KWF Kärnten : Kärnten droht Deindustrialisierung, KWF-Aufstockung um 10 Mio. zur rechten Zeit

Claudia Mischensky und Timo Springer bei der Pressekonferenz der IV Kärnten.

Claudia Mischensky und Timo Springer von der IV Kärnten: „Trotz aller Widrigkeiten wollen viele Industriebetriebe weiterhin am Standort Österreich investieren, wachsen und ausbilden. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen es zunehmend unmöglich."

- © IV Kärnten

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Kärnten zeigt: Die Industrie im Süden Österreichs rechnet nicht mit einer baldigen wirtschaftlichen Erholung. 

38 Prozent der befragten Unternehmen gehen sogar davon aus, in den nächsten Monaten Personal abbauen zu müssen. Kostendruck und Reformstau gefährden die Wettbewerbsfähigkeit – mit dem Risiko einer schleichenden Deindustrialisierung.

60 Industrieunternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten beteiligten sich an der Umfrage zum zweiten Quartal 2025. Die Ergebnisse bestätigen: Auf die rezessive Phase folgt keine Belebung, sondern bestenfalls Stillstand. 

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Aktuell bewerten 15 Prozent ihre Geschäftslage als schlecht. Für die nächsten sechs Monate erwarten 17 Prozent eine weitere Verschlechterung. Die Ertragssituation empfinden derzeit 23 Prozent der Unternehmen als negativ – eine Einschätzung, die sich laut 21 Prozent auch mittelfristig nicht verbessern wird.

Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten, warnt: „Die Einschätzung in Bezug auf den Beschäftigtenstand hat sich gegenüber dem 1. Quartal wieder verschlechtert. Im Jänner 2025 war noch mehr als die Hälfte aller Industriebetriebe in Kärnten davon ausgegangen, Mitarbeiter abbauen zu müssen, im April 2025 waren es ‚nur noch‘ 14 Prozent. Jetzt allerdings denken wieder 38 Prozent der Kärntner Industriebetriebe darüber nach, in den kommenden drei Monaten die Zahl der Beschäftigten reduzieren zu müssen.“

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  • Portrait Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten
    "Jeder siebente Mensch lebt mittlerweile in einem Konfliktgebiet, und das bedeutet eine dramatische Zunahme der globalen Unruhe, die auch an Österreich nicht spurlos vorbeigeht.“

    Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten

Globale Instabilität trifft auf nationale Standortschwächen

Warum geraten Industrieunternehmen in Österreich zunehmend unter Druck? Mischensky nennt mehrere Ursachen: 

„Die Welt befindet sich in einem Zustand dauerhafter Instabilität. Kriegerische Auseinandersetzungen, geopolitische Spannungen und wirtschaftspolitische Unsicherheiten prägen das globale Umfeld. Jeder siebente Mensch lebt mittlerweile in einem Konfliktgebiet, und das bedeutet eine dramatische Zunahme der globalen Unruhe, die auch an Österreich nicht spurlos vorbeigeht.“

  • Timo Springer, Präsident der IV Kärnten, bei einem Interview
    „Die Industrieproduktion fällt und mit ihr auch Beschäftigung, Investitionen und Innovationskraft."

    Timo Springer, Präsident der IV Kärnten

Welche sind die größten Standortnachteile?

Auch IV-Kärnten-Präsident Timo Springer beschreibt die Lage als ernst: „In dieser global herausfordernden Lage gerät der Industriestandort Österreich zunehmend ins Hintertreffen.“ 

Das belegen mehrere Kennzahlen: Mit einem Wachstum von minus 0,3 Prozent bildet Österreich das Schlusslicht im EU-Vergleich 2025. Seit Ende 2022 gehen sowohl Produktionsvolumen als auch Bruttowertschöpfung kontinuierlich zurück. 

Springer ergänzt: „Die Industrieproduktion fällt und mit ihr auch Beschäftigung, Investitionen und Innovationskraft. Im IMD World Competitiveness Ranking sind wir 2025 auf den 26. Platz abgerutscht, 2020 war es zumindest noch Platz 16, 2007 Platz 11.“

Springer nennt konkrete Schwächen des Standorts:

  • Hohe Lohnstückkosten: „Österreich weist im OECD-Vergleich die höchsten kaufkraftbereinigten Arbeitskosten für Durchschnittsverdiener auf und gehört laut Eurostat zu den Top-5 jener Länder, die mit ihren Arbeitskosten weit über dem EU-Durchschnitt liegen. In Österreich sind es 44 Euro pro Stunde in der Industrie, in Niedriglohnländern wie Rumänien, Ungarn oder Bulgarien 10 bis 15 Euro pro Stunde.“
  • Überregulierung: Die Übererfüllung von EU-Vorgaben („Gold-Plating“) habe sich seit 2010 verdoppelt. Besonders für KMU seien die Auswirkungen gravierend.
  • Hohe Energiekosten: Österreich liege bei Energiepreisen deutlich über dem EU-Schnitt. Der schleppende Ausbau der Energieinfrastruktur verschärfe die Lage.

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  • Fachkräftemangel: Besonders Kärnten spürt die Auswirkungen des demographischen Wandels. MINT-Absolvent:innen fehlen ebenso wie qualifizierte Zuwanderung.
  • Jürgen Mandl, Präsident der WK Kärnten, stehend an einem Tisch
    „2016 haben wir mit 2,5 Millionen Euro über 40 Millionen Euro an Investitionen ausgelöst. Genau solche gezielten Impulse braucht es, um aus der Krise in den Aufschwung zu kommen.“

    Jürgen Mandl, WKO

Standort Österreich droht an Attraktivität zu verlieren

Trotz schwieriger Bedingungen signalisiert die Kärntner Industrie weiterhin Investitionsbereitschaft. 

„Trotz aller Widrigkeiten wollen viele Industriebetriebe weiterhin am Standort Österreich investieren, wachsen und ausbilden. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen es zunehmend unmöglich. Wenn Produktion aufgrund von Lohnkosten, Energiepreisen oder regulatorischem Aufwand nicht mehr konkurrenzfähig ist, wird sie ins Ausland verlagert, oft widerwillig, aber aus unternehmerischer Notwendigkeit“, so Springer.

Reformvorschläge für Kärnten und ganz Österreich

Claudia Mischensky sieht einen gefährlichen Trend: „Es wird weniger investiert, weniger produziert, weniger ausgebildet. Die Zahl der Arbeitsplätze sinkt, Wertschöpfung geht verloren, und damit die Basis unseres Wohlstandes.“

Um gegenzusteuern, fordert die IV Kärnten gezielte Maßnahmen zur Stärkung des Industriestandorts:

  • Reduktion bürokratischer Hürden
  • Flexiblere Arbeitsmärkte
  • Förderung von Innovation und Ausbildung
  • Entlastungen bei Lohnnebenkosten und Energie

Ein zentrales Anliegen der IV Kärnten ist die Modernisierung des Bildungssystems mit Fokus auf MINT-Fächer

Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen sowie ein zentraler One-Stop-Shop für Innovationsförderung zählen zu den vorgeschlagenen Maßnahmen. Ziel sei ein umfassender „Innovations-Masterplan Kärnten“.

KWF wird aufgestockt

Ein Signal in die richtige Richtung kam nun von der Kärntner Landesregierung: Nach einer dringlichen Forderung der Wirtschaftskammer Kärnten wurde der Finanzrahmen des Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds (KWF) um zehn Millionen Euro aufgestockt

„Wer investieren will, braucht Verlässlichkeit“, betonte WK-Präsident Jürgen Mandl

Die Sonderdotierung soll sicherstellen, dass geplante Projekte nicht am Förderbudget scheitern. Damit wird auch dem temporären Stopp mehrerer Programme aufgrund ausgeschöpfter Mittel entgegengewirkt.

Die hohe Nachfrage zeige, dass viele Betriebe bereit seien, zu investieren – trotz unsicherer Konjunkturaussichten.

„Diese Mittel sind keine Almosen, sondern ein wichtiger Schritt, um den ImpulsMotor für Kärnten zu starten“, so Mandl.

In diesem Zusammenhang erneuert Mandl auch die Forderung nach einer Investitionszuwachsprämie: „2016 haben wir mit 2,5 Millionen Euro über 40 Millionen Euro an Investitionen ausgelöst. Genau solche gezielten Impulse braucht es, um aus der Krise in den Aufschwung zu kommen.“

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Netzinfrastruktur: 380-kV-Leitung als Schlüsselprojekt

Ein wesentliches Infrastrukturvorhaben bleibt die geplante 380-kV-Leitung. Mischensky dazu: „Ohne diese Infrastruktur drohen Versorgungsengpässe, die Innovation und Wettbewerbsfähigkeit massiv behindern würden.“ 

Für energieintensive Unternehmen sei eine verlässliche Versorgung essenziell, um langfristig in Kärnten wirtschaften zu können.

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