Sekundärrohstoffe : Abfallwirtschaft neu denken: 9 Milliarden Euro für Müll
Compag-Geschäftsführer Franz Gumpinger, Martina Rössl und Paul Schwaigerlehner
- © Brantner green solutionsIndustrieabfälle stehen selten im Mittelpunkt. Dennoch fallen sie überall dort an, wo die Industrie in großem Umfang produziert.
Stoffe wie Metallstaub gelten auf den ersten Blick als Umweltproblem. Bei näherer Analyse zeigt sich jedoch: Viele solcher Materialien sind echte Rohstoffquellen, die sich ressourcenschonend aufbereiten und in neuen Anwendungen weiterverwenden lassen.
Das Kremser Kreislaufwirtschaftsunternehmen Brantner Green Solutions hat dieses ökologische und wirtschaftliche Potenzial erkannt. Das Unternehmen entwickelt Verfahren, mit denen sich industrielle Nebenprodukte ressourcenschonend in bestehende Rohstoffkreisläufe zurückführen lassen. Federführend ist dabei die Tochtergesellschaft Compag, die auf über 25 Jahre Erfahrung in der Verwertung von Industrieabfällen zurückblickt.
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"Viele dieser Stoffe verfügen über Eigenschaften, die sie für ganz andere Anwendungen äußerst wertvoll machen. Unsere Aufgabe ist es daraus neue Rohstoffkreisläufe zu entwickeln, die Ressourcen schonen und gleichzeitig wirtschaftlichen Mehrwert für unsere Kunden schaffen", erklärt Franz Gumpinger, Geschäftsführer von Compag. Das Tochterunternehmen von Brantner ist seit 25 Jahren in der Verwertung von Industrieabfällen tätig.
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Wie viel Müll hat Österreich, wie viel ist er wert?
Die österreichische Abfall- und Ressourcenwirtschaft sammelt, sortiert und verwertet jedes Jahr rund 74 Millionen Tonnen Abfall in 3.500 Anlagen.
Die Branche wächst überdurchschnittlich – im 10-Jahres-Vergleich sind die Umsatzerlöse um 80 Prozent gestiegen. Insgesamt löste die österreichische Abfallwirtschaft im Jahr 2024 eine Wirtschaftsleistung von knapp 20 Mrd. Euro aus.
Rund 34 Prozent des gesamten Abfalls werden recycelt. Bei Siedlungs- bzw. Haushaltsabfällen verzeichnet die österreichische Branche im europäischen Vergleich mit 62 Prozent sogar die zweithöchste Recyclingquote.
Im Jahr 2022 wurden allein durch Recycling knapp 20 Mio. Tonnen Sekundärrohstoffe in den Produktionskreislauf rückgeführt. 2024 wurden 600 Millionen Euro investiert, vor allem in neue Recyclinganlagen.
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Die Abfall- und Ressourcenwirtschaft ist der Sektor mit dem größten Rückgang an Treibhausgasemissionen.
Industrieabfälle als Sekundärrohstoffe: Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen
Konkrete Anwendungsfälle aus verschiedenen Branchen verdeutlichen das Verwertungspotenzial solcher Industrieabfälle.
In einem Produktionsbetrieb für Zuschlagstoffe für metallische Speziallegierungen entstehen große Mengen feiner Stäube. Moderne Filteranlagen verhindern, dass diese Partikel in die Umwelt gelangen. Stattdessen sammelt und verwertet Brantner Green Solutions sie gezielt weiter: Ihre besonderen Eigenschaften machen sie zu einem gefragten Zusatzstoff für Hochleistungsbeton – und tragen dazu bei, Tragwerke wie Brücken widerstandsfähiger und langlebiger zu machen.
In der Lebensmittelproduktion entstehen ebenfalls nutzbare Nebenprodukte. Bei der Speiseölherstellung fallen beispielsweise große Mengen Sonnenblumenschalen an. Als Biomasse lassen sich diese thermisch verwerten und dienen so als Brennstoff für Fernwärme und Stromerzeugung. Die dabei anfallende Asche eignet sich anschließend als Dünger für landwirtschaftliche Flächen. Zusätzlich können die Schalen in der Tierhaltung als Einstreu eingesetzt werden.
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Auch aus der Genussmittelproduktion lassen sich wertvolle Nebenströme gewinnen. Bei der Grappa-Herstellung – ein in Österreich und Italien etabliertes Produkt – entstehen Rückstände, die sich für die Produktion von Blumen- und Gemüsedüngern eignen.
Wie die Abfallwirtschaft digitalisiert werden kann – und muss
Kapazitäten für 210 Millionen Tonnen Abfall
Rund 3000 Unternehmen mit Anlagenkapazitäten von mehr als 210 Mio. Tonnen sorgen für eine funktionierende Abfallwirtschaft in Österreich. Alexandra Loidl, Präsidentin der Vereinigung Öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe (VÖA), sieht den Erfolgsgrund in der Zusammenarbeit zwischen kommunalen und privaten Betrieben.
"Mehr als 30.000 Beschäftigte in klimarelevanten Green Jobs sorgen dafür, dass Hausmüll sowie Gewerbe- und Industrieabfall sachgemäß gesammelt und bestmöglich recycelt werden“, so Loidl.
Die meisten Betriebe befinden sich in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark. 87 Prozent der Wirtschaftskraft des Sektors liegt in der Abfallbehandlung.
Kreislaufwirtschaft als Beitrag zum Klimaschutz
Als zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft kommt der Branche eine wesentliche Verantwortung zu: Rohstoffe sollen so lange wie möglich im Kreislauf gehalten und die Recyclingziele des Green Deals erreicht werden.
Insgesamt werden 62 Prozent aller in Österreich anfallenden Siedlungsabfälle recycelt. Besonders hohe Recyclingraten gibt es bei Metall-, Papier- und Glasabfällen.
Durch den Einsatz dieser Sekundärmaterialien werden Treibhausgasemissionen deutlich reduziert. Weiters verringerte sich seit 1990 der CO2-Ausstoß der Branche von 4,6 auf 2,3 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente – ein Rückgang von 50 Prozent.
Damit ist die Abfall- und Ressourcenwirtschaft der Sektor mit dem größten Rückgang an Treibhausgasemissionen.
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Fakten-Box
Wussten Sie, dass …
- die Abfall- und Ressourcenwirtschaft jener Sektor mit dem größten Rückgang an Treibhausgasemissionen ist
- Österreich mit 62 Prozent die zweithöchste Recyclingquote in Europa hat
- 2024 über 600 Millionen Euro in neue Recyclinganlagen investiert wurden
- In Österreich rund 3.000 Unternehmen mehr als 30.000 Mitarbeiter in der Abfallwirtschaft beschäftigen.
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