Strom Kärnten : Kelag macht Rückzahlung und senkt Gewerbetarif erneut
Inhalt
- Strompreissenkung Kärnten: Entlastung für energieintensive Betriebe
- Weitere Tarifsenkungen ab 2026
- Neue Tarife für Haushaltskunden
- Wie die Strompreise die Wirtschaft treffen
- EU-Energiepolitik: Clean Industrial Deal gegen hohe Strompreise
- Österreichische Energiepolitik: Forderungen an die Bundesregierung
Kärnten hat, gemessen an Arbeitsplätzen, die energieintensivste Industrie in Österreich. Auch hier hat man sich dem drängenden Problem der hohen Strompreise angenommen.
(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)
- © Adobe stock/AnastasiaStrompreissenkung Kärnten: Entlastung für energieintensive Betriebe
Mit Anfang April hat die Kelag in Kärnten ihren Gewerbetarif gesenkt. Bald gibt es weitere Senkungen.
Unternehmen mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden zahlen seit April 10,90 Cent netto pro Kilowattstunde. Das entspricht einer Senkung von 22 Prozent.
Rund 250 größere Kärntner Gewerbebetriebe erhalten nun außerdem eine Rückzahlung von der Kelag. Die Betriebe werden dafür bis Ende August direkt kontaktiert, die Rückzahlung beträgt im Schnitt 500 Euro. Wer nicht kontaktiert wird, ist auch nicht anspruchsberechtigt. Grund für die Rückzahlung ist ein gerichtliches Urteil zu rückwirkenden Preisänderungen.
„Es ist richtig, dass die Kelag hier proaktiv handelt und Klarheit schafft“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl. „Gerade für Gewerbekunden mit hohem Energiebedarf zählt jeder Cent. Diese Rückzahlung ist eine wichtige Geste.“
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„Diese Tarifsenkung ist ein erster wichtiger Schritt, um unsere Unternehmen in Zeiten steigender Kosten zu entlasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern."Jürgen Mandl, Präsident der WK Kärnten
Weitere Tarifsenkungen ab 2026
Die Tarifsenkung, die seit April gilt, hat eine Preisgarantie bis Ende März 2026.
„Unser Ziel sind international wettbewerbsfähige Energiepreise für alle Betriebe. Die Senkung des Gewerbetarifs der Kelag ist ein wichtiger Schritt, aber es gibt noch viel zu tun“, so Präsident Mandl.
Ab dem 1. Oktober 2026 gilt dann für bestehende Kunden aus den Bereichen Gewerbe und Landwirtschaft ein neuer, deutlich günstigerer Stromtarif. Für die ersten 10.000 Kilowattstunden pro Jahr gilt ein Tarif von 12,50 Cent/kWh (15,00 Cent/kWh brutto). Für darüber hinausgehende Verbräuche beträgt der Preis 9,50 Cent/kWh (11,40 Cent/kWh). Das entspricht einer Ersparnis von 12,8 Prozent.
Auch kleine Gewerbebetriebe mit Wärmepumpen oder E-Fahrzeugen können ab einem Verbrauch von 3.500 kWh vom neuen Tarif profitieren: 9,50 Cent/kWh (11,40 Cent/kWh), für Mengen bis 3.500 Kilowattstunden gilt der Verbrauchspreis mit 12,50 Cent/kWh (15,00 Cent/kWh). Dieser Staffeltarif fungiert unter dem Namen "Energiezukunft".
Bei geringerem Verbrauch von unter 10.000 Kilowattstunden sinken die Tarife um zehn Prozent von 13,9 auf 12,5 Cent netto pro Kilowattstunde.
Für Neukunden treten die neuen Tarife bereits mit am 1. Jänner 2026 in Kraft.
Vorsicht ist geboten: Die Tarifumstellung erfolgt nicht automatisch. Aus rechtlichen Gründen müssen alle Kund:innen den Wechsel aktiv selbst vornehmen – eine direkte Folge des Gerichtsurteils.
„Unsere Betriebe müssen sich auf faire und verlässliche Rahmenbedingungen verlassen können – nicht auf komplizierte Detailregeln, die oft nur mit juristischer Beratung durchschaubar sind“, so Mandl.
Die Wirtschaftskammer fordert daher eine rasche Überarbeitung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes, um automatische Tarifumstellungen rechtlich abzusichern.
Neue Tarife für Haushaltskunden
Der neue Stromtarif für Haushaltskunden wird um zehn Prozent gesenkt und liegt bei 12,50 Cent/kWh (15,00 Cent/kWh inklusive Umsatzsteuer).
Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh erspart sich bei einem Umstieg rund 40 Euro pro Jahr, so die Kelag.
Wie die Strompreise die Wirtschaft treffen
Ein hoher Strompreis trifft Unternehmen in Österreich doppelt. Einerseits durch die hohen Preise, die sie für ihre Energie berappen müssen, und andererseits über die Lohnsteigerungen, die mit gewisser Verzögerung durch die Inflation zum Einflussfaktor werden.
Obwohl sowohl die Inflation als auch die Energiepreise mittlerweile wieder gesunken sind, ist mit Beginn 2025 Haushaltsenergie wieder zu einem der bestimmenden Treiber der Inflation geworden. Unter anderem auch, da die Strompreisbremse mit Ende 2024 endgültig ausgelaufen ist.
In seinem World Economic Outlook sagte der Internationale Währungsfonds Österreich als einzigem westlichen Industrieland 2025 eine Rezession voraus. Trotzdem gibt es auch vorsichtig positive Nachrichten. So ist das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung erstmals seit Mitte des Jahres 2023 mit 1,8 Punkten wieder leicht im positiven Bereich und das deutet auf einen Vorzeichenwechsel hin.
Um diesem Trend auch Nachhaltigkeit zu verleihen, müssen die Energiekosten sinken, und zwar sowohl für die Industrie als auch für die Konsumenten.
Kärnten hat, gemessen an Arbeitsplätzen, die energieintensivste Industrie in Österreich. Auch hier hat man sich dem drängenden Problem der hohen Strompreise angenommen.
Die Industrie ist Kärntens wichtigster Wirtschaftszweig. Sie beschäftigte 2022 im produzierenden Sektor rund 59.000 Mitarbeiter und stand direkt für 37,1 Prozent der Bruttowertschöpfung.
Laut einer Studie im Auftrag der Industriellenvereinigung und der Kelag aus dem vergangenen Jahr wird der Strombedarf der Kärntner Industrie bis 2040 auf rund 2,6 Terrawattstunden steigen.
EU-Energiepolitik: Clean Industrial Deal gegen hohe Strompreise
Die hohen Energiekosten sind auch in der EU ein drängendes Thema, wie die Verabschiedung des Clean Industrial Deal Ende Februar dieses Jahres zeigt. Ziel des Aktionsplans der Kommission ist es, die Energiekosten nachhaltig zu senken, um sowohl für Verbraucher als auch Unternehmen erhebliche Einsparungen zu erreichen.
Mit einem Bündel an Maßnahmen will die Kommission noch heuer Einsparungen im Umfang von 45 Milliarden Euro ermöglichen. Bis 2040 soll dieser Wert auf 260 Milliarden Euro pro Jahr steigen.
Wie sehr hier Handlungsbedarf besteht, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Agenda Austria. Demnach zahlen viele europäische Unternehmen trotz gesunkener Preise immer noch fast drei Mal so viel wie Unternehmen in den USA. So liegt der Strompreis für kleine und mittlere Unternehmer in Österreich oft noch bei über 20 Cent pro Kilowattstunde, in den USA sind es nur sieben.
Diese Erhebungen decken sich auch mit den Daten von Eurostat. Demzufolge zahlt ein Nichthaushaltskunde mittlerer Größe in der EU im Schnitt 15,6 Cent pro Kilowattstunde. Spitzenreiter ist Irland mit 25,4 Cent, während es in Schweden oder Finnland nur um die neun Cent sind. Österreich liegt mit 19,5 Cent im oberen Drittel wie auch das Nachbarland Ungarn mit 20,5 Cent. Slowenien hingegen hat mit im Schnitt 15,7 Cent wesentlich günstigere Preise.
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„Es ist klar, dass die Energiepreise ganz wesentlich für den Standort sind“Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner
Österreichische Energiepolitik: Forderungen an die Bundesregierung
Auch die österreichische Bundesregierung sieht sich mit der Forderung konfrontiert, gegen die hohen Strompreise etwas zu unternehmen.
Im Wahlkampf haben noch alle drei Regierungsparteien eine Senkung der Energiepreise versprochen. Laut Regierungsprogramm soll „günstige Energie für mehr Made in Austria“ sorgen. Von gezielten Maßnahmen ist da die Rede, um die „Energiepreise möglichst rasch und nachhaltig auf ein wettbewerbsfähiges sowie planbares Niveau zu senken“.
Inzwischen wurde dieses Thema in eine Arbeitsgruppe ausgelagert. „Es ist klar, dass die Energiepreise ganz wesentlich für den Standort sind“, erläuterte Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner gegenüber der „Presse“. Im „Kurier“ erteilte sie Rufen nach einer Senkung von Netzgebühren und Steuern aus budgetären Gründen eine Absage, ebenso wie der Strompreiskompensation.
Für den steirischen SPÖ-Chef Max Lercher ist das unverständlich, denn die „Netzkosten-Senkung ist eine zentrale Standortfrage“.
Lesen Sie hier den Kommentar der Chefredaktion: Ende der politischen Schonfrist in Österreich – Zukunft ist vorne, nicht hinten!
Die Strompreiskompensation wurde von vielen Seiten gefordert, so auch von der Wirtschaftskammer und auch im Regierungsübereinkommen von FPÖ und ÖVP in der Steiermark.
Dieses System wurde bereits 2012 von der EU geschaffen, wird aktuell von 17 EU-Staaten wie Deutschland, Italien, Tschechien oder der Slowakei genutzt und wurde von diesen stellenweise bis 2030 fixiert.
Die Idee dahinter ist, energieintensiven Unternehmen aus der Metall-, Chemie-, Papier- oder Kunststoffbranche die Nachteile abzufedern, die sie durch den Emissionshandel der Union im globalen Wettbewerb haben und so Abwanderung zu verhindern. Die durch den Emissionshandel entstandenen höheren Kosten sollen zu 75 Prozent rückerstattet werden.
Auch in Österreich kam dieser Mechanismus zur Anwendung, allerdings nur einmalig im Jahr 2022. Damals wurden 184 Millionen Euro an Betriebe erstattet.
Wie sich die Betriebe heute ohne Kompensation im europäischen Wettbewerb sehen? Nicht mehr konkurrenzfähig. (LB/APA)
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