Grönland Deal : Das will Trump wirklich
Die europäischen NATO Partner erzielen Rahmenabkommen mit US-Präsident Donald Trump in der Grünlandefrage.
- © Evan Vucci/dpaUS-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben ein Rahmenabkommen über die Zukunft Grönlands erzielt – mit unmittelbaren Folgen für den transatlantischen Handel. Die für den 1. Februar geplanten neuen US-Zölle würden vorerst nicht erhoben, schrieb Trump am Mittwoch auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social.
Die Einigung sei bei einem „produktiven Treffen“ mit Mark Rutte, dem Generalsekretär der NATO, zustande gekommen und betreffe Grönland ebenso wie die gesamte Arktis. Details nannte der US-Präsident nicht. Gegenüber CNBC sprach Trump von einer „etwas komplexen“ Übereinkunft, die „für die Ewigkeit“ gedacht sei. Konkretes solle später folgen.
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Vier Punkte: Das ist Trumps geheimer Grönland-Deal
Nach Informationen der „Welt“, die sich auf Kreise innerhalb der NATO beruft, ruht der sogenannte Grönland-Deal auf vier zentralen Eckpfeilern:
Erstens sollen sämtliche angedrohten US-Strafzölle gegen europäische Partner vollständig zurückgenommen werden. Ursprünglich hatte Trump angekündigt, ab 1. Februar Zölle von zehn Prozent und ab 1. Juni sogar von 25 Prozent auf alle Warenimporte in die USA zu erheben. Derzeit gilt für die meisten EU-Exporte ein Zollsatz von 15 Prozent.
Zweitens erhält Trump grünes Licht für sein sicherheitspolitisches Prestigeprojekt, den Bau der Raketenabwehranlage „Golden Dome“. In diesem Zusammenhang soll auch das Stationierungsabkommen von 1951 neu verhandelt werden, das die militärische Präsenz der USA in Grönland regelt.
Drittens würden die Europäer den USA ein Mitspracherecht bei Investitionen auf der Insel einräumen. Washington bekäme demnach ein Vetorecht, falls Staaten außerhalb der NATO – etwa China oder Russland – versuchen sollten, in Grönland Rohstoffe zu fördern oder strategisch wichtige Infrastruktur zu erwerben.
Viertens verpflichten sich die europäischen NATO-Staaten zu einem deutlich stärkeren sicherheitspolitischen Engagement in der Arktis. Damit würde eine langjährige Forderung der USA nach mehr europäischer Verantwortung in der Region aufgegriffen.
EU berät weiter – trotz Entspannung
Ungeachtet der angekündigten Zollpause soll der für Donnerstag angesetzte EU-Sondergipfel in Brüssel stattfinden. Dort wollen die Staats- und Regierungschefs über den grundsätzlichen Umgang mit Trumps Handelspolitik beraten. Eine Sprecherin von Ratspräsident António Costa bestätigte, dass das Treffen nicht abgesagt werde.
Zuvor hatte Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos erneut sofortige Verhandlungen über den Erwerb Grönlands gefordert. Die arktische Insel liege an einem strategisch wichtigen Ort und sei unzureichend verteidigt, argumentierte der US-Präsident. Militärische Gewalt schloss er zwar aus, blieb in der Sache jedoch offensiv.
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen wies entsprechende Überlegungen am Mittwochabend zurück. Zugleich zeigte er sich erleichtert über Trumps Ankündigung, den Handelsstreit vorerst zu beenden. „Der Tag endet besser, als er begonnen hat“, sagte Rasmussen. Wichtig sei, dass jede Lösung die Interessen der Menschen in Grönland respektiere. Dänemark sei jedoch bereit, auf sicherheitspolitische Bedenken der USA einzugehen.
Donald Trump verfolgt immer eine "Open Extrem"-Verhandlungstaktik. Die Europäer haben ihn diesmal durchschaut.Stefan Rothbart - Chefredakteur WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN
Einordnung: Bekanntes Muster, neue Verpackung
Inhaltlich entspricht das nun kolportierte Abkommen weitgehend dem, was die WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN bereits vor einem Jahr analysiert hatten, als die Grönland-Debatte erstmals eskalierte. Schon damals zeichnete sich ab, dass Trump weniger an einem tatsächlichen Erwerb der Insel interessiert ist als an strategischen Zugeständnissen.
Grönland gehört zwar nominell zum Königreich Dänemark, verfügt aber über weitgehende Autonomie und ist weder Teil der EU noch des Schengen-Raums. Damit greift auch die militärische Beistandsklausel der EU formal nicht. Zugleich ist die größte Insel der Welt aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen und ihrer Lage im hohen Norden von enormer geopolitischer Bedeutung. Die militärische Absicherung durch Dänemark gilt seit Jahren als unzureichend – ein Umstand, den auch europäische NATO-Partner regelmäßig kritisieren.
Trump agiert dabei als klassischer Deal-Maker mit der Strategie des „Open Extrem“: Er eröffnet Verhandlungen mit maximalen, teils provokanten Forderungen, um Bewegung auf der Gegenseite zu erzwingen. Der Besitz Grönlands selbst wäre für die USA teuer und politisch kompliziert. Entscheidend sind für Washington vielmehr mehr europäische Sicherheitsverantwortung und ein freierer Zugang für amerikanische Rohstoffunternehmen.
Europa scheint diese Logik inzwischen zu durchschauen. Dänemark hat seine militärischen Investitionen in der Arktis bereits deutlich erhöht, und innerhalb der EU ist eine seltene Geschlossenheit zu beobachten. Der nun skizzierte Grönland-Deal passt genau in dieses Bild: weniger Symbolpolitik, mehr harte sicherheits- und wirtschaftspolitische Interessen – verpackt in eine große Ankündigung.
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