Gesundheitswesen: Österreich : Austrian Health Forum beschließt Checkliste für die Gesundheitsreform

ein mann bekommt bei einer OP eine maske aufgesetzt, eine weitere medizinische fachkraft tippt auf monitor

Die inhaltliche Klammer des AHF-Schladming bilden zwei Leitbegriffe: „Effizienz" und „Solidarität". 

- © My Ocean studio

Ende Mai wurde Schladming zum Schauplatz einer zentralen Debatte über die Zukunft des heimischen Gesundheitssystems. Beim Austrian Health Forum (AHF) diskutierten rund 400 ExpertInnen aus Medizin, Wissenschaft und Politik über die Richtung, in die die Gesundheitsreform in Österreich gehen soll.

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Das Ergebnis ist die „Checkliste Gesundheitsreform" – eine nach Prioritäten geordnete Liste zentraler Reformmaßnahmen aus Sicht der anwesenden ExpertInnen.

Allergische Erkrankungen beginnen häufig im Kindesalter und entwickeln sich ohne frühzeitige Intervention oftmals weiter. Ein evidenzbasierter Zugang ist dabei essenziell, um wirksame und zielgerichtete Maßnahmen zu etablieren. Gerade weil Allergien ein Kinderthema sind, müssen sie frühzeitig und systematisch adressiert werden. Früherkennung ist daher nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch gesundheitsökonomisch notwendig. Gemeinsam mit Expert:innen beleuchtet das Austrian Health Forum die Bedeutung der frühzeitigen Verankerung im Eltern-Kind-Pass, den gesundheitsökonomischen Nutzen einer strukturierten Früherkennung, sowie den Beitrag zur Vermeidung von Krankheitsprogression durch rechtzeitige Intervention.

Effizienz und Solidarität als Leitthemen des AHF-Schladming

Die inhaltliche Klammer des AHF-Schladming bildeten zwei Leitbegriffe: „Effizienz" und „Solidarität". 

Auf dieser Grundlage sollen Lösungsansätze für strukturelle Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung entstehen, insbesondere zu Fragen der Steuerung und Finanzierung. 

AHF-Gründer Christoph Hörhan nennt den Hintergrund: „Solidarität wird als wichtiges Grundprinzip der Gesundheitsversorgung eingeschätzt, gleichzeitig war der ökonomische Druck im Gesundheitswesen noch nie so groß wie heute. Das Effizienzgebot hat also deutlich an Bedeutung gewonnen."

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Die Eröffnungs-Keynote hielt Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates. Er ging der Frage nach, „wie wir uns Gesundheit noch leisten können".

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Verhandlungsführung als Hebel für die Gesundheitsreform

Der dritte Kongresstag startete mit einer Keynote von Verhandlungsexpertin Sonja Rauschütz von der Vienna School of Negotiation. Mit Blick auf die laufenden Gespräche zur Gesundheitsreform stellte sie fest: 

„Bei Verhandlungen geht es nie nur ums Geld, sondern wie die Ressourcen verwendet werden und ob man wirklich gute Lösungen entwickeln kann. Verhandlungsprofis fokussieren auf Interessen und vermeiden sture Positionskämpfe. Manchmal muss man sich auch entscheiden, ob man Recht haben oder ein gutes Ergebnis erzielen will. Voraussetzung dafür ist, basierend auf den Interessen der Beteiligten, Brücken zu bauen. Wer neugierig zuhören kann, ist klar im Vorteil."
 

In der folgenden Podiumsdiskussion nannte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker drei Faktoren, an denen sich die Zukunft des Gesundheitssystems entscheide: 

  1. „der bestmöglichen Versorgung der Patientinnen und Patienten,
  2. guten Arbeitsbedingungen für das Personal
  3. und einer langfristig gesicherten Finanzierung."

Diese drei Bereiche müssten gemeinsam gedacht werden. Systemisch sei dann entscheidend, wer welche Aufgabe zu welchem Zeitpunkt übernimmt. 

"Genau hier bestehen derzeit erhebliche Ungleichgewichte. Eine nachhaltige Reform muss genau hier ansetzen. Letztlich geht es um einen einfachen Grundsatz: Die Menschen leisten mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen einen wichtigen Beitrag zum System – und sie haben deshalb zu Recht Anspruch auf eine hochwertige, verlässliche und zeitgerechte Gesundheitsversorgung", so Hacker.

Health Literacy und Prävention als Reformbaustellen

Nationalratsabgeordnete Juliane Bogner-Strauß lenkte den Fokus auf Gesundheitskompetenz und Vorsorge: „Auch aus Patientensicht und als Mutter von drei Kindern kann ich sagen, dass es nicht immer leicht ist, sich im System zu orientieren."

Eltern würden zum Beispiel keine Verständigung bekommen, wenn wichtige Impfungen anstehen. "Wir sind in Österreich schwach bei Gesundheitskompetenz und Prävention, auch hier braucht es größere Anstrengungen und mehr Vermittlung."

PatientInnenperspektive und Transparenz

Schon am zweiten Kongresstag des AHF-Schladming stand die Lage der PatientInnen im Mittelpunkt der Debatten. Ella Rosenberger, Geschäftsführerin von Pro Rare Austria, wehrte sich gegen gängige Vorwürfe: „Den Patientinnen und Patienten wird gerne unterstellt, sie würden das Gesundheitssystem zu Unrecht belasten. Aber es ist auch schwierig, sich in diesem System zurechtzufinden. Reformen müssen hier Klarheit schaffen."


Mehr Transparenz für alle Beteiligten mahnte SVS-Generaldirektor Alexander Biach ein: „Wir brauchen einen Überblick über alle Versorgungsangebote in Österreich. Die müssen bewertet werden, um eine fundierte Grundlage für Skalierung sinnvoller Pilotprojekte und Planung zu haben."

Erfolgreiche Pilotprojekte flächendeckend ausrollen

Michael Sacherer, Präsident der Ärztekammer Steiermark, verwies auf ein Modell, das bereits in mehreren Bundesländern funktioniert: „Das Versorgungsprogramm HerzMobil für PatientInnen mit Herzinsuffizienz zeigt, wie man von Erfahrungen in anderen Bundesländern lernen kann. Wir müssen nicht neunmal sehen, dass etwas gut läuft. Wenn sich ein Pilotprojekt bewährt, braucht es den Mut, es flächendeckend auszurollen."

Die Basisversorgung müsse flächendeckend gesichert sein. Das sei auch eine wichtige Voraussetzung, um PatientInnen, die jetzt fehlgeleitet sind – beispielsweise 40 bis 60 Prozent in der Notaufnahme – zur passenden Stelle im System zu lenken.


Volker Knestel, Geschäftsführer des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds, betonte: „Es reicht nicht, an ein paar Stellschrauben zu drehen. Unklare Finanzierungsströme und Zuständigkeiten sind eine große Herausforderung bei der Gesundheitsreform. Schnittstellen müssen zu Nahtstellen werden."

Solidarisches Gesundheitssystem: Klares Bekenntnis der ExpertInnen

Viele der beim AHF-Schladming versammelten SpitzenentscheidungsträgerInnen stellten sich ausdrücklich hinter das solidarisch finanzierte Gesundheitswesen in Österreich. 

Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien sowie der Österreichischen Ärztekammer, erklärte: „Dieses garantiert allen Menschen in Österreich Zugang zu medizinischer Versorgung auf hohem Niveau."

Das könne und müsse sich Österreich auch weiterhin leisten. "Gleichzeitig müssen wir uns im Klaren sein, dass durch die demografischen Entwicklungen und den medizinischen Fortschritt die Kosten im System steigen", so Steinhart weiter. "Die notwendigen Reformen müssen vor allem die Versorgungssicherheit für Patientinnen und Patienten stärken und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte verbessern. Eine rein auf Einsparungen fokussierte Diskussion wird uns nicht zum Ziel führen. Entscheidend ist, vorhandene Ressourcen effizient einzusetzen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln."
 

Elisabeth Potzmann, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, machte auf ungenutztes Potenzial in den Gesundheitsberufen aufmerksam: „Es liegt unglaublich viel Potenzial in therapeutischen und pflegerischen Berufen. Dieses Potenzial muss man heben, wenn gute Gesundheitsversorgung auch in Zukunft gesichert werden soll. Wenn diese Berufe ständig Einschränkungen in der Ausübung ihrer Befugnisse erleben, ist das nicht nur schlecht für die Versorgung, sondern auch demotivierend für die Menschen, die in diesen Berufen arbeiten. Auch deshalb ist die Fluktuation in diesen Berufen so hoch."

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Checkliste Gesundheitsreform: Fünf Prioritäten für das österreichische Gesundheitssystem

AHF-Gründer Christoph Hörhan stellte zum Abschluss des Austrian Health Forum Schladming 2026 die „Checkliste Gesundheitsreform" vor. Sie bündelt jene Maßnahmen, denen die anwesenden ExpertInnen die höchste Dringlichkeit beimessen:
 

  • Finanzielle Zuständigkeiten und Verantwortung klar regeln
  • PatientInnen gezielt durch das System führen
  • Doppelgleisigkeit auflösen
  • Prävention und Health Literacy stärken
  • Digitale Gesundheit zentral steuern

„Das AHF-Schladming hat wesentliche Impulse gesetzt, um die Kooperation im Gesundheitssystem zu fördern, die jetzt mehr denn je nötig ist. Es braucht Ansätze, die Gräben schließen und über Grenzen gehen, etwa jene zwischen Bundesländern und zwischen intra- und extramuralem Bereich", resümierte Hörhan.

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PartnerInnen und UnterstützerInnen des Austrian Health Forum

Das AHF-Schladming 2026 wurde von folgenden Organisationen und Unternehmen unterstützt:

  • AIT Austrian Institute of Technology
  • Alles Clara
  • Ärztekammer für Steiermark
  • AK Wien
  • Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
  • Bristol Myers Squibb
  • Caritas der Erzdiözese Wien
  • Demox Research
  • dHealth
  • Gesundheitsfonds Steiermark
  • Insmed Incorporated
  • Intuitive Surgical
  • IT-Services der Sozialversicherung GmbH
  • Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien
  • Land Oberösterreich
  • MP2 IT-Solutions GmbH
  • NÖ Gesundheits- und Sozialfonds
  • Novartis Österreich
  • Österreichische Gesundheitskasse
  • Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband
  • Physio Austria, Bundesverband der Physiotherapeut:innen Österreichs
  • Roche Austria GmbH