Nova-Befreiung Österreich : Nova-Befreiung und Energie Steiermark E-Mobility: Was tut sich in Südösterreichs Fahrzeughandel und Elektromobilität?
Inhalt
- Alternative Antriebe in der Steiermark auf dem Vormarsch
- Infrastruktur und Transparenz als Erfolgsfaktor
- Gebrauchtwagenmarkt: Elektrifizierung schreitet auch hier voran
- Verbrenner-Aus im Nutzfahrzeugbereich beschleunigt Trend
- Neue Regelungen für Pick-ups
- Ladeinfrastruktur 2025: Ausbau legt deutlich zu
- Energie Steiermark: Zugang zu 600.000 Strom-Tankstellen europaweit
- Ausbau der Ultraschnellladepunkte und Benutzerfreundlichkeit
- Politische Rahmenbedingungen fördern den weiteren Ausbau
Im Europa-Vergleich verzeichnete Österreich 2023 den fünftgrößten Zuwachs an BEV-Neuzulassungen mit einem Plus von rund 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- © SMATRICSVorweg: Verbrenner-Verbot 2035 gekippt – was die EU-Kehrtwende bedeutet
Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnet Österreich ein anhaltendes Wachstum bei den Kfz-Neuzulassungen. Bundesweit ergibt sich ein Plus von 5,9 Prozent.
In der Steiermark fällt das Wachstum mit 9,7 Prozent besonders deutlich aus.
Auffällig ist die Entwicklung bei den alternativen Antrieben: Ihr Anteil steigt markant, während Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zunehmend an Relevanz verlieren.
„Die Elektrifizierung und der Umstieg auf alternative Antriebe schreiten dynamisch voran. Das zeigt: Die Steirerinnen und Steirer sind bereit, ihren Beitrag zur Umwelt zu leisten“, sagt Landesgremialobmann Peter Jagersberger.
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Alternative Antriebe in der Steiermark auf dem Vormarsch
Die Zahlen untermauern diese Einschätzung: Benziner wurden mit 6.289 Neuzulassungen um 14,5 Prozent weniger verkauft, Diesel-Pkw sanken mit 2.448 Zulassungen sogar um 32,8 Prozent. Dem gegenüber steht ein Zuwachs bei Hybridfahrzeugen von 15,1 Prozent.
Elektrifizierte Fahrzeuge – inklusive Hybriden – machen mittlerweile 58 Prozent aller Neuzulassungen in der Steiermark aus. Der Anteil reiner E-Autos liegt bei 17 Prozent, jener von Hybridmodellen bei 41 Prozent.
„Der Markt folgt keiner Ideologie. Die Kundinnen und Kunden entscheiden sich bewusst für moderne, effiziente Fahrzeuge – egal ob Hybrid oder rein elektrisch. Wichtig ist, dass individuelle Mobilität auch künftig leistbar bleibt“, so Jagersberger.
Infrastruktur und Transparenz als Erfolgsfaktor
Vor diesem Hintergrund spricht sich der steirische Fahrzeughandel weiterhin für gezielte Investitionen in die Ladeinfrastruktur aus.
Zusätzlich gefordert werden einheitliche und transparente Preisauszeichnung an Ladestationen sowie die Möglichkeit zur Kartenzahlung an allen öffentlichen Ladepunkten.
Wie die Ladeinfrastruktur vorangetrieben wird, lesen Sie weiter unten.
Gebrauchtwagenmarkt: Elektrifizierung schreitet auch hier voran
Auch bei gebrauchten Fahrzeugen zeigt sich ein klarer Trend. Im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Zulassungszahlen im Gebrauchtsegment um 3,8 Prozent.
Gerald Auer, Geschäftsführer beim Autohändler Vogl & Co, beobachtet: „Elektro- und Hybridfahrzeuge sind inzwischen auch im Gebrauchtsegment angekommen. Das Angebot ist vielfältig, die Preise beginnen teilweise schon unter 20.000 Euro – insbesondere durch den Wettbewerb mit chinesischen Herstellern.“
Reichweiten von bis zu 700 Kilometern und eine zuverlässige Batterietechnik mit garantierter Restkapazität von über 90 Prozent nach vier Jahren machen gebrauchte E-Autos zunehmend attraktiv. Fachbetriebe bieten zudem geprüfte Fahrzeuge mit Batteriezertifikat an, was für zusätzliche Sicherheit beim Kauf sorgt.
Verbrenner-Aus im Nutzfahrzeugbereich beschleunigt Trend
Im Nutzfahrzeugsegment (N1) sinken die Zulassungen von Benzin- und Dieselfahrzeugen stark: minus 70,3 Prozent bzw. minus 38,6 Prozent. Im Gegensatz dazu können Elektrotransporter ein deutliches Plus von 47,3 Prozent verzeichnen.
Ein Grund hierfür ist die seit 1. Juli 2025 geltende Abschaffung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) für leichte Nutzfahrzeuge. Viele Unternehmen haben ihre Kaufentscheidungen bewusst ins zweite Halbjahr verschoben, was sich auf die Zahlen der ersten sechs Monate ausgewirkt hat.
„Der Entfall der NoVA, insbesondere bei Pritschenwägen, bringt echte Entlastung für Handwerksbetriebe“, sagt Bundesgremialobmann Klaus Edelsbrunner.
Erste Daten für den Sommer 2025 deuten bereits auf eine Belebung des Markts hin.
Gewerbespartenobmann Peter Storfer und WK-Präsident Jürgen Mandl: "Allrad-Pick-ups sind für zahlreiche Betriebe unverzichtbar – sei es auf Baustellen, in der Forst- und Landwirtschaft oder auch im Handwerk. Dass diese Fahrzeuge bisher durch die NoVA massiv benachteiligt wurden, war schlicht eine Diskriminierung."
- © WKK | Sabine BiedermannNeue Regelungen für Pick-ups
Das Bundesgremium Fahrzeughandel konnte im Dialog mit dem Finanzministerium einige gesetzliche Erleichterungen erreichen. So wurden bestimmte Vorgaben, wie etwa die klimadichte Trennwand bei Kastenwagen, gestrichen.
Im September wurden nun auch die Regelungen für Pick-ups fixiert. Auf Drängen von Wirtschaftskammer hat die Bundesregierung beschlossen, Allrad-Pick-ups ebenfalls von der NoVA zu befreien.
„Besonders Betriebe in Gewerbe und Handwerk sind im alpinen Bereich oft auf diese Fahrzeuge angewiesen, da sie eine hohe Zuladungskapazität, Geländetauglichkeit und einen Allradantrieb kombinieren“, erklärt WK-Kärnten-Präsident Jürgen Mandl. Er hatte eine entsprechende Anpassung schon im Juli gefordert.
„Das ist ein Erfolg für viele Unternehmen in Kärnten und ganz Österreich", sagt auch Peter Storfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk. "Mit der Befreiung wird endlich die Realität anerkannt: Diese Fahrzeuge sind Arbeitsgeräte und keine Luxusautos.“
Ladeinfrastruktur 2025: Ausbau legt deutlich zu
Die Transformation des Fahrzeugmarkts ist deutlich sichtbar. Insbesondere die Steiermark zeigt, dass Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehen können. Dafür sind aber entsprechende Rahmenbedingungen notwendig – vor allem ein umfassender Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Dieser schreitet schneller voran als vielfach angenommen: Laut Bundesverband für Elektromobilität gab es im Juni 2025 in Österreich bereits 31.651 öffentliche Ladepunkte. Das entspricht einem Zuwachs von fast 40 Prozent gegenüber Juni 2024.
In der Steiermark stieg die Zahl der Stationen um 34 Prozent auf 3.859 Ladepunkte.
Energie Steiermark: Zugang zu 600.000 Strom-Tankstellen europaweit
Ab 18. September 2025 startet die Energie Steiermark eine neue Phase ihrer E-Mobility-Offensive. Mit der neuen Lade-App Elinx ist der Zugang zu über 600.000 Ladepunkten in ganz Europa möglich. Es braucht also nicht unterschiedliche Karten für verschiedene Anbieter und Länder.
Laut dem Unternehmen ist diese Einführung durch einen Energieanbieter ein Novum in Österreich.
„Unser Ziel ist es, das Laden von E-Autos in allen Teilen Europas so einfach und transparent wie möglich zu machen. Dabei wollen wir die Energie-Expertise aus unserem Unternehmen mit dem europaweiten Ladenetzwerk verbinden. So wird Elektromobilität vom Planungsaufwand zur Selbstverständlichkeit, insbesondere bei Reisen in Österreichs Nachbarländer“, so die Vorstände der Energie Steiermark, Martin Graf und Werner Ressi.
Die App integriert auch Live-Fahrzeugdaten und intelligente Routenplanung mit Lade-Stopps. Es gibt unterschiedliche Tarif-Modelle, so auch für Vielfahrer mit europaweiter Nutzung. Die aktuelle Ladekarte der Energie Steiermark läuft mit Ende Oktober aus.
Ausbau der Ultraschnellladepunkte und Benutzerfreundlichkeit
Auch die Zahl der Ultraschnellladepunkte steigt kontinuierlich. Ein Unternehmen, das solche baut, ist Smatrics EnBW. Im ersten Halbjahr 2025 waren es in Österreich über 100 neue solcher Punkte.
Acht Ultrachnellladepunkte von Smatrics liegen derzeit in der Steiermark, die mit Abstand meisten im Bundesländervergleich aber in Niederösterreich.
„Die Auswahl strategisch gut platzierter Ladeorte ist entscheidend für die Weiterentwicklung der E-Mobilität", sagt Thomas Landsbek, CEO von Smatrics.
2025 konzentriert man sich daher auf zentrale Verkehrsknoten sowie auf Partnerschaften mit dem Einzelhandel. Über die Hälfte der neuen Ladepunkte wurde direkt bei Supermärkten oder Einkaufszentren errichtet.
Drei Viertel der neuen Ladepunkte befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Autobahnen – ein deutliches Signal für eine verbesserte Reichweitenabdeckung auf Langstrecken, insbesondere im Hinblick auf den Sommerreiseverkehr und steigende Verkehrsströme.
Auch bei der Ladeleistung gibt es Fortschritte. Rund 80 Prozent der neuen Ultraschnelllader verfügen über eine Leistung von 400 kW. Damit lassen sich Fahrzeuge innerhalb von 15 Minuten für eine Reichweite von 400 Kilometern aufladen.
Lesen Sie hier über den leistungsstärksten Schnellladepunkt Österreichs
Ein weiteres Augenmerk auf die Benutzerfreundlichkeit der Ladesäulen: etwa detaillierte Echtzeitdaten zum Ladevorgang. Neben Ladeleistung, Ladestand, Restladezeit und technischen Parametern erhalten NutzerInnen Informationen darüber, ob die Ladeleistung aktuell vom Fahrzeug oder von der Station geregelt wird. Landsbek betont: „Laden darf keine Blackbox sein. Wer den Vorgang im Hintergrund versteht, kann E-Mobilität aktiver steuern.“
Ein weiterer Schritt in Richtung mehr Barrierefreiheit ist die Einführung einer erweiterten Sprachsteuerung.
Politische Rahmenbedingungen fördern den weiteren Ausbau
Für die zweite Jahreshälfte erwartet Smatrics EnBW zusätzlichen Rückenwind beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Anfang Juli kündigte die Bundesregierung eine Förderung von 30 Millionen Euro für Schnellladeprojekte an.
Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz soll auch Planungssicherheit im Bereich der E-Mobilität bieten.
„Wir begrüßen die politischen Maßnahmen zur Förderung der Schnellladeinfrastruktur. Denn E-Mobilität braucht keine Vision mehr, sondern Versorgungssicherheit“, so Landsbek.
Ein weiterer zentraler Entwicklungsschritt sei zudem, auch den Schwerverkehr auf E-Antriebe vorzubereiten. Österreich bringe sowohl das Know-how als auch die geografischen Voraussetzungen mit, um beim Thema E-Mobilität eine zentrale Rolle einzunehmen. (LB/APA)
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