Frauen in der Wirtschaft : Karriere im Westen: Ein Sonderfall für Frauen?
Inhalt
- Weibliche Beschäftigung in Tirol: Klare Branchenschwerpunkte
- Karriere Tirol: Besondere Herausforderungen für Mütter und Alleinerziehende
- Hochqualifizierte Frauen in der Wirtschaft: Attraktive Perspektiven in Tirol
- Frauen in der Karrieremitte: Sichtbarkeit als Schlüsselfaktor
- Frauen über 50: Erfahrung als unterschätztes Kapital
- Selbständigkeit: Frau in der Wirtschaft auf eigene Rechnung
- Unternehmerinnen als Motor der regionalen Wertschöpfung
Die Gastronomie ist eine der Branchen, in denen Frauen am stärksten vertreten sind.
- © adobe stock/AnnaStillsIst der Karrierewege von Frauen in der Wirtschaft Westösterreichs anders als der in Ostösterreich? Betrachtet man rein die Daten: nein. Maximal kommt es zu anderen lokalen Schwerpunktsetzungen.
Und doch spielt der Ortsfrage eine Rolle in der Karriere: „Selbst innerhalb eines Flächenbundeslandes wie Tirol können deutliche Unterschiede zwischen den Ballungsräumen und etwa den peripheren Zonen und Tälern beobachtet werden", sagt Philipp Seirer-Baumgartner vom Arbeitsmarktservice Tirol.
Die grundlegenden Chancen- und Problemstellungen von Frauen am Arbeitsmarkt seien aber dieselben wie überall.
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Weibliche Beschäftigung in Tirol: Klare Branchenschwerpunkte
Tirol wies im Jahr 2025 eine klare Konzentration weiblicher Beschäftigung in folgenden fünf Bereichen auf:
- Gesundheits- und Sozialwesen (74,7 % Frauenanteil)
- Öffentliche Verwaltung (60,5 %)
- Beherbergung und Gastronomie (55,6 %)
- Bildungswesen (55,6 %)
- Handel (55,2 %)
Diese Struktur entspricht dem österreichweiten Muster, ist in Tirol jedoch durch die starke Rolle des Tourismus weitaus ausgeprägter. Während Frauen in Wien etwa noch stärker in der öffentlichen Verwaltung sowie in Wissenschaft und Technik eingebunden sind, finden sie in Tirol vor allem im Tourismus sowie im Gesundheits- und Sozialbereich Anstellung.
Karriere Tirol: Besondere Herausforderungen für Mütter und Alleinerziehende
Besonders deutlich wirken diese Strukturen bei Müttern und Alleinerziehenden.
„Sie sind österreichweit überdurchschnittlich häufig in Teilzeit beschäftigt und in Branchen mit planbaren Arbeitszeiten tätig", so Seirer-Baumgartner.
Welche Auswirkungen das in der Pension hat
In Tirol handle es sich bei diesen Branchen vor allem um den Handel, die öffentliche Verwaltung sowie Gesundheit und Soziales. Diese regionale Branchenstruktur verstärke dieses Muster zusätzlich.
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Hochqualifizierte Frauen in der Wirtschaft: Attraktive Perspektiven in Tirol
Für hochqualifizierte Frauen ohne Betreuungspflichten bietet Tirol attraktive Perspektiven – insbesondere im Bildungsbereich oder in qualifizierten Dienstleistungsberufen. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften steigt kontinuierlich.
„Dabei ist zu beachten, dass viele offene Stellen mit höheren Qualifikationsanforderungen nicht an das AMS zur Besetzung gemeldet werden. Unsere Daten bilden somit nur einen Teil des Stellenmarktes ab", so Seirer-Baumgartner.
Frauen in der Karrieremitte: Sichtbarkeit als Schlüsselfaktor
Wie diese strukturellen Rahmenbedingungen individuell erlebt werden, zeigt die Coachingpraxis von Margit Bacher. Sie begleitet Menschen in beruflichen Umbruchsituationen in der mittleren Lebensphase. Besonders häufig trifft sie dabei auf Frauen, die über Jahre hinweg Höchstleistung erbracht haben, ohne dafür entsprechende Anerkennung oder Perspektiven zu bekommen.
„Anders als Männer warten Frauen eher darauf, dass sie gesehen werden, anstatt sich selbst in Position zu bringen", beobachtet Bacher. Gerade in männlich dominierten Führungsetagen würden Karriereentscheidungen oft informell vorbereitet. Wer hier nicht proaktiv Präsenz zeigt, bleibt leicht außen vor.
Frauen über 50: Erfahrung als unterschätztes Kapital
Frauen über 50 sind in Tirol häufiger von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen als Männer – allerdings aufgrund der hohen saisonal geprägten Dynamik am Arbeitsmarkt auf einem deutlich niedrigeren Niveau als in anderen Bundesländern.
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AMS-Daten belegen, dass ältere Frauen hauptsächlich in jenen Branchen Schwierigkeiten haben, in denen körperliche Belastungen oder hohe Flexibilitätsanforderungen eine Voraussetzung bilden, wie beispielsweise in Reinigung, Pflege oder Produktion.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an erfahrenen Arbeitskräften. „Erarbeitetes Wissen ist unbezahlbar", betont Bacher. „Viele Frauen bringen Kompetenzen mit, die sich nicht einfach durch Weiterbildung ersetzen lassen."
Dennoch dominiere bei Frauen oft die Angst, ab einem bestimmten Alter keinen neuen Job mehr zu finden – eine Selbstunterschätzung, die weibliche Karrieren unnötig verkürze.
Selbständigkeit: Frau in der Wirtschaft auf eigene Rechnung
Eine dynamische Entwicklung zeigt sich aktuell im Bereich der Selbständigkeit. Laut der jüngsten Gründungsstatistik der Wirtschaftskammer Österreich verzeichnete Tirol 2025 mit 3.285 Neugründungen einen wahren Gründungsrekord. Der Frauenanteil bei Einzelunternehmen lag bei bemerkenswerten 47,8 Prozent.
Für Martina Entner, Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft Tirol, ist das kein Zufall: „Viele Frauen gründen, weil die Selbständigkeit Planbarkeit und damit eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie schafft."
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Gleichzeitig sieht Entner in der Selbständigkeit von Frauen auch eine mögliche Reaktion auf begrenzte Aufstiegschancen im klassischen Arbeitsmarkt.
Unternehmerinnen als Motor der regionalen Wertschöpfung
Obwohl eine große Bandbreite weiblicher Gründungen vorherrscht, lassen sich klare Branchenschwerpunkte ausmachen. Dienstleistungen im Gesundheitsbereich, Coaching und andere personenbezogene Services überwiegen. Selbst in klassischen Männerdomänen wie der Unternehmensberatung setzen Frauen in der Wirtschaft meist soziale Akzente – Beziehungsgestaltung, Kommunikation und Personalentwicklung.
„Unterm Strich sichern Unternehmerinnen im Land zentrale Dienstleistungen und tragen dazu bei, wirtschaftliche Aktivität in den Tälern zu halten. Selbst wenn ihre Betriebe oft klein sind, gelten sie in Sachen Standortattraktivität als äußerst systemrelevant", so Entner.