Unternehmensnachfolge Österreich : Unternehmensnachfolge in Österreich: Diese 10 Fehler können Familienunternehmen gefährden

Ein alter und ein junger Mann arbeiten gemeinsam in einem landwirtschaftlichen Betrieb: einer macht Notizen, der andere trägt Kiste mit Äpfeln

Knapp die Hälfte der Unternehmen wird familienintern übergeben. Dabei werden häufig die gleichen Fehler gemacht – die aber vermeidbar wären.

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Der Generationenwechsel im Unternehmen stellt österreichische Familienbetriebe vor erhebliche Herausforderungen. Manche Fehler kommen bei der Betriebsnachfolge besonders häufig vor – und könnten sich vermeiden lassen.

Die Betriebsübergabe vereint verschiedene Dimensionen: organisatorische Aspekte, steuerrechtliche Fragen und juristische Rahmenbedingungen spielen ebenso eine Rolle wie emotionale Faktoren. 

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Nachfolgeplanung KMU: Zeitlicher Rahmen und Branchenunterschiede

Bei einer Befragung durch CH Consult und Creditreform sahen nur 32,3 Prozent der Unternehmen die Nachfolge derzeit nicht als Thema. 

15,0 Prozent der Unternehmen stehen vor einer Nachfolge in den nächsten zwei Jahren, weitere 15,8 Prozent planen sie innerhalb von fünf Jahren. Für jeden vierten Befragten (24,1 Prozent) wird das Thema in den nächsten zehn Jahren relevant. Bei 12,8 Prozent fand die Betriebsnachfolge bereits statt.

Eine KMU-Studie der Österreichischen Notariatskammer ergibt sogar noch höhere Zahlen: Demnach planen 47 % der befragten Unternehmen innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Übergabe. Doch 49 % haben dafür noch keine geeignete Nachfolge. 

Branchenspezifisch steht die Betriebsübergabe vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und Baugewerbe auf der Agenda. Im Handel gaben laut Creditreform 39,5 Prozent an, keine Nachfolge zu planen. Im Dienstleistungssektor steht fast jeder fünfte Betrieb vor einer Übergabe in den kommenden zwei Jahren. Das Verarbeitende Gewerbe hat diesen Schritt bereits häufiger vollzogen (18,2 Prozent).

Christian Hurek, Partner bei CH Consult, betont: „Frühzeitig die Weichen für eine Unternehmensnachfolge stellen, dies erfordert eine sorgfältige Vorbereitung des Unternehmens auf die Nachfolge und ein Abwägen der Nachfolgeoptionen durch den Unternehmer/-in."

Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform, ergänzt: „Neben dem rechtzeitige Erkennen und Einleiten der Unternehmensnachfolge ist es wichtig, die mannigfaltigen organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen rasch zu klären und abzustimmen."

„Bei einer fehlerhaften Nachfolgeplanung drohen nicht nur familiäre Auseinandersetzungen, sondern auch beträchtliche wirtschaftliche Konsequenzen", sagt Florian Meindl, Partner bei BDO Austria. Der Steuerberater betreut seit Jahren Familienunternehmen des österreichischen Mittelstands sowie Private Clients. „Durch frühzeitige und gründliche Vorbereitung lassen sich die typischen Probleme allerdings verhindern."

1. Verspäteter Start der Nachfolgeregelung

Zahlreiche UnternehmerInnen verdrängen das Thema Unternehmensübergabe lange Zeit. Beginnt die Planung erst unmittelbar vor dem beabsichtigten Rückzug oder sogar notfallbedingt, fehlt die Zeit für steueroptimierte und rechtlich durchdachte Konzepte. Die Vorbereitung der NachfolgerInnen bleibt dann häufig unzureichend.

2. Mangelnde strategische Planung der Betriebsnachfolge

Fehlt ein strukturierter Nachfolgeplan, entstehen rasch Unsicherheiten und Konflikte – sowohl im Familienkreis als auch gegenüber MitarbeiterInnen und GeschäftspartnerInnen. 

Ein dokumentierter Plan mit definierten Meilensteinen, eindeutigen Zuständigkeiten und verbindlichen Vereinbarungen sorgt für Klarheit.

3. Unzureichende Firmenbewertung

Für steuerliche Aspekte, Finanzierungsfragen und die Akzeptanz sämtlicher Beteiligter ist eine realistische, professionell durchgeführte Bewertung unverzichtbar.

4. Nicht genutzte steuerliche Begünstigungen

UnternehmerInnen übersehen regelmäßig Vorteile, die das Umgründungssteuergesetz oder spezifische Regelungen bei der Betriebsübertragung bieten. Grunderwerbsteuer, Immobilienertragsteuer sowie die einkommensteuerliche Behandlung bei Betriebsaufgabe sind weitere zentrale Aspekte.

5. Gesellschaftsrechtliche Probleme

Unklare Gesellschafterverträge, nicht vorhandene Nachfolgeklauseln oder ungenaue Bestimmungen zu Stimmrechten verursachen in der Praxis wiederholt Blockaden. Beim Generationenwechsel im Unternehmen zeigt sich dann, wie wichtig saubere gesellschaftsrechtliche Strukturen sind.

Lesen Sie hier, wie die passende Rechtsform gewählt wird.

6. Doppelte Steuerbelastung durch fehlerhafte Strukturen

Die Betriebsübergabe gehört steuerlich durchdacht. Andernfalls drohen vermeidbare Mehrbelastungen – insbesondere dann, wenn parallel zur Übergabe Umstrukturierungen existierender Gesellschaften vorgesehen sind.

7. Fehlende Absicherung der übergebenden Generation

Altersvorsorge, Wohnrechte und Abfindungen bilden wesentliche Elemente. Eine ausbalancierte Gestaltung garantiert die Absicherung der abgebenden Generation, ohne die NachfolgerInnen finanziell zu überlasten.

8. Unberücksichtigte Finanzierungsaspekte

Übernimmt die nachfolgende Generation Anteile gegen Entgelt, braucht es solide Finanzierungskonzepte. Diese werden oft zu spät oder zu optimistisch konzipiert. Die Liquidität des Betriebs kann dadurch in Gefahr geraten. Frühzeitige Gespräche mit Banken und InvestorInnen schaffen Planungssicherheit und Stabilität.

9. Fehlende Einbindung der Belegschaft

Der Übergabeprozess betrifft nicht ausschließlich EigentümerInnen und Familienangehörige, sondern auch die gesamte Belegschaft. Unzureichende Kommunikation führt zu Verunsicherung, Vertrauensverlust und vermeidbarer Fluktuation.

Was macht einen guten Arbeitgeber aus?

10. Unterschätzte emotionale Komponenten

Die Nachfolgeregelung im Mittelstand bedeutet mehr als nur steuerliche oder juristische Abwicklung. Übergaben scheitern häufig an nicht kommunizierten Erwartungshaltungen oder Spannungen zwischen den Generationen. Wertschätzende und offene Kommunikation auf Augenhöhe hilft, diese Spannungen konstruktiv zu lösen.

Wie viele Unternehmensnachfolgen gibt es in Österreich?

2024 wechselten 7.792 Betriebe ihre Eigentümer – ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2020 fanden rund 35.000 Eigentumsübergänge statt. Die Verteilung nach Sparten: 30 Prozent entfielen auf Gewerbe und Handwerk, 26,4 Prozent auf Tourismus und Freizeitwirtschaft, ein Fünftel auf den Handel.

Branchenmäßig dominiert die Gastronomie, gefolgt von Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie. Überraschend folgen Fußpflege, Kosmetik und Massage vor Versand-, Online- und stationärem Handel sowie der Hotellerie.

An den 51.500 erwarteten Betriebsübergaben zwischen 2020 und 2029 hängen etwa 692.000 Arbeitsplätze, betont Lukas Sprenger, Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft. Das betrifft 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe und 22 Prozent aller Beschäftigten.

Drei Fünftel der übernommenen Betriebe (61 Prozent) steigerten ihren Umsatz, etwa zwei Drittel investierten mehr als ihre Vorgänger und 36 Prozent stellten zusätzliches Personal ein, so die WKÖ.

Die Gründungen im 1. Halbjahr 2025 nach Sparten

- © WKO Oberösterreich

Warum Unternehmensnachfolge in OÖ zurückgeht

Neugründungen steigen in Österreich deutlich, doch Betriebsübergaben bleiben herausfordernd. Wir haben uns speziell Oberösterreich angesehen.

Zwischen Januar und Juni 2025 entstanden in Oberösterreich 3.727 neue gewerbliche Betriebe. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 mit 3.305 Neugründungen entspricht dies einem beachtlichen Zuwachs von 12,8 Prozent

Parallel dazu erfolgten 338 Betriebsübergaben (Vorjahr: 374), was einem Minus von 9,6 Prozent gleichkommt.

WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer erklärt diesen Trend: „Der deutliche Anstieg bei den Gründungszahlen ist sicherlich auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Das Image der Selbständigkeit in Österreich hat sich in den letzten Jahren stark gebessert. Die mediale Präsenz des Themas, vor allem in Form von innovativen Startups, und zahlreiche erfolgreiche Vorbilder haben ein neues positives Bewusstsein für Unternehmertum geschaffen."

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Gewerbe gründen Österreich: Kleinunternehmerregelung als Sprungbrett

Die überarbeiteten Kleinunternehmerregelungen erleichtern den Einstieg in die Selbstständigkeit erheblich. Mit minimalem bürokratischem Aufwand und niedrigen Kosten können Interessierte parallel zur Anstellung oder während der Karenz ein eigenes Gewerbe gründen. 

Der angespannte Arbeitsmarkt motiviert zusätzlich viele Oberösterreicher, die Selbstständigkeit als Karrierealternative zu wählen.

„Auch wenn in vielen Fällen eine Anstellung ebenso möglich wäre, setzen jetzt viele den vielleicht schon lange gehegten Wunsch nach Selbständigkeit um", kommentiert Hummer die Zahlen.

Lesen Sie hier, wie Kärnten nach Betriebsnachfolgern sucht.

© Adobe Stock/cirquedesprit

Wie die WKOÖ Betriebsübergaben unterstützt

Der Rückgang bei den Übernahmen um knapp 10 Prozent stimmt weniger optimistisch. 

Hummer relativiert jedoch: „Der Rückgang bei den Nachfolgen mit knapp 10 Prozent ist zwar weniger erfreulich, wir sehen hier aber in den letzten Jahren immer wieder stark schwankende Zahlen und sind daher sehr zuversichtlich, dass dies kein Anzeichen für einen Trend ist." 

Eine Betriebsweiterführung bietet erhebliche Vorteile: Übernahme des etablierten Images, bestehender Kundenbeziehungen und vorhandenen Know-hows.

Die WKO Oberösterreich unterstützt durch spezialisierte Nachfolge-Rechtsberatungen

„Bei den Nachfolge-Rechtsberatungen der WKOÖ werden zudem alle Fragen, die sich im Rahmen einer Betriebsübergabe bzw. -übernahme ergeben, von Expertinnen und Experten geklärt", so Hummer.

Tirols Forderungen für Unternehmensübergaben

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) und WK-Präsidentin Barbara Thaler verstärkten zuletzt den Druck auf die Bundesregierung bezüglich Betriebsübergaben. Anfang August präsentierten sie fünf konkrete Verbesserungsvorschläge, darunter mehrere bereits im Regierungsprogramm verankerte Punkte wie die Anhebung des Freibetrages für Veräußerungsgewinne.

Ihre weiteren Forderungen umfassen einen speziellen Betriebsübergabe-Sondersteuersatz, Vorteile bei Lohnnebenkosten sowie einen Nachfolge-Beteiligungsfonds. 

Der Grundsatz lautet: „Der Staat solle nicht übermäßig hingreifen, wenn ein Betrieb übergeben wird", betonten Mattle und Thaler.

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WKO Nachfolgebörse: Steuerliche Entlastungen gefordert

Das Tempo bei der Freibetragserhöhung für Veräußerungsgewinne erscheint den Tirolern zu langsam. Ab 2027 soll dieser von 7.300 Euro auf 45.000 Euro steigen. „Das könnte man auch schon nächstes Jahr machen", forderte Thaler bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Bei Lohnnebenkosten streben Mattle und Thaler eine Gleichstellung von Betriebsübernehmern mit Neugründern an. Letztere zahlen schließlich keine Dienstgeberanteile zum Wohnbauförderungsfreibetrag und keine Unfallversicherungsbeiträge für Mitarbeiter.

Veräußerungsgewinne über den Freibetrag hinaus sollen mit einem Sondersteuersatz von 20 Prozent „mit Endbesteuerungswirkung" besteuert werden. Fließen die Gewinne in Altersvorsorgeprodukte der Unternehmensübergeber, sollten sie komplett steuerfrei bleiben.

Finanzierungshürden abbauen

Ein neuer Nachfolge-Beteiligungsfonds soll die Kapitalbildung von Übernehmern fördern. 

Thaler erklärt die Problematik: „Wir müssten so viel investieren, wir können die Firma nicht übernehmen" – diese Aussage höre man häufig von potenziellen Betriebsübernehmern. 

Zusätzlich wird die Möglichkeit zur Abschreibung von Investitionen in den ersten drei Jahren gefordert.

Aktuelle WKÖ-Zahlen zeigen: Die Anzahl der Unternehmer, die Nachfolger suchen, wächst kontinuierlich. Zwischen 2020 und 2029 benötigen etwa 51.500 Betriebe eine Nachfolgelösung. Knapp die Hälfte der Unternehmen wird familienintern übergeben, allerdings mit sinkender Tendenz.

Erfolgreiche Übergaben wirken sich positiv aus. Meist steigen Umsatz und Investitionen. In etwa einem Drittel der Fälle entstehen zusätzliche Arbeitsplätze.

Familienunternehmen übergeben: Präferierte Nachfolgemodelle

Die Unternehmensgröße beeinflusst die Nachfolgenotwendigkeit. Bei sehr kleinen Unternehmen mit maximal 10 Beschäftigten ist eine Unternehmensnachfolge oft nicht erforderlich (36,8 Prozent). Auch bei größeren mittelständischen Unternehmen mit über 50 Beschäftigten sehen 37,0 Prozent keine Nachfolge als relevant – möglicherweise aufgrund kapitalmarktorientierter Strukturen oder anderweitiger Eigentumsverhältnisse.

Hauptsächlich erfolgen Betriebsübergaben im Mittelstand familienintern (51,7 Prozent). Bei Bauunternehmen liegt dieser Anteil überdurchschnittlich hoch. Die Übergabe an externe Dritte durch Unternehmensverkauf betrifft 27,6 Prozent der Befragten, besonders verbreitet im Handel (40,4 Prozent).

Mitarbeiterübernahmen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Handel (19,1 Prozent), während sie im Dienstleistungssektor weniger relevant sind (7,8 Prozent). Dienstleistungsunternehmen bevorzugen typischerweise familieninterne Übergaben.

Steuerliche Aspekte Betriebsübergabe: Externe Faktoren entscheidend

Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen Nachfolgeplanungen erheblich. 40,2 Prozent der Befragten betrachten Übergaben nur bei passenden äußeren Parametern als erfolgreich. Dazu gehören insbesondere die Konjunkturlage und wirtschaftliche Perspektiven

Lediglich 29,0 Prozent der befragten Unternehmen antworteten, dass Rahmenbedingungen keinen Einfluss auf den Übergabeprozess haben. 

(LB/APA)

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