Zuverdienst Pension : So sieht Österreichs neues Aktivpensions-Modell aus
Wer über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeitet, zahlt ab 2027 keinen Pensionsversicherungsbeitrag mehr und profitiert zusätzlich von einem steuerfreien Freibetrag von 15.000 Euro jährlich.
- © adobe stock/ industrieblickÖsterreich setzt ab 2027 auf finanzielle Anreize, um Beschäftigte zum längeren Arbeiten über das Pensionsalter hinaus zu bewegen.
Das Kernstück dieser Aktivpension besteht aus zwei Elementen:
- einem steuerlichen Freibetrag von 15.000 Euro jährlich
- und dem Wegfall der ArbeitnehmerInnenbeiträge zur Sozialversicherung.
Damit wird der Leistungsgedanke im Alter stärker gefördert.
Für Selbstständige gilt ebenfalls der 15.000-Euro-Freibetrag, während die ArbeitgeberInnenbeiträge zur Sozialversicherung unverändert bestehen bleiben.
"Wir schaffen klare Anreize dafür, dass sich Weiterarbeiten in der Pension auszahlt", sagt Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl. "Wer länger im Erwerbsleben bleibt, soll auch finanziell deutlich profitieren. Der steuerliche Freibetrag und der Entfall der Pensionsversicherungsbeiträge setzt genau dort an. Damit schaffen wir einfache und wirksame Entlastungen für Erwerbstätige und senden ein wichtiges Signal für unseren Wirtschaftsstandort."
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Voraussetzungen für die Aktivpension
Die Regelung kommt nur in Frage, wenn ArbeitnehmerInnen ihren Pensionsantritt aufschieben oder während der Pensionierung hinzuverdienen möchten. Männer benötigen dafür 480 Versicherungsmonate, also 40 Versicherungsjahre. Für Frauen liegt die aktuelle Anforderung bei 408 Monaten beziehungsweise 34 Jahren.
Allerdings stellt der Gesetzgeber die Chancengleichheit in den Fokus: Ab 2028 erhöhen sich die erforderlichen Monate für Frauen um zwölf pro Jahr, sodass 2033 die gleichen Bedingungen für beide Geschlechter gelten.
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Pensionsversicherung: Keine Beiträge mehr im Alter
Für all jene, die das Regelpensionsalter erreicht haben oder ihren Pensionseintritt verschieben, entfallen die ArbeitnehmerInnenbeiträge von 10,25 Prozent vollständig. Das schafft eine messbare Verbesserung des Nettoeinkommens.
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hebt hervor, dass Menschen damit "ohne Zwang" mehr Geld am Ende des Monats zur Verfügung haben. Die Regelung fungiert damit als echter Motivator für die längere Partizipation am Arbeitsmarkt.
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VP-Klubobmann August Wöginger rechnet vor, welche konkrete Entlastung entsteht: Wer etwa 2.000 Euro Pension bezieht und den gleichen Betrag als Erwerbseinkommen hinzuverdient, spart sich 7.000 Euro pro Jahr. Derzeit profitieren rund 150.000 Menschen von dieser Neuerung; die Zahl wird künftig voraussichtlich anwachsen.
Arbeit im Alter: Von bestraft zu belohnt
NEOS-Klubchef Yannick Shetty weist darauf hin, dass Beschäftigte, die über das Pensionsalter hinaus arbeiten wollten, bislang als benachteiligt galten. Mit der Aktivpension werden diese administrativen und finanziellen Hürden abgebaut.
Gleichzeitig macht Shetty deutlich, dass die NEOS weiterhin eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters anstreben. Nach seiner Einschätzung wird dieses Thema spätestens in der kommenden Legislaturperiode wieder auf die Agenda kommen.
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Arbeitsmarkt-Transformation und Unterstützung für ältere Arbeitnehmende
Die Regierung greift nicht nur zu finanziellen Anreizen, sondern schafft auch strukturelle Rahmenbedingungen. Ein neuer Arbeitsmarkt-Transformationsfonds unterstützt ArbeitnehmerInnen und Arbeitslose beim Umgang mit Herausforderungen, die durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz entstehen.
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Zusätzlich werden 100 Millionen Euro in ein Maßnahmenpaket investiert, das ältere und langzeitarbeitslose Personen zurück in reguläre Beschäftigung führen soll.
Betriebe mit unterdurchschnittlich vielen ArbeitnehmerInnen zwischen 60 und 64 Jahren erhalten jährlich zielgerichtete Informationen über Förder- und Beratungsangebote der Arbeitsmarktservice. Dies stellt einen sanften Druck dar, ohne unmittelbare Verpflichtungen zu schaffen.
Für das gesamte Paket mit allen Arbeitsmarkt-Maßnahmen werden 2027 insgesamt 470 Millionen Euro bereitgestellt. Eine Evaluierung ist für 2030 geplant. Die gesetzlichen Regelungen werden diese Tage in Begutachtung gehen.
Breite Zustimmung von Wirtschaft und Sozialpartnern
Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schultz begrüßt die Initiative besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten, denn jede zusätzliche Arbeitskraft sei bedeutsam. Sie unterstreicht, dass auch SelbstständIge von den Regelungen profitieren – ein Punkt, der vorab noch umstritten war. Die Industriellenvereinigung unterstützt den Schritt, wobei deren Generalsekretär Christoph Neumayer zusätzlich eine schrittweise Erhöhung des Pensionsalters empfiehlt.
GPA-Chefin Barbara Teiber sieht in der Aktivpension eine sozialgerechte Lösung, die besonders NormalverdiennerInnen und GeringverdiennerInnen zugute kommt. Sie lobt zudem den Arbeitsmarkt-Transformationsfonds als bedeutenden Schritt im Umgang mit Digitalisierung und KI.
Der Steirische Seniorenbund begrüßt die Initiative als wirtschaftspolitisches Zeichen und Wertschätzung: "Die Aktivpension ist nicht nur ein wirtschaftspolitisches Signal, sondern auch ein klares Zeichen der Wertschätzung gegenüber all jenen, die bereit sind, weiterhin Verantwortung zu übernehmen. Leistung muss sich lohnen und zwar gerade für jene, die über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeiten", so Ernest Schwindsackl.
Kritik: Frauen weiterhin benachteiligt?
Organisationen sehen jedoch Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung. Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec kritisiert eine klare Benachteiligung von Frauen, da "ihre Situation zu wenig berücksichtigt wird".
Birgit Gerstorfer, Vorsitzende des Pensionistenverbands, stuft die Anforderung von 34 Versicherungsjahren mit jährlichen Erhöhungen für viele Frauen als unrealistisch ein. Obwohl die Angleichung bis 2033 geplant ist, bleibt die Übergangsphase für Frauen eine Hürde. (LB/APA)
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