Beamte Österreich : Pensionswelle mit KI im öffentlichen Dienst kontern?
Die Pensionierungswelle rollt – auch bei den Beamten in Österreich. Der aktuellsten Pensionsprognose zufolge sind im Bundesdienst zwischen 2026 und 2038 rund 55.400 Pensionierungen zu erwarten.
Das entspricht einem Abgang von rund 40 Prozent des derzeitigen Personals (138.100 Vollzeitäquivalente). Die meisten Pensionierungen werden in folgenden Bereichen erwartet:
- innere und äußere Sicherheit
- Bildung
- Justiz
- Finanz
„Wir werden davon nur jeden Zweiten nachbesetzen“, so Beamtenstaatssekretär Alexander Pröll. Das damit verbundene Einsparungspotenzial beziffert er mit etwa 500 Millionen Euro.
Den Personalstand nicht wieder eins zu eins aufzustocken, sei eine durchaus „positive Ankündigung“, so Jan Kluge vom Think Tank Agenda Austria.
„Der öffentliche Dienst ist in einigen Bereichen definitiv aufgebläht. Allerdings ist der Bund im Vergleich zu Ländern und Gemeinden in den vergangenen Jahren in Hinblick auf den Beschäftigtenaufbau recht diszipliniert gewesen“, sagt Kluge.
Wien beispielsweise habe seit dem Jahr 2010 jeden weggefallenen Beamten durch zwei Vertragsbedienstete ersetzt. „Das ist trotz des gewachsenen Verwaltungsaufwands nicht ganz nachvollziehbar“, so Kluge.
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Ausnahmen bei der Nachbesetzung von Beamten in Österreich
Auch auf Bundesebene wird nicht überall auf Nachbesetzungen verzichtet: „Insbesondere in Bereichen wie der Exekutive, der Gerichtsbarkeit, des Lehrpersonals und des Militärischen Dienstes sind Nachbesetzungen vorgesehen. Diese sind auch von den Einsparungsvorgaben ausgenommen. Dazu hat es im Dezember des Vorjahres einen Ministerratsbeschluss gegeben“, sagt Pröll.
Ebenfalls ausgenommen von den Einsparungen sind Neuaufnahmen von Menschen mit einem Behinderungsgrad von 60 Prozent oder mehr.
Sichtbar dürfte der reduzierte Personalstand im Bundesdienst damit voraussichtlich vor allem in der Bundesverwaltung werden. Dort gehen bis 2029 sechs Prozent der Mitarbeiter in Pension.
„Diese Einsparungen erfolgen vor dem Hintergrund der fortschreitenden technischen Möglichkeiten. Die fortschreitende Digitalisierung muss genutzt werden, um Entlastungen vorzunehmen – das tun wir mit unserer Initiative PublicAI“, sagt Pröll.
Kluge mahnt allerdings, dass diese Ankündigung mit Leben erfüllt werden muss: „Das Schlagwort Digitalisierung löst noch kein Problem. Die Use Cases müssen klar benannt werden. Selbst Unternehmen tun sich mit der Implementierung von KI noch schwer“, sagt der Ökonom.
KI im öffentlichen Dienst: PublicAI bringt fünf Use Cases
Noch heuer wird es Pröll zufolge erstmalig fünf Use Cases für KI im öffentlichen Dienst geben. Diese sollen die Bundesbediensteten in der Verwaltung unterstützen. 2027 werde PublicAI dann auf Länder und Gemeinden ausgerollt.
„Es ist darüber hinaus geplant, die Wirtschaft mitzunehmen und die Infrastruktur auch für sie nutzbar zu machen. Mittel- und langfristig werden somit Effizienzsteigerungen erwartet, die zu einer Verkürzung der Verfahrensdauer führen können“, ist Pröll überzeugt.
KI am Arbeitsplatz reicht nicht: Experte fordert Deregulierung
Das allein reiche nicht, kontert Kluge: „Parallel dazu muss dereguliert werden.“ Das gelte vor allem deshalb, weil ein Teil der künftigen Pensionisten in leitenden Positionen tätig ist. Fraglich sei, wie deren Aufgaben künftig durch KI am Arbeitsplatz unterstützt werden könnten.
Kluge verweist in diesem Zusammenhang auf Argentinien. Seit 2023 wurden über 15.000 Artikel des argentinischen Rechts geändert oder gestrichen. Zusätzlich wurden über 65.000 öffentlich Bedienstete entlassen. „Und der Staat funktioniert nicht schlechter als vorher“, so Kluge.
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