Martha Schultz : Wirtschaftskammer Präsidentin Schultz will Millionen Euro einsparen
Im Juni 2025 trat Schultz ihre vierte Amtsperiode als WKO-Vizepräsidentin an.
- © APA/WKÖ/FIW/BARBARA NIDETZKYNach dem Rückzug von Harald Mahrer von der Spitze der Wirtschaftskammer (WKÖ) startet dessen Nachfolgerin Martha Schultz (beide ÖVP) angekündigte Reformen und vor allem auch Einsparungen, die noch heuer in die Millionen gehen sollen. Das veranschlagte Minus der Kammer von 4,2 Mio. Euro 2026 soll zumindest auf eine schwarze Null gedrückt werden, sagte ein WKÖ-Sprecher. Per sofort gilt demnach auch ein Stopp für Nachbesetzungen und Neuanstellungen.
Lesen Sie hier, welche Einsparungen die WKO Kärnten derzeit vornimmt.
Bis Ende 2027 soll so Personal eingespart werden. Wie viele Posten genau wegfallen sollen, ist vorerst noch offen. Gespart werden soll etwa auch bei Veranstaltungen, sagte der Sprecher.
Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Westen Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!
Wer ist Martha Schultz?
In der ÖVP gilt die 62-Jährige Martha Schultz als gut vernetzt. Die Zillertalerin führt als Miteigentümerin die Schultz-Gruppe, ein weitverzweigtes Tourismus-Unternehmen.
Die Schultz-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Kaltenbach und gilt als bedeutender Player in der Branche. Zum Portfolio gehören fünf Skigebiete in Osttirol und im Zillertal, zahlreiche gastronömische Betriebe und Hotels, ein Golfplatz sowie Immobilien-Aktivitäten.
Lesen Sie hier mehr über Martha Schultz im Tourismus
Gegründet wurde das Familienunternehmen 1966, ein Jahr bevor Martha Schultz zur Welt kam. Aus einem einzelnen Bauernhof entwickelte sich das Unternehmen parallel zum Tourismus-Boom im Zillertal.
Unternehmertum liegt bei Martha Schultz in der Familie. Bereits ihre Urgroßmutter und ihre Mutter waren als Unternehmerinnen tätig. 2004 stieg sie zusammen mit ihrem Bruder in die Geschäftsführung ein. Ihr Verantwortungsbereich umfasst Werbung, Marketing, Controlling sowie Produktgestaltung und Vertrieb.
Die Seilbahn-Unternehmerin, medial zeitweise als "Alpenkönigin" tituliert, engagiert sich schon seit Jahrzehnten in der Wirtschaftspolitik. 2010 holte der damalige WKÖ-Präsident Christoph Leitl die Zillertalerin als Vizepräsidentin in die Bundeshauptstadt. Zuvor hatte sie bereits in der Wirtschaftskammer Tirol als Vizepräsidentin gewirkt und sich bei "Frau in der Wirtschaft" eingebracht.
Innerhalb der Interessenvertretung setzte sich der Aufstieg fort: 2015 übernahm Martha Schultz die Bundesvorsitzende-Funktion bei "Frau in der Wirtschaft". Zwei Jahre später wurde sie zur Vorsitzenden des European Women Network von Eurochambres, der europäischen Wirtschaftskammer, gewählt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch verbesserte Kinderbetreuung zählte dabei stets zu ihren Kernthemen.
Im Verlauf ihrer Karriere wurde die Unternehmerin aus Tirol immer wieder für verschiedene Spitzenpositionen genannt. Als mögliche Staatssekretärin war sie ebenso im Gespräch wie als potenzielle ÖSV-Präsidentin, Wirtschaftsministerin oder Nachfolgerin von Christoph Leitl als Wirtschaftskammer Präsidentin.
Darüber hinaus nimmt Martha Schultz mehrere weitere Mandate wahr. Sie gehört dem Aufsichtsrat der Asfinag sowie der Österreich Werbung an. Außerdem führt sie die ÖVP-nahe Julius-Raab-Stiftung als Präsidentin.
Schultz hat einen Sohn, wurde 2018 zur "Tirolerin des Jahres" gekürt und im Februar 2025 vom Land Tirol mit dem "Ehrenzeichen" gewürdigt.
Zwei Reformebenen
Schultz setzt laut einer schriftlichen Mitteilung der Kammer auf zwei Reformebenen. Die Neuaufstellung der gesamten Organisation sowie eine Reform im eigenen Haus, der Bundesorganisation. Und nun gibt es die ersten Anweisungen der Neo-Chefin. So werden im Sinne der avisierten Millionen-Einsparung "alle Ausgaben in Hinblick auf den direkten Nutzen für die Mitgliedsbetriebe hinterfragt und auf den Prüfstand gestellt".
Im Rahmen der Reform ist ein Personalabbau bis Ende 2027 vorgesehen, der schrittweise und sozial verträglich erfolgen soll. Für die Bundesorganisation gilt ab sofort ein Einstellungs- und Nachbesetzungsstopp.
Barbara Thaler gemeinsam mit Martha Schultz.
- © Marek KnoppPersonalabbau "schrittweise und sozial verträglich"
Der Personalabbau bis Ende 2027 solle "schrittweise und sozial verträglich erfolgen". Das Ausmaß blieb vorerst offen. Der Einstellungs- und Nachbesetzungsstopp gilt vorerst für die Bundesorganisation, also die WKÖ. Daneben gibt es in jedem Bundesland eine Wirtschaftskammer samt Bezirksstellen.
Im Wirtschaftsparlament im Juni werde es erste Ergebnisse des Reformprozesses geben, bekräftigte die WKÖ am Freitag. Dort sollen auch weitere Maßnahmen vorgestellt werden, die gemeinsam mit den neun Landeskammern sowie allen Fraktionen in Ausarbeitung stünden.(LB/APA)
🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?
Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden!