Arbeitslosenzahlen Österreich : 35. Monat in Folge Anstieg der Arbeitslosen: In diesen Bundesländern ist Besserung in Sicht
Inhalt
- Arbeitslosigkeit nach Bundesländern: Dreimal Rückgang
- Arbeitslosigkeit nach Branchen: Gastronomie und Industrie mit unterdurchschnittlichem Anstieg
- Nahost-Konflikt als Risikofaktor für den Jobmarkt Österreich
- Arbeitslosigkeit im Geschlechtervergleich
- Ältere besonders betroffen
- Langzeitbeschäftigungslosigkeit nimmt bedrohlich zu
- Industriellenvereinigung fordert Senkung der Lohnnebenkosten
Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat sich zum Jahresstart beschleunigt. Ende Jänner waren 456.192 Menschen arbeitslos oder in einer Schulung des Arbeitsmarktservice (AMS). Das waren um 2,4 Prozent oder 10.679 Menschen mehr als vor einem Jahr, wie das AMS und das Arbeitsministerium am Montag bekanntgaben. Im Dezember war die Arbeitslosigkeit im Jahresabstand um 2 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt nun laut Vorabschätzwert bei 8,8 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte).
- © adobe stock/fizkesDie Lage am österreichischen Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Mittlerweile ist es der 35. Monat in Folge mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Doch: Immerhin fiel dieser Anstieg im Februar geringer aus als in den Vormonaten.
Zum Monatsende waren laut Arbeitsmarktservice (AMS) insgesamt 436.160 Personen arbeitslos gemeldet oder befanden sich in Schulung. Das entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent oder 6.220 Personen gegenüber dem Vorjahresmonat.
AMS-Chef Johannes Kopf ortet erste Signale der Entspannung am Arbeitsmarkt Österreich. "Obwohl die Zahl der beim AMS als arbeitslos oder in Schulung gemeldeten Personen (...) steigt, zeigen sich in manchen Bereichen bereits klare Anzeichen der prognostizierten Erholung: In Kärnten und in Oberösterreich sinkt die Arbeitslosigkeit, zugleich nimmt der Zugang an offenen Stellen erfreulicherweise wieder zu".
Zum Vergleich: Im Jänner hatte der Jahresabstand noch plus 2,4 Prozent betragen, im Dezember davor plus 2 Prozent. Die Arbeitslosenquote Österreichs stieg im Februar um 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent.
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Arbeitslosigkeit nach Bundesländern: Dreimal Rückgang
Einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen verzeichneten drei Bundesländer:
In Oberösterreich sank die Zahl um 0,8 Prozent, in Kärnten um 0,7 Prozent, in Wien leicht um 0,1 Prozent.
In Salzburg fiel der Anstieg mit plus 1,5 Prozent noch moderat aus.
Stärker stiegen die Zahlen in Tirol (plus 2,7 Prozent), der Steiermark (plus 3,1 Prozent) und im Burgenland (plus 4,3 Prozent).
Die deutlichsten Zuwächse meldeten Niederösterreich mit plus 5,4 Prozent und Vorarlberg mit plus 5,7 Prozent.
Arbeitslosigkeit nach Branchen: Gastronomie und Industrie mit unterdurchschnittlichem Anstieg
Ein differenziertes Bild zeigt sich auch auf Branchenebene. Gastronomie und Beherbergung verzeichneten sogar einen Rückgang um 0,5 Prozent – ein Effekt der laufenden Tourismussaison.
Auch in der Industrie (minus 0,7 Prozent) und am Bau (plus 1 Prozent) blieb der Anstieg vergleichsweise niedrig.
Deutlich stärker wuchs die Arbeitslosigkeit im Handel mit plus 4,4 Prozent sowie im Gesundheits- und Sozialwesen mit plus 11,3 Prozent.
Bei den sofort verfügbaren offenen Stellen registrierte das AMS ein Minus von 10,3 Prozent auf rund 72.000. Positiv entwickelte sich hingegen der Zugang an neu ausgeschriebenen Stellen: Er stieg um 4,1 Prozent auf 46.701. Bei den sofort verfügbaren Lehrstellen gab es ein Minus von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Thema Lehre hatte zuletzt für Diskussionen gesorgt – Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Arbeiterkammer (AK) beklagten eine wachsende Lücke beim Angebot an Lehrstellen.
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Nahost-Konflikt als Risikofaktor für den Jobmarkt Österreich
Trotz der positiven Signale bleibt Unsicherheit. Der Krieg im Nahen Osten und seine möglichen wirtschaftlichen Folgen könnten die Erholung am Arbeitsmarkt Österreich bremsen.
"Dieser Konflikt könnte, neben all dem menschlichen Leid, auch unsere wirtschaftliche Erholung spürbar belasten", so Kopf.
Arbeitslosigkeit im Geschlechtervergleich
Während die Beschäftigungslosigkeit bei Männern im Jänner (dem letzten Monat, für den uns Zahlen vorliegen) im Jahresvergleich lediglich um 1,9 Prozent zulegte, verzeichneten Frauen einen dramatischen Anstieg von 7,0 Prozent.
Die Arbeitslosenzahlen Österreich zeigen eine deutliche Geschlechterungleichheit. 147.437 Frauen waren im Jänner 2026 ohne Job – das bedeutet einen Anstieg um 9.595 Personen (+7,0 Prozent). Bei Männern stieg die Zahl auf 232.334, ein Zuwachs um 4.430 Personen (+1,9 Prozent). Die Arbeitslosigkeit bei Frauen klettert damit nahezu viermal schneller als bei Männern.
„Die Wirtschaftskrise bekommt zunehmend ein weibliches Gesicht", betont Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus, Bundesnetzwerk sozialer Unternehmen. „Frauen arbeiten überproportional in Branchen, die in Krisenzeiten als erste unter Druck geraten: Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Dienstleistungen. Gleichzeitig sind es nach wie vor mehrheitlich Frauen, die bei familiären Betreuungspflichten zurückstecken und deren Erwerbsbiografien dadurch brüchiger werden. Diese strukturelle Benachteiligung zeigt sich in den Arbeitslosenzahlen in aller Deutlichkeit."
Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus, sagt deutlich: "Wir haben ein akutes Thema der Ausgrenzung am Arbeitsmarkt."
Während die Wirtschaft erste zaghafte Erholungszeichen zeige, hätten bestimmte Gruppen keine Chance auf einen Job. "456.192 arbeitslose oder in Schulung befindliche Menschen bedeuten nicht nur Sofortkosten von vielen Millionen Euro für bspw. Arbeitslosengeld, sondern auch volkswirtschaftlich weit höhere Kosten, wenn sich die Arbeitslosigkeit verfestigt", so Rehbichler.
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Ältere besonders betroffen
Auch ältere ArbeitnehmerInnen ab 50 Jahren trifft die negative Arbeitsmarktentwicklung besonders hart – hier lag im Jänner der Zuwachs bei 4,9 Prozent. Bei den über 60-Jährigen fällt der Anstieg noch gravierender aus: Hier beträgt das Plus sogar 12,3 Prozent. Zum Vergleich: Bei Jugendlichen unter 25 Jahren liegt der Zuwachs bei nur 1,6 Prozent.
„Ältere Arbeitnehmer:innen haben es in Krisenzeiten besonders schwer", analysiert Rehbichler. „Wir erleben hier eine strukturelle Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt. Unternehmen scheuen das vermeintliche Risiko, ältere Arbeitskräfte einzustellen, obwohl gerade diese Gruppe Erfahrung, Loyalität und Stabilität mitbringt. Im demografischen Wandel können wir uns diese Verschwendung von Arbeitskraft schlicht nicht leisten – weder wirtschaftlich noch sozialpolitisch."
Gleichzeitig verfestigte sich die Langzeitarbeitslosigkeit mit einem alarmierenden Plus von 14,1 Prozent im Vergleich zum Jänner 2025. Die durchschnittliche Vormerkdauer beim AMS kletterte auf 184 Tage – das sind 16 Tage mehr als im Vorjahr. Für ältere ArbeitnehmerInnen liegt dieser Wert noch deutlich höher bei 259 Tagen. Mit zunehmender Dauer der Jobsuche sinken nachweislich die Chancen auf einen erfolgreichen Wiedereinstieg.
Hier kommt die neue Bundesinitiative 'Aktion 55+' ins Spiel. Sie soll bis zu 6.000 Jobs für ältere ArbeitnehmerInnen schaffen. „Die Politik erkennt den Handlungsbedarf", so Vollmann.
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Langzeitbeschäftigungslosigkeit nimmt bedrohlich zu
Die Entwicklung bei der Langzeitarbeitslosigkeit gibt besonderen Anlass zur Sorge. 101.536 Personen fielen im Jänner darunter – das entspricht einem Anstieg um 12.569 Personen (+14,1 Prozent). Mehr als jeder vierte Erwerbslose (26,7 Prozent) zählt bereits zu den Langzeitbeschäftigungslosen.
Die durchschnittliche Vormerkdauer beim AMS kletterte auf 184 Tage – das sind 16 Tage mehr als im Vorjahr. Für ältere ArbeitnehmerInnen liegt dieser Wert noch deutlich höher bei 259 Tagen. Mit zunehmender Dauer der Jobsuche sinken nachweislich die Chancen auf einen erfolgreichen Wiedereinstieg.
„Die Langzeitarbeitslosigkeit wächst fast doppelt so schnell", warnt Vollmann. „Ebenso steigt die Dauer. Setzt sich diese Dynamik fort, droht eine massive Ausweitung des verfestigten Sockels der Langzeitbeschäftigungslosigkeit, mit allen sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten."
Hier kommt die neue Bundesinitiative 'Aktion 55+' ins Spiel. Sie soll bis zu 6.000 Jobs für ältere ArbeitnehmerInnen schaffen. „Die Politik erkennt den Handlungsbedarf", so Vollmann.
Bis 2040 ist, trotz der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters, mit einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung zu rechnen. Viele Unternehmen, unter anderem in der Gastronomie, in der Pflege und im Handwerk, klagen bereits seit längerem über einen Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig steigt die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen. Es braucht gezielte strukturelle Maßnahmen verbunden mit dem Ausbau aktiver Arbeitsmarktpolitik. Soziale Unternehmen machen genau das: Integration statt Verwaltung."
Industriellenvereinigung fordert Senkung der Lohnnebenkosten
Die Industriellenvereinigung (IV) sieht in der angespannten wirtschaftlichen Situation dringenden Handlungsbedarf.
„Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich zunehmend für unsere österreichische Industrie, Stellenabbau und Arbeitslosigkeit verfestigen sich. Die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten, die schwache Konjunktur und steigende Kosten setzen den Betrieben immer noch zu. Die in der Industriestrategie angekündigte Lohnnebenkostensenkung wäre ein Schlüssel, um dem konjunkturellen Lichtblick unter die Arme zu greifen", heißt es von der IV.
Die Industrievertreter sprechen sich wiederholt dafür aus, sämtliche Möglichkeiten zur Reduktion der Lohnnebenkosten tatsächlich zu nutzen. Dies würde den Standort entlasten, ohne die hohen sozialen Standards anzutasten.
Potenzial sieht die IV beispielsweise beim Arbeitslosenversicherungsbeitrag, der mit 5,9 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfällt wie in Deutschland. Auch der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) mit 3,7 Prozent auf Unternehmensseite könne gesenkt werden.
„Die im internationalen Vergleich sehr hohe Abgabenlast wirkt wachstumshemmend, setzt negative Beschäftigungsanreize und stellt einen enormen Wettbewerbsnachteil dar", meint die IV. Eine entsprechende Entlastung würde Investitionen fördern und Arbeitsplätze sichern.
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(LB/APA)
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