Wälder Österreich : Sind Wälder immer noch Österreichs Wohlstandsquelle?
Inhalt
- Holzcluster Kuchl: Vernetztes Ökosystem der Holzwirtschaft Österreich
- Holzbau Österreich: Öffentliche Gebäude setzen auf Holz
- Energieholz in Österreich: Tradition mit ökologischen Grenzen
- Holzverwertung: Für und Wider
- Wälder Österreich im Klimawandel: Dringender Umbau gefragt
- Schutzwald in Österreich: Unverzichtbare Barriere im Alpenraum
Österreichweit sind rund 42 Prozent der Waldfläche als Schutzwald eingestuft.
- © RaabklammHolz zählt in Österreich zu den bedeutendsten Rohstoffen – wirtschaftlich wie ökologisch.
Salzburg nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Rund 52 Prozent der gesamten Landesfläche sind mit Wald bedeckt, was ordentlich über dem Bundesdurchschnitt von knapp 48 Prozent liegt.
Nach der Steiermark und Kärnten hat Salzburg den größten Waldanteil. Holz gilt dort als zentraler Wirtschafts- und Energieträger. Die Forst- und Holzbranche erwirtschaftet im Bundesland einen Produktionswert beziehungsweise eine Wertschöpfung von rund 1,6 Milliarden Euro und sichert je nach Abgrenzung etwa 12.000 bis über 20.000 Menschen ein Einkommen.
In den Bezirken Zell am See (Pinzgau), St. Johann (Pongau) und Tamsweg (Lungau) – dem sogenannten Innergebirg – sind etwa elf Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt in der Holzwirtschaft beschäftigt. In der produzierenden Wirtschaft ohne Dienstleistungssektor stellt die Branche sogar 26 Prozent der Erwerbstätigen.
Entlang der Wertschöpfungskette Wald, Sägewerke, Holzbau, Möbel, Papier, Biomasse sind in Salzburg mehr als 1.200 Unternehmen involviert. Die Branche stärkt durch hohe Exportanteile die Handelsbilanz. Eine aktuelle Studie weist aus, dass die Branche rund 550 bis 576 Millionen Euro an jährlichen Steuereinnahmen lukriert und deshalb als Wohlstandsquelle gilt.
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Holzcluster Kuchl: Vernetztes Ökosystem der Holzwirtschaft Österreich
Der Holzcluster Kuchl ist das tragende Fundament für den Ausbau der Holzwirtschaft im Bundesland. Ihm gehören Unternehmen aus verschiedenen Teilbereichen an, die eng miteinander verzahnt sind.
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Am Beginn der Kette steht die Forstwirtschaft: Rund 12.000 WaldbesitzerInnen liefern den Rohstoff. Es schließt die Sägeindustrie an, die für die Erstverarbeitung des Rundholzes zu Schnittware zuständig ist – über 70 Prozent davon fließen in den Export. Zimmereien und Tischlereien produzieren im Bereich Holzbau und Handwerk Halbfertig- und Fertigprodukte für den Bau- und Einrichtungssektor. Die Platten- und Papierindustrie ist für die stoffliche Verwertung von Restholz zuständig und stellt etwa Spanplatten und Zellstoff her.
Als Schaltzentrale des Holzclusters Kuchl agiert der Verein proHolz Salzburg, der den Holzeinsatz im Bundesland steigern und die regionale Wirtschaft nachhaltig stärken will.
In der Selbstbeschreibung heißt es: „Drei wesentliche Pfeiler definieren unsere Arbeit: die Holzbaufachberatung, die Holzinformation und die Öffentlichkeitsarbeit rund um den Wald und den regionalen Baustoff Holz."
Holzbau Österreich: Öffentliche Gebäude setzen auf Holz
Zu den Kernaufgaben von proHolz gehört es, Kooperationen zwischen Unternehmen regional, grenz- und branchenüberschreitend zu fördern, Betriebe zu vernetzen sowie Kompetenzen zu bündeln und praxisnahe Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu begleiten.
„Dabei liegt unser Fokus auf Innovation, Technologietransfer und kontinuierlichem Wissenstransfer – etwa durch fachspezifische Veranstaltungen, Qualifizierungsinitiativen oder maßgeschneiderte Workshops", heißt es von proHolz.
Trends zu erkennen, Märkte zu beobachten und Unternehmen bei neuen Perspektiven zu begleiten, gilt dabei als zentrale Aufgabe.
Rund drei Viertel der in Salzburg geernteten Bäume fließen in Holzprodukte oder kommen als Baustoff zum Einsatz. Damit landet mittlerweile ein großer Teil der Ressource Holz in einer langlebigen Nutzung statt im Ofen. Neben Privathäusern und Hotels entstehen auch öffentliche Gebäude wie Kindergärten, Schulen, Gemeindehäuser und Verwaltungsgebäude zunehmend in Holzbauweise.
Im neuen Landesdienstleistungszentrum (LDZ) beim Salzburger Hauptbahnhof, das in Holz-Beton-Hybrid-Bauweise errichtet wurde und Anfang 2027 in Betrieb gehen wird, wurden rund 1.000 Kubikmeter Holz verbaut.
Und jeder Kubikmeter verbautes Holz speichert im Durchschnitt etwa eine Tonne Kohlenstoff. Als langfristiger CO₂-Speicher ersetzt der Baustoff energieintensive Materialien wie Stahl oder Beton. BranchenvertreterInnen sprechen bereits von einer Wende zum Holzbau – als ökologische Notwendigkeit und wirtschaftliche Chance zugleich, eine kreislauffähige, ressourcenschonende Bauweise zu etablieren.
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Mia Flieher von der Projektleitung des Landes machte bei einem Pressetermin deutlich, dass es für die Fertigstellung der Fassade von Vorteil war, die im Holzbau vorgefertigten Fassadenelemente schnell einsetzen zu können:
„Ein hoher Vorfertigungsgrad erlaubt eine kürzere Bauzeit und spart Kosten. So können zum Beispiel Ersatzquartiere schneller wieder abgemietet werden. Der Bauplatz im Zentrum nahe dem Bahnhof ist knapp und lässt wenig Manipulationsspielraum zu. Auch hierfür ist ein hoher Grad an Vorfertigung von immensem Vorteil. Holz generell beziehungsweise die Holzhybrid-Bauweise für die Realisierung des Landesdienstleitungszentrums eignet sich für Vorfertigung optimal", so Flieher.
Holz sorgt zudem für Behaglichkeit, wie Musterbüros auf der Baustelle demonstrierten. Sichtbare Holzbalken und Stützen, Raumtrennwände und akustikverbessernde Elemente setzen durchgängig auf den Naturbaustoff. „In den öffentlichen Bereichen, Beratungsstellen, Konferenzzonen und im Kindergarten wird im Ausbau so viel Holz wie möglich verwendet. Eine moderne Arbeitswelt mit sichtbarer und spürbarer Holzkonstruktion erscheint uns zeitgemäß", so Flieher.
Energieholz in Österreich: Tradition mit ökologischen Grenzen
Die anhaltend angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten, die den Transport von Öl und Gas massiv beeinträchtigt, rückt Holz als Brennstoff erneut in den Vordergrund. Geringe Kosten, regionale Wertschöpfung, zusätzliche Arbeitsplätze, Unabhängigkeit von Energieimporten und die Stärkung der heimischen Land- und Forstwirtschaft sprechen dafür.
Im ländlichen Salzburg hat Energieholz außerdem eine große Tradition und nach wie vor auch eine entsprechende Bedeutung, was sich direkt auf die historischen Holzbezugsrechte zurückführen lässt. Sie sichern 6.000 Berechtigten den Zugang zu Brenn- und Nutzholz, dienen als Einkommensquelle und ermöglichen seit Generationen eine CO₂-arme Beheizung mit regionalem Holz.
Aktuellen Schätzungen zufolge existieren etwa 6.000 Holzbezugsrechte, die in Summe zu einem jährlichen Bezug von etwa 160.000 Raummetern Brennholz und 60.000 Festmetern Nutzholz berechtigen. Zur Einordnung: Im Bundesland Salzburg werden rund 9.000 landwirtschaftliche Betriebe gezählt.
Holzverwertung: Für und Wider
Umweltorganisationen wie Greenpeace stehen der Holzverbrennung skeptisch gegenüber. Ein großflächiger Ersatz fossiler Brennstoffe durch Holz könne die Klimakrise nicht bremsen und schade dem Klima „mehrfach". Bei der Verbrennung wird CO₂ freigesetzt, Bäume leisten keine weitere Kohlenstoffbindung, und ein stark steigender Brennholzverbrauch setzt Waldökosysteme unter Druck – zusätzlich zu Hitze, Dürre und Schädlingen.
Studien zur Holzbiomasse mahnen, dass eine intensive energetische Nutzung schnell an ökologische Grenzen stößt, und fordern Regulierungen sowie eine Fokussierung auf hochwertige stoffliche Nutzung.
Gefordert wird unter anderem, dass Energie aus Holzverbrennung nicht mehr automatisch als erneuerbar gefördert, sondern nach tatsächlichen Emissionen bepreist wird, während emissionsärmere erneuerbare Quellen stärker gefördert werden sollen.
Wälder Österreich im Klimawandel: Dringender Umbau gefragt
Der Spagat zwischen ökologisch verträglicher und wirtschaftlich sinnvoller Holznutzung ist die eine Herausforderung. Noch gewichtiger ist der Waldumbau, den der Klimawandel unausweichlich macht. Dabei rückt auch die Kreislaufwirtschaft in den Blick: Wie lässt sich die Nutzung von Reststoffen der Ressource Holz verbessern, und wie können Stoffströme in der Verwertung neu gedacht werden?
„Holz ist für Salzburg kein romantischer Rohstoff, sondern ein hochmoderner Wirtschaftssektor, der Wertschöpfung, Klima und regionale Identität zusammenbringt", bringt es Martin Winkler, Geschäftsführer von proHolz Salzburg auf den Punkt.
Die gesamtösterreichische Lage zeigt: Die Wälder in Österreich verlieren als CO2-Senker an Kraft. Die Zeiten, als sie noch als stabiler Treibhausgas-Senker galten und die Klimabilanz um rund fünf Millionen Tonnen CO2 reduzierten, sind längst vorbei.
Greenpeace fordert mehr Schutzwälder, einen Stopp des Kahlschlags und ein Ende des Boykotts gegen die EU-Entwaldungsversorgung. Die Holzwirtschaft setzt auf eine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Bestände verjüngt und klimafit macht. Denn Österreichs Wälder sind vielfach überaltert, zu dicht und deshalb anfälliger für Klimaschäden.
Der „Geldbaum" Fichte muss weichen und durch Ahorn, Eiche, Lärche und Kiefer ersetzt werden. Für einen wirtschaftlich vertretbaren Waldumbau stehen Mittel des Österreichischen Waldfonds zur Verfügung, der 2020 von der Bundesregierung initiiert und mit einem Fördervolumen von 430 Millionen Euro ausgestattet wurde. Nach einer positiven Evaluierung 2023 kam es zu einer Verlängerung bis 31. Jänner 2027.
Schutzwald in Österreich: Unverzichtbare Barriere im Alpenraum
Mehr als die Hälfte der Salzburger Waldfläche ist als Schutzwald eingestuft. Österreichweit sind es rund 42 Prozent. Diese Waldflächen befinden sich in steilen und schwer zugänglichen Hochgebirgslagen der Alpen und sichern den Lebens- und Wirtschaftsraum ab.
Ohne Schutzwälder wäre unser Lebensraum um die Hälfte kleiner. Erst der Schutz vor Lawinen, Steinschlag und Muren ermöglichte eine dauerhafte Besiedelung Österreichs. Aktive Pflege und Verjüngung werden staatlich gefördert.
Ein namentlich nicht genannter Waldbesitzer sagt zu den aktuellen Herausforderungen im Umgang mit dem Wald: „Die große Herausforderung ist, Waldumbau, Klimaschutz und wirtschaftliche Nutzung unter einen Hut zu bringen. Wir können nicht gleichzeitig mehr ernten, mehr speichern und mehr schützen, ohne genau hinzuschauen."
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