Inflation Österreich : Inflation und Energiepreise steigen: Nahostkonflikt erschüttert Öl- und Gasmärkte

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LNG Tanker in der Straße von Hormus. 

- © moofushi - stock.adobe.com

Wenige Tage nach dem Beginn der Kampfhandlungen im Nahen Osten ist auch die Energieinfrastruktur der Region betroffen. In Saudi-Arabien und Katar wurde eine Ölraffinerie sowie ein LNG-Depot getroffen. Auch Angriffe auf Öltanker sind bereits dokumentiert. Der Iran hat verkündet, die Straße von Hormus zu schließen. Ob er dies effektiv noch umsetzen kann ist unklar. Defacto ist der Schiffsverkehr durch die wichtige Seestraße zum Erliegen gekommen.  

Die rasche Ankündigung der OPEC+, ihre Fördermenge ab April um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen, dürfte im aktuellen Umfeld kaum spürbare Auswirkungen auf den Markt haben. Die zusätzliche Menge entspricht lediglich rund 0,2 Prozent der weltweiten Ölnachfrage und wird von Marktbeobachtern daher vor allem als symbolisches Signal gewertet.

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Die acht Mitglieder der OPEC+, die derzeit freiwillige Produktionskürzungen umsetzen, konnten mit diesem Schritt vor allem demonstrieren, dass sie im Bedarfsfall zusätzliche Mengen bereitstellen könnten. Analysten hatten im Vorfeld sogar nur mit einer Ausweitung um etwa 137.000 Barrel täglich gerechnet.

An den Märkten konnte die Maßnahme die Nervosität jedoch nicht dämpfen. Zum Wochenstart sprang der Preis für die internationale Referenzsorte Brent zeitweise um 13,6 Prozent auf 82,37 Dollar pro Barrel – den höchsten Stand seit einem Jahr. Im frühen asiatischen Handel lag der Preis noch bei rund 79 Dollar je Barrel.

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Straße von Hormus: Nadelöhr des Weltenergiehandels

Im Zentrum der Sorgen steht die Straße von Hormus, eine schmale Meerenge zwischen Iran und den Golfstaaten. Über diese Route werden täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und raffinierte Produkte transportiert – fast ein Fünftel des weltweiten Angebots, wie Reuters-Kolumnist Clyde Russell kommentiert.

Aktuell ist der Schiffsverkehr dort defacto zum Erliegen gekommen. Viele Reedereien und Versicherer scheuen das Risiko, Tanker durch das potenzielle Kriegsgebiet zu schicken. Satellitendaten zeigen, dass der Tankerverkehr zuletzt nahezu zum Erliegen gekommen ist.

Bislang gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass Iran die Meerenge aktiv blockiert hat, obwohl der Iran eine Sperre angekündigt hat. Sollte sich die militärische Lage beruhigen, könnten Tanker daher relativ schnell wieder passieren und Engpässe entschärfen.

Qatar's Ras Laffan Oil Refinery from a bird's eye view in the Persian Gulf
Öl- und Gasraffinerie in Katar. Die Energieinfrastruktur im Roten Meer gilt als sehr vulnerabel. Militärische Angriffe könnten Anlagen und Einrichtungen für Monate außer Gefecht setzen, mit nicht zu kalkulierenden Folgen für die Weltwirtschaft. - © ppicasso - stock.adobe.com

Katar stoppt LNG-Produktion – Gaspreise explodieren

Besonders deutlich zeigen sich die Marktreaktionen derzeit beim Erdgas. Nach Angriffen auf Anlagen im riesigen North-Field-Gasfeld hat der Energiekonzern QatarEnergy die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) in seinem größten Werk vorübergehend gestoppt.

Die Nachricht löste einen Preisschock aus:

  • Am niederländischen Handelsplatz TTF, der als Referenz für Europa gilt, sprang der Gaspreis zeitweise um bis zu 45 Prozent auf rund 46 Euro pro Megawattstunde.
  • Auch in Großbritannien legte der Gaspreis am NBP-Markt kräftig zu.

Die Märkte reagieren derzeit äußerst nervös; teils kommt es zu starken Preisschwankungen innerhalb weniger Minuten.

Die Bedeutung Katars für den globalen Gasmarkt ist enorm. Das Emirat gehört neben den USA und Australien zu den größten Exporteuren von LNG weltweit. Rund 20 Prozent des globalen LNG-Handels passieren ebenfalls die Straße von Hormus. 

Energiechart
Die Bedeutung der Region für den Energiehandel ist eindeutig. Wesentliche Erzeugerländer von Öl und Erdgas sind durch den Konflikt betroffen. - © Reuters

Europa im globalen Wettbewerb um Gas

Besonders betroffen, etwa vom Lieferstopp bei LNG aus der Region ist Europa. Europa ist zwar weniger direkt von Katar abhängig als asiatische Länder, dennoch drohen erhebliche indirekte Folgen. Sollte es zu längeren Ausfällen von Lieferungen nach Asien kommen, könnten Käufer dort verstärkt auf alternative LNG-Ladungen aus anderen Regionen ausweichen und damit den Wettbewerb auf dem Weltmarkt verschärfen.

Das würde die Preise auch in Europa weiter nach oben treiben.

Hinzu kommt eine ungünstige Ausgangslage: Die Gasspeicher der Europäischen Union sind derzeit zu weniger als 30 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr lag der Wert zur gleichen Zeit noch bei rund 40 Prozent. Besonders niedrig sind die Speicherstände in den größten Volkswirtschaften der EU:

  • Deutschland: etwa 20,5 Prozent
  • Frankreich: rund 21 Prozent

Je geringer die Reserven, desto empfindlicher reagieren die Märkte auf mögliche Lieferunterbrechungen. Der Gasflow von LNG nach Europa ist seit dem Wochenende massiv eingebrochen. 

Aerial from windmills and industry at Eemshaven in the Netherlands
Die Gasspeicher in Nordeuropa haben sich stark reduziert. Der LNG-Gasflow war in den letzten Wochen das Rückgrad der Gasversorgung speziell in den Niederlanden, wie hier in Eemshaven. - © Nataraj - stock.adobe.com

China und Indien könnten Nachfrage anpassen

Einige Faktoren könnten die Situation allerdings teilweise entschärfen. So dürfte China, der weltweit größte Importeur von Rohöl, seine Einfuhren in den kommenden Monaten reduzieren. Nach außergewöhnlich hohen Importen im Winter könnten steigende Preise dazu führen, dass die Nachfrage um bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag sinkt.

Auch Indien, der zweitgrößte Ölimporteur Asiens, könnte seine Beschaffung anpassen. Angesichts möglicher Engpässe dürfte Neu-Delhi wieder stärker auf russisches Rohöl zurückgreifen, um die Versorgung zu sichern.

Darüber hinaus könnten Länder bei anhaltenden Engpässen auf strategische Ölreserven zurückgreifen, während Produzenten weltweit versuchen dürften, ihre Förderung auszuweiten.

Dauer des Konflikts als entscheidender Faktor

Letztlich hängt die weitere Entwicklung der Energiepreise vor allem von der Dauer des militärischen Konflikts ab. Solange Kampfhandlungen anhalten und die Risiken für Schifffahrt und Infrastruktur hoch bleiben, dürften Öl- und Gaspreise auf erhöhtem Niveau verharren.

Sollten die Preise dauerhaft stark steigen, könnte der politische Druck auf die beteiligten Staaten wachsen, eine Deeskalation einzuleiten. Denn hohe Energiepreise wirken schnell auf Inflation, Wirtschaftswachstum und die Versorgungssicherheit vieler Länder weltweit.

Für die Märkte bleibt damit vorerst eine zentrale Unbekannte bestehen: Wie lange wird der Konflikt die Energieversorgung der Welt beeinträchtigen?

Energieinfrastruktur wird angegriffen

Neben dem Lieferstoff bei LNG und Öl aus der Region bedingt durch eine mögliche Sperre der Seewege ist aber der Angriff auf Infrastruktur ein noch viel gefährlicherer Faktor. Und dieser hat bereits begonnen. In Saudi-Arabien ist zudem eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco mit mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden. Zwei Drohnen hätten die Ölraffinerie in Ras Tanura im Osten des Landes attackiert, teilte ein Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums mit. 

Der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Energieministerium, einige Teile der Anlage seien vorübergehend geschlossen worden. Kurz darauf berichtete der Kanal aber unter Berufung auf das Ministerium, die Ölproduktion und der Betrieb in Ras Tanura laufen normal weiter. Auch Katar hat nach einem Angriff seine LNG-Produktion gestoppt. 

Wie hoch werden die Preise steigen?

Analysten warnen bereits vor der schwersten Marktverwerfung seit der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022. Die unmittelbare Reaktion der Märkte fiel deutlich aus. Die niederländischen Front-Month-Futures am TTF-Handelspunkt, Europas wichtigste Gasbenchmark, notierten zuletzt bei 39,35 Euro pro Megawattstunde – ein Anstieg von rund 23 Prozent, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Auch andere Energieträger verteuerten sich deutlich. Der Preis für Gasoil, ein Vorprodukt für Diesel und Heizöl, legte zeitweise um bis zu 20 Prozent zu. Die Ölpreise selbst stiegen zum Wochenauftakt um rund zehn Prozent. Für den Ökonomen Sebastian Koch vom Institut für Höhere Studien (IHS) fiel der Anstieg beim Öl allerdings überraschend moderat aus. „Ich habe eigentlich mehr erwartet“, sagte er. Der Gaspreis hingegen schoss im frühen Handel um etwa 25 Prozent nach oben.

Marktbeobachter sehen den europäischen Gasmarkt derzeit als besonders anfällig. „Der europäische Gasmarkt reagiert in Wirklichkeit empfindlicher auf die faktische Sperrung der Straße von Hormus als der Ölmarkt“, sagte Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst beim Energiehandelsunternehmen Global Risk Management. „Diese Unterbrechung wird sich bald auf dem physischen Markt bemerkbar machen.“

Die aktuelle Lage trifft Europa zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Zwar nähert sich der Kontinent dem Ende der Heizsaison, doch die Gasreserven sind ungewöhnlich niedrig. Um die Speicher vor dem nächsten Winter wieder ausreichend zu füllen, muss Europa in den kommenden Monaten große Mengen an Flüssigerdgas importieren.

„Diese Situation könnte die Wiederauffüllung der Lagerbestände in den kommenden Monaten erschweren und erneut Druck auf die Energiekosten der Industrie ausüben“, warnte Simone Tagliapietra vom Brüsseler Thinktank Bruegel.

Sollten LNG-Lieferungen aus dem Persischen Golf länger ausfallen, würde sich der globale Wettbewerb um verfügbare Gasladungen verschärfen. Selbst wenn ein Großteil der Exporte aus der Region normalerweise nach Asien geht, hätte eine Unterbrechung daher weltweit steigende Preise zur Folge – auch in Europa.

Neben Gas könnten auch andere Energieträger die Inflation wieder antreiben. Der deutliche Preisanstieg bei Gasoil gilt für Ökonomen als besonders relevant, weil er sich direkt auf Diesel- und Heizölpreise auswirkt. Laut IHS-Ökonom Koch könnte dies die Inflation in Österreich um etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte erhöhen.

Preise hängen von Dauer der Krise ab

Wie stark und wie lange die Energiepreise steigen, hängt vor allem von der Dauer der Störungen im Schiffsverkehr ab. Der frühere E-Control-Vorstand Walter Boltz betonte im Ö1-Mittagsjournal, dass die Entwicklung entscheidend davon abhänge, wie lange die Erdöllieferroute durch die Straße von Hormus eingeschränkt bleibt.

Analysten vergleichen die Situation bereits mit der Energiekrise nach der russischen Invasion in die Ukraine 2022, die den weltweiten Gasmarkt grundlegend verändert hat.

Szenario: Energiepreise könnten sich mehr als verdoppeln

Die Investmentbank Goldman Sachs warnt vor erheblichen Risiken für den europäischen Gasmarkt. Eine einmonatige Unterbrechung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus könnte die Gaspreise in Europa mehr als verdoppeln.

Analysen zufolge könnten die Großhandelspreise in diesem Szenario von derzeit rund 40 auf bis zu 90 Euro pro Megawattstunde steigen.

Sollten zusätzlich Förderanlagen im Nahen Osten angegriffen werden, könnte der Ölpreis sogar auf bis zu 150 US-Dollar pro Barrel steigen, sagte der Ölmarktanalyst Johannes Benigni im ORF-Radio.

Der teilstaatliche österreichische Energiekonzern OMV sieht aktuell keine unmittelbare Gefahr für die Versorgung seiner Kunden. Das Unternehmen erklärte am Montag, die Versorgung mit den potenziell betroffenen Ölmengen sei derzeit gesichert. Für den Fall einer länger andauernden Einschränkung der Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus bereite man jedoch alternative Beschaffungsszenarien vor.

„OMV geht davon aus, dass betroffene Mengen über alternative Bezugsquellen ersetzt werden können“, teilte der Konzern mit. Auf die Gasversorgung habe die Situation in der Straße von Hormus derzeit keinen direkten Einfluss.

Trotz dieser Einschätzungen bleibt die Lage angespannt. Die Energiemärkte reagieren derzeit äußerst sensibel auf neue Nachrichten aus dem Nahen Osten.

Solange die Sicherheit der Schifffahrt durch die Straße von Hormus nicht gewährleistet ist, dürfte die Nervosität an den Rohstoffbörsen hoch bleiben – mit potenziell spürbaren Folgen für Energiepreise, Inflation und Industrieproduktion in Europa.

Die Bedeutung von LNG und Gasspeicher für Europa

Welche Bedeutung ein Lieferstopp von LNG aus der Golfregion für Europa dennoch hätte wird deutlich, wenn man sich die Gasflows und den Energieverbrauch der letzten Wochen ansieht.
Das durchwegs kalte Winterwetter in weiten Teilen Europas hat zu einer starken Gasnachfrage geführt. Speicherstände sind in vielen Nordeuropäischen Ländern bedenklich leer.

Auch führen technische Probleme bei Pipelines und Gasfeldern in Norwegen zu reduzierten Gasflows im System. Das System ist grundsätzlich stabil aber angespannt - das gilt für eine normale Marktsituation.

Warum waren niedrige Speicherstände bisher kein Problem?

Vor allem deswegen, weil durch einen anhaltenden LNG-Transit auf Gasspeicher gar nicht so stark zurückgegriffen werden musste. Durch regelmäßige Lieferungen von LNG durch Tanker konnte täglich genügend Gas in das System zugeführt werden, ohne auf Speicher zurückzugreifen.

Dieser LNG-Transit ist jetzt jedoch beeinträchtigt und keiner weiß, für wie lange. D.H. Kapazitäten der Gasspeicher werden nun relevanter und hier kann schnell eine Mangellage eintreten, wenn die Heizsaison noch länger dauert, oder - aufgrund schlechter Witterungsverhältnisse - die Stromproduktion aus Erneuerbaren tageweise gering ist. Aktuell muss in Europa ein erheblicher Anteil des Gases verstromt werden, um Netzstabilität zu garantieren.

Wann beginnt die Einspeicher-Saison?

Grundsätzlich kaufen Energielieferanten an den Energiemärkten dann, wenn die Preise günstig sind. Erste Lieferanten beginnen üblicherweise ab April mit dem Einkauf von Gaskapazitäten für die kommende Heizsaison. Sind zu dieser Zeit die Preise an den Märkten hoch, oder die Verfügbarkeit schlecht, dann wird gerne zugewartet. So war es 2022 nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine der Fall. Aufgrund von Kapazitätsengpässen könnte aber ein Gas-Zukauf früher notwendig werden, als üblich. Fallen wesentliche Kapazitäten von LNG aus der Golfregion aus, kommt es nicht nur zu einem Preisanstieg, sondern auch zu einem Mangelangebot. Denn selbst wenn Kapazitäten reserviert und gekauft werden können, ist nicht garantiert, dass diese auch zum benötigten Zeitpunkt geliefert werden. 

Hierfür spielt die Verfügbarkeit von Tankerschiffen einerseits eine Rolle, aber auch die Fahrzeit über die Ozeane. Analysten warnen bereits für die nächsten Wochen und Monate vor erheblichen Lieferkettenproblemen. 

Die Versorgung für Österreich sei aber gesichert, wie es von Seiten des Wirtschaftsministeriums und mehrerer Behörden gegenüber Medien hieß. Österreichs Gasversorgung erfolgt im Wesentlichen über Italien und Deutschland und ist nicht direkt von LNG Lieferungen aus der Golfregion abhängig.