Bauen im Bestand : Bodenversiegelung und Ortskernsterben: Manche Lösungen sind erwünschter als andere
Zwischen 2015 und 2024 lag der Bodenverbrauch in Österreich bei durchschnittlich elf Hektar pro Tag. Rund die Hälfte davon wurde auch mit Beton oder Asphalt versiegelt.
- © adobe stock/ThomBalNach wie vor gilt Österreich als Europameister im Bodenverbrauch. Laut WWF-Bodenreport liegt dieser im Zehn-Jahres-Schnitt (2015-2024) bei elf Hektar pro Tag.
Die Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Lebensqualität sind erheblich, kritisiert Raiffeisen Immobilien Österreich. Das Unternehmen hat eine Gallup-Studie in Auftrag gegeben. Laut dieser bewerten 70 Prozent der Befragten die Bodenversiegelung als ein sehr dringliches oder dringliches Thema.
Lesen Sie hier über die Auswirkungen der Bodenversiegelung auf Österreichs Landwirtschaft
Beim Thema Ortskernsterben sehen laut der Studie sogar 82 Prozent der ÖsterreicherInnen unmittelbaren Handlungsbedarf. Vor allem ältere Befragte äußern sich äußerst kritisch zur aktuellen Entwicklung.
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Wie den Flächenverbrauch stoppen? – Sanierung statt Neuversiegelung
Auf die Frage nach den wirksamsten Strategien gegen Bodenverbrauch und Leerstand nennt die Studie klare Favoriten:
- 73 % für: höhere Förderungen für die Sanierung bestehender Immobilien (Lesen Sie hier, wie ausbleibende Sanierungen ein Grund für Leerstand sind)
- 68 % für: Überbauung bereits genutzter Flächen – beispielsweise von Supermärkten
- 62 % für: Verbot neuer Fachmarktzentren auf der grünen Wiese
Weniger als 50 Prozent würden hingegen ein Verbot neuer Einfamilienhäuser in Randlagen akzeptieren.
"Gerade in einer Phase, in der der Neubau stagniert, müssen wir den Fokus auf die Nutzung vorhandener Bausubstanz richten", sagt Peter Weinberger von Raiffeisen Immobilien. Sanierung, Verdichtung und intelligente Nachnutzung seien die Schlüssel, um den Flächenverbrauch zu bremsen und gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. "Jede Sanierung spart Fläche, schont Ressourcen und stärkt die Lebensqualität in unseren Gemeinden", so Weinberger.
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Zersiedelung Österreich: ein strukturelles Warnsignal
Die fortschreitende Zersiedelung verschärft nicht nur ökologische, sondern auch infrastrukturelle Probleme.
Immer längere Wege zur Arbeit, steigende Kosten für die öffentliche Hand und verwaiste Ortszentren sind die Folge. 46 Prozent der Befragten geben an, in einer Gemeinde zu wohnen, in der der Ortskern stirbt. In anderen Worten: Geschäfte und Gastronomie haben geschlossen, keine neuen Betriebe entstehen. In kleineren bis mittleren Gemeinden mit bis zu 50.000 EinwohnerInnen fühlen sich sogar 62 Prozent von diesem Phänomen betroffen.
Weinberger interpretiert diese Entwicklung als strukturelles Warnsignal: "Wenn Geschäfte, Arztpraxen und Gastronomie verschwinden, verliert ein Ort seine Seele. Die Sanierung von Bestandsgebäuden und die Ansiedlung neuer Betriebe sollten diesem Trend wirksam entgegensteuern."
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Leerstand Österreich: Bauen im Bestand als Strategie
"Bauen im Bestand hat Zukunft", sagt auch Peter Mayr von Raiffeisen Immobilien . "Jede Sanierung spart Fläche, reduziert den Energieverbrauch und schafft lokale Wertschöpfung. Förderprogramme sollten künftig gezielt jene unterstützen, die bestehende Immobilien revitalisieren."
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Nachhaltiges Bauen würde schließlich auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn machen. "Sanierungen erhalten das kulturelle Erbe, schaffen Arbeit vor Ort und steigern den Immobilienwert", so Mayr weiter.