Unternehmenssanierung : Österreichische Unternehmen müssen häufiger saniert werden
Inhalt
- Unternehmenssanierung Österreich: deutlich höhere Zuwachsraten als in Europa
- Schwache Konjunktur und Umsatzeinbußen treiben Sanierung von Unternehmen
- Restrukturierung Österreich: Automotive und Immobilien unter besonderem Druck
- Regionale Entwicklung: Osteuropa wird zum Brennpunkt
- Sanierungsverfahren: Außergerichtliche Lösungen dominieren
- Finanzierung: Bestehende Kreditgeber und EigentümerInnen als Hauptkapitalgeber
60 Prozent erwarten den Peak in Österreich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025.
(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)
- © Haru Works - stock.adobe.comEine aktuelle Erhebung unter europäischen Restrukturierungs-ExpertInnen zeigt: Die Unternehmenssanierung bleibt ein dominierendes Thema.
82 Prozent der von EY befragten Banken-SpezialistInnen gehen mittlerweile davon aus, dass die Restrukturierungswelle ihren Höhepunkt nicht vor 2026 erreicht. Das bedeutet eine Verschiebung um ein halbes Jahr gegenüber früheren Prognosen.
In Österreich entwickelt sich die Situation anders. Hier erwarten 60 Prozent der Befragten den Peak bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025.
Die EY-Parthenon European Restructuring Pulse Survey erfasste die Einschätzungen von knapp 200 "Workout Bankers" aus mehr als 30 Ländern, darunter 15 aus Österreich. Die Zahlen verdeutlichen: Österreichische Unternehmen stehen unter außergewöhnlich starkem Druck.
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"Die Ergebnisse zeigen sehr klar, dass sich der Restrukturierungsdruck zeitlich verschiebt, aber keinesfalls abnimmt"Ben Trask, Partner bei EY-Parthenon Österreich
Unternehmenssanierung Österreich: deutlich höhere Zuwachsraten als in Europa
Im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten europaweit etwa 52 Prozent der befragten Banken einen Anstieg bei Restrukturierungsfällen. In Österreich bewegte sich dieser Wert auf ähnlichem Niveau.
Für das zweite Halbjahr aber ändert sich das Bild dramatisch: Während europaweit 59 Prozent mit weiteren Steigerungen rechnen, erwarten in Österreich 80 Prozent der Befragten zusätzliche Zuwächse bei der Restrukturierung von Unternehmen.
Diese Diskrepanz macht deutlich, dass die heimische Wirtschaft die Krise früher und intensiver zu spüren bekommt als viele andere europäische Märkte. Die wirtschaftlichen Belastungen treffen österreichische Unternehmen mit besonderer Wucht.
"Die Ergebnisse zeigen sehr klar, dass sich der Restrukturierungsdruck zeitlich verschiebt, aber keinesfalls abnimmt", sagt Ben Trask, Partner bei EY-Parthenon Österreich. "Für österreichische Unternehmen bedeutet das, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Finanzierung und operative Prozesse kritisch zu prüfen – bevor sich der Spielraum spürbar verengt."
Schwache Konjunktur und Umsatzeinbußen treiben Sanierung von Unternehmen
Die EY Studie will klare Ursachen für die steigenden Sanierungszahlen identifiziert haben. In Österreich nennen 26 Prozent der Befragten die schwächelnde Konjunktur als Haupttreiber. Rückläufige Umsätze folgen mit 22 Prozent auf Platz zwei. Ein österreichisches Spezifikum zeigt sich bei den Energie- und Materialkosten: Während sich diese in Europa zuletzt stabilisierten, bleiben sie hierzulande mit 14 Prozent ein zentraler Belastungsfaktor.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen, wachsende Personalkosten und eine zunehmend fragmentierte Handelspolitik. Diese Faktoren sorgen nicht für abrupte Krisen, sondern für kontinuierlichen Stress, der Unternehmen langfristig schwächt.
Restrukturierung Österreich: Automotive und Immobilien unter besonderem Druck
Die Restrukturierung in Österreich konzentriert sich auf bestimmte Kernbranchen. An erster Stelle steht der Automotive-Sektor mit 24 Prozent der Nennungen, gefolgt vom Einzelhandel mit 21 Prozent. Besonders auffällig ist die Immobilienbranche, die mit 19 Prozent deutlich häufiger genannt wird als im europäischen Durchschnitt.
Konsumgüter erreichen 12 Prozent, der Bereich Bau und Building Materials liegt bei 10 Prozent – ein Wert, der in Österreich stärker ausgeprägt ist als in anderen europäischen Ländern. Das produzierende Gewerbe zeigt sich mit etwa sieben Prozent etwas robuster als der europäische Durchschnitt.
"Österreich ist aufgrund seiner Branchenstruktur besonders sensibel gegenüber industriellem Gegenwind", so Trask weiter. "Die Kombination aus hoher Industrieabhängigkeit, einem angespannten Immobilienmarkt und gestiegenen Finanzierungskosten trifft viele Unternehmen gleichzeitig. Wer nicht frühzeitig gegensteuert, riskiert, in eine Restrukturierungsdynamik hineingezogen zu werden."
Regionale Entwicklung: Osteuropa wird zum Brennpunkt
Die geografische Verteilung des Restrukturierungsdrucks zeigt große Unterschiede. Osteuropa entwickelt sich zum Hotspot – 45 Prozent der Befragten erwarten dort zweistellige Zuwächse bei Sanierungsverfahren. Die nordischen Länder bleiben vergleichsweise stabil.
Österreichische Unternehmen befinden sich im europäischen Mittelfeld, sind jedoch durch ihre enge wirtschaftliche Verflechtung mit Deutschland und Mitteleuropa besonders anfällig für strukturelle Probleme in der Industrie.
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Sanierungsverfahren: Außergerichtliche Lösungen dominieren
Trotz steigender Fallzahlen setzen österreichische Banken weiterhin auf außergerichtliche und einvernehmliche Lösungen bei der Unternehmensrestrukturierung. 80 Prozent der österreichischen Befragten geben an, dass die meisten Fälle über außergerichtliche Verfahren abgewickelt werden – ein ähnlicher Wert wie im europäischen Durchschnitt von rund 85 Prozent.
Die klassische Kreditverlängerung und -anpassung bleibt mit 22 Prozent die häufigste Restrukturierungsmaßnahme in Österreich. Operative Sanierungsschritte sowie Insolvenz und Liquidation folgen dahinter.
30 Firmeninsolvenzen pro Tag: mehr denn je zuvor in Österreich
Interessant ist der Trend zu flexibleren Lösungen. 27 Prozent der ExpertInnen berichten, dass Firmen zunehmend bestehende Kreditverträge anpassen oder ihre internen Finanzierungsstrukturen neu organisieren, um kurzfristige Stabilisierung zu erreichen.
Finanzierung: Bestehende Kreditgeber und EigentümerInnen als Hauptkapitalgeber
Bei der Bereitstellung frischen Kapitals für die Sanierung von Unternehmen zeigt sich ein vertrautes Muster. Der Großteil der Mittel stammt von bestehenden Kreditgebern (52 Prozent) und den bisherigen EigentümerInnen (28 Prozent).
Neue InvestorInnen – etwa Distressed Funds oder Private-Equity-Häuser – gewinnen zwar an Bedeutung, bleiben aber in der Minderheit.
"Die wirtschaftliche Stabilisierung sowohl in Österreich als auch in Europa wird länger dauern als noch Anfang des Jahres erwartet. Unternehmen, die frühzeitig Maßnahmen ergreifen, ihre Kapitalstrukturen optimieren und ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln, werden die größten Chancen haben, aus dieser Phase gestärkt hervorzugehen", so Trask.
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