Konjunktur Österreich : Österreichs Industrie macht 10. Minus in Folge: Wie schuld sind die USA?
Inhalt
- Zu den Zahlen
- Wirtschaftsbarometer Österreich: Einzelne Branchen zeigen Wachstum
- Arbeitsmarkt unter Druck: Beschäftigung sinkt um 1,9 Prozent
- Außenhandel Österreich: Exporte sinken zum siebten Mal in Folge
- Konjunkturentwicklung: Innovative Branchen versus traditionelle Sektoren
- Wirtschaftsausblick: Transformation als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Innerhalb von zwölf Monaten gingen im produzierenden Bereich 20.900 Arbeitsplätze verloren.
- © Ingo Bartussek - stock.adobe.comDie Rezession Österreichs im produzierenden Sektor geht weiter: Heimische Industrieunternehmen erzielten zwischen Juli und September 2025 Umsätze von 94,9 Milliarden Euro.
Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres bedeutet das ein Minus von 0,6 Prozent. Bereits zum zehnten Mal hintereinander verzeichnet Österreichs Industrie damit rückläufige Zahlen.
Allerdings schwächen sich die Einbußen 2025 deutlich ab. Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal blieben die Rückgänge jeweils unter der Ein-Prozent-Marke.
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„Die österreichische Industrie befindet sich weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Gleichzeitig sehen wir aber, dass sich die Dynamik der Rückgänge zuletzt abgeschwächt hat – ein erstes Signal für eine mögliche Stabilisierung, wenn auch auf niedrigem Niveau", sagt Axel Preiss, Sector Leader Industrials bei EY Österreich. Das Unternehmen hat kürzlich ein aktuelles Wirtschaftsbarometer für die Industrie erstellt.
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Zu den Zahlen
Die Analyse basiert – soweit nicht anders gekennzeichnet – auf den Konjunkturdaten der EU-harmonisierten Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008 und 2025), hier im speziellen auf den monatlichen Unternehmensdaten (Primärerhebung plus modellbasierte Datenergänzung).
Die Analyse der Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern basiert auf der Außenhandelsstatistik (ITGS – International Trade in Goods Statistics) und erfasst Importe und Exporte beweglicher Güter inkl. elektrischem Strom.
Wirtschaftsbarometer Österreich: Einzelne Branchen zeigen Wachstum
Während die Gesamtindustrie weiter schrumpft, entwickeln sich laut EY bestimmte Sektoren positiv:
- Der Bereich Chemie/Pharma legte im dritten Quartal um über 13 Prozent zu. (Lesen Sie auch hier, wie Österreich zum Life Sciences Hub wird.)
- Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie wuchs um 9 Prozent.
- Der Maschinenbau verbuchte ein Plus von 3 Prozent (wie lange noch?)
Deutliche Verluste mussten hingegen die Automobilindustrie (-7 Prozent), die Papier- und Pappeindustrie (-6 Prozent) sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie (-5 Prozent) hinnehmen.
Arbeitsmarkt unter Druck: Beschäftigung sinkt um 1,9 Prozent
Ende des dritten Quartals 2025 beschäftigte der produzierende Bereich in Österreich rund 1,07 Millionen Menschen. Das entspricht einem Rückgang in der Beschäftigung von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Innerhalb von zwölf Monaten gingen somit etwa 20.900 Arbeitsplätze verloren. Der Stellenabbau fiel damit etwas stärker aus als noch im zweiten Quartal (-1,8 Prozent).
Sieben von acht untersuchten Industriebranchen verzeichneten weniger Beschäftigte als im Vorjahr. Besonders dramatisch trifft es erneut die Automobilindustrie: Die Beschäftigtenzahl sank dort um gut acht Prozent, was dem Abbau von rund 2.900 Stellen entspricht. Lediglich die Chemie- und Pharmabranche baute Personal auf – knapp 280 neue Stellen entstanden hier.
Langfristig betrachtet ergibt sich ein gemischtes Bild. Seit 2019 entstanden in vier der acht analysierten Industriebranchen zusätzliche Jobs:
- Elektrotechnik- und Elektronikindustrie +9.800 Stellen (+14 Prozent)
- Maschinenbau: +7.000 Stellen (+8 Prozent)
- Chemie-/Pharmabranche: +5.100 Stellen (+14 Prozent)
- Automobilindustrie: -7.700 Stellen (-20 Prozent)
Außenhandel Österreich: Exporte sinken zum siebten Mal in Folge
Im dritten Quartal 2025 exportierte Österreich bewegliche Güter inklusive elektrischem Strom im Wert von 45,8 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank das Exportvolumen um 1,7 Prozent bzw. 811 Millionen Euro. Damit schrumpfen die Ausfuhren bereits seit sieben Quartalen ununterbrochen.
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Den größten Anteil am Exportrückgang hatte der dramatische Einbruch der Ausfuhren in die USA: Diese sanken um 27 Prozent bzw. 1,6 Milliarden Euro. Auch nach China gingen die Exporte deutlich zurück (-11 Prozent). Die Ausfuhren nach Deutschland, Österreichs wichtigstem Handelspartner, verringerten sich um gut vier Prozent.
Positiv entwickelten sich dagegen die Exporte nach Großbritannien und in die Schweiz (jeweils +21 Prozent) sowie nach Italien.
Innerhalb der Industrie erzielten fünf von acht Branchen Exportzuwächse.
- Elektrotechnik- und Elektronikindustrie: +9 Prozent
- Chemie/Pharma: +5,5 Prozent
- Automobilindustrie: -8 Prozent
„Der Einbruch der Exporte in die USA ist außergewöhnlich stark und unterstreicht, wie verwundbar die exportorientierte Industrie gegenüber globalen Konjunktur- und Handelsschocks ist. Umso wichtiger sind Investitionen in Innovationskraft, technologische Differenzierung und neue Absatzmärkte", sagt Preiss.
Konjunkturentwicklung: Innovative Branchen versus traditionelle Sektoren
Während energie- und kostenintensive Industrien weiterhin unter Margendruck leiden, profitieren technologie- und innovationsgetriebene Branchen von strukturellen Zukunftstrends.
Chemie/Pharma sowie Elektrotechnik/Elektronik ziehen insbesondere Nutzen aus der Nachfrage nach nachhaltigen Materialien, Digitalisierung und Energieeffizienzlösungen. Traditionelle Industrien wie Automobil, Papier/Pappe oder Metallerzeugung kämpfen dagegen weiter mit Nachfrageschwäche, hohen Kosten und strukturellem Anpassungsbedarf.
Wirtschaftsausblick: Transformation als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Die österreichische Industrie bleibt unter Druck. Auch im dritten Quartal 2025 entwickelten sich Umsatz, Beschäftigung und Exporte negativ. Positiv ist jedoch, dass sich die Rückgänge zuletzt abgeschwächt haben. Gleichzeitig demonstrieren einzelne Branchen, dass Wachstum auch in einem schwierigen Umfeld möglich ist.
„Die kommenden Quartale werden entscheidend sein. Gelingt es, Investitionen in Zukunftstechnologien, Qualifizierung und nachhaltige Produktionsmodelle zu mobilisieren, kann die Industrie gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Bleiben diese Impulse aus, droht eine weitere Erosion der Wettbewerbsfähigkeit", so Preiss abschließend.
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