Elektromobilität : Wenn Elektromobilität zum Jobmotor werden soll, braucht es mehr Ladepunkte

mann sucht mit an ladekabel angeschlossenes e-auto nach ladestation

Die Abhängigkeit von öffentlicher Ladeinfrastruktur wird durch den Übergang der Elektromobilität vom frühen Markt zum Massenmarkt weiter steigen.

- © adobe stock/mpix-foto

Nicht nur aufgrund der explodierenden Spritpreise infolge des Krieges im Iran erleben E-Fahrzeuge einen neuen Höhenflug. So umfasste der Fahrzeugbestand in Österreich laut dem Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) mit Ende April 2026 mehr als 281.000 batterieelektrische Fahrzeuge (BEV). Ende des vergangenen Jahres waren es noch rund 258.000 gewesen.

Noch deutlicher zeigt sich der Zuwachs im Mehrjahresvergleich. Gab es Ende 2022 rund 110.000 BEV in Österreich, so hat sich dieser Wert binnen drei Jahren mehr als verdoppelt. 2016 waren es noch rund 9.000 Fahrzeuge gewesen.

Bei den Neuzulassungen in Österreich betrug der Anteil an BEV laut dem Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA im vergangenen Jahr 21,3 Prozent, während es in der EU 17,4 Prozent waren. Im ersten Quartal 2026 belief sich laut BEÖ der Anteil in der EU auf 19,7 Prozent. In Österreich lag er laut Statistik Austria bei 22,5 Prozent.

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Warum profitiert der Arbeitsmarkt von E-Autos?

Der Umstieg auf E-Mobilität kann nicht nur dem Umwelt- und Klimaschutz dienen, sondern auch ein Motor für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Das war bereits Gegenstand wissenschaftlicher Studien, die gerade Österreich ein großes Potential bei dieser zukunftsfähigen Technologie vorausgesagt haben.

Einer dieser Studien, die „E-MAPP 2“ Studie, wurde im Auftrag des Klima- und Energiefonds erstellt und aus Mitteln des Klimaschutzministeriums dotiert. Die Studie wurde unter der Leitung der Forschungseinrichtung Fraunhofer Austria gemeinsam mit der TU Wien und der Smart Mobility Power GmbH durchgeführt und 2021 präsentiert.

Insbesondere die österreichische Automobilindustrie, die mit 86 Prozent einen sehr hohen Exportanteil aufweist, würde durch die E-Mobilität enorm profitieren.

Die Autoren der Studie prognostizierten eine Steigerung des Wertschöpfungspotentials von etwa 19 Prozent bis 2030, was einer jährlichen Steigerung von 645 Millionen Euro entspricht. 

Das Beschäftigungspotential wurde für denselben Zeitraum mit einer Steigerung von 21 Prozent angegeben. Dies entspräche einer Steigerung der direkt in der Automobilindustrie Beschäftigten von 34.400 auf knapp 42.000 im Jahr 2030, also einer Steigerung um 7.300 Arbeitsplätze. Eine Steigerung um weitere 1.000 Arbeitsplätze ergibt sich laut Studie durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur

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Mit März 2026 gibt es in Österreich 37.124 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Die meisten in Niederösterreich, vor Oberösterreich und Wien. 

Grafik: BEÖ, Daten: ladestellen.at

- © BEÖ

Ladeinfrastruktur Österreich wächst mit dem Fahrzeugbestand

Durch das rasante Wachstum des Fahrzeugbestandes rückt auch die Entwicklung der öffentlichen Ladeinfrastruktur in den Fokus. Laut E-Control gab es mit Stand 26. Mai 2026:

  • österreichweit 38.629 Ladepunkte
  • bei 15.160 Ladestellen,
  • die von 1.130 registrierten Betreibern betrieben werden.

In der gesamten EU gab es mit Stand März 2026 laut BEÖ 1.139.463 Ladepunkte. Österreich liegt damit im Ranking der EU-Staaten auf Platz neun. Die Empfehlung der EU-Kommission lautet mindestens ein Ladepunkt pro zehn Fahrzeuge. In Österreich teilen sich rechnerisch vier E-Autos einen Ladepunkt.

Die meisten Ladestellen gab es Ende Mai 2026 mit 3.395 in Niederösterreich, das mit 8.316 Ladepunkten ebenfalls auf dem ersten Platz liegt. Dahinter folgen Oberösterreich mit 2.317 Ladestellen und 6.232 Ladepunkten sowie Tirol mit 2.200 Ladestellen und 5.328 Ladepunkten.

Die Steiermark kommt auf 1.824 Ladestellen und 4.855 Ladepunkte. Salzburg verzeichnet 1.521 Ladestellen und 3.987 Ladepunkte. Die wenigsten Ladestellen gab es im Burgenland mit 641, jedoch 1.610 Ladepunkten. Vorarlberg verfügte über 699 Ladestellen, aber mit 1.475 über weniger Ladepunkte. Davor liegt Kärnten mit 951 Ladestellen und 2.299 Ladepunkten. Wien landete mit 1.555 Ladestellen und 4.354 Ladepunkten im Mittelfeld.

Verglichen mit dem Ausbaustand Ende 2024 verzeichneten die Ladestellen im Jahresvergleich laut dem Ladestellenverzeichnis der E-Control einen Zuwachs von sechs Prozent. Die öffentlichen Ladepunkte legten um 26 Prozent zu.

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Die meisten Ladepunkte (13.494) hatten eine Leistung zwischen 22 und 49 kW, dicht gefolgt von 13.485 im Leistungsbereich zwischen elf und 21 kW.

Was kommt dem Wachstum von E-Mobilität in die Quere?

Für die Unternehmen liegt der Schüssel zur Nutzung der Entwicklungsmöglichkeiten im raschen Umstieg auf Technologien, die mit reinen Elektrofahrzeugen in Verbindung stehen. 

Österreich kann auf eine gewisse Stärke im Bereich Forschung & Entwicklung blicken. Doch es gibt auch Risiken durch die hohe Exportquote und der damit geschaffenen Abhängigkeit. 

Und dann gibt es natürlich noch negative Entwicklung durch den Fachkräftemangel, welche sich durch den demografischen Wandel weiter verstärken dürften. Nur durch konsequente Investitionen in Forschung & Entwicklung und die Ausbildung entsprechender Fachkräfte kann einer negativen Entwicklung in diesen Bereichen gegengesteuert werden.

Elektromobilität braucht leistungsfähige Ladestationen

Die meisten Ladepunkte, nämlich 13.494, hatten eine Leistung zwischen 22 und 49 Kilowatt (kW). Dicht gefolgt wurden sie von 13.485 Ladepunkten im Leistungsbereich zwischen elf und 21 kW. Gleich dahinter waren mit 6.835 die Ultraschnelllader mit mehr als 150 kW vertreten.

Weiters gab es 3.615 Schnelllader mit einer Leistung von 50 bis 149 kW sowie 1.200 Ladepunkte mit einer Leistung bis zehn Kilowatt.

Die Ausbauziele verlagern sich einerseits in die Breite. So werden beispielsweise immer mehr Supermarktparkplätze mit Ladestationen versehen, um den Zugang zu Lademöglichkeiten möglichst niederschwellig zu gestalten.

Andererseits liegt der Fokus des Ausbaus auf den Schnellladern und Ultraschnellladern. Diese sind für Fahrten auf der Langstrecke unverzichtbar und in einem Transitland wie Österreich besonders gefragt.

Der Förderung des Ausbaus von Ladeinfrastruktur im hochrangigen Straßennetz trägt auch die Bundesregierung durch Gesetzesnovellen Rechnung. Bisher bestehende Schutzzonen fallen weg. Dadurch sind Tanken und Laden beim Gebietsschutz nicht mehr gleich geregelt.

Die Errichtung von Ladestellen an Tankstellen, Raststätten, Rastplätzen sowie Parkflächen soll erleichtert werden. Ziel ist eine höhere Dichte an Ladestationen.

In Österreich gibt es 38.629 Ladepunkte bei 15.160 Ladestellen, in der gesamten EU sind es 1.139.463 Ladepunkte.

Bedeutung des Automobilsektors für Österreich

Die Bedeutung der Fahrzeugindustrie für die österreichische Volkswirtschaft lässt sich an folgenden Zahlen eindrucksvoll belegen. So gab es im Jahr 2021 41.393 direkte Beschäftigte, welche einen Produktionswert von 16,6 Milliarden Euro erwirtschafteten. 

Betrachtet man die automobile Zulieferbranche gesamtwirtschaftlich, sind 111.430 Menschen dort beschäftigt. Die Exportquote der in Österreich gefertigten Produkte beträgt 87 Prozent, wobei mehr als die Hälfte davon an das Nachbarland Deutschland gehen.

90 Prozent des Produktionsvolumens wird von Großfirmen erbracht. Die Unternehmenslandschaft besteht jedoch zu 67 Prozent aus kleinen und mittelständischen Betrieben

Diese Parameter zeigen neben dem hohen Stellenwert zugleich auch das Problem auf, vor dem dieser Wirtschaftszweig steht. Denn durch die Mobilitätswende werden neue Antriebstechnologien gebraucht, die wiederum aus anderen Komponenten als bisher bestehen. Benötigt ein Elektromotor nur etwa 20 bewegliche Teile, sind es beim Verbrennungsmotor mehr als 2.000. Folglich verringern sich so bei einem elektrifizierten Fahrzeug die Montagestunden um 15 bis 30 Prozent gegenüber einem Fahrzeug mit konventionellem Antrieb.

Zudem führt der höhere Anteil an Elektronik in Fahrzeugen dazu, dass zum Beispiel auch Firmen aus dem Bereich Software oder Unterhaltungselektronik in den Fahrzeugmarkt einsteigen und zu Mitbewerbern werden. Ein aktuelles internationales Beispiel hierfür ist Xiaomi.

Unter Druck kommen insbesondere Unternehmen, die einerseits bisher Produkte für konventionell betriebene Fahrzeuge hergestellt haben und andererseits eher kleine oder mittlere Unternehmen sind, welche die finanziellen Belastungen für die kostspielige Umstellung schwerer stemmen können. War die Fahrzeugindustrie im Jahr 2020 unter den Fachverbänden nach der metalltechnischen Industrie der zweitgrößte Industriebereich des Landes, rutschte man in den folgenden zwei Jahren auf den vierten Platz ab.

90 Prozent des Produktionsvolumens wird von Großfirmen erbracht. Die Unternehmenslandschaft besteht jedoch zu 67 Prozent aus kleinen und mittelständischen Betrieben

- © dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss

AFIR-Verordnung soll Ladeinfrastruktur harmonisieren

Die ASFINAG begrüßte die Mitte Mai 2026 angekündigte Novellierung des Bundesstraßengesetzes. Diese soll die Umsetzung der AFIR-EU-Verordnung erleichtern.

AFIR steht für Alternative Fuel Infrastructure Regulation und bildet den Rechtsrahmen der EU für den Ausbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe. Die Verordnung verfolgt das Ziel, ein vollständiges Infrastrukturnetz für alternative Kraftstoffe in Europa zu errichten.

Im Bereich der Elektromobilität soll die Infrastruktur für E-Pkw, E-Nutzfahrzeuge und E-Busse europaweit harmonisiert werden. Dazu gehört beispielsweise die Festlegung von Abständen zwischen Ladepunkten und die Definition erforderlicher Ladeleistungen.

Ebenso soll das Bezahlen vereinfacht werden. Informationen zu Verfügbarkeit, Wartezeiten und Ladepreisen sollen leichter zugänglich sein. Darüber hinaus werden technische Standards vereinheitlicht.

Das Ziel der ASFINAG ist es, bis 2030 alle 60 Rastplätze mit geeigneter Ladeinfrastruktur auszustatten. Planung, Errichtung und Betrieb erfolgen über Konzessionsnehmer.

In einem ersten Schritt erfolgte die Einigung mit zwei Mineralölkonzernen für 21 Rastplätze, die 2027 in Betrieb gehen sollen. Vorgesehen sind dort mindestens acht Schnellladestationen pro Standort für Pkw. Diese sollen auch für Fahrzeuge mit Anhänger geeignet sein.

Für Lkw sind sowohl Schnelllader mit mindestens einer Vorrichtung für Megawatt-Charging ab 1.000 kW als auch Langsam-Ladestationen für das sogenannte Overnight-Charging vorgesehen. Diese können während gesetzlicher Ruhe- und Pausenzeiten genutzt werden.

Tankstellen entwickeln sich zu Energiehubs der Elektromobilität

An immer mehr der österreichweit 2.694 öffentlich zugänglichen Tankstellen, die laut Erhebung des Fachverbands der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie der Wirtschaftskammer Österreich zu Jahresende 2025 in Betrieb waren, kann auch geladen werden.

Insgesamt verfügten 334 Tankstellen über 1.246 Ladepunkte. Die überwiegende Mehrheit davon, nämlich 1.119, sind Schnellladepunkte mit einer Leistung von mehr als 150 kW.

Durch das im EU-Vergleich sehr dichte Tankstellennetz in Österreich wird die Transformation von Tankstellen zu Energiehubs weiter an Dynamik gewinnen.

Neben Tankstellenbetreibern treiben vor allem Energieversorger gemeinsam mit privaten Anbietern den Ausbau der Ladeinfrastruktur Österreich voran.

Bei den Marktanteilen im öffentlich zugänglichen Ladenetz nach Ladepunkten gereiht kam laut dem Fortschrittsbericht 2025 von AustriaTech die EVN auf zehn Prozent. Die Wien Energie erreichte sechs Prozent, die Salzburg AG fünf Prozent, die Energie Steiermark vier Prozent sowie die Illwerke vkw und die Linz AG jeweils drei Prozent.

Bei den Ultraschnellladern kommt Smatrics auf 22 Prozent Marktanteil. Dahinter folgen OMV und Tesla mit jeweils zehn Prozent. Die EVN hält vier Prozent, die Kelag drei Prozent.

Die Abhängigkeit von öffentlicher Ladeinfrastruktur wird durch den Übergang der Elektromobilität vom frühen Markt zum Massenmarkt jedenfalls weiter steigen.

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