Banken Österreich : 6 entscheidende Trends für Österreichs Regionalbanken

KI-generiert: verschwommene Ansicht eines Bank-Foyers mit mehreren Computern und Menschen

(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)

- © adobe stock/Viktor

Österreichs Regionalbanken stehen vor einem Wendepunkt. Nach zwei erfolgreichen Jahren zeigt eine aktuelle Studie von zeb, einem Strategieberater für Finanzdienstleister: 

Die mehr als 90 Prozent ausmachenden Regionalbanken im heimischen Bankensektor müssen sich auf deutlich härtere Zeiten einstellen. Ein Simulationsmodell auf Basis von 357 Instituten macht klar, dass der bisherige Rückenwind merklich nachlässt.

„Wir sehen, dass die Institute insgesamt solide aufgestellt sind, doch die bisherigen Erfolgsmodelle müssen adaptiert werden", sagt Michaela Schneider von zeb Austria. "Daher gilt es, jetzt die kommenden Jahre aktiv zu gestalten und strategische Weichenstellungen vorzunehmen."

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Zinsüberschuss Banken: Betriebsergebnis gerät unter Druck

Das Jahr 2024 brachte den Regionalbanken Österreichs noch starke Resultate. Haupttreiber war der anhaltend hohe Zinsüberschuss

Doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend gewandelt. Während 2023 und 2024 von steigenden Zinsen und stabilen Kosten geprägt waren, brachte 2025 eine Trendwende. Die Zinsmargen schrumpfen, Insolvenzen nehmen zu, geopolitische Spannungen wachsen.

Die Ertragslage verschlechtert sich dadurch spürbar. Das Betriebsergebnis wird in den kommenden Jahren weiter sinken. Erst ab 2028 rechnen die ExpertInnen von zeb mit einer deutlichen Erholung beim Zinsüberschuss – und damit beim operativen Ergebnis der Banken.

Rückläufiger Zinsüberschuss und hohe Risikokosten belasten Ergebnis

- © zeb consulting

Risikokosten Banken steigen: Kernkapitalquote unter Druck

Besonders dramatisch wirkt sich die steigende Zahl an Unternehmensinsolvenzen aus. Vor allem die Bau- und Immobilienbranche ist betroffen. Regionalbanken finanzieren sich überwiegend durch Kundeneinlagen statt über den Kapitalmarkt. Wirtschaftliche Abschwünge treffen sie daher besonders direkt.

„Ein weiterer Ausfall von Kundenforderungen würde die Risikokosten erheblich erhöhen und hätte auch negative Auswirkungen auf die Kapitalausstattung der Banken", warnt Andreas Sumper von zeb Austria.  

Die Simulation zeige: Steigen die Wertberichtigungen um zusätzliche 5 Prozentpunkte, fällt die Kernkapitalquote von aktuell 21,4 Prozent (Median 2024) auf 14,7 Prozent.

Dann würden etwa 53 Prozent der untersuchten Institute eine Kernkapitalquote unter 15 Prozent aufweisen. 2024 lagen noch 97 Prozent der österreichischen Regionalbanken oberhalb dieser Marke.

Wachstumsdynamik lässt nach


 

- © zeb consulting

Eigenkapitalausstattung entscheidet über Wachstumsfähigkeit

Sumper erläutert die Bedeutung stabiler Gewinne: „Um ihr Wachstum mit Eigenkapital zu unterlegen, müssen Österreichs Regionalbanken Gewinne schreiben. Fällt das Betriebsergebnis unter die Marke von 0,5 Prozent, so fehlt der Bank die eigenständige Refinanzierungskraft um das RWA-Wachstum (risikogewichtete Aktiva) mit Eigenkapital zu unterlegen."

Die Eigenkapitalausstattung ist aktuell zwar noch ausreichend. Doch die Zukunft wird anspruchsvoller. Das Ertragspotenzial im Firmen- wie im Privatkundengeschäft wird bis 2030 deutlich schwächer wachsen als zwischen 2019 und 2024. Das Wirtschaftswachstum bleibt in den kommenden Jahren nur schwach positiv – „sofern die aktuellen Prognosen der Wirtschaftsforscher halten", ergänzt Sumper.

Ausfälle bei Kundenforderungen erhöhen Risikokosten und belasten Kapitalausstattung


 

- © zeb consulting

Banken Österreich: Drei zentrale Handlungsfelder identifiziert

Angesichts der nachlassenden Wachstumsdynamik müssen die Banken ihre Ertragssituation verbessern. Schneider betont: „Dazu braucht es klare strategische Entscheidungen, die rasch umgesetzt werden. Eine widerstandsfähige Regionalbank muss sich durch Ertragsoptimierung, ein effizientes Betriebsmodell sowie den Aufbau einer ganzheitlichen Steuerung auszeichnen."

Die Studie nennt drei wesentliche Handlungsfelder:

Markt und Kundengeschäft: Differenzierte Betreuungsmodelle, optimierte Kundensegmentierung, Anpassung der Filialnetze, KI-gestütztes Digital Marketing und CRM sowie intelligente Preisgestaltung bei Krediten und Einlagen.

Betriebsmodell: End-to-End-Prozessoptimierung und Digitalisierung, Cloud- und Plattform-Architektur als technisches Fundament, Stärkung der operativen Widerstandsfähigkeit und Steuerung von Drittanbietern, datenbasierte Betriebsmodelle und KI-unterstützte Steuerung.

Steuerungsmodell: Planung und Steuerung des Zinsergebnisses, ESG-Integration in Risikosteuerung und Transitionsplanung, Risikokultur und interne Governance, Maßnahmen gegen Korruption und Geldwäsche entsprechend dem EU Anti-Money-Laundering Paket.

Digitalisierung Bankensektor: Trends 2026 für Finanzdienstleistungen

Auch Nando Freyberg, Senior Strategic Relationship Manager bei Dun & Bradstreet, identifiziert sechs prägende Trends für 2026:

1. Margendruck zwingt zu neuen Einnahmequellen

Anhaltend niedrige Zinssätze und wirtschaftliche Volatilität drücken die Nettozinsmargen. Banken müssen diversifizieren

Gebührenbasierte Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung und Beratung gewinnen an Gewicht. Plattform-Banking und eingebettete Finanzen eröffnen neue Wachstumspfade. 

Erfolg haben jene Institute, die fortschrittliche Analysen und hochwertige, strukturierte Daten nutzen, um Chancen zu erkennen, KundInnen zu segmentieren und strategisch zu diversifizieren.

Cyber-Risiken Finanzsektor: Robuste Abwehr wird Pflicht

Neue Vorschriften wie DORA in der EU und verschärfte Regeln im Vereinigten Königreich rücken digitale Resilienz sowie das Management von Drittanbieter-Risiken in den Fokus. 

Laut einer Umfrage bezeichnen 91 Prozent der Führungskräfte in Finanzdienstleistungen und Versicherungen Cyber-Attacken und Betrug als größte Bedrohungen. Die meisten haben bereits negative Auswirkungen durch Risiken von Drittanbietern erlitten.

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Banken müssen Echtzeit-Risikoinformationen und Lieferantenbewertungen integrieren, die auf regionale Besonderheiten abgestimmt sind. Deutschland zum Beispiel setzt einen Schwerpunkt auf Immobilienrisiken und IT-Sicherheit.

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KI im Bankwesen: Von Pilotprojekten zur unternehmensweiten Transformation

Künstliche Intelligenz erreicht einen Wendepunkt. 2026 markiert den Übergang von isolierten Pilotprojekten zur umfassenden Transformation ganzer Organisationen. Banken setzen verstärkt KI-Agenten für prädiktive Analysen, Risikomanagement und Automatisierung im Kundenservice ein.

RLB Steiermark Konjunkturgespräch: Digitale Transformation und KI prägen Zukunft

Bei 64 Prozent der Unternehmen fehlen aber Entscheidungsdaten. Mehr als die Hälfte erlebte, dass KI-Projekte aufgrund mangelhafter Datenqualität scheiterten. Ohne solides Datenfundament bleiben selbst ambitionierte Transformationsbemühungen erfolglos.

KI ist Wachstumschance: woran es bisher scheitert

Datenqualität als Wettbewerbsvorteil

Daten bilden das Fundament der Transformation. Banken investieren in moderne Datenplattformen, doch grundlegende Probleme bestehen fort. Über die Hälfte (55 Prozent) misstraut den eigenen internen Datensätzen. Viele kämpfen mit Silos und Duplikaten (52 Prozent).

Neue Open-Finance-Regeln – wie die Financial Data Access Regulation (FiDA) der Europäischen Kommission, die 2026 in Kraft tritt, und der UK Data (Use and Access) Act 2025 (DUAA) – ermöglichen KundInnen, Daten zu teilen. 

Das eröffnet maßgeschneiderte Angebote und Cross-Selling-Möglichkeiten. Saubere, interoperable Daten sind entscheidend, um Modelldrift zu vermeiden – Situationen, in denen Entscheidungen durch veraltete Daten und Fehlzuordnungen zunehmend ungenauer werden und die KI-gestützte Personalisierung beeinträchtigen.

Compliance wird zum strategischen Vorteil

Das Tempo regulatorischer Veränderungen beschleunigt sich. Neue Anforderungen an die operationelle Resilienz traten 2025 in Kraft und bleiben zentral. Strengere Standards für KI-Governance und die Regulierung von Sofortzahlungen schreiten voran. Von den Instituten wird erwartet, dass sie kontinuierliche Compliance nachweisen, während sich die Rahmenwerke weiterentwickeln.

Compliance entwickelt sich zum strategischen Vorteil, da automatisierte Echtzeitüberwachung und Berichterstattung in Technologie und Betriebsmodelle integriert werden. Banken, die Compliance-Dashboards und regulatorische Risikoanalysen einsetzen, können Veränderungen besser antizipieren und darauf reagieren.

Kundenerwartungen: Echtzeit, personalisiert, vertrauenswürdig

Kundenloyalität wird durch drei Kräfte verändert: 

  1. die Verlagerung zu mobilen Kanälen, 
  2. den Aufstieg von Fintech-Innovatoren 
  3. und wachsende Erwartungen an Transparenz. 

Gemeinsam treiben diese Trends die Nachfrage nach Sofortzahlungen, nahtlosen digitalen Erlebnissen und personalisierten Dienstleistungen.

Um Schritt zu halten, müssen Banken Omnichannel-Engagement und datenbasierte Personalisierung priorisieren. Herausforderungen bei der Kundenbindung und langsames, manuelles Onboarding zeigen jedoch: Es besteht Bedarf an sofortiger Verifizierung und vertrauenswürdigen Identitätsdaten.

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