Industriestrategie Österreich : Neue Details zur Industriestrategie Österreich

Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS), Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) am Freitag, 16. Jänner 2026, anl. der PK des Wirtschaftsministeriums "Industriestrategie Österreich 2035" in Wien.

Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ), Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) präsentieren die "Industriestrategie Österreich 2035".

- © APA/HELMUT FOHRINGER

Was genau beinhaltet die neue Industriestrategie Österreich? Bisher wissen wir, dass folgendes kommen soll:

  • eine Novelle beim Versorgungssicherungsgesetz. Zentrale Neuerungen betreffen wohl Resilienzmaßnahmen zur Krisenvorsorge sowie den Ausbau öffentlicher Vorräte.

 

  • eine schrittweise Senkung der Lohnnebenkosten "im Ausmaß des FLAF, also 3,7 Prozentpunkte" (Familienlastenausgleichsfonds, Anm.) ab dieser Legislaturperiode. So formulierte es Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).

     

  • geförderter Industriestrompreis

     

  • Investitionen in Patentrecht und die Bahn

     

  • Forschungs-, Technologie- und Innovationspakt (FTI-Pakt)

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Unter anderem sieht die neue Industriestrategie eine Novelle beim Versorgungssicherungsgesetz vor.

- © APA/HELMUT FOHRINGER

Drei zentrale Neuerungen im Versorgungssicherungsgesetz

Die Koalition vereinbarte drei "zentrale Neuerungen", so Hattmannsdorfer. 

  1. Erstens sollen Resilienzmaßnahmen bereits präventiv gegen mögliche Krisen wirken. Dafür sind organisatorische, technische und strukturelle Vorbereitungen vorgesehen. 
  2. Zweitens wird der Datenzugriff bei EU-Erstimporten ermöglicht. Diese Informationen dürfen künftig an Forschungseinrichtungen weitergeleitet werden. 
  3. Drittens wurden Maßnahmen zur Absicherung öffentlicher Vorräte eingeplant. Private Marktteilnehmer werden dabei eingebunden und erhalten eine Kostenabgeltung.

Das überarbeitete Versorgungssicherungsgesetz zielt darauf ab, in Krisenzeiten die Notversorgung mit essenziellen Gütern für Industrie und Bevölkerung zu gewährleisten. Laut Hattmannsdorfer müssen auch stabile Lieferketten garantiert werden. 

Internationale Konflikte – etwa rund um Grönland, die Ukraine oder Taiwan – hätten unmittelbare Auswirkungen auf Schlüsseltechnologien. Rechtzeitiges Handeln sei notwendig, um die Versorgung zu sichern. Der Gesetzesentwurf geht nun in Begutachtung. Für die Beschlussfassung braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament.

FEEI befürwortet Industriestrategie

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie bewertet die neue Industriestrategie Österreich 2035 der Bundesregierung positiv. 

Mehrere geplante Schritte decken sich mit Forderungen, die der FEEI seit Jahren stellt: 

  • die Bevorzugung europäischer Produkte bei der öffentlichen Beschaffung
  • niedrigere Energiekosten
  • bessere Investitionsanreize 
  • und die Konzentration auf bestimmte Schlüsseltechnologien

"Was jetzt zählt, ist die entschlossene und rasche Umsetzung," sagt FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun.
 

Rund 300 Unternehmen mit 72.500 MitarbeiterInnen machen die Elektro- und Elektronikindustrie zu einem der bedeutendsten Industriezweige Österreichs. Zugleich kämpft die Branche seit Jahren mit hohen Energie- und Standortkosten, globalen Unsicherheiten und einem strukturellen Fachkräftemangel. 

So bewertete die Agenda Austria die neue Industriestrategie. Ökonom Kluge meint, Österreich solle nicht nur einzelne Branchen fördern, sondern brauche eine umfassende Standortstrategie, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Schlüsseltechnologien und Forschung als Basis der Industriepolitik Österreich

Moderne Industriepolitik baut auf Schlüsseltechnologien auf. Sie ermöglichen Innovation, sichern Wertschöpfung und stärken Österreichs sowie Europas technologische Souveränität. 

Neben Künstlicher Intelligenz, Robotik, Mobilitätstechnologien, Quantentechnologie, Photonik oder Weltraum- und Luftfahrttechnologien spielt die Mikroelektronik eine zentrale Rolle. 

Österreich verfügt hier über eine starke Ausgangsposition: leistungsfähige Unternehmen entlang der kompletten Wertschöpfungskette, enge europäische Vernetzung und exzellente Forschung. 

Zusätzlich zur angekündigten Schlüsseltechnologieoffensive fordert der Verband einen klaren Weg zur Erhöhung der F&E-Quote auf über 4 % bis 2030 und eine bessere Nutzung europäischer Forschungsmittel.

Lesen Sie hier über die Kritik der IV-Burgenland an der neuen Industriestrategie

Europe First Prinzip: Öffentliche Beschaffung als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit

Der FEEI bewertet die Verankerung des Europe First Prinzips in Förder- und Vergabeverfahren positiv. „Nur wenn öffentliche Aufträge und Förderinstrumente europäische Technologien klar bevorzugen, lassen sich Abhängigkeiten reduzieren, Wertschöpfungsketten in Europa stärken und technologische Souveränität sichern", so Hesoun. 

Gerade in Branchen wie Mikroelektronik, Bahnindustrie oder Umwelttechnologien, wo Österreich und Europa bereits heute stark positioniert sind, brauche es eine konsequente „Europe first"-Ausrichtung.

Lesen Sie etwa hier zur starken Industrie Oberösterreichs

Industriestrompreis: Planungssicherheit durch niedrigere Energiekosten Industrie

Die geplante Senkung des Industriestrompreises auf bis zu 5 Cent pro kWh ab 2027 bringt wichtige Entlastung und Planungssicherheit. 

Ebenso entscheidend seien der Ausbau erneuerbarer Energieträger und die Modernisierung des Energiesystems. Denn nur stabile und planbare Energiekosten würden Investitionen am Industriestandort Österreich sichern und Arbeitsplätze langfristig im Land halten.

Die gesamte Pressekonferenz zur Industriestrategie 2035

Fachkräftemangel bekämpfen: HTL-Reform und Rot-Weiß-Rot-Karte

Gut ausgebildete Fachkräfte bilden das Rückgrat einer starken Industrie. Die Industriestrategie setzt hier wichtige Akzente: 

  • neue Lehrberufe in Schlüsseltechnologie-Bereichen,
  • modernisierte HTL-Lehrpläne 
  • und Verbesserungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte 

sollen den steigenden Personalbedarf der High-Tech-Industrie künftig besser decken. 

Entscheidend wird die rasche Umsetzung dieser Maßnahmen und ihre enge Verknüpfung mit den technologischen Prioritäten der Strategie. Die Branche setzt bereits seit einigen Jahren gezielt auf die Gewinnung von Nachwuchskräften, etwa mit der Initiative #JoinTheFuture (zukunftserfinderinnen.at). 

„Damit wecken wir nicht nur Neugierde und Spaß an Technik, sondern zeigen auch, dass Arbeitskräfte in der Elektro- und Elektronikindustrie zur Sicherstellung kritischer Infrastruktur beitragen und maßgeblich an der Umsetzung wichtiger Innovationen beteiligt sind", sagt FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch.

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