Peter Hanke : Minister Hanke plant Logistikstandortstrategie: "Wir machen jetzt Nägel mit Köpfen"

österreichischer Bundesminister für Verkehr und Infrastruktur, Peter Hanke

"Wir machen jetzt Nägel mit Köpfen."

- © David Visnjic

Österreich entwickelt sich zu einem zentralen Logistik-Hub in Mitteleuropa. Mit rund 400.000 Beschäftigten und einem Beitrag von etwa 4 Prozent zum nationalen BIP zählt die Branche zu den wichtigsten Pfeilern der heimischen Wirtschaft. 

Um diese Position zu sichern und auszubauen, arbeitet das Verkehrs- und Infrastrukturministerium unter Bundesminister Peter Hanke an einer umfassenden Logistikstandortstrategie. (Warum Österreich diese auch dringend braucht, haben uns 6 Experten erklärt.) 

Im Gespräch mit den WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN legt Minister Hanke dar, welche Themen die Strategie abdecken wird, wie die Branche eingebunden werden soll und warum jetzt Handlungsbedarf besteht.

Das Interview für diesen Artikel führte Stefan Rothbart.

"Wir glauben, dass wir der Analyse und Verbesserung unserer nationalen Wertschöpfungsketten zukünftig deutlich mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik widmen müssen."

Minister Hanke: Zehn Themenfelder für eine zukunftsfähige Logistik in Österreich

Die geplante Logistikstandortstrategie umfasst laut Hanke zehn klar definierte Themenfelder, die sich an den wesentlichen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort orientieren. Dazu zählen:

  • die Sicherstellung der Wertschöpfungsketten, 
  • Digitalisierung und Innovation, 
  • faire und attraktive Arbeitsbedingungen 
  • sowie die Ausbildung von LogistikerInnen.

Ergänzt werden diese durch:

  • Raumgestaltung, 
  • einen entbürokratisierten Rechtsrahmen 
  • und die Bewahrung der Nachhaltigkeit.
     

„Wichtig erscheint uns, dass die Strategie als Umsetzungsstrategie geplant ist – das heißt, wir machen jetzt Nägel mit Köpfen.“
 

Der Anspruch ist damit klar formuliert: Es geht nicht um ein weiteres Strategiepapier, das in der Schublade verschwindet, sondern um konkrete Maßnahmen mit messbarer Wirkung.

"Im Rahmen der Strategie werden wir natürlich logistikrelevante Institutionen und Unternehmen befragen, wo der Schuh drückt"

Digitalisierung und KI: Innovation als Wettbewerbsvorteil

Digitalisierung und Innovation nehmen in der Logistikstandortstrategie eine zentrale Rolle ein. Die Bundesregierung arbeitet bereits seit geraumer Zeit in vielen Bereichen an der Digitalisierung des Wirtschaftsstandortes

So wurde erst kürzlich ein Praxisleitfaden zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Logistik speziell für Klein- und Mittelbetriebe veröffentlicht. Auch bei der Einführung digitaler Frachtpapiere in der EU nimmt Österreich eine Vorreiterrolle ein – ein Signal, das die Branche positiv aufnehmen dürfte.

Entlastung für heimische Transporteure

Die heimische Logistikbranche steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck – nicht zuletzt durch politisch getriebene Rahmenbedingungen wie steigende Regulierung, höhere Treibstoff- und Energiepreise durch die Elektrifizierung des Lkw-Verkehrs, wachsende Mautbelastungen sowie einen anhaltenden Fahrermangel im Straßengüterverkehr. 

Die Frage, ob die Logistikstandortstrategie auch konkrete Entlastungsmaßnahmen für Transporteure beinhaltet, beantwortet Hanke mit einem Bekenntnis zum Dialog:


„Im Rahmen der Strategie werden wir natürlich logistikrelevante Institutionen und Unternehmen befragen, wo der Schuh drückt und wo Erleichterungen für Unternehmen rasch umgesetzt werden können.“
 

Er wolle aber dem gerade angelaufenen Dialogprozess nicht vorgreifen, auch wenn die Zeit dränge. Jene Unternehmen, die mit innovativen und nachhaltigen Angeboten punkten können, würden sich auch im globalen Wettbewerb durchsetzen und gestärkt aus Krisen hervorgehen.

Raumordnung und Flächenvorsorge: Logistikinfrastruktur braucht Platz

Ein besonders drängender Aspekt ist die Verfügbarkeit geeigneter Flächen für Logistikinfrastrukturen. Das Themenfeld Raumgestaltung wird daher einen bedeutenden Anteil in der Strategie einnehmen. Dabei geht es laut Hanke vor allem darum, innovative Lösungen zu forcieren: 

  • intelligente multifunktionale Nutzungen bestehender Infrastruktur, 
  • Bauen in die dritte Dimension, 
  • kooperative Projekte 
  • sowie die Digitalisierung von Wertschöpfungsprozessen

Vernetzung mit Industrie- und Betriebsansiedelungspolitik

Eine starke Logistikbranche bedeutet letztlich auch Wertschöpfungstiefe und Resilienz für den gesamten Wirtschaftsstandort. Wo Logistikhubs existieren und Waren effizient fließen, siedeln sich Industrie und Gewerbe an. 

Daher ist für Peter Hanke eine Verzahnung der Logistikstandortstrategie mit bestehenden Strategien und allen relevanten Stakeholdern entscheidend – einschließlich einer koordinierten Zusammenarbeit mit Ländern und Gemeinden.
 

„Wir glauben, dass wir der Analyse und Verbesserung unserer nationalen Wertschöpfungsketten zukünftig deutlich mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik widmen müssen.“
 

Dieser breite und transparente Beteiligungsprozess soll in einen umfassenden Koordinations- und Umsetzungsprozess münden, der über Ressortgrenzen hinausgeht.

Das wichtigste Prinzip beim anlaufenden Prozess ist für Minister Hanke klar: Die Logistikstandortstrategie soll für den Sektor und gemeinsam mit dem Logistiksektor erarbeitet werden – unter Einbindung von Unternehmen, Sozialpartnerorganisationen, Interessensvertretungen sowie ExpertInnen. 

In einem ersten Schritt würden die Anliegen, Vorschläge und Ideen der Logistik-Stakeholder gesammelt, bewertet, priorisiert und anschließend in den Umsetzungsprozess eingebracht.
 

Die Strategie sei von vorne herein peer-reviewed aufgesetzt, schlank und zielgerichtet organisiert und als Umsetzungsprozess strukturiert, betont Hanke – „denn jetzt ist die Zeit um Handeln gekommen.“

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