Exportwirtschaft : Steiermark und Kärnten: Die Suche nach neuen Märkten

Steirische Wirtschaftsdelegation des ICS in Japan.

Steirische Wirtschaftsdelegation in Japan. Die Suche nach neuen Absatzmärkten für die Steiermark läuft auf Hochtouren. 

- © ICS

Österreichs Exportwirtschaft ist ein zentraler Wachstumsmotor – und in den Bundesländern Steiermark und Kärnten schlägt eines ihrer stärksten Herzen. Beim Exportpreis 2025 der Wirtschaftskammer Österreich überzeugten gleich mehrere Unternehmen aus diesen beiden Bundesländern als leuchtende Beispiele für unternehmerische Exzellenz auf globalem Parkett.

In Kärnten wurde gleich doppelt Gold geholt: Die ANEXIA Internetdienstleistungs GmbH gewann in der Kategorie Information & Consulting. Das IT-Unternehmen zeigt, wie Digitalisierung und Cloud-Dienstleistungen aus Österreich weltweit Maßstäbe setzen. In der Kategorie Gewerbe & Handwerk wurde die Kostwein Maschinenbau GmbH ausgezeichnet – ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Internationalisierung klassischer Industrie. Mit über 97 % Exportanteil und globaler Präsenz baut Kostwein komplexe Maschinen für internationale Kunden – made in Klagenfurt.

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Auch die Steiermark ist 2025 prominent vertreten: Die Ventrex Automotive GmbH aus Graz sicherte sich Silber im Bereich Gewerbe & Handwerk. Mit innovativen Ventillösungen für den Fahrzeugbau exportiert das Unternehmen 99 % seiner Produktion. Bronze im Bereich Information & Consulting ging an die ADB Safegate Austria GmbH, Spezialist für smarte Flughafenlösungen. Und mit dem Global Player Award wurde die international tätige KNAPP AG aus Hart bei Graz für ihre weltweiten Logistiksysteme und Softwarelösungen ausgezeichnet. Münzer Bioindustrie, ein Pionierunternehmen für Bio-Treibstoffe, holte sich den zweiten Platz und die Baron Filou Gmbh und die ADB Safegate Austria Gmbh (beide Steiermark) brillierten in ihren Kategorien mit Bronze.

Exportpreis 2025
Verleihung des Exportpreises 2025. Südösterreich ist stark vertreten. - © nadine studeny

Best Practice für die Exportwirtschaft

Diese Beispiele zeigen, wie breit die Exportbasis im Süden Österreichs aufgestellt ist – von Hightech über IT bis zum Maschinenbau. Die Steiermark punktet mit ihrer starken F&E-Infrastruktur, einem dichten Netzwerk an Clustern (z. B. Green Tech, ACstyria, Silicon Alps Cluster u.a.) und einem hohen Exportanteil in der Industrie. Kärnten setzt gezielt auf Digitalisierung und Maschinenbau und unterstützt Unternehmen mit gezielten Exportinitiativen, wie etwa über die Wirtschaftskammer oder Exporttage.

Die Exportchancen bleiben vielversprechend: Technologische Exzellenz, nachhaltige Produkte und internationale Marktdiversifikation gelten als Schlüssel zum Erfolg. Beide Bundesländer zeigen, dass der gezielte Aufbau globaler Kompetenzen, gepaart mit regionaler Verwurzelung, enorme Wachstumspotenziale erschließt.

Steiermark und Kärnten zählen zu den exportstärksten Regionen Österreichs – nicht zuletzt dank Unternehmen, die durch Innovationskraft, Qualität und Internationalisierung beeindrucken. 

Wie es dem Export aktuell geht, lesen Sie hier.

Welthandel verändert sich – Neue Märkte sind gefragt

Dennoch dürfen sich beide Bundesländer sich nicht auf ihren Exporterfolgen der Vergangenheit ausruhen. Geopolitische Risken sowie eine sich rasch veränderten Weltlage erfordern das stetige Ausloten neuer Märkte sowie gezielte Außenhandelsaktivitäten beider Bundesländer, um auch den Markteintritt vorbereiten zu können. 

„Transformation ist ein ständiger Begleiter der Industrie und das Erschließen neuer Märkte durchaus üblich. Es gilt aber als Standort resilienter zu werden und dazu sind Freihandelsabkommen ein probates Mittel“, berichtet dazu Kurt Maier, Präsident der IV-Steiermark. 

Österreich laut Maier beispielsweise das Abkommen „Mercosur“ mit offenen Armen begrüßen und als Chance begreifen. Die aktuelle Ablehnung sei nicht nachvollziehbar, vor allem nicht im Licht der akuten geopolitischen Veränderungen. Dass sich die beiden Bundesländer im Süden Österreichs geopolitisch neu positionieren müssen, bestätigt auch Karl Hartleb, Geschäftsführer des Internationalisierungscenter Steiermark (ICS): „Einerseits gilt es die Abhängigkeit von einzelnen Exportmärkten in geographischer als auch sektorieller Weise zu verringern, andererseits muss das Beschaffungswesen überprüft und ggfs. neu aufgesetzt werden. Dabei spielt der Aspekt der Versorgungssicherheit neben den traditionellen Faktoren wie Preis, Qualität und Nachhaltigkeit nun eine größere Rolle“, so Hartleb und Hemma Kircher-Schneider, Abteilungsleiterin der Außenwirtschaftsabteilung in der Wirtschaftskammer Kärnten ergänzt: „Die Exportmärkte sind im Wandel, und auch Kärnten muss darauf reagieren. Mehr Diversifizierung Richtung wachstumsstarker Märkte in Südostasien, Nordamerika und den Golfstaaten ist notwendig. Gleichzeitig bleibt der EU-Binnenmarkt der wichtigste Anker, zwei Drittel der Kärntner Exporte gehen in andere EU-Länder, allen voran nach Deutschland.“

Kurt Maier, BU: Kurt Maier, Präsident der IV-Steiermark
Kurt Maier, BU: Kurt Maier, Präsident der IV-Steiermark - © IV-Steiermark

Neue Märkte – neue Chancen

Die globalen Märkte verschieben sich. Während Asien und die USA weiterhin wichtige Handelspartner bleiben, ist ein verstärktes Comeback europäischer Absatzmärkte zu beobachten. Karl Hartleb vom ICS sieht Investitionsimpulse in EU-Staaten – etwa durch Programme für Infrastruktur, Energie oder Verteidigung – als Hebel für neue Exporte. „Deutschland bleibt unser stärkster Markt, aber auch Italien und Osteuropa gewinnen an Bedeutung – hier wird Know-how im Maschinenbau, der Mikroelektronik und in der Umwelttechnik dringend gebraucht.“ Mehr Nachfrage erwarten er sich auch aus den östlichen Nachbarregionen, wo die Investitionstätigkeit in den Industriebereich und die private Nachfrage vergleichsweise gut sind.

Auch in Kärnten richten sich die Blicke auf Europa: Durch die Koralmbahn rückt die baltisch-adriatische Achse ins Zentrum der strategischen Überlegungen. Länder wie Slowenien, Kroatien oder Ungarn bieten Potenzial, ebenso wie der Westbalkan als Sourcing-Region. Gleichzeitig bleiben China, die USA und Indien für Kärnten wichtige Wachstumsmärkte. 

„Indien ist die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft unter den G20-Staaten – hier sehen wir enormes Potenzial“, erklärt Hemma Kircher-Schneider von der WKK. 

Hemma Kircher-Schneider
Hemma Kircher-Schneider, Abteilungsleiterin Außenwirtschafts in der WK-Kärnten. - © WKK/Helbe Bauer

Hürden beim Marktzugang: Risiko, Finanzierung, Bürokratie

Ob Steiermark oder Kärnten – ein Thema dominiert die Herausforderungen: Der Zugang zu neuen Märkten ist teuer, zeitintensiv und riskant. „Besonders in den Emerging Markets fehlt es an Informationen, Netzwerken und Ressourcen“, so Hartleb. Exportfinanzierung, Garantien und Risikoabsicherung werden immer wichtiger, um erste Schritte zu erleichtern.

Die Kärntner Wirtschaftskammer reagiert mit Informationskampagnen, Unternehmerreisen und Kooperationsbörsen. Zudem fordert sie einfacheren Zugang zu Exportfinanzierungen und mehr Unterstützung durch öffentliche Stellen. Auch geopolitische Spannungen und unterbrochene Lieferketten machen den Unternehmen zu schaffen. „Handelskonflikte werfen ganze Exportstrategien über Bord“, warnt Kircher-Schneider. Hier gelte es, flexibel zu agieren und breit aufgestellt zu bleiben.

Standortprobleme: Energie, Fachkräfte, Genehmigungen

Neben den internationalen Rahmenbedingungen kämpfen beide Bundesländer mit innerösterreichischen Standortnachteilen. Kurt Maier von der IV-Steiermark benennt das „Dreifachproblem“ der steirischen Industrie klar: hohe Energiepreise, Fachkräftemangel und Bürokratie. Auch wenn erste Maßnahmen – etwa zur Strompreiskompensation – Hoffnung geben, fehle es noch an konkreter Umsetzung und Tempo. „Wir brauchen durchschlagende Reformen, sonst gefährden wir unsere Technologieführerschaft“, warnt Maier.

In Kärnten klingt es ähnlich. Kircher-Schneider fordert schnellere Genehmigungsverfahren, digitale Verwaltung, gezielte Fachkräfteoffensiven und Investitionen in Bildung und Forschung, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.

Trotz aller Herausforderungen zeigt sich die technologische Stärke der Regionen als Fundament für künftige Erfolge. In der Steiermark nennt Kurt Maier drei zukunftsträchtige Exportfelder:

  • Schienenkompetenz: Von Systemlösungen bis Digitaltechnik
  • Maschinen- und Anlagenbau: Insbesondere mit Fokus auf Batterie- und Wasserstofftechnologien
  • Mikroelektronik und Green-Tech: Bereits heute ein Exportschlager mit globaler Nachfrage

Diese Branchen sollen nicht nur erhalten, sondern aktiv ausgebaut werden. Auch Hartleb betont, wie wichtig es ist, internationale Spitzenfirmen in die Steiermark zu holen – insbesondere für Forschung und Entwicklung. „Wenn wir F&E-Leistungen nach Österreich holen, sichern wir langfristig Wertschöpfung und Technologieführerschaft.“

Binnenmarkt nicht unterschätzen

Während oft von Asien oder Amerika die Rede ist, betonen alle drei die Relevanz des EU-Binnenmarkts. „Hier liegt ein unterschätztes Potenzial“, sagt Hartleb. „Gerade in Deutschland, Italien, Spanien oder Osteuropa entstehen durch öffentliche Investitionen und Technologiewandel neue Chancen.“ Die Devise lautet: Besser positionieren, gezielter kooperieren, aktiver bewerben. Und Hemma Kircher-Schneider ergänzt: „der EU-Binnenmarkt bleibt das Fundament unseres Exports. Hier sind besonders unsere Nachbarländer Deutschland, Italien und Slowenien wichtige Partner. 

Die guten Konjunkturprognosen für Spanien und Griechenland legen nahe, sich diese Länder genau anzuschauen, v.a. in der Umwelttechnik haben Kärntner Unternehmen hier gute Chancen. Diese Potenziale können durch die Teilnahme an Ausschreibungen für Infrastrukturprojekte, verstärkte Kooperationen und gezieltes Marketing gehoben und der Marktanteil ausgebaut werden“. 

Der Export aus der Steiermark und Kärnten steht auf einem soliden Fundament – doch dieses muss verstärkt und modernisiert werden. Internationale Märkte verändern sich, und nur wer flexibel agiert, gezielt investiert und politisch mutig reformiert, wird weiterhin erfolgreich exportieren. 

Was es jetzt braucht:

  • Konsequente Standortreformen bei Energie, Bürokratie und Fachkräften
  • Aktive Exportförderung – speziell für neue, risikobehaftete Märkte
  • Bessere Integration in europäische Investitionsprogramme
  • Fokus auf technologische Exzellenz und Forschungsausbau

Steiermark und Kärnten stehen vor einer großen Chance: Sie können als innovative, exportstarke Regionen Europas Maßstäbe setzen – wenn Politik, Wirtschaft und Interessensvertretungen gemeinsam an einem Strang ziehen.

Steiermark trifft Japan – Wirtschaftsreise mit Fokus auf Technologie

Im Rahmen einer Wirtschaftsreise nach Japan vom 16. Bis 22. Juni präsentierte das Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) steirischen Unternehmen eine vielversprechende Türöffnung zu den boomenden High-Tech-Märkten der Inselnation. Fokus der Mission: Halbleiter, IoT, Robotik und Smart Factory. Japan verstärkt die Automatisierung seiner Fertigung – als Antwort auf demografischen Wandel, Fachkräftemangel und die Pandemie – und investiert massiv in neue Kapazitäten, insbesondere auf Kyushu.

Rund 40 Prozent der japanischen Halbleiterindustrie konzentrieren sich auf Silicon Island Kyushu. Dort wurde ein „Austria Showcase“ organisiert: Neben Messepräsenz in Tokio und Kyushu boten Firmenpräsentationen, B2B-Gespräche und ein Networking-Cocktail optimale Bedingungen, um steirische Technologiekompetenz zu zeigen.

Die Reise richtete sich an Unternehmen mit Lösungen für automatisierte Produktions- und Logistikprozesse – vom österreichischen Mittelstand bis zu Hightech-Startups. Das Ziel: neue Partnerschaften und Exportchancen im asiatischen Raum etablieren.

Warum das Thema so aktuell ist:

  • Japan reagiert mit Automatisierungs- und Digitalisierungsstrategie auf Bevölkerungsrückgang und zukünftige Lieferkettenprobleme.
  • Der enorme Bedarf an Halbleitern als Schlüsselindustrie macht Japan zu einem Top-Ziel für steirische Chip- und Elektroniklösungen.
  • Die Kombination aus Messeauftritt und persönlichem Austausch schafft starke Impulse für internationale Kooperationen.

Die Steiermark nutzt strategisch ihre Stärken in den Bereichen Smart Factory, Halbleiter- und Automatisierungstechnologien – und setzt durch gezielte Präsenz in Japan ein deutliches Zeichen. Geschäftsreisen, B2B-Termine und ein Austria-Showcase im Herzen Kyushus unterstreichen: Die Region verschreibt sich der Globalisierung – und positioniert sich als kompetenter Partner für Japans Industrie von morgen. Die Exportoffensive „go‑international“ zeigt Wirkung – und ebnet konkret Wege für technologische Exporte aus dem Grünen Herz.

Karl Hartleb vom Internationalisierungscenter Steiermark
Karl Hartleb, Geschäftsführer des ICS - © Foto Fischer