Koralmbahn Eröffnung : So prägt die Koralmbahn ab jetzt Unternehmen der Area Süd und darüber hinaus

Luftansicht auf den Koralmtunnel in St. Paul in Kärnten inmitten weiter Landschaft

Der Koralmtunnel in St. Paul im Bezirk Wolfsberg in Kärnten

- © ÖBB/Zenz

Die Koralmbahn startet. Und so positionieren sich Steiermark und Kärnten als gemeinsame Wirtschaftsregion Area Süd

Die beiden Wirtschaftskammer-Präsidenten Josef Herk (Steiermark) und Jürgen Mandl (Kärnten) betonen: Der neue Ballungsraum soll international als einheitlicher Wirtschaftsstandort auftreten. Eine aktuelle Befragung zeigt, dass neun von zehn Unternehmen diese Kooperation befürworten.

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Wirtschaftskammer-Präsidenten Jürgen Mandl und Josef Herk halten ein Schild mit Schriftzug "Area Süd"
Die beiden Wirtschaftskammer-Präsidenten Josef Herk (Steiermark) und Jürgen Mandl (Kärnten) betonen: Der neue Ballungsraum soll international als einheitlicher Wirtschaftsstandort auftreten. - © WKO

Achse Graz-Klagenfurt als neues Finanzzentrum?

Was oft unterschätzt wird ist, dass jeder vitale Wirtschaftsstandort auch über eine finanzielle Infrastruktur verfügen muss. Kärnten und die Steiermark verfügen über eine vitale, kapitalstarke und breit aufgestellte Bankenlandschaft, die zu den wichtigsten Trägerinnen des regionalen Wandels zählt. 

Regionalbanken, genossenschaftliche Institute, überregionale Kreditinstitute und spezialisierte Finanzdienstleister schaffen ein stabiles Fundament für Investitionen, Unternehmertum und Innovation. Mit dem neuen Infrastrukturprojekt entstehen zusätzliche Chancen: ein größerer Absatz- und Arbeitsmarkt, mehr Betriebsansiedelungen, ein höherer Bedarf an Finanzierungslösungen und ein deutlich sichtbares Signal an internationale InvestorInnen.

© WK Steiermark

Kommentare von Banken: Das wird die Koralmbahn bringen

Oliver Kröpfl, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse, nennt einen zusätzlichen positiven Effekt: Effizienzvorteile durch optimierte Logistik. Gleichzeitig warnt Kröpfl davor, die Entwicklung dem Zufall zu überlassen: „Nach der langen Wartezeit sind sowohl die öffentliche Hand als auch die Wirtschaft gefordert, den neuen Wirtschaftsraum aktiv mit Leben zu füllen.“ 

Martin Schaller, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, erwartet entlang der Achse Graz–Klagenfurt neue Wohn- und Betriebsansiedelungen, sowie eine engere wirtschaftliche Verzahnung beider Märkte. Aus seiner Sicht entsteht ein neuer Ballungsraum mit über 1,8 Millionen Menschen, hoher Industriekompetenz und starken F&E-Strukturen: „Das größere Einzugsgebiet, die bessere Erreichbarkeit und neue Cluster machen Investitionen deutlich attraktiver.“ 

Gerade nach den konjunkturell schwierigen Jahren brauche die Region neue Zuversicht und klare Zukunftsperspektiven, meint Christian Jauk, CEO der GRAWE Bankengruppe.

Monika Cisar-Leibetseder, Generaldirektorin der Volksbank Steiermark, sieht Potenziale in neuen Pendler- und Fachkräfteströmen. Auch touristische Synergien könnten besser genutzt werden.

Der Blick von Daniel Gerhold, Stv. Regionaldirektor der Hypo Vorarlberg in Graz, richtet sich insbesondere auf die nun aufgewerteten Regionen zwischen Graz und Klagenfurt: 
„Besonders vielversprechend sind die Bezirke Völkermarkt, Wolfsberg und Deutschlandsberg mit neuen Möglichkeiten für Produktions- und Unternehmensstandorte.“ Mit dem erweiterten Arbeitsmarkt entstehe ein echter Standortvorteil, vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels.

„Die Koralmbahn wirkt wie ein wirtschaftlicher Turbo für Kärnten und die Steiermark … Wir erwarten einen deutlichen Wachstumsschub und eine nachhaltige Aufwertung der gesamten neuen Area Süd", sagt auch Nikolaus Juhász, Vorstandsvorsitzender der BKS Bank

Eröffnung der Koralmbahn

Wirtschaftsraum Kärnten Steiermark: Chancen für Unternehmen und Fachkräfte

Die Koralmbahn Eröffnung schafft neue Perspektiven für die regionale Industrie, Bildungseinrichtungen und ArbeitnehmerInnen. Damit beide Bundesländer diese Möglichkeiten optimal ausschöpfen können, sind mehrere Schritte notwendig: 

  • eine koordinierte Standortentwicklung, 
  • die intelligente Anbindung an bestehende Industrie- und Gewerbegebiete, 
  • zielgerichtete Ausbildungsprogramme 
  • sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Landesregierungen und Gemeinden.
     

Nur so könne "der neue Wirtschaftsraum national und international sichtbar" werden, sagen Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten, und Christoph Robinson, Geschäftsführer der IV Steiermark.

Ballungsraum Graz Klagenfurt: Zahlen und Fakten zur Area Süd

Die Wirtschaftsregion Südösterreich umfasst knapp ein Drittel der österreichischen Fläche. In konkreten Zahlen:

  • 1,8 Millionen Menschen.
  • Über 150.000 Betriebe 
  • mit 770.000 Beschäftigten
  • Jährliche Wirtschaftsleistung von rund 70 Milliarden Euro

Durch die Koralmbahn verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Graz und Klagenfurt auf 45 Minuten

Studien der Wirtschaftskammern prognostizieren einen deutlichen Impuls für die Standortentwicklung Steiermark Kärnten. Nach Wien entsteht damit der zweitgrößte urbane Raum des Landes.

Wie die Koralmbahn bereits während der Bauphase zur Wertschöpfung beitrug

Koralmbahn Vorteile: Das sagen Unternehmen in der Umfrage

Für die gemeinsame Erhebung befragten die Wirtschaftskammern Steiermark und Kärnten 1.085 Mitgliedsbetriebe. Die Ergebnisse zeigen klare Erwartungen:

90 Prozent bewerten die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern positiv oder überwiegend positiv. 

Als größte Koralmbahn-Chancen für Unternehmen nennen 61 Prozent die höhere Mobilität am Arbeitsmarkt. 59 Prozent sehen eine bessere Erreichbarkeit ihrer Region. 52 Prozent erwarten einen wirtschaftlichen Bedeutungsgewinn ihres Bezirks.

Eine engere Kooperation wünschen sich die Befragten vor allem in diesen Bereichen: Wirtschaft (75 Prozent), Bildung (64 Prozent), Verwaltung (60 Prozent) und Gesundheitsvorsorge (55 Prozent).

Infrastrukturausbau Südösterreich: Forderungen der Wirtschaft

67 Prozent der befragten Unternehmen fordern einen schnelleren Infrastrukturausbau. Die drei wichtigsten Themen: Breitbandausbau, Photovoltaik und Pumpspeicherkraftwerke. 57 Prozent plädieren für eine Vereinheitlichung von Landesgesetzen, 51 Prozent befürworten bereits jetzt einen gemeinsamen Markenauftritt.

Bei konkreten Infrastrukturprojekten Südösterreichs zeigt sich folgende Prioritätensetzung: Den neuen Bosruck-Eisenbahntunnel halten 50 Prozent für sehr dringlich oder dringlich. Ebenso viele sehen die Weiterentwicklung von Güterverkehrszentren als prioritär an. 

44 Prozent wünschen sich den viergleisigen Bahnausbau zwischen Graz und Bruck an der Mur. 42 Prozent sprechen sich für eine neue Güterverkehrstraße zur Wörthersee-Umfahrung aus.

Maßnahmenagenda für die Wirtschaftsregion Südösterreich

Basierend auf den Umfrageergebnissen haben die Wirtschaftskammern eine umfassende Maßnahmenagenda entwickelt. Diese richtet sich an die Politik in beiden Bundesländern und auf Bundesebene.

  1. Infrastrukturmaßnahmen

    - Ausbau entlang der Koralmbahn: Abschnitt Graz – Bruck sowie Gütertrasse Klagenfurt-Villach
    - Zentrale Bahnstrecken abseits der Koralmbahn: InterRegio-Verbindung Klagenfurt – Bruck/Mur
    - Neben- und Zubringerverbindungen: ÖV-Ausbau in Oberkärnten und Schienenbahnen in der Süd-/Oststeiermark
    - Bundeslandübergreifende Straßeninfrastruktur: Sicherheitsausbau S36/37
    - Verkehrsanbindung Südösterreich: Flughafen Graz an Koralmbahn anbinden, Güterverladestation Kühnsdorf erhalten

     

  2. Standortentwicklung

    - Deregulierungsoffensive auf Länderebene
    - Energiepreise und Energieinfrastruktur: Netztarife senken, Energienetze ausbauen
    - Bildungsausbau: Schulisches Angebot im HTL-Bereich erweitern, Hochschulkooperation intensivieren
    - Vereinbarkeit Familie und Beruf: Flächendeckendes Betreuungsangebot in Stadt und Land
    - Standortmarketing Area Süd: Gemeinsame Vermarktung des touristischen Angebots

Stimmen zur Area Süd: Was Politik und Wirtschaft erwarten

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, sieht eine historische Gelegenheit: "Für den Süden Österreichs ergibt sich durch die Koralmbahn eine Jahrhundertchance. Nun gilt es, eine gemeinsame regionalpolitische Agenda umzusetzen, um den Wirtschaftsraum zu einem Vorzeigestandort in Europa zu machen."

Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, betont: "Kärnten und die Steiermark bilden künftig einen wirtschaftlichen Ballungsraum, der in dieser Form einzigartig in Österreich ist. Für Kärnten ist das ein echter Quantensprung – wir sind nicht länger peripher, sondern mittendrin in einem neuen Zentrum wirtschaftlicher Dynamik."

Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer hebt die bestehende Zusammenarbeit hervor: "Diese Kooperationen gilt es für die Zukunft weiter zu forcieren, da unsere beiden Länder durch die Fertigstellung der Koralmbahn noch stärker zusammenwachsen. Wir können damit neue gemeinsame Projekte auf den Weg bringen."

Sebastian Schuschnig, Wirtschaftslandesrat in Kärnten, bezeichnet die Koralmbahn als "Verbindung zweier Lebens- und Wirtschaftsräume". Sie werde ein kräftiger Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung, den öffentlichen Verkehr und den Tourismus.

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