Logistikstrategie : Round Table of Experts: Warum Österreich eine Logistikstrategie braucht

KI-generiertes bild von Händen zweier personen, die auf einer digitalen Weltkarte verbindungen einzeichnen

 Um die Entwicklung von Datenökosystemen voranzutreiben, ist weitere Forschung und Innovation dringend nötig.

(Hinweis: Dieses Bild wurde mithilfe von KI generiert und dient der Illustration.)

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Warum braucht Österreich eine Logistikstrategie und was muss sie leisten? Wir haben sechs Top-Logistik-Experten gefragt. 

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Hier lesen Sie das Interview mit Bundesminister Peter Hanke zur geplanten Logistikstrategie

Fraunhofer Austria: „Innovation und Kooperation dringend erforderlich“

Christoph Ecker, Geschäftsbereichsleiter Logistik und Supply Chain Management bei Fraunhofer Austria 

Für einen wettbewerbsfähigen Logistikstandort Österreich ist Innovation und Kooperation dringend erforderlich. Im Positionspapier „Shared Logistics“ haben meine Kolleginnen und Kollegen und ich dargelegt, wie die unternehmensübergreifende Nutzung von Daten und Ressourcen die Leistungsfähigkeit in der Logistik verbessern kann, um nachhaltig Wohlstand und Lebensqualität zu sichern.  

 Die zentrale Basis dafür ist die Schaffung von Datenökosystemen zur unternehmensübergreifenden Datennutzung. Durch die Entwicklung von klaren Governance-Strukturen im Hinblick auf die kollaborative Nutzung von Daten müssen Rechtskonformität, Sicherheit sensibler Daten und Interoperabilität von Systemen erreicht werden. Somit kann entlang der gesamten Logistikkette die Transparenz erhöht und Effizienz erzielt werden. 

 Um die Entwicklung von Datenökosystemen voranzutreiben, ist weitere Forschung und Innovation dringend nötig. Zu einer erfolgreichen Logistikstrategie gehört demnach auch die gezielte Förderung solcher Vorhaben. 

Unsere vergangenen Round Table of Experts finden Sie hier

Christoph Ecker, Geschäftsbereichsleiter Logistik und Supply Chain Management bei Fraunhofer Austria
Christoph Ecker, Geschäftsbereichsleiter Logistik und Supply Chain Management bei Fraunhofer Austria - © Fraunhofer Austria/interfoto.at

Dachser Austria: „Wirtschaftswachstum und Versorgungssicherheit"

Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics and Air & Sea Logistics bei Dachser Austria 

Österreich braucht eine klare Logistikstrategie, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Als Exportnation hängen Wirtschaftswachstum und Versorgungssicherheit von einer leistungsfähigen, krisenfesten Logistik ab. 

Die Strategie muss drei Prioritäten setzen: 

  • moderne Infrastruktur ausbauen
  • berechenbare Rahmenbedingungen schaffen 
  • Digitalisierung mit Klimaschutz verbinden. 

Entscheidend ist dabei, Wirtschaft, Politik und Verwaltung enger zu verzahnen – nur so lassen sich Genehmigungen beschleunigen und Innovationen durchsetzen. Konkret erwarten wir von der Politik: 

  • langfristige Planungssicherheit
  • schnellere Verfahren
  • gezielte Investitionen in klimafreundliche Transportlösungen, die den Standort stärken
Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics and Air & Sea Logistics bei Dachser Austria, steht neben modellfahrzeugen von dachser
Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics and Air & Sea Logistics bei Dachser Austria - © Dachser Austria

ILS: "Rückgrat von Industrie und Handel"

Kajetan Bergles, Managing Partner bei Independent Logistics Society 

Logistik ist das Rückgrat von Industrie, Handel und Versorgungssicherheit und gewinnt angesichts geopolitischer Unsicherheiten, technologischer Umbrüche und steigender ökologischer Anforderungen weiter an Bedeutung. Ihre Leistungsfähigkeit entscheidet wesentlich über Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich. 

Aus unserer Sicht muss eine nationale Logistikstrategie insbesondere die Schwerpunkte Technologie, Mensch und Nachhaltigkeit adressieren. Dazu zählen die gezielte Förderung von Digitalisierung, KI und Automatisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ebenso wie attraktive Arbeitsbedingungen, Aus- und Weiterbildungsangebote sowie neue Kompetenzprofile, um dem zunehmenden Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. 

Gleichzeitig braucht es verlässliche und praktikable Rahmenbedingungen für eine klimafitte Logistik – von leistungsfähiger Infrastruktur über alternative Antriebe bis hin zu realistischen und wirtschaftlich umsetzbaren Transformationspfaden. 

Von der Politik erwarten wir eine ressortübergreifende Koordination, langfristige Planungssicherheit, beschleunigte Genehmigungsverfahren sowie einen kontinuierlichen, partnerschaftlichen Dialog mit der Branche. 

Kajetan Bergles, Managing Partner bei Independent Logistics Society
Kajetan Bergles, Managing Partner bei Independent Logistics Society - © ILS

Stmk. Landesbahnen: "Schlüsselbereich für das tägliche Leben"

Ronald Kiss, Direktor Steiermärkische Landesbahnen 

Österreich braucht eine Logistikstrategie, denn Logistik ist heute ein Schlüsselbereich, der zahlreiche Abläufe des täglichen Lebens trägt und miteinander verbindet. 

Neben den Rohstofftransporten müssen vor allem die Produkte ihren Weg zum Konsumenten finden. Hier benötigen wir eine praktikable Strategie, die neben den übergeordneten Masterplänen die zentralen Punkte der täglichen Herausforderungen in der Logistik berücksichtigt. 

Aus der Sicht unseres Unternehmens sollten neben dem Potential vorhandener Infrastruktur wie z. B.: lokale Anschlussbahnen, Terminals, etc. auch die Erfordernisse von Infrastrukturerweiterungen bzw. -ausbauten einfließen. Gerade die weitere Verlagerung auf die Schiene erfordert entsprechende Infrastruktur. 

Trotzdem bleibt der LKW selbstverständlich ein bedeutender Faktor. Weitere Rahmenbedingungen und Anreize für eine sinnvolle Kombination aus allen Verkehrsträgern zu schaffen wäre ein wünschenswertes Ergebnis dieser Strategie.

Ronald Kiss, Direktor Steiermärkische Landesbahnen, auf einem Güterbahnhof
Ronald Kiss, Direktor Steiermärkische Landesbahnen - © StB

LTE: "Europa miteinbeziehen"

Heinrich Juritsch, Managing Director bei LTE 

Österreich ist in vielerlei Hinsicht ein Transitland, mit vielen Beginn- und Endpunkten, die nicht hier liegen. Aber genau unter diesem Aspekt müssen wir danach trachten, dass unsere infrastrukturellen Einrichtungen – also Straße, Schiene und auch Wasserwege – voll ausgebaut und in Schuss zu halten sind, um diesem vermehrten und auch schwankenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden.  

Österreich ist den Anforderungen gewachsen. Aber als Transitland braucht es den europäischen Ansatz, nämlich, dass wir auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette bestens aufgestellt sind. Wenn wir eine nationale Standortstrategie haben, müssen wir auch darauf abzielen, uns in Europa zu einer Gesamtstrategie zu bekennen. 

Nur das führt im Endeffekt zum Erfolg und trägt Sorge dafür, dass wir die steigenden Anforderungen sicherstellen: Bereitstellung von mehr Infrastruktur einerseits, von erneuerbarer Energie andererseits. 

Wir müssen uns auch die Frage stellen: Wie decken wir den erhöhten Energiebedarf? Gegenwärtig können wir die Bedürfnisse weitestgehend aus eigener Produktion realisieren. Wenn wir allerdings die Forderungen aus dem Mastermobilitätsplan und die Wachstumsraten im Schienengüterverkehr betrachten (34 - 40% gehen, haben wir nur ein Drittel des Energiebedarfs gedeckt. Das ist nur im gesamteuropäischen Kontext zu lösen.  

Heinrich Juritsch, Managing Director bei LTE
Heinrich Juritsch, Managing Director bei LTE - © LTE

VNL: "Strategien auch umsetzen"

Franz Staberhofer, FH OÖ / Logistikum, Präsident VNL Österreich 

Die Industriestrategie verfolgt einen hohen Anspruch. Die Disziplin Logistik – mit den Bereichen Logistik, SCM und Purchasing – ist dabei der entscheidende Eckpfeiler zur Erfüllung dieses Anspruchs. Daher ist eine Logistikstrategie für Österreich notwendig, da Lieferketten der zentrale Hebel und zukunftsbestimmend für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz sind. 
 

Sie gestaltet die Neuorientierung der Disziplin Logistik und sichert zugleich deren konsequente Umsetzung. Denn eine Strategie ist nur dann gut, wenn sie auch umgesetzt wird. Dabei werden die physische Logistik und die Steuerungsebene gemeinsam gedacht, um die Wirksamkeit der Wirtschaft zu steigern. 
 

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Dies erfolgt integriert mit den Ermöglichern Infrastruktur und Technologie, sowie unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der EU. Diese gilt es nicht abzuwarten, sondern strategisch zu nutzen. 

Franz Staberhofer vom Logistikum an der FH Oberösterreich, sowie Präsident VNL Österreich
Franz Staberhofer vom Logistikum an der FH Oberösterreich, sowie Präsident VNL Österreich - © FH Steyr