Equal Pension Day Österreich : Handlungsbedarf bei Vorsorge: Warum Frauen deutlich weniger Pension erhalten, auch privat

Eine reifere Frau sitzt an einem Laptop in einem Privathaushalt und blickt aufs Handy, neben ihr Papiere, die auf Buchhaltung, Steuererklärung oder Pensionsvorsorge schließen lassen.

Nur 14 Prozent der Frauen fühlen sich ausreichend informiert, wenn es um Vorsorgeprodukte geht. 

- © Nina Lawrenson/peopleimages.com

Am 07. August ist der Equal Pension Day 2025 in Österreich. Er markiert jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bezogen haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten werden. Frauen arbeiten ab diesem Tag im Vergleich zu Männern also sozusagen „gratis“.

Die finanzielle Absicherung im Alter stellt für Frauen in Österreich eine besondere Herausforderung dar. Sie erhalten im Schnitt nicht nur deutlich weniger staatliche Pension, sondern verfügen auch über eine geringere private Altersvorsorge.

Der sogenannte Gender Pay Gap liegt in Österreich bei rund 18 %, doch die Gender Pension Gap fällt mit durchschnittlich 40 % deutlich höher aus. 

Im Schnitt liegt die Bruttopension von Frauen bei 1.527 € – und damit 1.008 € pro Monat unter jener der Männer (2.535 €). Trotz leichtem Rückgang bleibt Österreich beim Gender Pension Gap europaweit im Schlussfeld.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: 

  • Teilzeitbeschäftigung
  • längere Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit aufgrund von Karenz 
  • sowie ein überdurchschnittlich hoher Anteil unbezahlter Care-Arbeit

„Es braucht dringend Maßnahmen, um echte Chancengerechtigkeit herzustellen. Dazu zählen ein faires Pensionssystem, das die Lebensrealitäten von Frauen berücksichtigt, sowie ein flächendeckender Ausbau von Kinderbildungs- und - betreuungseinrichtungen“, sagt AK-Oberösterreich-Präsident Andreas Stangl.

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Beim symbolischen Equal Pension Day gibt es regionale Unterschiede in Österreich.

- © APA

Wie sieht die Bevölkerung den Pension Gap?

Eine neue österreichweite Studie des Generationencafés Vollpension zeigt: 74 % erkennen den Gender Pension Gap und schätzen Frauen als stärker von Altersarmut betroffen ein. 

Rund ein Fünftel aber verneint den belegbaren Unterschied zwischen den Geschlechtern. 

Vor allem die emotionale Betroffenheit zu dem Thema ist hoch: 78 % der Unter-60-Jährigen fürchten finanzielle Engpässe in der Pension. Bei Frauen liegt dieser Wert sogar bei 86 %. 

„Altersarmut ist weiblich – und das ist kein Frauenproblem, sondern ein Systemfehler“, sagt Karin Hermann-Arnold, Vereinsobfrau der Vollpension. „Wir tun oft so, als wären Teilzeit oder unbezahlte Care-Arbeit freiwillige Entscheidungen von Frauen. Doch solange es nicht ausreichend Kinderbetreuung gibt, Frauen den Großteil der Angehörigenpflege übernehmen und sich beim Gender Pay Gap kaum etwas bewegt, ist Altersarmut bei Frauen vorprogrammiert – und das wird sich auch in Zukunft nicht von selbst ändern.“

Viele befürchten, zu wenig Geld in der Pension zur Verfügung haben zu werden.

- © Vollpension

Es gibt mehrere Ursachen für die Unterschiede bei der staatlichen Pension

- © Vollpension

Was wären die wirksamsten Maßnahmen gegen Altersarmut?

- © Vollpension

Ursachen und mögliche Maßnahmen

Als zentrale Ursachen für den Gender Pension Gap nennen 71,9 % die überwiegend von Frauen geleistete, unbezahlte – und in der Pension nicht berücksichtigte – Care-Arbeit

71,2 % sehen die häufige Teilzeitbeschäftigung von Frauen als Ursache. 61 % nennen zudem die schlechtere Bezahlung in frauendominierten Branchen als weiteren Mitgrund. 

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Maßnahmen wie das Pensionssplitting oder eine Anhebung der steuerfreien Zuverdienstgrenze könnten gegensteuern – werden jedoch bislang nur von 10 % bzw. 38,5 % der Befragten als wirksam gegen Altersarmut eingeschätzt. 

Auch Arbeit im Alter wird von 23,9 % als potenzieller Lösungsansatz genannt.

Equal Pension Day in Oberösterreich

Die regionalen Unterschiede in Österreich sind deutlich. In Oberösterreich beträgt der Gender Pension Gap sogar 45,1 Prozent. Hier fiel 2025 der Equal Pension Day bereits auf den 19. Juli. 

Während Männer in Oberösterreich eine Alterspension von durchschnittlich 2.641 Euro pro Monat beziehen, erhalten Frauen mit 1.450 Euro nur etwas mehr als die Hälfte. Das sind pro Jahr um etwa 16.000 Euro weniger. 

Im österreichweiten Vergleich liegt Oberösterreich auf dem vorletzten Platz – wie auch schon 2024. Schlechter sieht es nur in Vorarlberg aus.

  • Andreas Bayerle, Vorstand Leben und Finanzen bei Helvetia Österreich
    "Frauen wollen Vorsorge leisten, jedoch sind leider häufig ihre Möglichkeiten begrenzt."

    Andreas Bayerle, Vorstand Leben und Finanzen bei Helvetia Österreich 

Equal Pension Day in Vorarlberg

Besonders deutlich zeigt sich die Pensionslücke in Vorarlberg. Dort beziehen Frauen derzeit bis zu 47 % weniger Pension als Männer. Hier der Equal Pension Day bereits auf den 13. Juli.

„In Vorarlberg arbeiten viele Frauen Teilzeit und traditionelle Rollenbilder sind stark verankert – das sorgt für eine besonders große Pensionslücke", erklärt Andreas Bayerle, Vorstand Leben und Finanzen bei Helvetia Österreich.

In Wien ist die Differenz im österreichweiten Vergleich am geringsten, dennoch liegt auch hier die Pensionslücke bei 28 %. Der Equal Pension Day fällt in der Bundeshauptstadt auf den 19. September. 

"In Wien hilft ein höherer Anteil an Vollzeitbeschäftigung, die Kluft etwas zu verkleinern", so Bayerle.

Private Pensionsvorsorge für Frauen: Wille vorhanden, Spielraum begrenzt

Trotz der finanziellen Unterschiede zeigen Frauen laut Daten von Helvetia Österreich ein hohes Interesse an privater Vorsorge. Im Jahr 2024 wurden fast gleich viele Lebensversicherungen von Frauen (49 %) wie von Männern (51 %) abgeschlossen.

Ein Blick auf die Prämienhöhen zeigt jedoch das Ungleichgewicht: Frauen zahlten im Schnitt 1.344 Euro, Männer hingegen 1.568 Euro – ein Unterschied von 17 %. Im Jahr 2015 lag diese Differenz sogar noch bei rund 41 %.

Die Zahlen deuten auf ein kontinuierliches Aufholen hin, doch strukturelle Hürden bleiben bestehen. 

„Frauen wollen Vorsorge leisten, jedoch sind leider häufig ihre Möglichkeiten begrenzt“, so Bayerle.

Herausforderungen bei der finanziellen Vorsorge

Laut der Generali-Studie "Was Frauen bewegt" von 2025 sehen Frauen finanzielle Sicherheit als essenziell an. Während sie Versicherungen gegenüber positiver eingestellt sind als Männer, schätzen sie ihr Wissen über finanzielle Absicherung oft als unzureichend ein. 

Biometrische Absicherung, Pensionsvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung gelten als besonders wichtige Faktoren.

Die Studie zeigt, dass sich 42 Prozent der Frauen als sehr zufrieden mit ihrem Leben bezeichnen. Jedoch fühlen sich nur 14 Prozent ausreichend informiert, wenn es um Vorsorgeprodukte geht. 

Zudem gibt fast die Hälfte der Frauen an, dass sie im Freundeskreis nicht über finanzielle Absicherung sprechen. Besonders bei der Pensionsvorsorge herrscht Unsicherheit: Nur 19 Prozent der Frauen glauben, dass die staatliche Pension ausreichen wird.

Wie könnte Pensionsberechnung fairer werden?

Gemeinsam mit dem Wifo hat die AK Oberösterreich letztes Jahr in einer Studie erstmals gezeigt, wie man die Pensionsberechnung fairer gestalten könnte, um die strukturelle Benachteiligung von Frauen zu kompensieren.

Dabei wurden drei Szenarien untersucht: 

  • die Höherbewertung von Kindererziehungszeiten, 
  • die Höherbewertung von Zeiten der Arbeitslosigkeit 
  • und die Einführung eines Aufwertungsfaktors (Gender-Pay-Gap-Faktor), der Frauenpensionen anhebt und somit verhindert, dass die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt auch in die Pension übertragen wird.

Reine Reformen im Pensionsrecht können die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen laut Wifo nicht schließen, sondern nur abmildern. So würde eine Höherbewertung der Kindererziehungszeiten den Gender Pension Gap beispielsweise nur geringfügig auf rund 37 Prozent drücken. 

Wifo-Ökonomin und Alterssicherungskommissions-Vorsitzende Christine Mayrhuber plädiert daher für einen stärkeren Fokus auf die Einkommenssituation von Frauen.

Initiativen zur finanziellen Stärkung von Frauen

In Beziehungen geben Frauen an, etwa zwei Drittel der Sorgearbeit zu übernehmen. Dennoch fühlen sich 60 Prozent der Befragten gleichberechtigt. Die finanzielle Unabhängigkeit ist für viele Frauen ein entscheidender Faktor: 29 Prozent sehen darin ihre größte Errungenschaft, gefolgt von persönlichen Talenten (20 Prozent) und Familienbeziehungen (18 Prozent).

Um Frauen bei ihrer finanziellen Zukunft zu unterstützen, setzt die Generali verstärkt auf Informationsangebote und Vergünstigungen. Im Jahr 2025 werden Prämienvorteile für Kranken-, Unfall- und Lebensversicherungen angeboten. 

Zudem erhalten Neukundinnen der Krankenversicherung ein Jahr kostenlosen Zugang zum Digital Health Club, einer Plattform mit Expertenwissen zu Gesundheitsthemen. (LB/APA)
 

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