Hauser GmbH & Lenzing Plastics : Insolvenzen und Übernahmen bewegen Oberösterreich

Schild: Betrieb geschlossen, vor Werksgelände
© Adobe stock / bluedesign

Im Jahr 2025 verzeichnet Oberösterreich eine Reihe bedeutender wirtschaftlicher Veränderungen. Mehrere Übernahmen und Insolvenzen zeigen die angespannte Lage einzelner Branchen – und gleichzeitig neue strategische Ausrichtungen.

Eine Insolvenz mit Standorten in NÖ und OÖ von März 2026

Die italienische Epta-Gruppe übernimmt das Linzer Unternehmen Hauser GmbH und stärkt damit ihre Marktposition in der Gewerbekältebranche. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht veröffentlicht.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein europäischer Anbieter mit rund zwei Milliarden Euro Umsatz und etwa 10.000 Mitarbeitenden. Hauser selbst beschäftigte zuletzt rund 1.300 Personen in 15 Ländern und erzielte 2022 einen Umsatz von 370 Mio. Euro. Die beiden Produktionsstandorte in Österreich und Tschechien bleiben bestehen.

Ziel der Übernahme ist ein gemeinsamer Ausbau der Marktpräsenz in Österreich, Deutschland, der Schweiz sowie in mehreren Ländern Mittel- und Südosteuropas. Hauser erhält im Gegenzug einen Sitz im Epta-Aufsichtsrat.

Hauser-CEO Thomas Loibl sieht in der Integration einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung in einem volatilen Marktumfeld und zur Stärkung des internationalen Geschäfts.

30 Firmeninsolvenzen pro Tag: mehr denn je zuvor in Österreich

Beispiel gewerblicher Kühlung von Epta Deutschland.

Aurevo übernimmt Guardi: Ausbau im Bereich Garten & Photovoltaik

Die Beteiligungsgesellschaft aurevo GmbH aus Hofkirchen im Mühlkreis hat den Wiener Zaunhersteller Guardi übernommen. Das Unternehmen war nach dem Tod seines Inhabers in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. 

"Die 40 Arbeitsplätze bleiben erhalten", teilte aurevo mit.

Guardi produziert Zäune, Tore und Balkone aus Aluminium und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 30 Mio. Euro

Für die aurevo-Gruppe ergänzt der Zukauf das Portfolio: Ihr bestehendes Unternehmen SunElements stellt Gartenhäuser mit integrierter Photovoltaikanlage her. Künftig werden die aurevo-Mitgesellschafter Thomas Lanzerstorfer und Stefan Wagner als Guardi-Geschäftsführer agieren.

Lesen Sie hier, wer 80 Prozent der Insolvenzverfahren in Österreich einleitet

Clean Energy Rohrbach-Berg geht an Kelag

Die Clean Energy Rohrbach-Berg GmbH wird künftig vom Kärntner Landesenergieversorger Kelag Energie & Wärme geführt. Das Unternehmen übernimmt die Verantwortung für die Fernwärmeversorgung der Stadtgemeinde Rohrbach-Berg. 

Sämtliche bestehenden Verträge mit Kunden und Geschäftspartnern behalten weiterhin ihre Gültigkeit, heißt es vonseiten des Unternehmens. "Die Kelag Energie & Wärme hat umfassende Erfahrung in Betrieb und Wartung sowie im Management von Fernwärmesystemen und ist in Oberösterreich bereits stark verankert", sagt Manfred Ledermüller von Clean Energy.

Die Übernahme soll bis Ende August 2025 abgeschlossen werden. Angaben zu den vertraglichen Konditionen wurden nicht gemacht. Die Integration der Clean Energy stärkt die Präsenz der Kelag-Gruppe im oberösterreichischen Energiesektor.

„Die Einbindung in den Kelag-Konzern eröffnet zusätzliche Möglichkeiten im Bereich Service, Instandhaltung und Kundenbetreuung – gänzlich ohne Änderungen am bisherigen Leistungsangebot“, sagen die Kelag-Geschäftsführer Adolf Melcher und Christoph Herzeg.

Lenzing Plastics wird Teil der kanadischen AvenEx

Auch im Industriebereich kommt es zu einer markanten Veränderung: Die oberösterreichische Lenzing Plastics geht an den kanadischen Spezialisten AvenEx. Verkäufer sind die Invest AG – eine Beteiligungsgesellschaft der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich – sowie das Management.

Der Standort in Lenzing bleibt erhalten, ebenso alle Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist ein Ausbau des Unternehmens als globales Forschungs- und Entwicklungszentrum geplant. Der Name Lenzing Plastics soll ebenfalls beibehalten werden.

Im Jahr 2024 erzielte Lenzing Plastics einen Umsatz von 135 Mio. Euro sowie einen Betriebsgewinn von rund 13 Mio. Euro. Das Ebitda wurde mit 15 bis 17 Mio. Euro ausgewiesen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Lesen Sie hier, an welchem oberösterreichischen Unternehmen sich die Invest AG nun neu beteiligt.

IPM Schober Fenster Insolvenzverfahren endgültig gescheitert

Ein anderes Bild zeigt sich bei IPM Schober aus Thalheim bei Wels. Der Fensterhersteller hat erneut Insolvenz angemeldet. Damit ist das Sanierungsvorhaben des traditionsreichen Familienbetriebs in vierter Generation gescheitert.

Laut Kreditschutzverband KSV1870 betrifft das aktuelle Insolvenzverfahren 43 Beschäftigte und 80 Gläubiger. Die Passiva betragen 7 Mio. Euro, während die Aktiva bei 830.000 Euro liegen. "Die Gläubiger erhielten jedoch nur eine Teilquote von 5 Prozent", so der KSV1870.

Bereits im Vorjahr war ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung mit einem 20-prozentigen Sanierungsplan eingeleitet worden. Die konjunkturelle Erholung der Bauwirtschaft blieb aus, notwendige Umsätze konnten nicht erzielt werden. Die Zahlungsunfähigkeit resultiere laut KSV1870 primär aus Altverbindlichkeiten sowie Forderungsausfällen durch Insolvenzen von Geschäftspartnern. Eine Schließung von IPM Schober Fenster sei geplant.

Lesen Sie hier: Österreichische Unternehmen müssen häufiger saniert werden

Konkurs bei Holzmodulbauer DaxBox in Timelkam

Ebenfalls betroffen ist das Holzbauunternehmen DaxBox GmbH mit Sitz in Timelkam. Das Unternehmen hat Konkurs angemeldet. 24 Mitarbeiter und über 60 Gläubiger sind vom Verfahren am Landesgericht Wels betroffen.

Laut Gläubigerschutzverband Creditreform stehen Passiva von 5,5 Mio. Euro Aktiva von knapp 2,3 Mio. Euro gegenüber. 

Die Firma wurde 2019 gegründet und entwickelt modulare Gebäudesysteme aus Holz. Die Insolvenz sei auf die schwache Baukonjunktur sowie Zahlungsausfälle und Projektverschiebungen zurückzuführen – unter anderem bei einem großen öffentlichen Bauvorhaben in der Steiermark.

Der Betrieb wird vorerst weitergeführt, eine Sanierung sei jedoch nicht vorgesehen, so Creditreform. (LB/APA)

🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?

Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden! 🚀💼