Export Österreich : Niederösterreichs Exporte 2026: Wie Handelsabkommen den Standort sichern müssen
Im Bundesländervergleich belegt Niederösterreich hinter Oberösterreich ( 48,23 Milliarden Euro) und Wien (30,89 Milliarden Euro) weiterhin den dritten Platz der exportstärksten Bundesländer.
- © Adobe stock/utaem2022Niederösterreich ist ein Exportland: Jeder zweite Euro wird außerhalb Österreichs verdient. Jeder fünfte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt vom Export ab.
Im Bundesländervergleich belegt Niederösterreich hinter Oberösterreich ( 48,23 Milliarden Euro) und Wien (30,89 Milliarden Euro) weiterhin den dritten Platz der exportstärksten Bundesländer.
Besonders in der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist es essenziell, den Exportmotor am Laufen zu halten. Im Jahr 2024 sanken die niederösterreichischen Warenexporte im Vorjahresvergleich um 5,4 Prozent auf 28,63 Milliarden Euro.
Gleichzeitig wächst die Kluft zwischen der EU und anderen Wirtschaftsräumen wie den USA und China, die höhere Wachstumsraten verzeichnen.
Wirtschaftskammer NÖ-Präsident Wolfgang Ecker betont: „Um unseren Standort und damit den Wohlstand abzusichern und auszubauen, ist es dringend notwendig, ein exportfreundliches Umfeld für unsere Unternehmen zu schaffen. Ausverhandelte EU-Abkommen wie mit den MERCOSUR-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay müssen daher rasch umgesetzt und weitere Abkommen auf Schiene gebracht werden.“
Die positive Auswirkung von Handelsabkommen zeigt sich deutlich in den Zahlen: Österreichische Exporte nach Kanada sind durch das Handelsabkommen CETA von 2016 bis 2023 um 70 Prozent gestiegen. Die Exporte nach Korea haben sich zwischen 2011 und 2023 sogar um mehr als 103 Prozent erhöht.
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Handelsbeziehungen mit Nicht-EU-Ländern: wichtig und schwierig
Erst 2023 hat Niederösterreich erstmals die Marke von 30 Milliarden Euro Warenexportwert übertroffen. Dann bremste sich die Exportdynamik aber ein.
Die niederösterreichischen Betriebe sind speziell am europäischen Markt zu Hause. Rund 70 Prozent des Gesamtexports Niederösterreichs gehen in die zehn wichtigsten Exportmärkte.
Deutschland ist nach wie vor mit einem Anteil von über 26 Prozent der mit Abstand wichtigste Exportmarkt, gefolgt von Ungarn, Italien, den USA und Tschechien. Unter den Top 10 Exportmärkten bleiben die USA der einzige Fernmarkt. Mit Ungarn, Polen, der Slowakei und Slowenien liegt die Hälfte der zehn wichtigsten Exportmärkte in Osteuropa.
Rückgänge und Zuwächse lassen sich im Jahresvergleich erkennen: -9,4 Prozent bei den Exporten nach Deutschland; -21 Prozent in die Schweiz; jeweils -10 Prozent nach Frankreich und Slowenien; +1,6 Prozent in die USA.
Und Unsicherheiten wachsen. Da wären unter anderem die Zölle der USA auf Waren aus der EU.
„Das zeigt deutlich, wie wichtig es gerade jetzt ist, unverzüglich die Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsräumen zu verstärken und den niederösterreichischen Unternehmen brauchbare Alternativen zu ermöglichen, sowohl bei der Beschaffung als auch bei der Vermarktung ihrer Produkte“, so Ecker.
Die Handelsabkommen der EU regeln internationale Handelsbeziehungen mit Nicht-EU-Ländern, sorgen für stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen und schaffen neue Geschäftschancen.
„Unseren Unternehmen werden damit Zugänge zu neuen Märkten ermöglicht, Kosten werden durch den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen reduziert", so WKNÖ-Direktor Johannes Schedlbauer. "Insbesondere KMU profitieren von verbesserter Rechtssicherheit und fairen Wettbewerbsbedingungen.“
Mit einem Exportanteil von rund 20 Prozent spielt die Kfz-Industrie eine tragende Rolle in der niederösterreichischen Exportwirtschaft. Auch der Maschinenbau und die Nahrungsmittelindustrie tragen maßgeblich zum Exportvolumen bei.
Auf Warengruppenebene sticht vor allem der Pharmaexport hervor: Nach einem bereits starken Vorjahr legte dieser Bereich nochmals um 40 Prozent zu. Auch Holz- und Holzwaren sowie Papier, Pappe konnten sich dem allgemeinen Negativtrend entziehen und verzeichnen Zuwächse.
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Mikl-Leitner über Gold-Plating-Verbot und faire Netzkosten
„Der Export ist Niederösterreichs Wohlstandsmotor", sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. "Die Produkte und Innovationen unserer Betreibe sind weltweit gefragt, aber unser Wohlstands-Motor stottert."
Die Export-Bilanz für 2024 müsse daher als Weckruf gesehen werden – vor allem in drei Bereichen, so Mikl-Leitner:
"Wir müssen erstens das Bürokratie-Dickicht für unsere Betriebe lichten und Auflagen, Berichtspflichten, Gebote und Verbote deutlich reduzieren – sowohl aus Brüssel als auch aus dem Bund. Daher brauchen wir ein Gold-Plating-Verbot, damit sichergestellt ist, dass Österreich EU-Regeln nicht weiter verschärft. Gleichzeitig müssen bereits ‚vergoldete‘ Regeln auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden.
Zweitens müssen wir unsere Anstrengungen erhöhen, um die Netzkosten fairer auszugestalten, damit nicht länger jene bestraft werden, die so wie wir massiv in den Erneuerbaren-Ausbau investieren.
Und drittens müssen wir weiterhin die internationale Vernetzung und den Freihandel forcieren. Klar ist: Wer die Zoll-Keule schwingt, trifft damit unseren Wohlstand. Wir müssen daher alle unseren Beitrag leisten, um Handelsbarrieren abzubauen und neue gar nicht erst entstehen zu lassen.“
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Ecker zu „Chancenpaket Export“
Auch Ecker hält Bemühungen beim Thema Gold Plating für notwendig. Die Wirtschaftskammer würde außerdem das „Chancenpaket Export“ der Bundesregierung begrüßen. Dieses 15 Millionen Euro schwere Paket soll im Herbst ausgerollt werden.
"Das Halten bestehender Märkte und das Erschließen von neuen Zielmärkten ist kostenintensiv und benötigt klare Rahmenbedingungen", so Ecker. "Gerade dafür braucht es EU-Handelsabkommen, da diese einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil für unsere Betriebe bringen. Im Rahmen der NÖ Wirtschaftsmission nach Japan zur EXPO 2025 haben wir deutlich gesehen, dass das bestehende EU-Japan-Abkommen eine win-win-Situation für beide Partner gebracht hat."
Ecker weist zudem auf das Service der Wirtschaftskammer im Bereich Außenwirtschaft mit dem weltweiten Netz von über 100 Stützpunkten hin. (Dieser Link dient der Information – es besteht keine Affiliation zu den WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN.)
Ochsner zu Chancen auf wirtschaftlichen Auftrieb
„Ein Exportrückgang von 5,4 Prozent ist ein deutliches Warnsignal", sagt IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner. Handelsbarrieren wie US-Zölle würden die Lage zusätzlich verschärfen.
"Gleichzeitig eröffnet Europa unserer Industrie drei große Chancen: Deutschlands 500-Milliarden-Infrastrukturpaket, die geplanten EU-Investitionen in Verteidigung sowie der Wiederaufbau der Ukraine. Wenn wir uns hier klug positionieren, schaffen wir die Trendwende und können neuen wirtschaftlichen Auftrieb gewinnen.“ (LB/APA)
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