FEEI KV-Verhandlungen : Wie der neue KV der Elektro- und Elektronikindustrie einen Streik abwehren konnte
Mit dem neuen KV werden die Schichtzulagen schrittweise erhöht
- © adobe stock/CreativeBei den FEEI KV-Verhandlungen haben sich Arbeitgeber- und ArbeitnehmervertreterInnen in der fünften Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag der Elektro- und Elektronikindustrie geeinigt.
Damit konnte ein möglicher Streik verhindert werden, für den bereits eine Streikfreigabe des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) vorgelegen hatte.
Die vereinbarten Anpassungen gelten rückwirkend mit 1. Mai 2026. Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen um 1,85 Prozent plus einem Sockelbetrag von 22 Euro. Nach Angaben der Gewerkschaften ergibt sich daraus eine Erhöhung von bis zu 2,7 Prozent.
Die Grundstufe der KV-Löhne und -Gehälter wird um 3,00 Prozent angehoben. Ebenfalls um 3 Prozent steigen Mindestlöhne und -gehälter, Lehrlingseinkommen sowie kollektivvertragliche Zulagen und Aufwandsentschädigungen.
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KV Verhandlungen Elektro- und Elektronikindustrie: bis zuletzt schwierig
Die Verhandlungen zwischen dem Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) und den Gewerkschaften GPA sowie PRO-GE galten bis zuletzt als schwierig.
Die Arbeitnehmerseite hatte ursprünglich 3,5 Prozent mehr Lohn oder Gehalt gefordert. Die Arbeitgeber hatten im Verlauf der Gespräche eine Erhöhung von einem Prozent sowie ein zweistufiges Modell mit sofortiger Anpassung und möglicher Nachbesserung im Herbst vorgeschlagen.
„Es stand Spitz auf Knopf“, erklärten die beiden Verhandler auf Arbeitnehmerseite Reinhold Binder (Pro-Ge) und Eva Scherz (GPA) in einer gemeinsamen Aussendung. „Mit Betriebsversammlungen, Solidarität und Streikentschlossenheit mussten sich die Belegschaften den Respekt und die Wertschätzung erst erkämpfen.“
Schichtzulagen werden schrittweise erhöht
Teil des KV-Abschlusses sind auch Anpassungen bei den Schichtzulagen. Die Zulage für die zweite Schicht steigt innerhalb von drei Jahren gleichmäßig um insgesamt 47 Cent auf 1,50 Euro pro Stunde.
Für die dritte Schicht ist binnen zwei Jahren eine Erhöhung um insgesamt 34 Cent auf 4 Euro pro Stunde vorgesehen.
FEEI sieht Wettbewerbsfähigkeit im Fokus
Für den Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie stand nach eigenen Angaben insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Branche im Mittelpunkt der Verhandlungen.
„Unser vorrangiges Ziel war es, in diesen durch geopolitische Verschiebungen, regulatorische Unsicherheiten und technologische Disruption wirtschaftlich herausfordernden Zeiten heuer deutlich unter der rollierenden Inflation abzuschließen – das ist uns gelungen“, sagt FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun.
Kollektivvertrag bringt neue Gesundheitstage
Neben den finanziellen Anpassungen enthält der neue Kollektivvertrag auch Änderungen im Rahmenrecht. Eltern von Kindern mit Behinderung erhalten künftig eine zusätzliche Pflegefreistellung von einer Woche pro Jahr.
Außerdem vereinbarten die Verhandlungsparteien die Einführung von Gesundheitstagen. Beschäftigte mit mindestens 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 40 Jahren erhalten einen Gesundheitstag pro Jahr. Zwei Gesundheitstage sind ab 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Mindestalter von 45 Jahren vorgesehen. Wer mindestens 20 Jahre im Betrieb tätig ist und das 50. Lebensjahr erreicht hat, erhält drei Gesundheitstage jährlich. Mit dem Anspruch auf die 6. Urlaubswoche entfallen diese Gesundheitstage.
Die Verhandlungsergebnisse betreffen rund 60.000 Beschäftigte, die dem Elektro-KV unterliegen. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 72.500 Menschen (Stand Ende 2024).
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