Netzkosten Strom Österreich : Auch große Betriebe können 2026 bei Netzkosten sparen – mit großem Wenn

E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Dienstag, 24. Juni 2025, anl. der PK E-Control, Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) "Abschlussbericht der Taskforce Strom und Gas" in Wien.

Zum fehlenden Wettbewerb im Energiesektor tragen laut Urbantschitsch nicht nur die großen Landesenergieversorger in Hand der Bundesländer bei, sondern auch die fehlende Bereitschaft der Kundinnen und Kunden, sich einen günstigeren Energielieferanten zu suchen.

- © APA/HELMUT FOHRINGER

Die Energie Burgenland hat Anpassungen bei den Netzgebühren angekündigt, was bei burgenländischen UnternehmerInnen für Besorgnis sorgt. 

Die Wirtschaftskammer Burgenland verlangt deshalb mehr Innovationskraft und flexiblere Ansätze beim Ausbau sowie bei der Verwendung regenerativer Energiequellen. So sollen StromkonsumentInnen vor zusätzlichen finanziellen Lasten geschützt werden. 

„Der konsequente Ausbau regenerativer Energien verdient unsere Unterstützung – sie bilden das Fundament für eine nachhaltige Zukunft", sagt der burgenländische Wirtschaftskammerpräsident Andreas Wirth. "Gleichzeitig müssen wir gewährleisten, dass die erzeugte Energie auch effektiv verwendet wird."

Nie mehr die wichtigsten lokalen Nachrichten aus dem Donauraum Österreichs aus Wirtschaft und Politik verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung!

Stromnetzentgelte für Haushalte ab 2026

- © CC BY 4.0, https://www.heute.at/i/kosten-explosion-bis-142-euro-mehr-fuer-gas-netzkosten-120138810/doc-1j82skvg80

Wasserstoff als Schlüssellösung gegen steigende Netzkosten Burgenland

Eine zentrale Antwort auf die Herausforderung sieht Wirth in der Herstellung und Verwendung von Wasserstoff

„Andere Nationen demonstrieren bereits, wie dieser Ansatz erfolgreich umgesetzt werden kann. Wasserstoff lässt sich besonders in den Sommermonaten, wenn reichlich Sonnenenergie zur Verfügung steht, herstellen, speichern und später variabel einsetzen", führt Wirth aus.

Wasserstoff-Strategie Österreich: Neues Finanzierungsmodell als Turbo?
 

Der Netzbetrieb sieht sich aktuell aufgrund der wachsenden Anzahl dezentraler Kraftwerke mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Der erforderliche Ausbau der Leitungen verursacht massive Kosten. Um diese Entwicklung abzumildern, sei es von zentraler Bedeutung, dezentrale Ansätze stärker miteinander zu verbinden und regionale Stromkreisläufe zu fördern, heißt es von der WKO.

  • Andreas Wirth, Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland, bei einem Interview sitzend
    "Wir brauchen realistische und wirtschaftlich tragfähige Konzepte für eine sichere, effiziente und eigenständige Energieversorgung.“

    Andreas Wirth, Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland

Netzkosten Strom Österreich 2025: Regionale Unterschiede prägen das Bild

Energiegemeinschaften im Burgenland demonstrieren schon jetzt, dass regionale Kooperation praktikabel ist. Wenn wir zukünftig auch die steigende Anzahl an Speichern der Mitglieder einbinden und mittels intelligenter Software koordinieren, können wir die Netzinfrastruktur entlasten und die Kostenexplosion dämpfen", so Wirth.

Österreich Photovoltaik: Diese PV-Regelungen kommen jetzt


Langfristig gehe es darum, die Infrastruktur zukunftssicher zu gestalten und vorhandene Systeme intelligent zu nutzen. 

„Die im Burgenland außerordentlich hohen Netzkosten stellen für UnternehmerInnen einen eindeutigen Standortnachteil dar. Unsere Betriebe benötigen Verlässlichkeit und kalkulierbare Energiekosten. Eine weitere Anhebung der Stromnetzentgelte würde die bereits angespannte Situation zusätzlich verschärfen. Wir benötigen realistische und wirtschaftlich tragbare Konzepte für eine sichere, effiziente und eigenständige Energieversorgung", so Wirth weiter.

Stromnetzentgelte: allgemein eher Stabilisierung

Die Netzkosten für Gas werden 2026 erneut deutlich steigen – so viel steht schon fest. Im Durchschnitt beträgt die Erhöhung 18,2 Prozent, wie aus dem Verordnungsentwurf der E-Control hervorgeht. 

Bei den Strom Netzgebühren 2026 zeichnet sich hingegen (allgemein gesprochen) eine Entspannung ab. Sie erhöhen sich nach dem Rekordanstieg 2025 im kommenden Jahr nur marginal, im Mittel um 1,1 Prozent. In fünf Bundesländern sinken sie sogar. 

Aufgrund des Photovoltaik-Booms führt die E-Control erstmals einen "Sonnen-Rabatt" von 20 Prozent zwischen 1. April und 30. September in den Stunden von 10 bis 16 Uhr ein.

E-Control nennt Gründe für Stabilisierung der Netzgebühren

Die für Energie zuständige Regulierungsbehörde E-Control definiert jährlich, wie viel die Netzbetreiber pro Kilowattstunde (kWh) verrechnen dürfen. Die exakten Entgelte variieren je nach Netzbetreiber und können sich bis zur Kundmachung noch geringfügig verändern. Die finalen Verordnungen werden üblicherweise im Dezember veröffentlicht und treten mit 1. Jänner in Kraft.

E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch nennt zwei Gründe, warum die Stromnetzgebühren 2026 nicht weiter steigen sollen. Einerseits wurde weniger Strom gespart, wodurch sich der Verbrauch stabilisiert hat. 

Andererseits hätten zusätzliche Erlöse, etwa aus dem grenzüberschreitenden Stromtransit, die Kosten gedämpft. Laut Medienberichten wurde eine Reserve von 120 bis 130 Mio. Euro des Übertragungsnetzbetreibers APG eingesetzt.

Erstmals zeitlich gestaffelte Netzentgelte

Es ist das erste Mal, dass die E-Control wegen des vielen Photovoltaik-Stroms zeitlich unterschiedlich hohe Netztarife verordnet. Das verminderte Entgelt wird den Stromverbrauchern automatisch verrechnet, "sofern die Netzbetreiber über die dafür nötigen Detaildaten verfügen", wie es im Verordnungsentwurf heißt. 

In der Praxis bedeutet es wohl, dass die Kunden im Onlineportal des Netzbetreibers die Viertelstundenwerte aktiviert haben müssen.


Schon in der Vergangenheit hat es zu bestimmten Zeiten niedrigere Netzentgelte gegeben. Diese Tarife für Sommer und Winter, Tag und Nacht, haben allerdings mit der Zeit ihren Zweck verloren und werden nun mit der Verordnung 2026 aufgelöst.


Auch große Industriekunden können ab 2026 bei den Stromnetzentgelten Geld sparen, wenn sie beim Verbrauch flexibel sind. Vorerst ist dies auf Kunden der Netzebenen 3 und 4 beschränkt.

Netzkosten Strom Österreich 2025: Entwicklung nach Bundesländern

Mit 1. Jänner 2025 waren bei Strom die Netzentgelte für Haushalte im Durchschnitt um 23,1 Prozent gestiegen, bei Gas um 16,6 Prozent. 

Da seit Jahresbeginn auch die Abgaben auf Energie nach Ende der Gaskrise wieder in vollem Umfang verrechnet werden, stiegen die Energierechnungen heuer um einige hundert Euro und tragen zur derzeit hohen Inflation bei.

Ab 2026 sollen die Energiekosten kein Inflationstreiber mehr sein, heißt es von Urbantschitsch. (Wie hier der Nahost-Konflikt hineinspielt, lesen Sie hier.)


Bei Strom sinken die Stromnetzentgelte voraussichtlich in Vorarlberg, Kärnten, Wien und in der Steiermark leicht und in Salzburg mit rund 9 Prozent deutlich. Am stärksten steigen sie in Niederösterreich mit 6,9 Prozent, in Tirol mit 11,2 Prozent und im Burgenland mit 16,1 Prozent.

(LB/APA)

🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?

Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden!