Frauen in der Wirtschaft : Frauen im Vorstand bleiben die Ausnahme – dabei würden sie die Wirtschaft fördern
Inhalt
- Was ist der Zukunft.Frauen Alumnae Club?
- Frauenquote im Vorstand: Wo ist der Gender Gap am größten?
- Aufsichtsräte beschäftigen sich kaum mit Diversität
- Gender PAY Gap
- Teilzeitquote hoch, Karrierechancen begrenzt
- Frauen als Wirtschaftsfaktor: Mehr Gleichstellung würde Standort Österreich stärken
- Welche Maßnahmen könnten helfen?
- Warum Österreich im Ranking zurückfällt
Eine größere und diversere Belegschaft fördert nicht nur das BIP, sondern auch Innovationskraft der Wirtschaft, reduziert Einkommensungleichheit und stärkt die Qualifikationsbasis.
(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)
- © CStockSeit Jahrzehnten wird an der Gleichstellung von Mann und Frau gearbeitet, doch in vielen Bereichen bleibt die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück. Ein Blick in die Führungsetagen zeigt nach wie vor eine deutliche Männerdominanz – obwohl Frauen fast jedes zweite Unternehmen gründen.
Auch eine neue Umfrage des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs (ZFAC) zeichnet ein ernüchterndes Bild zur Gleichberechtigung in Österreich. In fast der Hälfte der heimischen Unternehmen sitzt keine einzige Frau im Vorstand. Gleichzeitig ist eine überwältigende Mehrheit der Befragten überzeugt, dass weibliche Führungskräfte nachweislich neue Perspektiven einbringen.
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"Unternehmen, die unsere Zukunft verantwortungsvoll gestalten wollen, müssen Diversität als strategischen Steuerungsfaktor begreifen – nicht als freiwillige Begleiterscheinung."Karen Fanto, Vorstandsvorsitzende des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs
Was ist der Zukunft.Frauen Alumnae Club?
Der ZFAC vereint mehr als 400 Top-ManagerInnen und AufsichtsrätInnen. Quartalsweise erhebt der Club unter seinen Mitgliedern ein Stimmungsbild zur aktuellen Wirtschaftslage und zur Rolle von Frauen in Führungspositionen.
Die jüngsten Ergebnisse stammen aus dem vierten Quartal 2025.
Frauenquote im Vorstand: Wo ist der Gender Gap am größten?
Laut der Umfrage berufen 46 Prozent der befragten Unternehmen keine Frau in ihren Vorstand. Den größten Gender Gap weisen dabei Banken und Versicherungen sowie Unternehmen aus Industrie und Produktion auf.
Lesen Sie hier, bei welcher Bank die Frauen in Führungspositionen immer mehr werden
Auch in den Aufsichtsräten ist Gleichberechtigung noch weit entfernt: 19 Prozent der Gremien sind ausschließlich männlich besetzt.
Etwas besser sieht die Lage auf der ersten und zweiten Führungsebene aus. In 52 Prozent der Unternehmen sind mehr als 25 Prozent der GeschäftsführerInnen weiblich – hier ist die Geschlechterverteilung deutlich ausgeglichener.
Immerhin nennen 49 Prozent der Befragten die Stärkung von Frauen in der ersten oder zweiten Führungsebene als erklärtes Unternehmensziel. Zur Umsetzung setzen 43 Prozent auf Programme und Initiativen zur Bewusstseinsbildung.
Aufsichtsräte beschäftigen sich kaum mit Diversität
Was die inhaltliche Schwerpunktsetzung in Aufsichtsräten betrifft, zeigt sich allerdings Aufholbedarf beim Thema Gleichstellung. Während sich 30,5 Prozent der Gremien mit der Unternehmensstrategie beschäftigen, folgen dahinter Digitalisierung mit gut 23 und Standortpolitik mit knapp 16 Prozent. Diversität und Gleichstellung hingegen behandeln gerade einmal drei Prozent der Aufsichtsratsgremien.
Und das obwohl 88 Prozent der Befragten angeben, dass Frauen in Führungspositionen neue Themen und Sichtweisen in Diskussionen einbringen.
„Obwohl fast die Hälfte der Unternehmen klare Ziele oder Initiativen zur Förderung von Frauen nennt, ist Gender-Diversität immer noch ein Randthema. Umso deutlicher ist die Wahrnehmung der Wirkung heterogener Teams. Eine überwältigende Mehrheit bestätigt, dass Frauen neue Perspektiven und Themen in Führung und Aufsicht einbringen – von Leadership-Kultur über die Art und Tiefe von Entscheidungen, mehr Dimensionen in der Analyse, kritischere Diskussionen und höhere Transparenz", sagt Karen Fanto, Vorstandsvorsitzende des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs. "Unternehmen, die unsere Zukunft verantwortungsvoll gestalten wollen, müssen Diversität als strategischen Steuerungsfaktor begreifen – nicht als freiwillige Begleiterscheinung."
Rückhalt für diese Position kommt unter anderem von der Österreichischen Nationalbank. In ihrer Studie „Breaking the Glass Ceiling: Do Female Directors Boost Firm Performance?" zeigen die ÖNB-Experten Michael Sigmund und Mario Hübler, dass Frauen in Aufsichtsräten signifikant positive Auswirkungen auf Profitabilität, Marktentwicklung, Risikoprofil und Wachstumsraten von Unternehmen haben.
Gender PAY Gap
Besonders problematisch ist die bestehende Lohnlücke: In Österreich verdienen Frauen im Schnitt 18 % weniger als Männer, während der OECD-Durchschnitt bei 13 % liegt.
Luxemburg zeigt, dass es auch anders geht: Dort liegt der Gender Pay Gap bei -0,9 % – Frauen verdienen also im Schnitt sogar mehr als Männer.
Teilzeitquote hoch, Karrierechancen begrenzt
Nur 6 von 10 Frauen arbeiten in Österreich Vollzeit, während es bei Männern 9 von 10 sind. Besonders problematisch ist der hohe Anteil unbezahlter Arbeit, den Frauen leisten: In der Steiermark etwa verbringen Frauen täglich über vier Stunden mit unbezahlter Care-Arbeit, während Männer im Schnitt nur zweieinhalb Stunden aufwenden.
Die ungleiche Verteilung dieser Aufgaben erschwert es Frauen, in Führungspositionen aufzusteigen.
"Wir sind dem Ziel einer geschlechtergerechten Arbeitswelt zwar nähergekommen, haben es aber noch nicht erreicht. Besonders wichtig wäre ein Ausbau der frühkindlichen Betreuung, um mehr Frauen eine Vollzeittätigkeit zu ermöglichen", sagt Gabi Lechner, Vizepräsidentin der WKO Steiermark.
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Frauen als Wirtschaftsfaktor: Mehr Gleichstellung würde Standort Österreich stärken
Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen bringt nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. PwC-Analysen zeigen, dass eine bessere Einbindung von Frauen in den Arbeitsmarkt die Produktivität steigern und das Wirtschaftswachstum langfristig sichern könnte. Bis 2030 könnten die Produktivitätsgewinne in OECD-Ländern durch Fortschritte in der Geschlechtergleichstellung insgesamt 31,6 Milliarden USD erreichen.
"Eine größere und diversere Belegschaft fördert nicht nur das BIP, sondern auch die Innovationskraft der Wirtschaft, reduziert Einkommensungleichheit und stärkt die Qualifikationsbasis", erklärt Johanna Schaller, Workforce Transformation Lead bei PwC Österreich.
Welche Maßnahmen könnten helfen?
Mehr Sichtbarkeit für Frauen: Weibliche Leistungen in Gesellschaft und Wirtschaft stärker hervorheben.
Förderung von MINT-Kompetenzen: Digitale und technische Bildung für Mädchen und Frauen intensivieren. (Lesen Sie dazu auch hier ein spannendes Interview)
Mehr Frauen in Führung: Durch gezielte Programme Frauen für Leitungspositionen motivieren (ein Beispiel für solch eine Initiative und ein Beispiel für eine Weiterbildung in die richtige Richtung)
Partnerschaftliche Verteilung von Care-Arbeit: Politische Maßnahmen zur gerechteren Verteilung unbezahlter Arbeit setzen.
Bessere Kinderbetreuung: Flächendeckender Ausbau einer flexiblen und leistbaren Betreuungseinrichtung.
Bekämpfung von Altersarmut: Gerechtere Rentensysteme und gezielte Unterstützung für Frauen.
Aufwertung des ländlichen Raums: Anreize schaffen, damit junge Frauen nicht nur in Städte ziehen.
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„Während andere Länder nach der Pandemie große Fortschritte gemacht haben, hinkt Österreich bei der Gleichstellung am Arbeitsplatz hinterher. Besonders Frauen sind von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen – ihre Quote ist bereits auf 4,9 % gestiegen."Agatha Kalandra, Markets Lead und Vorstandsmitglied bei PwC Österreich
Warum Österreich im Ranking zurückfällt
Im aktuellen PwC Women in Work Index ist Österreich von Platz 26 auf Platz 27 (von 33 OECD-Ländern) zurückgefallen. Hauptgründe sind die stagnierende Erwerbsbeteiligung von Frauen, eine steigende Arbeitslosenquote und die weiterhin signifikante Lohnlücke.
Island, Neuseeland und Luxemburg führen das Ranking an, unter anderem aufgrund gezielter Regierungsmaßnahmen für Lohngleichheit und besserer Betreuungsangebote für Familien.
Sylvia Ippavitz, stellvertretende ÖGB-Landesfrauenvorsitzende, kritisiert: "Die Ungerechtigkeit setzt sich bis in die Pensionen fort. Eine partnerschaftliche Teilung der unbezahlten Arbeit muss endlich selbstverständlich werden."
Hinweis: Teile dieses Artikel wurden erstmals März 2025 veröffentlicht. Der Bericht hat seither ein umfassendes Update bekommen.
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