neue Züge ÖBB : Neue ÖBB Züge, steigender Umsatz, tiefroter Güterverkehr

ÖBB-CFO Manuela Waldner am Freitag, 17. April 2026, im Rahmen der ÖBB-Bilanzpressekonferenz "Jahresergebnis 2025" in Wien.

ÖBB-CFO Manuela Waldner: "Im Konzernergebnis spiegelt sich einerseits der erwähnte Fahrgastzuwachs wider, jedoch ist es auch von der Wirtschaftsflaute und von der einmaligen Wertberichtigung der Rail Cargo Group gekennzeichnet."

- © APA/HANS KLAUS TECHT

Die ÖBB kündigen 84 neue Züge für 2026 an. ÖBB-Chef Andreas Matthä sprach bei der Bilanzpressekonferenz in Wien von einer der höchsten Zahlen an neuen Zügen in einem einzigen Jahr. 

"Je schneller desto besser", sagte er zu den erwarteten Lieferzeitpunkten. Darunter finden sich 45 Cityjet-Doppelstockzüge, die den Nahverkehr in Wien und im Umland aufwerten und für einen stabileren Fahrplan auf Zubringerstrecken in den Ballungsraum sorgen sollen. Drei weitere Nightjets ergänzen die Flotte. Das bestehende Nightjet-Netz soll dabei erhalten bleiben, nachdem zuletzt etwa die Verbindung nach Paris entfallen war.
 

Zusammen mit den für 2027 geplanten Einheiten sollen zwischen 2026 und 2027 insgesamt 130 neue Züge auf die Gleise kommen – nach 49 Neuzugängen im Jahr 2025. Die Investitionen in die sukzessive Modernisierung der Flotte sind laut ÖBB bereits angelaufen. Der Ausbau der Infrastruktur soll trotz geplanter Baustellen und Streckensperren zu weiterem Fahrgastwachstum führen.

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Bilanz der ÖBB zu 2025

Die Österreichischen Bundesbahnen blicken auf ein gespaltenes Geschäftsjahr 2025 zurück:

Auf der einen Seite stehen Rekordfahrgastzahlen und ein solider Umsatz. Auf der anderen Seite bricht das Vorsteuerergebnis (EBT) massiv ein – vor allem wegen der tiefroten Zahlen im ÖBB-Güterverkehr.
 

Mit Gesamterträgen von 9,68 Milliarden Euro legte der Konzern beim Umsatz um 8 Prozent zu (2024: 8,99 Mrd. Euro). Die Gesamtaufwendungen stiegen im gleichen Ausmaß auf 8,94 Milliarden Euro. Das EBIT – der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern – verbesserte sich um 4 Prozent auf 732,7 Millionen Euro (2024: 707,8 Mio. Euro). 

Das EBT hingegen rutschte um 40 Prozent auf 68 Millionen Euro ab – nach 113,6 Millionen Euro im Jahr 2024. 

Konzernchef Matthä nannte als Hauptursache die anhaltende industrielle Rezession besonders in Österreich. "Das Geschäftsjahr 2025 war für uns ein Jahr mit Licht und Schatten. Vor allem der Start der Koralmbahn war natürlich eine absolute Sternstunde", so Matthä. Auf der Koralmbahn sind mittlerweile täglich 7.000 Fahrgäste unterwegs.

Rekord: 559 Millionen Fahrgäste

Beim Fahrgastaufkommen setzte der Konzern 2025 einen neuen Höchstwert. Insgesamt nutzten 559 Millionen Reisende die Busse und Bahnen der ÖBB – ein Zuwachs von 1,4 Prozent gegenüber den 552 Millionen des Vorjahres. 

Der Fernverkehr wuchs um 1,5 Prozent auf 47 Millionen Reisende, der Nahverkehr stieg um 2 Prozent auf 301 Millionen Gäste, während die Zahl der Bus-NutzerInnen bei 211,5 Millionen stabil blieb. 

"Als erfreulich sehe ich den weiter anhaltenden Fahrgastzuwachs. Die neue Südstrecke beflügelt den Fernverkehr. Im Nahverkehr beschert uns unsere deutsche Tochter Arverio einen großen Zustrom an Fahrgästen", sagte Matthä. 
 

Zusätzlich haben die infolge des Iran-Krieges gestiegenen Spritpreise im März für einen etwas höheren Zulauf gesorgt. Im April habe die entsprechende Wahrnehmung allerdings wieder etwas nachgelassen, so Matthä. 

Der Teilkonzern Personenverkehr verbuchte 2025 einen Anstieg der Umsatzerlöse um 8 Prozent auf 4,09 Milliarden Euro (2024: 3,79 Mrd. Euro). Das EBT des Personenverkehrs kletterte von 70 auf 227,7 Millionen Euro – maßgeblich durch eine Einmaligkeitsgutschrift bei den Infrastrukturbenutzungsentgelten. Ohne diesen Effekt lag das Ergebnis laut ÖBB bei 102 Millionen Euro.

Wiener S-Bahn-Stammstrecke: monatelange Vollsperre steht bevor

Ein erheblicher Dämpfer für den Wiener Nahverkehr wird die Sanierung der S-Bahn-Stammstrecke zwischen Praterstern und Hauptbahnhof sein. Diese führt zu einer monatelangen Komplettsperre der zentralen Hauptstrecke. 

Die ÖBB betonen zwar, dass die Modernisierung für die Zukunftsfähigkeit des Systems unerlässlich ist. Vorübergehend wird die Sperre jedoch die Gesamtzahl der Nahverkehrsreisenden einbrechen lassen. Erst wenn die Sanierung abgeschlossen ist, sollen die neuen Cityjet-Doppelstockzüge ihre volle Wirkung entfalten und einen stabileren Fahrplan ermöglichen.

Lesen Sie hier, wie Österreichs Öffi-Netz im Europa-Vergleich abschneidet

ÖBB Güterverkehr: Rail Cargo Group mit tiefrotem Ergebnis

Die schwerste Last trug 2025 der ÖBB-Güterverkehr. Die Rail Cargo Group (RCG) landete mit einem Vorsteuerergebnis von minus 135,5 Millionen Euro weit im negativen Bereich – nach minus 24,5 Millionen Euro im Vorjahr. 

Die wirtschaftliche Flaute ließ die Kundennachfrage nach Logistikleistungen sinken, die Transportleistung fiel um 4 Prozent auf 26,2 Milliarden Nettotonnenkilometer. Trotzdem legte der Umsatz der RCG um 6 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu.
 

Zu den belastenden Faktoren zählen ein harter Preiswettbewerb mit dem Straßengüterverkehr, handels- und zollpolitische Verwerfungen im Agrarbereich, längere Umwege wegen zahlreicher Baustellen auf deutschen Gleisen sowie hohe Energiepreise. Das ÖBB-Management nahm zudem eine Sonderabschreibung auf Firmenwerte bei Beteiligungen in Ungarn und in der Agrarspedition in Höhe von 81,1 Millionen Euro vor. Auch ohne diesen Einmaleffekt wäre das RCG-Ergebnis mit minus 54 Millionen Euro negativ geblieben.
 

"Bei der Rail Cargo haben die ÖBB unterdessen alle Hände voll zu tun, um bei der Trendumkehr Kurs zu halten", sagte Matthä. Die RCG setzt ein Bündel an Gegenmaßnahmen um: Nicht wettbewerbsfähige Produkte werden eingestellt, die Auslastung nachgefragter Verbindungen wird gezielt erhöht, und die Organisation wird verschlankt. Zugleich bringen Netzwerkanpassungen laut Matthä auch eine Ausweitung – also neue Strecken. 

Für 2026 rechnet der Konzern mit einer Ergebnisverbesserung, ein positives Resultat wird aber erst 2027 erwartet – wenn die Konjunktur mitspielt. 

Gerhard Tauchner, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida und Vorsitzender der Sektion Schiene in der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) in Brüssel, richtete deshalb einen klaren Appell an die Verantwortlichen: "Die aktuellen Entwicklungen in Österreich und in Europa gefährden die Arbeitsplätze genau jener Leistungsträger:innen, die unser Bahnsystem vorantreiben."

ÖBB Pünktlichkeit: VCÖ sieht Lücken

Bei der Pünktlichkeit verbucht der Konzern leichte Fortschritte. 94,1 Prozent der Personenzüge waren 2025 pünktlich, eine Verbesserung um 0,6 Prozentpunkte gegenüber 2024 (93,6 Prozent). Im Fernverkehr lag die Pünktlichkeitsquote bei 81,6 Prozent, im Nahverkehr bei 94,8 Prozent. Die ÖBB sehen sich damit als eine der pünktlichsten Bahnen in Europa.
 

Der Mobilitätsverband VCÖ erkennt die Fortschritte an, ortet aber weiteren Handlungsbedarf. Häufigere Verbindungen, eine bessere Abstimmung zwischen Haupt- und Regionalstrecken sowie zwischen Bahn und Bus und eine verbesserte Erreichbarkeit der Bahnhöfe – etwa über Linienverkehre, Shuttlebusse, Anrufsammeltaxis und sichere Radwege – stehen auf der Forderungsliste. Auch Zugausfälle seien konsequent zu verhindern. 

"Die heute präsentierten Zahlen zeigen, dass in Österreich viel Bahn gefahren wird. Die Fahrgäste leisten einen wichtigen Beitrag, Verkehrsprobleme und Staus zu verringern sowie den Spritverbrauch zu senken, was in Zeiten eines knappen Treibstoffangebots besonders wichtig ist", so VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
 

Im Vergleich mit der Schweiz sieht der VCÖ noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Ein dichteres Netz, häufigere Verbindungen und ein integrierter Taktfahrplan würden die Qualität für Reisende spürbar steigern. 

"Auch in der Schweiz gibt es zahlreiche verschiedene Bahnunternehmen, diese müssen sich dem integrierten Taktfahrplan unterordnen. Die Folge ist ein optimales und gut abgestimmtes Bahnsystem, das den Fahrgästen hohe Qualität liefert", so Schwendinger. Mehr Augenmerk sei außerdem auf die gesamte Reisezeit von Tür zu Tür zu legen, damit auch die sogenannte First- und Last-Mile optimal funktioniert.

Infrastruktur: 5 Milliarden Euro investiert, Einsparungen inklusive

Das Investitionsprogramm der ÖBB belief sich 2025 auf gut 5 Milliarden Euro – davon 3,2 Milliarden Euro aus dem Rahmenplan. Trotz eines vom Eigentümer, dem Bund, vorgegebenen Einsparziels von rund 300 Millionen Euro pro Jahr blieb das Programm damit substanziell. 

Die größten Posten: die Fertigstellung der Koralmbahn, der Brenner Basistunnel, der Semmering Basistunnel und die Modernisierung der Wiener S-Bahn-Stammstrecke. 

Koralmbahn: Haben die ÖBB richtig gerechnet?

Weitere Mittel flossen in Digitalisierungsprojekte, Elektrifizierungen und Bahnhofsmodernisierungen. Die Umsatzerlöse des Teilkonzerns Infrastruktur lagen bei 1,27 Milliarden Euro (2024: 1,23 Mrd. Euro), die Gesamterträge stiegen um 5 Prozent auf 4,41 Milliarden Euro. Das EBT des Infrastruktur-Teilkonzerns verbesserte sich um 20 Prozent auf 15,1 Millionen Euro.

Schienengüterverkehr und Treibstoffkrise: VCÖ fordert EU-Koordination

Angesichts der aktuellen Treibstoffkrise und absehbarer Lieferengpässe bei Diesel hält der VCÖ eine Trendwende im Schienengüterverkehr für energiepolitisch unabdingbar. Der Straßengüterverkehr ist für rund 40 Prozent des österreichischen Dieselverbrauchs verantwortlich. Neben dem Ausbau der Elektro-Lkw-Flotte sei die Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene zentral, betont der VCÖ.
 

Auf EU-Ebene fordert der Verband ein abgestimmtes Baustellenmanagement. Derzeit kann Deutschland auf zentralen internationalen Strecken eigenständig entscheiden, ob eine Baustelle zu einer Vollsperre führt oder nur ein Gleis betrifft. Leidtragende sind Fahrgäste durch längere Reisezeiten und Verspätungen sowie Unternehmen, die Güter auf der Schiene transportieren wollen. 

"Bei Infrastruktursanierungen müssen die Interessen von Personen- und Güterverkehr und damit von Fahrgästen und Wirtschaft stärker berücksichtigt werden. Hier kann die EU von den international erfolgreichsten Eisenbahnstaaten, Schweiz und Japan, lernen", so Schwendinger.

Ausblick: Wachstum erwartet, Konzernergebnis erst 2027 wieder positiv

Trotz des schwierigen Umfelds gibt sich die ÖBB-Führung zuversichtlich. "Im Konzernergebnis spiegelt sich einerseits der erwähnte Fahrgastzuwachs wider, jedoch ist es auch von der Wirtschaftsflaute und von der einmaligen Wertberichtigung der Rail Cargo Group gekennzeichnet. Insgesamt stehen wir als ÖBB Konzern operativ stabil da und investieren weiterhin konsequent in die Zukunft", so Finanzvorständin Manuela Waldner

Für 2026 rechnet der Konzern mit weiterem Fahrgastwachstum, getragen von der neuen Flotte und dem Infrastrukturausbau. "In Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage haben wir uns mit dem Ergebnis 2025 doch wacker geschlagen", sagte Matthä. Ein positives Konzernergebnis wird allerdings erst 2027 erwartet – sofern die Konjunktur mitzieht. (LB/APA)

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