpflichtet Betriebe nicht ausschließlich zur technischen Kontrolle ihrer Systeme, sondern insbesondere zur systematischen Weiterbildung der Belegschaft. Wer an dieser Stelle spart, geht das Risiko von Fehlern, Regelverstößen und empfindlichen Sanktionen ein", sagt Michael Zeppelzauer vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen LeitnerLeitner.
Schulungsmaßnahmen alleine genügen laut LeitnerLeitner nicht. Organisationen würden dauerhaft funktionierende Strukturen und Abläufe benötigen, die den sicheren KI-Einsatz kontinuierlich gewährleisten.
KI Compliance geht über AI Act hinaus
„Der AI Act Österreich stellt einen wichtigen Meilenstein dar, repräsentiert aber nur einen Ausschnitt des Gesamtrahmens. Datenschutzbestimmungen, urheberrechtliche Fragen und Haftungsthemen müssen ebenso Berücksichtigung finden", sagt Simone Tober, Rechtsanwältin und Spezialistin für IT- und Datenschutzrecht bei LeitnerLaw.
„KI Compliance bedeutet folglich, rechtliche, organisatorische und wirtschaftliche Dimensionen in einer ganzheitlichen Strategie zu vereinen."
KI kann gelernt werden
Mit dem steigenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften gewinnt der KI-Lehrgang Tirol an Bedeutung, der März 2025 erstmals am Media Campus Tirol startete. Die Ausbildung, durchgeführt von APA-Campus, vermittelt praxisnahes KI-Wissen und führt zu einer ISO-Zertifizierung durch Austrian Standards.
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Barbara Herbst, Lehrgangsleiterin und Gründerin der KI-Beratungsfirma en.AI.ble, warnt: „Unternehmen suchen händeringend nach KI-Experten. KI-Kompetenz ist kein Nice-to-have mehr, sondern wird durch den EU AI Act zur Pflicht.“
Digitalisierung verliert an Bedeutung für den Mittelstand
Während der EU AI Act den Druck auf Unternehmen erhöht, zeigt eine EY-Studie von 2025, dass viele österreichische Mittelständler die Digitalisierung zunehmend unterschätzen. Während 2022 noch 80 % der Unternehmen digitale Technologien als zentral einstuften, liegt dieser Wert nun nur noch bei 64 %. Rund 36 % messen der Digitalisierung eine geringe oder gar keine Bedeutung bei.
Christoph Mayer, Partner bei EY Österreich, dazu: „Die Digitalisierung bietet enorme Chancen, stellt aber auch Herausforderungen dar. Unternehmen, die diesen Wandel nicht strategisch nutzen, laufen Gefahr, von digitalaffinen Wettbewerbern überholt zu werden.“
Microsoft eröffnet AI Innovation Factory in Wien
Um die KI-Transformation in Österreich voranzutreiben, hat Microsoft Österreich gemeinsam mit Partnern, darunter EY, die AI Innovation Factory in Wien eröffnet. Ziel ist es, Unternehmen – vom Start-up bis zum Großkonzern – bei der Implementierung von KI-Technologien zu unterstützen.
Laut EY setzen derzeit 26 % der Unternehmen in Österreich KI-Technologien ein, weitere 12 % planen die Einführung. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass 62 % der Unternehmen bisher keine konkreten KI-Strategien verfolgen.
Susanne Zach, Leiterin Data & AI bei EY Österreich: „Die Technologie etabliert sich, doch die breite Akzeptanz fehlt noch. Unternehmen müssen gezielt investieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Regulierungsfragen bleiben eine Herausforderung
Eine große Hürde bei der Implementierung von KI bleibt die mangelnde Auseinandersetzung mit regulatorischen Anforderungen. 88 % der Unternehmen, die KI nutzen, haben sich noch nicht intensiv mit den gesetzlichen Vorgaben beschäftigt.
Zudem sehen 59 % der Befragten Anpassungen in ihrer Organisation als notwendig, um den wachsenden regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Dennoch bleiben fast ein Drittel der Unternehmen (28 %) optimistisch und sehen keinen Bedarf für größere Anpassungen.
(LB/APA)
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