Frauen in Mint-Berufen Österreich : "Techniker:innen von morgen" will über 1.000 Jugendliche erreichen
Ziel der Veranstaltung „Techniker/innen von morgen 2026“ ist es, jungen Menschen – besonders Mädchen und Frauen – spannende Perspektiven in technischen Berufen zu zeigen.
- © adobe stock/auremarSeit vielen Jahren laufen in Österreich Initiativen, um Mädchen für technische Lehrberufe und Ausbildungen zu gewinnen. Eine Studie zeigt jedoch: Die Wahl einer MINT-Ausbildung ist erst der Anfang.
Viele junge Frauen beenden vorzeitig ihre Ausbildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Beim Berufseinstieg ist das Risiko eines Ausstiegs sogar doppelt so hoch wie bei männlichen Kollegen.
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Die Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) und L&R Sozialforschung wurde im Auftrag des Fonds LEA ("Let's Empower Austria") 2025 durchgeführt.
Das zentrale Ergebnis: Der bereits geringe Anteil von 15 Prozent der Mädchen, die sich für eine technische höhere Schule entscheiden, sinkt während der Ausbildung und beim Einstieg ins Berufsleben kontinuierlich weiter.
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In den meisten Schulformen verlassen Frauen ihre Ausbildung seltener als Männer. Bei den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) fällt dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern allerdings deutlich geringer aus. An den Übergangsstellen im Bildungssystem verlassen Frauen den MINT-Bereich zudem häufiger.
Von den Mädchen, die eine BHS mit technischem Schwerpunkt beginnen, schließen lediglich 3 Prozent ein technisches Studium ab. (Bei den Burschen sind es 7 Prozent.) Nur 15 Prozent der BHS-Absolventinnen starten ein entsprechendes Studium. (Bei den männlichen Absolventen sind es 33 Prozent.)
"Techniker:innen von morgen" gegen Fachkräftemangel
Gleichzeitig bringt der demografische Wandel den österreichischen Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck. In systemrelevanten Bereichen fehlen künftig ausgebildete Fachkräfte, weil deutlich mehr Menschen in Pension gehen als junge Arbeitskräfte nachkommen. Besonders betroffen sind unter anderem technische Berufe.
Daher setzen die Innungen für Mechatronik, Metalltechnik und Fahrzeugtechnik auf praktische Nachwuchsarbeit. Von 17. bis 20. Februar 2026 läuft wieder die Lehrberufsaktion "Techniker/innen von morgen".
Die Veranstaltung in Wien (Arena des Westfield Donau Zentrums, Eingang Schrödingerplatz) richtet sich gezielt an Jugendliche – mit besonderem Fokus auf Mädchen. Hier kann alles über konkrete Karrierechancen in technischen Berufen erfahren werden.
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Rund 1.200 Teenager werden bei der Veranstaltung erwartet. Ziel ist es, die SchülerInnen im Alter von 13 bis 17 Jahren für technische Lehrberufe zu begeistern. „Wir wollen jungen Menschen greifbare Eindrücke aus unserer Arbeitswelt mitgeben und zeigen: Technik ist vielseitig, zukunftsweisend und voller Chancen“, sagt Peter Merten, Wiener Landesinnungsmeister Mechatronik. „Chancen, die auch junge Frauen nutzen sollten – denn von ihnen gibt es noch viel zu wenige bei uns. ‚Techniker:innen von Morgen‘ soll durch das direkte Erlebnis vor Ort auch mögliche Barrieren und Vorbehalte in den Köpfen abbauen.“
Programm "Techniker/innen von morgen"
Im Mittelpunkt der vier Veranstaltungstage stehen zahlreiche interaktive Mitmach-Stationen. An allen Stationen stehen Lehrlinge als Coaches bereit, um ihre Lehrberufe vorzustellen. So erhalten alle Interessierten ein authentisches Bild vom Arbeitsalltag.
Anmeldungen für die einzelnen Stationen sind beim Infodesk direkt im Veranstaltungsbereich möglich. Eine Anmeldung für Schulklassen ist hier möglich. (Dieser Link dient der Information – es besteht keine Affiliation zu den WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN.)
Wiener Unternehmen wie SEW Eurodrive, ÖBB, Rejlek GmbH, Erwin Reumüller TEWA GmbH, Pirker Kühlung, Innotec, MA48, Repa-Rad-Tur, Frühwald, PPJ, Merten GmbH, Wittka, Senft und Gebrauchtbikes.at betreuen die Stationen vor Ort.
„Wenn Jugendliche zum ersten Mal ein Werkstück in den Händen halten, selbst schrauben, bohren oder löten, entsteht ein unmittelbares Verständnis dafür, wie viel Präzision und Kreativität hinter diesem Prozess stecken“, sagt Christian Adamovic, Wiener Landesinnungsmeister der Metalltechnik.
Bei den Mechatroniker:innen können die Jugendlichen etwa einen Elektromotor wickeln, einen Elektrorollstuhl ausprobieren, fahrradtechnische Reparaturen durchführen, Scheinwerferkontakte anlöten oder erleben, wie mithilfe des Spritzgusses Bauteile entstehen. Im metalltechnischen Bereich kann man selbst ein Werkstück wie „Thors Hammer“ drehen und dieses anschließend durch Galvanisierung individuell veredeln. Auch die Sicherheitstechnik wird ausprobiert. In der Fahrzeugtechnik stehen unter anderem Reifenwechsel, Bremsen und Lenkungscheck am Programm, auch das Lackieren und Ausdrücken von Karosseriedellen kann geübt werden.
„Lehre ist kein Plan B, sondern ein klarer Weg mit Zukunftsperspektive“, sagt Emin Yilmaz, Wiener Landesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik. „Gerade in der Technik zeigt sich, wie die Lehrlingsausbildung von heute aussieht – modern und digital, aber gleichzeitig auch bodenständig und handwerklich. Wer diesen Weg einschlägt, bekommt vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und echte Karrierechancen in einer Branche, die aktiv an der Zukunft mitarbeitet.“
Gender Gap beim Berufseinstieg in technischen Berufen
Auch nach Abschluss der MINT-Ausbildung zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den Geschlechtern. Weniger als ein Drittel aller Frauen mit einem Bildungsabschluss im MINT-Bereich (31 Prozent) arbeitet später tatsächlich in einem entsprechenden Beruf. Bei Männern bleibt deutlich mehr als die Hälfte (57 Prozent) im technischen oder naturwissenschaftlichen Berufsfeld tätig.
Werden andere Faktoren wie Bildungsniveau, Alter, regionale Herkunft und familiäre Situation herausgerechnet, zeigt sich eindeutig: Das Geschlecht erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Ausstieg aus dem Berufsfeld bei Frauen um mehr als das Doppelte im Vergleich zu Männern.
In den quantitativen und qualitativen Befragungen der Studie nannten die Befragten vor allem die Arbeitsbedingungen, fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten und tief verankerte geschlechtsbezogene Ungleichheiten als Hauptgründe.
Die Hälfte der befragten Frauen gab an, häufig das Gefühl gehabt zu haben, nicht dazuzugehören oder fehl am Platz zu sein. Mehr als ein Drittel berichtete, dass ihre fachlichen Kompetenzen in Frage gestellt wurden. 29 Prozent der Befragten gaben außerdem an, am Arbeitsplatz sexuelle Belästigung erlebt zu haben.
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Individuelle Defizite, mangelndes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten oder geringes Interesse der Frauen stellen keine zentralen Ursachen für den Ausstieg aus dem Beruf dar. Der Fachkräftemangel Österreichs im MINT-Bereich wird durch diese strukturellen Probleme weiter verschärft. (LB/APA)
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