ÖBB Koralmbahn Kosten : Koralmbahn Kosten: Haben die ÖBB richtig gerechnet?

Koralmbahn vor Inbetriebnahme Zug im Portal in Kärnten

Von der 130 Kilometer langen Strecke der Koralmbahn sind 50 Kilometer Tunnel. 

- © ÖBB

Die Koralmbahn ist in Betrieb. Nach fast drei Jahrzehnten Bauzeit wurde Dezember 2025 eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Europas fertiggestellt. 

Die neue Bahnstrecke zwischen Graz und Klagenfurt umfasst:

  • 130 Kilometer,
  • davon 50 Kilometer Tunnel,
  • 23 Bahnhöfe
  • und mehr als 100 Brücken.

Im Gegensatz zu vielen internationalen Großprojekten blieb die Koralmbahn der ÖBB innerhalb der kalkulierten Investitionskosten

So geht es den ÖBB allgemein bilanztechnisch

Die erste umfassende Schätzung aus dem Jahr 2005 bezifferte das Projekt auf rund 5,4 Milliarden Euro. Berücksichtigt man später hinzugekommene Projektteile wie den Abschnitt Feldkirchen-Weitendorf, beläuft sich die Gesamtsumme nach zwei Jahrzehnten auf 5,9 Milliarden Euro.

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Projektmanagement mit Weitblick ermöglicht Kostengenauigkeit

Klaus Schneider, Gesamtprojektleiter der ÖBB, führt den Erfolg auf vorausschauendes und innovatives Management zurück. 

„Im Grunde geht es darum, rund 20 Jahre in die Zukunft zu blicken. Welche Risiken gibt es? Wie entwickelt sich die Volkswirtschaft? Wie entwickelt sich die Inflation? Fragen, die sich das gesamte Team über die Projektdauer laufend aktiv gestellt hat", so Schneider.
 

Das Team aktualisierte seine Werkzeuge kontinuierlich. Besonders bei langfristigen Bahnprojekten spielt die Valorisierung eine zentrale Rolle – die laufende Anpassung der Investitionskosten an inflationäre Entwicklungen. 

Das Risikomanagement bezog alle Beteiligten systematisch ein. Dadurch konnte das Team bei Abweichungen rasch reagieren und gegensteuern. 

„Man könnte sagen, wir haben nicht nur eine neue Bahnstrecke gebaut, sondern auch Zukunftsforschung betrieben. Ich bin sehr stolz, dass unsere Prognosen so genau gehalten haben", so Schneider.

Koralmbahn: Der ganze Hintergrund, die große Chance

Luftansicht auf Bahnhof Weststeiermark
Der Bahnhof Weststeiermark. Die Koralmbahn steht kurz vor ihrer Inbetriebnahme. - © ÖBB/Chris Zenz Fotostudio

Koralmbahn Fertigstellung trotz zahlreicher Herausforderungen

Das umfassende Risikomanagement zahlte sich aus. Beim Tunnelbau musste das Team trotz geologischer Voruntersuchungen immer wieder unerwartete Schwierigkeiten bewältigen. Die rund 50 Tunnelkilometer entlang der Strecke stellten besondere Anforderungen, insbesondere die anspruchsvollen Störzonen im Koralmtunnel.


Selbst eine globale Pandemie und weltweite Lieferkettenstörungen konnten das Bahnprojekt nicht mehr gefährden. Die Testfahrten bestätigten die hohe Qualität der Anlagen. Dadurch konnten letzte Unwägbarkeiten eliminiert werden, weshalb die Gesamtinvestitionssumme gegenüber früheren Prognosen sogar noch etwas gesunken ist.

Blick aus der Fahrkabine im Koralmtunnel auf Tunnelröhre
Beim Tunnelbau musste das Team trotz geologischer Voruntersuchungen immer wieder unerwartete Schwierigkeiten bewältigen. - © ÖBB/evmedia

Schwierigkeiten beim Vortrieb

Auch der Rechnungshof hat 2025 die Koralmbahn unter die Lupe genommen. Genauer gesagt wurde der Projektverlauf zwischen den Jahren 2012 und 2023 kontrolliert.

Auch wenn vereinzelte Mängel auffielen, bezeichnete der Rechnungshof die Kostensteigerung trotz der deutlich längeren Bauzeit als relativ gering.

Stand Ende 2023 prognostizierten die ÖBB die Gesamtkosten mit 6,139 Milliarden Euro.

"Die Kostensteigerung gegenüber 2012 hielt sie – unter Berücksichtigung der späteren Einbindung des Baus des Flughafenastes – mit fünf Prozent (282,4 Millionen Euro) gering", so der Rechnungshofbericht von April 2025.

Schwierigkeiten beim Vortrieb des Koralmtunnels führten dazu, dass die Kosten des Rohbau-Bauloses Koralmtunnel KAT 2 stiegen und sich die Bauzeit um rund 31 Monate verlängerte. Geologische Bedingungen hatten zu zahlreichen Problemen geführt - etwa zu vermehrten Stillständen, einer verringerten Vortriebsgeschwindigkeit und einem erhöhten Maschinenverschleiß. 

Die Prüfung des Rechnungshofes zeigte, dass die ÖBB Stillstände beim Tunnelvortrieb abweichend vom Vertrag vergütete. Bei vertraglicher Abrechnung wären demnach Einsparungen von 7,52 bis 9,23 Millionen Euro möglich gewesen.

Wirtschaftliche Bilanz: Hohes Multiplikator-Effekt für Österreich

Die ÖBB bezeichnen die Koralmbahnn weiterhin als eines der kostenstabilsten Projekte in Europa. 

Die volkswirtschaftliche Bilanz fiele ebenfalls positiv aus. Laut einer aktuellen internen Studie generiert jeder investierte Euro in die Koralmbahn eine Wertschöpfung von 1,44 Euro für die heimische Wirtschaft – allein während der Bauphase.

Wie es nach Fertigstellung mit der Wertschöpfung aussehen könnte
 

Knapp 75 Prozent dieser Wertschöpfung entfallen auf Klein- und Mittelbetriebe in Kärnten und der Steiermark. Mehr als die Hälfte der Investitionen, nämlich 53 Prozent, fließen über Steuern und Abgaben an den Staat zurück.

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