Harald Mahrer : Harald Mahrer Rücktritt als WKO Präsident

Harald Mahrer am Donnerstag, 03. Juli 2025, im Rahmen eines Doorsteps vor der Sitzung zur Industriestrategie im Wirtschaftsministerium in Wien.
© APA/GEORG HOCHMUTH

Am Nachmittag des 13. Novembers gab Harald Mahrer (ÖVP) seinen Rücktritt als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich bekannt. 

Der Druck war in den Tagen davor zu stark geworden: Mehrfachbezüge, Gehaltsfragen in der Kammerverwaltung, erhöhte Entgelte für Präsidiumsmitglieder und eine misslungene Kommunikationsstrategie hatten die Situation eskalieren lassen. In seinem Videostatement auf Facebook ließ der scheidende WKÖ-Chef die Nachfolgefrage noch offen. Seine Vize Martha Schultz ist mittlerweile aber interimistische Präsidentin.


„Ich erkenne aktuell keine Chance mehr, konstruktive Impulse für eine erfolgreiche Zukunft einzubringen", erklärte Mahrer in seiner Videobotschaft. Sowohl bei der Wirtschaftskammer als auch beim Wirtschaftsbund werde er für einen „geordneten und zeitnahen" Übergangsprozess Sorge tragen.

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wko präsidenten Amtszeiten seit 1946
Die WKO-PräsidentInnen der letzten Jahrzehnte - © APA
Harald Mahrer Rücktritt via Facebook Botschaft

Doppelfunktion: Mahrer Rücktritt betrifft auch Wirtschaftsbund

Mahrer führte neben der Wirtschaftskammer auch den ÖVP-Wirtschaftsbund. Auch hier ist seine Nachfolgerin Martha Schultz.

Traditionell bedeutet die Wirtschaftsbund-Präsidentschaft gleichzeitig die WKO-Präsidentschaft, da der Bund in der Kammer über eine absolute Mehrheit verfügt. Die oder der Vorsitzende dieses einflussreichen Volkspartei-Bundes gehört zudem dem ÖVP-Bundesparteivorstand an.

OeNB-Rücktritt bereits Anfang der Woche verkündet

Seinen Abschied als Präsident der Oesterreichischen Nationalbank hatte Harald Mahrer bereits am 10. November angekündigt. Offenbar konnte dieser Schritt die angespannte Situation nicht entschärfen. 

Auch die Ankündigung von Analysen und Reformen innerhalb der Interessenvertretung der Wirtschaft half nicht weiter. In den eigenen Reihen verlor Mahrer zunehmend an Unterstützung – sowohl bei KammerpräsidentInnen der Länder als auch bei wichtigen ÖVP-PolitikerInnen.
 

Öffentlich wurde sein Abgang gefordert. Spätestens am 13. November galt der Mahrer Rücktritt als gesichert, fehlte jedoch zunächst die offizielle Bestätigung. Rückhalt erhielt er noch von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (beide ÖVP). 

Direkte Ansprache an Kammermitglieder und MitarbeiterInnen

Mahrer richtete sich unmittelbar an die UnternehmerInnen – seine Kammermitglieder – sowie an die MitarbeiterInnen der WKO. Er verwies auf zahlreiche Erfolge, die man national und international für die Mitglieder erzielt habe. All dies sei auf dem Fundament der gesetzlichen Interessenvertretung entstanden – „einer liberalen Idee der Interessenvertretung".
 

Die Debatte der vorangegangenen Tage kritisierte der scheidende WKÖ-Chef scharf. Er habe sich klar zu Reformen bei der Wirtschaftskammer bekannt und immer die Notwendigkeit umfassender Reformen in Österreich hervorgehoben. 

Doch „persönliche Ressentiment und Populismus haben die mediale Debatte der letzten Tage bestimmt - ohne Mehrwert für die Wirtschaft und unser Land: Das ist nicht mein Spielfeld."

Finanzminister besorgt um Sozialpartnerschaft

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), der aus der Arbeiterkammer stammt, äußerte sich kritisch kurz vor dem Mahrer Rücktritt bei seiner Ankunft zur Landeshauptleute-Konferenz in der Steiermark: 

„Die Schwäche der Wirtschaftskammer ist sicher problematisch für die Sozialpartnerschaft und schlecht für Österreich." Eine dauerhafte Gefährdung sieht er jedoch nicht: „Ich glaube, das ist vorübergehend."

NEOS fordern Wirtschaftskammer Reform und Rücknahme der Entgelterhöhungen

Die UNOS, der NEOS-Ableger in der Wirtschaftskammer Österreich, pochen weiterhin auf eine Kammererneuerung. Diese müsse nun umgesetzt werden. 

NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos verlangt die Rücknahme der gestiegenen Entgelte für Präsidiumsmitglieder.

Grüne kritisieren aufgeblähten Kammer-Apparat

Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft in einer Aussendung: „Der Zorn der Unternehmer:innen über den aufgeblähten, teuren Apparat der Wirtschaftskammer ist nun offen zutage getreten. Die Situation ist jedoch keineswegs neu, sondern hat sich über die vergangenen Jahre kontinuierlich zugespitzt. Insbesondere Ein-Personen-Unternehmer:innen, die rund 60 Prozent der Kammermitglieder ausmachen, fühlen sich nicht vertreten."
 

Die Industriellenvereinigung (IV) forderte Strukturreformen und Entlastungen – dafür gehörte die Entwicklung in der Wirtschaftskammer genutzt.

(LB/APA)

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