Österreich Spritpreise : Spritpreisbremse in Kraft: Welche Auswirkungen werden erwartet?

Mann (Gesicht nicht sichtbar) blickt in leere Geldbörse, neben ihm Zapfhahn in Pkw.

Der reale Spritverbrauch der Diesel-Pkw von Österreichs Haushalten ist in den vergangenen 25 Jahren um lediglich 0,6 Liter pro 100 Kilometer gesunken.

- © adobe stock/Dmitriy

Ab sofort gilt in Österreich eine neue Preisregelung für Kraftstoffe: Die sogenannte Spritpreisbremse soll die Spritpreise an Tankstellen um zehn Cent je Liter reduzieren. 

Die Regierung sieht die Versorgungslage im Land als stabil, während WirtschaftsforscherInnen dem Eingriff eine leichte inflationsdämpfende Wirkung zuschreiben.
 

Lesen Sie hier, welche Auswirkungen höhere Spritpreise auf die ÖBB haben

Umgesetzt wird die Maßnahme über zwei Hebel: eine Steuersenkung sowie eine Begrenzung der Gewinnmargen bei großen Tankstellenketten. 

Trotz zahlreicher Ausnahmeregelungen rechnet Wifo-Experte Michael Böheim mit einem positiven Effekt auf die Preisentwicklung. Der Eingriff bei den Treibstoffen dämpfe die Inflationsrate schätzungsweise um einen Viertel-Prozentpunkt.

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Quelle: E-Control

- © APA

Dieselpreis Österreich: Kurz vor Inkrafttreten weiter auf hohem Niveau

Noch am Vortag der neuen Regelung blieben die Spritpreise in Österreich auf einem hohen Stand

Aktuelle Daten der E-Control zeigen: Am 1. April lag der österreichweite Medianpreis für Diesel bei 2,199 Euro pro Liter. Für einen Liter Superbenzin zahlten KonsumentInnen im Schnitt 1,869 Euro.

Keine Versorgungsengpässe trotz Iran-Krieg

Trotz internationaler Empfehlungen – etwa der Internationalen Energieagentur (IEA), den Ölverbrauch angesichts des Iran-Krieges zu reduzieren – sieht die Bundesregierung keinen Handlungsbedarf bei Sparmaßnahmen. 

"Wir haben keinen Versorgungsengpass und es droht auch keiner", so Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP). Ausreichend Treibstoff sei vorhanden, weshalb die Regierung derzeit keine neuen Energiesparkampagnen – wie noch zu Beginn des Ukraine-Krieges – plant.

Wie viel Kraftstoff verbraucht Österreich?

Der reale Kraftstoffverbrauch von Diesel-PKW österreichischer Haushalte hat sich in den vergangenen 25 Jahren kaum verändert

Laut einer aktuellen Analyse der Mobilitätsorganisation VCÖ auf Basis von Statistik-Austria-Daten sank er um lediglich 0,6 Liter auf 6,4 Liter pro 100 Kilometer. Das ist doppelt so viel wie das 3-Liter-Auto, das die Automobilbranche bereits in den 1990er Jahren in Aussicht stellte.

Spritverbrauch in Österreich sinkt nur im Schneckentempo

"Der reale Spritverbrauch der heimischen Autoflotte geht nur im Schneckentempo zurück, vor allem bei den Diesel-PKW", sagt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Vor 25 Jahren lag der Durchschnittsverbrauch der Diesel-PKW von Österreichs Haushalten noch bei 7 Litern pro 100 Kilometer. Seitdem hat sich wenig getan.
 

Effizienzgewinne durch bessere Motortechnologie wurden durch den Trend zu größeren, schwereren und stärker motorisierten Fahrzeugen wieder aufgezehrt. Besonders deutlich zeigt sich das am SUV-Boom: Seit 2010 wurden in Österreich 1,3 Millionen SUV neu zugelassen. Auch wenn kompakte SUV-Modelle zunehmen, verbrauchen sie mehr Sprit als vergleichbare konventionelle Fahrzeuge. 

"Diese Entwicklung kommt vielen Autofahrerinnen und Autofahrern in Zeiten steigender Spritpreise teuer und belastet durch mehr CO2-Emissionen Österreichs Klimabilanz", erklärt Schwendinger.

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Benziner ebenfalls weit vom 3-Liter-Ziel entfernt

Beim Benzinverbrauch fiel der Rückgang etwas deutlicher aus. Der Durchschnittsverbrauch von Benzin-PKW sank in 25 Jahren um 2,1 Liter – von 8,8 auf 6,7 Liter pro 100 Kilometer. Damit liegt er aber ebenfalls doppelt so hoch wie das versprochene 3-Liter-Auto.

Spritkosten Österreich: Verbrauch schlägt Preis

Wer die Spritkosten senken möchte, sollte vor allem auf den Verbrauch achten – nicht nur auf den Spritpreis. Bei einem Dieselpreis von 1,90 Euro pro Liter und einem Verbrauch von 6,4 Litern kostet jeder Kilometer 12,2 Cent

Mit einem 3-Liter-Auto würden nur 5,7 Cent anfallen – weniger als die Hälfte. Auf die durchschnittliche Jahresfahrleistung von 12.640 Kilometern hochgerechnet, ergibt das eine Ersparnis von 820 Euro pro Jahr.

Maßnahmen auf EU-Ebene und in Österreich gefordert

Der VCÖ sieht sowohl die EU als auch die österreichische Politik in der Pflicht. Auf EU-Ebene sollen strengere Vorgaben für Hersteller dafür sorgen, dass sparsamere Automodelle auf den Markt kommen.

In Österreich könnten Maßnahmen wie Anreize für Fahrgemeinschaften, die Förderung des Radfahrens auf Kurzstrecken und niedrigere Tempolimits den Spritverbrauch senken. 

Wussten Sie, dass Österreich die besten öffentlichen Verkehrsmittel in der EU hat?

Mittelfristig bleibt der Umstieg auf Elektromobilität ein zentrales Mittel, um die Abhängigkeit vom Erdölpreis zu reduzieren. Der auf EU-Ebene vereinbarte stufenweise Umstieg auf E-Mobilität reduziert auch Österreichs Erdölabhängigkeit.

Spritpreise in Europa: Wo liegt Österreich?

Laut einer VCÖ-Analyse zu den Spritpreisen in Europa von Anfang 2026 liegt Österreich bei den Kraftstoffkosten im europäischen Mittelfeld. 

Lesen Sie hier, wie viel Tonnen bzw. Liter 2025 verbraucht wurden.

Trotz allgemein steigender Lebenshaltungskosten entwickelten sich die Treibstoffpreise entgegengesetzt. Sowohl Eurosuper als auch Dieselpreise sanken 2025 in Europa. "Und zwar zum dritten Mal in Folge", so Schwendinger. 

Der durchschnittliche Preis für einen Liter Eurosuper belief sich in Österreich 2025 auf 1,52 Euro. Damit landet das Land exakt in der Mitte aller EU-Staaten, wie die VCÖ-Spritpreisbilanz dokumentiert. 

An der Spitze des EU Spritpreis-Rankings liegt Dänemark mit umgerechnet 1,96 Euro pro Liter. Die Niederlande folgen mit 1,92 Euro, Griechenland verzeichnet 1,76 Euro. Deutschland und Irland liegen gleichauf bei 1,74 Euro. Auch das Nachbarland Italien verlangt mit 1,73 Euro spürbar mehr als Österreich. 

Die günstigsten Benzinpreise in der EU finden sich in Bulgarien mit 1,24 Euro, gefolgt von den Inselstaaten Malta und Zypern.

Dieselpreise Europa: Österreich im oberen Mittelfeld

Bei Diesel zeigt der Spritpreise Vergleich ein ähnliches Bild. In Österreich lag der Durchschnittspreis bei 1,54 Euro pro Liter. Dänemark führt auch hier mit 1,76 Euro die Liste an. Irland rangiert mit 1,71 Euro auf Platz zwei, die Niederlande mit 1,69 Euro auf Position drei. Belgien verlangt 1,66 Euro, Italien 1,65 Euro, so die VCÖ-Daten. 

Am günstigsten tanken AutofahrerInnen in Malta mit 1,21 Euro, knapp vor Bulgarien mit 1,24 Euro.

Spritverbrauch senken hat größeren Effekt als Preisschwankungen

Der VCÖ betont einen wichtigen Aspekt beim Thema "Spritkosten reduzieren". Der tatsächliche Verbrauch beeinflusst die jährlichen Treibstoffausgaben stärker als Preisänderungen an der Zapfsäule. 

Wer den Kraftstoffverbrauch von sieben auf fünf Liter pro 100 Kilometer reduziert, spart bei einer Jahresfahrleistung von 12.000 Kilometern 240 Liter ein. Bei den diesjährigen Kraftstoffpreisen entspricht das einer Ersparnis von knapp über 360 Euro.

Tipps zum Spritsparen: Fahrverhalten macht den Unterschied

Als Einzelperson lässt sich der Kraftstoffverbrauch mit einem spritsparenden Fahrstil um 15 bis 20 Prozent reduzieren. Wer auf der Autobahn statt 130 nur 110 km/h fährt, verbraucht laut Umweltbundesamt im Schnitt 16 Prozent weniger Sprit. 

Vorausschauendes Fahren hilft ebenfalls, weil frühzeitiges Gaswegnehmen und gleichmäßiges Tempo den Verbrauch senken. Besonders beim Beschleunigen steigt der Verbrauch stark an – Stop-and-Go-Verkehr ist entsprechend teuer. Niedrigtouriges Fahren durch frühes Hochschalten spart zusätzlich Kraftstoff. 

Spritfresser sind Dachboxen, stark eingestellte Klimaanlagen und Kurzstrecken. "Wer kurze Strecken zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt statt mit dem Auto, schont die Geldbörse und die Umwelt", so Schwendinger.

Auch der richtige Reifendruck und das Abschalten des Motors im Stillstand tragen zur Einsparung bei. (LB/APA)

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