Digitale Bildung für Kinder : Interview mit MINT-Kursanbieterin: "Fachkräftemangel beginnt dort, wo Kindern Chancen fehlen"
In den Kursen von RoboManiac lernen Kinder das Programmieren – und mehr.
- © adobe stock/insta_photosDie digitale Transformation verändert Österreichs Wirtschaft grundlegend – und stellt den Bildungssektor vor neue Herausforderungen.
Während der IT-Fachkräftemangel bereits heute spürbar ist, zeigt sich immer deutlicher: Digitale Bildung für Kinder ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit der Gegenwart. Wer früh digitale Kompetenzen erwirbt, entwickelt nicht nur technisches Verständnis, sondern auch Problemlösungsfähigkeit, Kreativität und strukturiertes Denken – Schlüsselqualifikationen für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Programmieren für Kinder bedeutet dabei weit mehr als das Erlernen von Code: Es geht um die Grundlagen einer Zukunft, in der digitale Kompetenzen ebenso selbstverständlich sein sollten wie Lesen und Rechnen.
Hier kommt RoboManiac ins Spiel, ein Anbieter von MINT-Robotik-Kursen mit Hauptsitz in Mödling bzw. Wien. Die WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN trafen Geschäftsführerin Catrin Meyringer zum Interview.
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Programmieren so früh wie möglich lernen
WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN: Frau Meyringer, Sie bringen Kindern das Programmieren bei. Gleichzeitig ist der IT-Fachkräftemangel in aller Munde. Wie früh muss man ansetzen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?
CATRIN MEYRINGER: So früh wie möglich. Im Volksschulalter wird die natürliche Neugier nicht durch Angst vor Technik blockiert. Wer früh positive Erfahrungen sammelt, interessiert sich später eher für einen technischen Beruf. Es muss nicht jedes Kind IT-Fachkraft werden – aber jedes Kind sollte die Chance bekommen, digitale Kompetenzen zu erwerben. Der Fachkräftemangel beginnt dort, wo diese Chancen fehlen.
Digitale Kompetenzen sind längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern Voraussetzung dafür, dass Österreich im internationalen Wettbewerb mithalten kann. Wer früh sich früh für Technologie interessiert, entwickelt später Innovationen.
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Gezielte Förderung von Mädchen
Sollten gezielt Mädchen mehr gefördert werden, da Frauen deutlich seltener in MINT-Berufen zu finden sind?
Meyringer: Ja, es braucht gezielte Förderung – weil in unserer Gesellschaft noch immer stereotype Vorstellungen verankert sind. Viele Eltern kommen nicht auf die Idee, ihre Töchter in einen Programmierkurs zu schicken, weil sie sich nicht vorstellen können, dass ihnen das Spaß macht. Und viele Mädchen hatten noch nie die Gelegenheit, zu erleben, wie viel Spaß Technik machen kann und dass sie gut darin sind.
Mädchen sind genauso talentiert, aber sie bekommen oft weniger Ermutigung. Wir setzen auf weibliche Vorbilder, genderneutrale Inhalte und Kursformate, die Selbstvertrauen stärken.
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RoboManiac wurde 2017 gegründet und unterrichtete 2025 mehr als 2600 Kinder und Jugendliche. Der direkt an Schulen stattfindende Programmierclub ging dabei in sein zweites Jahr.
Daneben weiteten sich die Sommercamps weiter aus und fanden in Wien, Niederösterreich, der Steiermark, Oberösterreich und dem Burgenland statt.
Rolle der Schulen in der digitalen Bildung
Wie kommt es, dass in skandinavischen Ländern nun teilweise wieder zurück gerudert wird mit Digitalisierung im Unterricht, etwa bei der Tabletnutzung?
Meyringer: Kinder brauchen analoge, haptische Erfahrungen. Man weiß z. B., dass das Schreiben mit der Hand komplexe motorische Abläufe trainiert und neuronale Verbindungen stärkt. Deswegen arbeiten wir sowohl analog als auch digital. Die Kinder bauen beispielsweise mit speziellen Bausets Roboter, zeichnen Codes für bestimmte Roboter und machen verschiedene Konstruktionen. Programmieren und Technik finden nicht nur am Computer, Handy oder Tablet statt.
RoboManiac gibt es seit 2017. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen im wachsenden Markt der EdTech-Angebote? Welche Rolle spielen Kooperationen mit Schulen und Unternehmen für Ihr Geschäftsmodell?
Meyringer: Wir stehen für kleine Gruppen, qualifizierte Trainerinnen und Trainer und Inhalte, die von Pädagogen konzipiert wurden und sich an internationalen Standards orientieren.
Partnerschaften mit Schulen und Unternehmen helfen uns, die Reichweite zu vergrößern. Durch geförderte Programme in Schulen können wir mehr Kinder erreichen, da u.a. die finanzielle Hürde wegfällt. Außerdem kommen wir durch die Kooperationen auch in andere Bundesländer und auch in ländlichere Gebiete. Unternehmen, die für die Kinder ihrer MitarbeiterInnen z. B. Sommercamps anbieten, leisten damit nicht nur einen Bildungsbetrag, sondern helfen ihren Beschäftigten auch, in den Ferien Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.
Sie haben gerade selbst die finanzielle Hürde angesprochen – digitale Bildung ist oft auch eine Frage des Geldbeutels. Welche Rolle sollte der Staat bei der Förderung digitaler Kompetenzen spielen?
Meyringer: Es braucht eine nationale Strategie, die frühkindliche digitale Bildung genauso ernst nimmt wie Mathematik oder Sprachen. In einem idealen österreichischen Bildungssystem wäre Programmieren eine Grundkompetenz ab der Volksschule, ähnlich wie Lesen und Rechnen – aber spielerisch und altersgerecht.
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