Medizintechnik Österreich : Diagnosecodierung ist jetzt Pflicht: Herausforderungen für Medizinsoftware-Anbieter
Gerhard Stimac (PDG-Sprecher), Florian Schnurer (PDG-Leiter, FEEI)
- © PDG/APA-Fotoservice/ReitherSeit dem 1. Jänner 2026 müssen niedergelassene ÄrztInnen in Österreich Symptome und Krankheitsbilder verpflichtend codieren. Die digitale Übermittlung dieser Daten an die Sozialversicherungsträger startet ein halbes Jahr später, am 1. Juli 2026.
Die Plattform für Digitale Gesundheit kritisierte ursprünglich die kurze Einführungsphase. Nun wurde kurzfristig aber doch der "Aufschub" bis zum Sommer für die Datenübermittlung beschlossen.
Die Plattform ist ein Netzwerk österreichischer Medizinsoftware-Hersteller und ein Netzwerkpartner des FEEI.
Komplexer Systemeingriff statt einfaches Software-Update
Die automatisierte Diagnosecodierung bedeute weit mehr als ein simples Update bestehender Systeme.
„Die automatisierte Diagnosecodierung ist kein einfaches Software-Update, sondern ein tiefer Eingriff in bestehende Systeme und Arbeitsprozesse", sagt Plattform-Sprecher Gerhard Stimac. „Das stellt die Branche erneut vor erhebliche organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen."
Medizinsoftware-Branche fordert Planungssicherheit
Der niedergelassene Bereich zeichnet sich in Österreich durch große Unterschiede aus. Verschiedene Fachrichtungen, unterschiedlich große Ordinationen und heterogene IT-Infrastrukturen prägen die Landschaft.
Diese Vielfalt macht laut Plattform individuelle Softwarelösungen und maßgeschneiderte Implementierungen notwendig. Wenn Fristen kurzfristig geändert werden, müssten bereits getätigte Investitionen in Entwicklung, Implementierung, Schulung und Support länger vorfinanziert werden.
„Gerade für kleine und mittelständische Anbieter ist Planbarkeit keine Nebensache, sondern eine Grundvoraussetzung für nachhaltige Innovation, Qualität und Versorgungssicherheit", so Stimac.
Digitalisierung des Gesundheitswesens als strategischer Faktor
Durch die automatisierte Diagnosecodierung werden ärztliche Diagnosen in standardisierte, maschinenlesbare Gesundheitsdaten umgewandelt, ohne dass der Dokumentationsaufwand für die AnwenderInnen steigt. Diese Daten bilden künftig eine wichtige Basis für die strategische Versorgungsplanung und evidenzbasierte Steuerung des heimischen Gesundheitssystems.
Können digitale Technologien das Gesundheitssystem retten?
„Diagnose- und Leistungscodierung ermöglichen frühzeitige Analysen von Kapazitätsbedarfen, Versorgungslagen und -trends, etwa bei saisonalen Erkrankungen oder in Krisensituationen wie Epidemien", erklärt Florian Schnurer, Leiter der Plattform für Digitale Gesundheit.
Dies stärke die Reaktions- und Handlungsfähigkeit des österreichischen Gesundheitswesens nachhaltig.
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