AI Factory Austria : AI Factory Austria: Wie Wien und OÖ zu den heißesten KI-Standorten Europas werden

leicht gebogener abschnitt eines gangs in riesigem, blau leuchtenden data center

Rechenzentren sind das Rückgrat der Digitalisierung.

- © adobe stock/Michail

Schnelle Internetverbindungen sind heute ein zentraler Faktor bei der Wahl eines Wirtschaftsstandorts. Wien und das industriell geprägte Bundesland Oberösterreich entwickeln sich zu gefragten Anlaufstellen für Unternehmen aus aller Welt, die vom wachsenden KI-Ökosystem der Region profitieren wollen.

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Leistungsfähige Infrastruktur sichert Transport, Energieversorgung und Kommunikation für Unternehmen. Physische Netze, virtuelle Dienste und regulatorische Rahmenbedingungen wirken gleichermaßen als Innovationstreiber – die digitale Leistungsfähigkeit von Unternehmen hängt direkt von der Qualität ihrer Netzanbindung ab.

Lesen Sie hier mehr über Wien als Unternehmensstandort

Österreich ist das einzige europäische Land, in dem ein gemeinsamer Markt für festes und mobiles Breitband definiert wurde. Mobiles Breitband mit Flat-Rate gilt bei einem erheblichen Teil der NutzerInnen bereits als vollwertiger Ersatz für Festnetzanschlüsse. 

Durch den wachsenden Einsatz von KI-Anwendungen werden die Anforderungen an Datenvolumen und Übertragungsgeschwindigkeit jedoch weiter steigen. Da Mobilfunkverbindungen je nach Netzauslastung schwanken, lässt sich eine langfristige, flächendeckende und verlässliche Gigabit-Versorgung nur in Kombination aus mobilen und leitungsgebundenen Lösungen realisieren.

Rechenzentren haben einen relativ hohen Flächenverbrauch: „Meist wird dafür viel Grundfläche für wenig Volumen versiegelt."

- © pinkeyes - stock.adobe.com

Energieverbrauch von Rechenzentren

Der Energieverbrauch von Rechenzentren ist sehr hoch. Laut einer Studie der International Energy Agency (IEA) machten Rechenzentren, Netzwerke und Kryptowährung weltweit rund zwei Prozent des Stromverbrauchs aus. 

2024 veröffentlichte die IEA neue Zahlen, wonach der Energieverbrauch dieser Sektoren weltweit bis 2026 auf bis zu 1.000 Terawattstunden steigen könnte – ein Anstieg um fast 80 Prozent gegenüber 2022. 

Besonders das Wachstum im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) treibt diesen Trend weiter an.Tatsächlich gehört Künstliche Intelligenz zu den energieintensivsten Technologien. Eine einzige KI-Anfrage kann den 10- bis 100-fachen Energiebedarf einer herkömmlichen Datenanfrage ausmachen.

Viele Rechenzentren arbeiten daher aktiv daran, ihre CO₂-Bilanz durch nachhaltige Betriebskonzepte zu verbessern.

Spatenstich zum Google Rechenzentrum Kronstorf mit Bürgermeister Hargelsberg Christoph Lichtenauer, Wirtschafts-Landesrat Oberösterreich Markus Achleitner, Managing Director Austria & Switzerland Christine Antlanger-Winter, Landeshauptmann Oberösterreich Thomas Stelzer, Bürgermeister Kronstorf Christian Kolar. 

- © Google Austria / APA Fotoservice / Philipp Greindl

AI Factory Austria: Innovations-Hub in Wien

Von den 19 AI Factories in der EU hat eine ihren Sitz in Wien. Die AI Factory Austria (AI:AT) im Solaris-Gebäude in St. Marx kombiniert hochmoderne Supercomputer-Infrastruktur mit KI-Services. Die Einrichtung ist eine nationale Initiative, primär betrieben vom AIT Austrian Institute of Technology und Advanced Computing Austria

Die AI Factory fungiert als OneStopShop für vertrauenswürdige, anwendungsnahe Künstliche Intelligenz (KI). Sie begleitet Unternehmen, Start-ups, ForscherInnen und die öffentliche Verwaltung entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette – von der Idee bis zur Umsetzung. Besonderes Augenmerk gilt den Anwendungsfeldern Industrie, kritische Infrastruktur und Gesundheitswesen.

Partner im Konsortium der AI Factory Austria sind: TU Wien, Uni Wien, BOKU, Uni Innsbruck, TU Graz, Johannes Kepler Universität Linz, Institute of Science and Technology Austria (ISTA), Österreichische Akademie der
Wissenschaften (ÖAW), INiTS – Vienna’s High-Tech Incubator sowie EODC – Earth
Observation Data Centre for Water Resources Monitoring.

- © AI Factory Austria AI:AT

Warum ist der Donauraum interessant für Rechenzentren?

Infrastruktur-Fonds, institutionelle Investoren, Private Equity und Staatsfonds sind nach wie vor daran interessiert, in die Assetklasse "große Rechenzentren". Heiß begehrt sind dabei Standorte in den Kernmärkten Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin.

„Der Grund ist, dass dort die Knotenpunkte der Unterseekabel zwischen den Kontinenten zu finden sind und somit Latenzen und Geschwindigkeit am höchsten sind“, sagt Christian Schiberl, Leiter der technisch‐wirtschaftlichen Bauberatung im Team Engineering bei Drees & Sommer Österreich

Da diese Märkte jedoch mittlerweile relativ ausgereizt sind, rücken auch sekundäre Märkte in den Fokus von Investoren und Betreibern.

Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, erklärt: ✔ warum die AI Factory für den Standort Österreich entscheidend sein soll ✔ wie Europa im KI-Wettbewerb mit den USA und China bestehen kann ✔ welche Rolle Supercomputer und europäische HPC-Infrastruktur spielen ✔ welche Chancen sich für Unternehmen und Industrie ergeben

Steigender Bedarf an Rechenleistung

„Wien hat das Potenzial, ein Technologie-Hub zu werden – vergleichbar mit München oder Berlin," ist Martin Heimhilcher, Spartenobmann Information und Consulting der WK Wien, überzeugt. 

Moderne Wirtschaft und leistungsstarke Rechenzentren sind heute untrennbar verbunden: Rechenzentren speichern, verarbeiten und verteilen riesige Datenmengen und bilden das digitale Rückgrat für zahlreiche Branchen – von der Industrie über das Gesundheitswesen bis hin zur öffentlichen Verwaltung.

Laut Statistik Austria setzen rund 37 Prozent der Wiener Unternehmen irgendeine Form von KI ein. Klassische generative KI-Anwendungen – etwa ChatGPT – nehmen viele NutzerInnen vor allem als Erleichterung im Arbeitsalltag wahr.

„Der Bedarf an Rechenzentren steigt, auch und gerade aufgrund der zunehmenden KI-Anwendungen, die enorme Rechenleistungen erfordern", so Heimhilcher. 

In Wien sind aktuell 23 Rechenzentren in Betrieb. Die Stadt punktet mit Versorgungssicherheit durch grüne Energie, politischer Stabilität und erdbebensicherer Lage. 

Allerdings bremsen Platzmangel und hohe Immobilienpreise die Ansiedlung neuer Serverfarmen. Während in der Innenstadt kaum Raum für neue Anlagen bleibt, liegen die größten verfügbaren Flächen in stadtrandnahen Betriebsgebieten.

Cloud Region Österreich und digitale Souveränität

Microsoft hat im Sommer 2025 seine erste Cloud Region in Österreich im Speckgürtel Wiens eröffnet. Mit drei physisch getrennten, regional verankerten Rechenzentren in Schwechat, Vösendorf und Mödling entsteht eine zentrale Plattform für die digitale Souveränität von Unternehmen, Organisationen jeder Größe sowie der öffentlichen Verwaltung. 

Der US-amerikanische Technologiegigant – seit 1991 mit einer eigenen Niederlassung in Österreich vertreten – nimmt dafür die kolportierte Summe von einer Milliarde Euro in die Hand.

„Mit unserer neuen Cloud Region schaffen wir eine sichere und nachhaltige digitale Infrastruktur direkt in Österreich. Für Unternehmen und den öffentlichen Sektor bedeutet das: Sie behalten die volle Kontrolle über ihre Daten – lokal und datenschutzkonform – und können gleichzeitig auf die Innovationskraft und Skalierbarkeit der globalen Microsoft-Cloud mit geringen Latenzen zugreifen," so Florian Slezak, Cloud Region Lead bei Microsoft Österreich. „Zugleich investieren wir breit in individuelle sowie Schulungsmaßnahmen für Unternehmen, um digitale Kompetenzen zu erwerben und aufzubauen. Denn nur Anwendung von Innovation schafft Nutzen und Mehrwert."

„Die Kombination aus KI und Rechenzentren ermöglicht es, das volle Potenzial neuer Technologien auszuschöpfen", ergänzt Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich.

Gesetzliche Anforderungen an Rechenzentren

Mit der Novelle des Bundes-Energieeffizienzgesetzes (EEffG) wurden 2024 spezifische Veröffentlichungspflichten für Rechenzentren eingeführt. 

Betreiber von Rechenzentren mit einer installierten elektrischen Nennleistung für Informationstechnologie von mindestens 500 kW sind verpflichtet, jährlich bis zum 15. Mai bestimmte Mindestangaben zu veröffentlichen. Diese umfassen unter anderem:

  • Name des Rechenzentrums, Name des Eigentümers und Betreibers, Datum der Inbetriebnahme und Standortgemeinde.
  • Fläche des Rechenzentrums, installierte Leistung, jährlicher Datenverkehr sowie die Menge der gespeicherten und verarbeiteten Daten.
  • Effizienzkennzahlen des letzten vollen Kalenderjahres, insbesondere zu Energieverbrauch, Stromnutzung, Temperatursollwerten, Abwärmenutzung, Wasserverbrauch und Nutzung erneuerbarer Energien.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Transparenz hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks von Rechenzentren zu schaffen und die nachhaltige Entwicklung im IKT-Sektor zu fördern.

Cloud-Technologie als Wachstumstreiber

Das Wirtschaftsforschungsinstitut „Economica" kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass Cloud-Technologie den Digitalisierungsgrad von Unternehmen entscheidend beeinflusst. Cloud-Einsatz ermöglicht eine effizientere und sicherere Datenverwaltung. Die Studie zeigt zudem, dass Digitalisierung zu einem unmittelbaren, quantifizierbaren Geschäftserfolg führt: Pro Digitalisierungsstufe wurde eine Umsatzsteigerung von 8,3 Prozent nachgewiesen.

„Der Einsatz von KI wirkt volkswirtschaftlich wie ein arbeitsvermehrender technischer Fortschritt im Ausmaß von 2,24 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr. Dieses zusätzliche Leistungsvolumen übersetzt sich in eine um 18 Prozent gesteigerte Wertschöpfung in Österreich, die der gemeinsamen Arbeitsleistung von Wien und der Steiermark entspricht", wie der Economica-Studie zu entnehmen ist.

Steigender Ressourcenverbrauch bei Rechenzentren

Der Bau und Betrieb von immer mehr und immer leistungsfähigeren Rechenzentren führt zu einem rasant steigenden Bedarf an natürlichen Ressourcen – auch abseits von Energie.

Das gilt etwa für den hohen Flächenverbrauch: „Meist wird dafür viel Grundfläche für wenig Volumen versiegelt“, sagt Schiberl. Angesichts hoher Raumhöhen von bis zu sechs Metern würden diese nämlich meist nur aus zwei bis drei Geschoßen bestehen, „dann ist man an der Bebauungsgrenze."

Dass als Baustoff in der Regel Beton verwendet wird, stößt ebenfalls so manchem sauer auf. Aber: „Rechenzentren sind kritische Infrastruktur und müssen daher den verschiedensten Anforderungen entsprechen. Diese, wie beispielsweise Brandschutz, sind mit nachhaltigen Baustoffen wie Holz schwer bis kaum zu erfüllen“, so der Experte. 

Aus diesem Grund sei häufig auch die Errichtung von PV-Anlagen auf dem Dach der Objekte nicht möglich.

Rechenzentren: Das neue Gold im Immobilienmarkt

Stromzugang und Datenkonnektivität sind zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren im Immobilienbereich geworden – weit vor klassischen Aspekten wie Gebäudehülle oder Standortlage. 

Wien bietet als elftgrößter Internetknotenpunkt weltweit enormes Potenzial. Europa holt schrittweise den Rückstand zu den USA auf. Wer heute gesicherte Stromkapazitäten und genehmigungsfähige Grundstücke kontrolliert, hält den Schlüssel zu einer der gefragtesten Assetklassen des kommenden Jahrzehnts," sagt Alexandra Fischer, Teamleiterin Industrie & Logistik bei Otto Immobilien. 

Die Stromfrage sei das Nadelöhr: "Ohne gesicherte Leistungsverfügbarkeit von 20 Megawatt aufwärts ist kein Projekt realisierbar."

Eugen Otto, Geschäftsführer von Otto Immobilien, erläutert den fundamentalen Unterschied zu klassischen Objekten: „Rechenzentren unterscheiden sich fundamental von klassischen Immobilien. Während bei Büro- oder Logistikobjekten Grundstück und Gebäude den größten Kostenblock bilden, entfallen hier nur rund 15 bis 20 Prozent auf die Gebäudehülle. Der Hauptanteil von bis zu 45 Prozent entfällt auf die technische Infrastruktur wie Stromversorgung und Kühlung. Rechenzentren leiten somit einen fundamentalen Wandel im Denken über Immobilienwerte ein. Entscheidend sind nicht mehr Lage und Architektur, sondern Energie, Netzanschluss und Sicherheit."

Google baut erste Serverfarm in Oberösterreich

Nach erfolgtem Spatenstich laufen die Bauarbeiten für Googles erste Serverfarm in Österreich: in Kronstorf im Bezirk Linz-Land, auf einem 50 Hektar großen Areal. Herzstück wird ein 290 Meter langes Hauptgebäude, in dem die Rechenhallen mit den Servern untergebracht werden. Der Konzern reagiert damit auf die wachsende Nachfrage nach digitalen Diensten und KI-Angeboten.

Geeignete Flächen mit ausreichender Stromkapazität sind in Europa ein knappes Gut. Deshalb setzt Google am Standort auf ein Informationszentrum, das Interessierten aus der Region mehr über digitale Infrastruktur und deren Vorteile für Österreich und seine Wirtschaft erklären soll. Zugleich sollen dort Googles Nachhaltigkeitsmaßnahmen anschaulich dargestellt werden.

Der erwartete Strombedarf des Rechenzentrums ist enorm:.Berichten zufolge hat sich der IT-Konzern bereits fast ein Gigawatt Leistung als langfristige Kapazität gesichert. 

Die Anlage ermöglicht die Nutzung von Abwärme und verfügt über ein begrüntes Dach mit Photovoltaikanlage. Allein mit erneuerbarem Strom ist der Betrieb aus heutiger Sicht kaum zu bewerkstelligen: In Oberösterreich produzieren aktuell 32 Windkraftanlagen rund 0,115 TWh (115 Millionen Kilowattstunden) Strom jährlich. 

Um die Kapazität der Serverfarm zu erreichen, bräuchte es etwa 900 Windkraftanlagen – das 30-fache des aktuellen Bestands. Auch Solarenergie reicht nicht aus: Oberösterreichs Photovoltaikanlagen haben im Jahr 2024 etwa 1,8 TWh Strom erzeugt.

Klimafreundliche Kühlung als strategisches Ziel

Google verfolgt bei der Kühlung seiner Rechenzentren einen dezidiert klimafreundlichen Ansatz. Der Konzern hat sich das weltweite Ziel gesetzt, bis 2030 mehr Wasser zurückzuführen als er verbraucht. 

Darüber hinaus wird Google mit dem Oberösterreichischen Fischereiverband kooperieren, um das Gewässerökosystem der Enns zu verbessern. Dafür wird ein eigener Fonds eingerichtet.

Außerdem kündigte Google – seit 2006 mit einem Büro in Österreich vertreten – eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Oberösterreich (FH OÖ) an. Im Fokus steht die Entwicklung eines laufenden Lehrplans und entsprechender Zertifizierungen, damit Studierende ihre KI-Kompetenzen systematisch ausbauen können.

Digitale Souveränität: Bundesheer setzt auf Open Source

Das Österreichische Bundesheer verfolgt bei der digitalen Souveränität einen eigenständigen Kurs und hat sich von seiner Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Diensten gelöst. 

Mit dem Wechsel zur Open-Source-Alternative LibreOffice hat das Bundesheer die vollständige Ablösung von Microsoft Office für rund 16.000 PC-Arbeitsplätze bereits abgeschlossen. Erste Überlegungen zu Alternativen gab es bereits 2020. Den konkreten Anstoß zur Umsetzung lieferte die Sorge, dass bestimmte Anwendungen künftig ausschließlich über die Cloud verfügbar sein könnten. 

„Mit Office 365 und Windows 11 sei diese Vorstellung mittlerweile Realität geworden," bekräftigt Michael Hillebrand von der Direktion 6 - IKT & Cyber des Bundesheeres diese Entscheidung.

IT-Services sind hochkomplex. Ihr Erfolg hängt nicht nur von Hardware, Software und stabilen Netzen ab, sondern ebenso vom Know-how der IT-Teams und der Einhaltung lokaler Gesetze. 

„Die Fähigkeit, Software intern betreiben zu können, gehört zu unserer Aufgabe, zum Schutz der Bevölkerung. Wenn im Katastrophenfall sonst nichts mehr läuft, muss es bei uns noch gehen. Da darf man nicht von externen Stellen abhängig sein."

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