Konkurse Österreich : Insolvenzen Österreich: Fünfter Anstieg in Folge – und doch ein Abbremsen?

nahaufnahme auf kugelschreiber auf antragspapier für insolvenzmeldung

"Die drei am stärksten betroffenen Wirtschaftsbereiche waren Dienstleistungen und danach fast gleichauf Handel und Bau", sagt Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk.

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Die Zahl der Insolvenzen in Österreich ist 2025 zum fünften Mal in Folge gestiegen

Laut Statistik Austria gab es 6.809 Firmenpleiten, was einem Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Betrachtet man ausschließlich die im Firmenbuch eingetragenen Unternehmen (so wie Dun & Bradstreet es handhabt), kommt man auf 3.897 Insolvenzen. Das ist sogar ein Anstieg von 7 Prozent.

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Trotz dieser Zuwächse zeichnet sich eine klare Trendwende ab. Nach Jahren mit teils zweistelligen Steigerungsraten hat sich das Tempo beim Insolvenzgeschehen 2025 deutlich abgeschwächt. Als Ursachen gelten eine leichte konjunkturelle Stabilisierung, nachlassender Inflations- und Kostendruck sowie erste Erholungssignale in der zweiten Jahreshälfte. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, bleibt laut ExpertInnen aber offen.

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Insolvenzen in Österreich 2025

nach Branchen, vorläufig, mit Veränderung gegenüber 2024 in Prozent. 

Quelle: Statistik Austria

- © APA

Top 10 Insolvenzen erstes Halbjahr 2025

Die größten Insolvenzen nach Arbeitnehmern:

Palmers, NÖ, 515

Teufelberger, OÖ, 186

Tutic Bau, NÖ, 169

Avocodo, OÖ, 125

Travel Europe, Tirol, 116

Atlas Personal Management, Wien, 110

TCS Cargo, NÖ, 104

Alpin Family, Wien, 73 (hier wurde kürzlich der Sanierungsplan des Hotelbetreibers mehrheitlich angenommen)

mglass, OÖ, 69

Goldwelt Juweliere & Uhrmacher, OÖ, 60

Die größten Insolvenzen nach Verbindlichkeiten:

Herkules, Tirol, 1,02 Mrd.

Signa, Wien, 310 Mio.

Süba, Wien, 266 Mio.

Immobilienprojekte Bozen, Wien, 115 Mio.

Pisec Group Austria, Wien, 100 Mio.

Palmers, NÖ, 69,1 Mio.

6B47 Real Estate Investors, Wien, 43,7 Mio.

mglass, OÖ, 40 Mio.

GR Real, Wien, 35 Mio.

Travel Europe, Tirol, 25,8 Mio.

Regionale Unterschiede bei Insolvenzen Österreich 2025

Ein Blick auf die Bundesländer zeigt deutliche Unterschiede. Die stärksten Zuwächse bei den Unternehmenskonkursen verzeichneten:

Wien lag mit einem Plus von 9 Prozent im Mittelfeld. 

Rückgänge meldeten hingegen: 

  • Burgenland (–12 Prozent)
  • Vorarlberg (–10 Prozent)
  • Niederösterreich (–5 Prozent)
  • Steiermark (–1 Prozent). 

Diese Unterschiede spiegeln regionale Wirtschaftsstrukturen, unterschiedliche Kostenbelastungen und branchenspezifische Abhängigkeiten wider.

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© Creditreform

Branchen im Fokus: Wer ist am stärksten betroffen?

Im Bereich Finanzdienstleistungen und sonstige Dienstleistungen gab es laut Statistik Austria mit 1.970 die meisten Pleiten. Dahinter folgten der Handel (1.125) und die Baubranche (1.097). Auch der Sektor Beherbergung und Gastronomie verbuchte 898 Firmeninsolvenzen.

Gleichzeitig bedeutet dies aber auch eine Entlastung für die drei am stärksten betroffenen Sektoren. Trotz der hohen Zahlen sind die Insolvenzen im Baugewerbe um 15 Prozent zurückgegangen, bei persönlichen Dienstleistungen um zwölf Prozent und im Großhandel um acht Prozent.

Die höchsten Zuwächse hingegen verzeichnen laut Dun & Bradstreet-Analyse Holding- und Investitionsgesellschaften (+55 Prozent), das Autogewerbe (+28 Prozent), PersonalvermittlerInnen (+27 Prozent), Immobilienmakler und -verwaltungen (+19 Prozent). 

Ebenfalls auf zweistellige Prozentsteigerungen kamen Unternehmens- und SteuerberaterInnen, der Landverkehr, die Logistik und die IT-Branche. 

Viertes Quartal 2025: Anstieg und Rückgang

Für das vierte Quartal 2025 alleine weist die Statistik Austria 1.669 Unternehmensinsolvenzen aus. Das waren 2,8 Prozent mehr als im dritten Quartal, aber rund 2 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. 

Die sektorale Verteilung blieb dabei ähnlich: Im Bereich Finanzdienstleistungen und sonstige Dienstleistungen gab es 449 Pleiten, im Bau 298, im Handel 276 und in Beherbergung und Gastronomie 224.

Neugründungen Österreich 2025: robuste Gründungsdynamik

Trotz des anhaltend erhöhten Insolvenzgeschehens blieb die Gründungsaktivität 2025 auf einem starken Niveau. 

Laut Dun & Bradstreet wurden 23.314 neue Unternehmen ins Firmenbuch eingetragen – ein Zuwachs von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Tipps für die Unternehmensgründung in Österreich

Statistik Austria erfasst 67.642 neue rechtliche Einheiten, was einem Plus von rund 2.400 Registrierungen beziehungsweise rund 4 Prozent entspricht. Eine Registrierung ist lediglich als Absichtserklärung zu verstehen und bedeutet nicht zwingend , dass eine wirtschaftliche Tätigkeit aufgenommen wird. Die Zahlen sind laut Statistik Austria dennoch ein Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung.

Die meisten Neuregistrierungen entfielen auf Finanzdienstleistungen und sonstige Dienstleistungen (22.982), persönliche Dienstleistungen (13.706) und den Handel (12.276).
 

Regional wuchsen die Neugründungen laut Firmenbuch-Daten wie folgt:

  • Niederösterreich +15 Prozent
  • Oberösterreich +12 Prozent  
  • Vorarlberg +10 Prozent
  • Tirol +9 Prozent
  • Steiermark +9 Prozent
  • Kärnten +7 Prozent
  • Wien +6 Prozent 
  • Salzburg +5 Prozent
  • Burgenland +2 Prozent 

Im vierten Quartal ging die Zahl der Registrierungen allerdings um 4 Prozent zum Vorjahresquartal auf 15.154 zurück. 

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Strukturwandel statt Krisensignal?

"Das wirtschaftliche Umfeld bleibt anspruchsvoll, auch wenn sich das Tempo bei den Insolvenzen zuletzt abgeschwächt hat", sagt Isabella Blüml, Managing Director Österreich bei Dun & Bradstreet. "Transparente Informationen und verlässliche Vergleichsdaten sind in dieser Phase ein zentraler Faktor, um Risiken einzuordnen und Chancen zu identifizieren."
 

Die gleichzeitig hohe Zahl an Neugründungen könnte darauf hindeuten, dass die unternehmerische Aktivität in Österreich trotz des herausfordernden Umfelds intakt bleibt. Die aktuelle Lage könnte also weniger als akute Krise interpretiert werden, sondern eher als Zeichen eines laufenden Strukturwandels in der österreichischen Wirtschaft. (LB/APA)

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