Made in Europe Bonus : Österreichs Export könnte mit 8 Weltregionen Milliarden machen
Inhalt
- Slowbalisation: Eine neue Ära der Globalisierung
- Herausforderungen für Österreichs Exporteure
- Globale Trends erfordern neue Strategien
- Was sind die neuen Herausforderungen im Außenhandel?
- Strategische Exportoffensive Österreichs
- Förderprogramme für Exporteure
- Europäische Industrie unter Druck
- Made in Europe Bonus stärkt Resilienz
Der gewohnte Schub aus Globalisierung, etwa durch liberalisierten Handel und tief integrierte Lieferketten, fällt weg. Es ist das Zeitalter der Slowbalisation.
(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)
- © Adobe stock/Valery_vogExportgetriebene Aufschwünge wie in früheren Jahrzehnten sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Welthandel war lange Zeit Wachstumsmotor auch für Österreichs Wirtschaft. Doch genau dieser globale Handel verliert an Dynamik.
Der Internationale Währungsfonds rechnet 2025 nur noch mit einem Wachstum des Welthandels von 0,6 Prozent im Verhältnis zum Welt-BIP – ein historischer Tiefstwert.
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Slowbalisation: Eine neue Ära der Globalisierung
Der Begriff “Slowbalisation” beschreibt eine Phase, in der sich die Globalisierung verlangsamt und die Dynamik des Welthandels deutlich abflacht.
Laut einem Blog des IWF (08. Februar 2023) zeigt sich seit der Finanzkrise eine klare Plateau-Bildung beim Anteil der Handelsströme (Summe aus Exporten und Importen) am globalen BIP – eine reale Bremsung im Vergleich zur zuvor rasant fortschreitenden Globalisierung. Das BoomZeitalter von 1980 bis 2008, in dem dieser Anteil von rund 29 Prozent auf ca. 55 Prozent stieg, ist passé.
Für exportorientierte Länder wie Österreich ist die Slowbalisation eine doppelte Herausforderung:
Der gewohnte Schub aus Globalisierung, etwa durch liberalisierten Handel und tief integrierte Lieferketten, fällt weg.
Gleichzeitig eröffnen sich Chancen zur Neuausrichtung – etwa durch strategische Wirtschaftsbündnisse, diversifizierte Lieferbeziehungen und resiliente Sektorenförderung.
Lesen Sie hier mehr über die Notwendigkeit der Diversifikation
Herausforderungen für Österreichs Exporteure
Auch die traditionsreiche Exportnation Österreich ist erlebt tiefgreifende Veränderungen im internationalen Handel. Heimische Exporteure sind unter Druck:
- Steigende geopolitische Spannungen
- nachlassender Welthandel
- wachsender Protektionismus
- zunehmende Dominanz Asiens, insbesondere Chinas
Doch Österreich reagiert. Das Land will seine Exportstärke neu ausrichten – und sichern:
- strategischer Fokus auf acht globale Chancenregionen
- neue Förderinstrumente
- stärkere europäisch abgestimmten Industriepolitik
Globale Trends erfordern neue Strategien
Geopolitische Fragmentierung: Handelshemmnisse und geopolitische Spannungen nehmen zu, während Protektionismus und nationale Sicherheitsinteressen an Bedeutung gewinnen .
Industriepolitik statt grenzenloser Freihandel: Viele Staaten setzen auf Strategien wie „FriendShoring“ und gezielte Industriepolitik, um ihre Versorgungssicherheit zu stärken.
Verkürzte Lieferketten: Globale Wertschöpfungsketten werden regionaler, kürzer und widerstandsfähiger – damit tritt die reine Kostenoptimierung hinter Stabilität und Unabhängigkeit zurück.
Der Welthandel wächst nicht mehr im Tempo der vergangenen Jahrzehnte, und wirtschaftliche Beziehungen verlagern sich verstärkt in regionale Kontexte. Für die österreichische Exportwirtschaft bedeutet das: Die Zukunft liegt in resilienten Strukturen, gezielter Partnerschaftspolitik und intelligenter Industriepolitik. Nur so lässt sich auch in unruhigen Zeiten Exportkraft bewahren und gestalten.
Slowbalization ist kein Rückschritt, sondern ein Wandel.
Was sind die neuen Herausforderungen im Außenhandel?
Die Rahmenbedingungen für den internationalen Handel haben sich seit der Covid-19-Pandemie deutlich verschärft. Konjunkturelle Schwächen, Lieferkettenprobleme und geopolitische Konflikte haben das Wachstum des Welthandels gebremst.
Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wächst der globale Handel aktuell nur noch halb so schnell wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Seit 2016 haben sich protektionistische Maßnahmen vervierfacht – eine Entwicklung, die besonders offene Volkswirtschaften wie Österreich vor neue Herausforderungen stellt.
Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb. Während die europäische Industrieproduktion weiterhin unter dem Vorkrisenniveau verharrt, verzeichnet China ein Produktionsplus von 35,4 Prozent gegenüber der Vor-Covid-Zeit.
Diese Asynchronität belastet internationale Wertschöpfungsketten und schmälert die Nachfrage nach österreichischen Vorleistungsprodukten.
Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen wie hohe Energie- und Lohnkosten, wachsende Bürokratie und ein zunehmender Verlust an strategischer Unabhängigkeit bei Schlüsseltechnologien.
Strategische Exportoffensive Österreichs
Trotz oder gerade wegen dieser Unsicherheiten verfolgt Österreich eine klare Gegenstrategie. Der Fokus liegt auf der gezielten Erschließung neuer Wachstumsmärkte.
Acht globale Chancenregionen wurden identifiziert, deren zusätzliches Exportpotenzial sich auf rund 20,8 Milliarden Euro beläuft:
- Nordamerika: 11,1 Mrd. Euro
- Südostasien & Ozeanien: 3,3 Mrd. Euro
- Japan: 1,3 Mrd. Euro
- Golfregion: 1,2 Mrd. Euro
- Indien: 1,1 Mrd. Euro (etwa sehen Oberösterreich und Steiermark hier Chancen bei Automotiven)
- Südamerika: 1,0 Mrd. Euro
- Westbalkan: 1,0 Mrd. Euro
- Zentralasien: 0,5 Mrd. Euro
Diese Regionen bieten nicht nur wachstumsstarke Absatzmärkte. Sie eröffnen auch neue Möglichkeiten für österreichische Unternehmen in den Bereichen Technologie, Maschinenbau, Umwelttechnik, Mobilität und Gesundheitswesen.
Hinzu kommt der strategisch bedeutsame Wiederaufbau in der Ukraine, bei dem sich für österreichische Firmen neue wirtschaftliche Chancen ergeben.
Förderprogramme für Exporteure
Um heimische Unternehmen beim Zugang zu diesen neuen Märkten zu unterstützen, setzt die österreichische Bundesregierung auf gezielte Fördermaßnahmen.
Ein zentraler Bestandteil ist der mit 15 Millionen Euro dotierte „Exportbooster“, der als Teil des Standortpakets konzipiert wurde.
Ziel ist es, bestehende Programme wie die Internationalisierungsoffensive „go-international“ weiter auszubauen, neue Exportkapazitäten zu schaffen und strukturelle Hindernisse für Unternehmen zu beseitigen.
Darüber hinaus ist auch der jährlich stattfindende Exporttag der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ein bedeutender Impulsgeber. Internationale Expertinnen und Experten analysieren dort aktuelle geopolitische Entwicklungen, während WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Einzelgesprächen gezielte Marktinformationen und individuelle Beratung bieten – eine wichtige Unterstützung für Unternehmen auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.
Österreich bleibt ein starkes Exportland – doch die Spielregeln im Welthandel haben sich grundlegend verändert. Um in diesem neuen Umfeld bestehen zu können, braucht es eine exportpolitische Neuausrichtung.
Europäische Industrie unter Druck
Die Herausforderungen im internationalen Wettbewerb treffen nicht nur Österreich, sondern den gesamten europäischen Wirtschaftsraum. Europas Industrieproduktion leidet unter einer anhaltenden Schwächephase.
Steigende Arbeitskosten, Bürokratie und strategische Abhängigkeiten bei Rohstoffen und kritischen Vorprodukten bremsen die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Mitgliedsstaaten.
Besonders betroffen sind österreichische Zulieferbetriebe, deren Geschäft stark von der Nachfrage industrieller Vorleistungen abhängt. Der Rückgang der Industrieproduktion in wichtigen Partnerländern schwächt somit indirekt auch den österreichischen Außenhandel.
Made in Europe Bonus stärkt Resilienz
Als Antwort darauf wurde der „Made in Europe“-Bonus des Wirtschaftsministeriums (BMWET) ins Leben gerufen. Er zielt darauf ab, die europäische Wertschöpfung zu stärken, indem der Einsatz technischer Komponenten europäischer Herkunft gefördert wird.
Dies soll nicht nur Abhängigkeiten verringern, sondern auch die Resilienz der heimischen Industrie in Krisenzeiten erhöhen.
Flankiert wird diese Maßnahme von der im Regierungsprogramm verankerten österreichischen Industriestrategie, die es in den kommenden Jahren klug in die europäische Industriepolitik zu integrieren gilt.
Die Stärkung der Standortqualität und eine innovationsorientierte Industriepolitik auf EU-Ebene sind essenziell, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig zu sichern.
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