leistbares Wohnen Österreich : Round Table of Experts: Innovation am Bau als Hoffnung auf leistbares Wohnen

zwei bauleiter mit sicherheitshelmen und warnwesten von hinten auf dem erdhügel eine baustelle, bagger und sonnenuntergang im hintergrund.
© stock adobe/saravut

Wohnen muss wieder leistbarer werden. Doch nur wie? 

Eine wesentliche Rolle werden in Zukunft innovative Bauverfahren spielen, die die Quadratmeterkosten deutlich senken werden.

Die WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN haben vier Top-Bauexperten gefragt, welche Rolle serielle Fertigung, neue Bautechnik und intelligente Bauplanung auf die Wohnkosten haben werden. Das Fazit: Die Baubranche steht vor einer der größten Revolutionen der letzten Jahrzehnte. 

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Innovation am Bau: Vorfertigung als Schlüsselfaktor

Johann Marchner, Country Managing Director von wienerberger Österreich und Pipelife Austria

Die Zukunft des Bauens entscheidet sich an der Schnittstelle von Innovation und Effizienz. Wenn Wohnen wieder leistbar werden soll, müssen wir das Bauen neu denken – industrieller, digitaler und nachhaltiger. 

Vorfertigung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Ziegel-Fertigteile, präzise im Werk gefertigt und auf der Baustelle rasch montiert, verkürzen Bauzeiten drastisch und sichern gleichbleibend hohe Qualität. Roboter und automatisierte Prozesse entlasten Fachkräfte und kompensieren den Arbeitskräftemangel, während digitale Planungsmodelle Material und Energie optimal einsetzen. 

So entsteht ein neuer, produktiverer Bauprozess, der Ressourcen schont und Kosten senkt. Die Bauwirtschaft steht bereit – jetzt braucht es den Schulterschluss von Politik, Industrie und Planern, um den Wandel zur modernen, leistbaren und klimafitten Baukultur entschlossen voranzutreiben. 

Johann Marchner, Country Managing Director von wienerberger Österreich und Pipelife Austria
Johann Marchner, Country Managing Director von wienerberger Österreich und Pipelife Austria - © Bianca Gadnik

Neue Bauverfahren: Bauprojekte neu denken

Matthias Moosbrugger, CMO der Rhomberg Bau Gruppe

Es greift zu kurz, die Zukunft des Bauens allein an neuen Bauverfahren oder  innovativer  Bautechnik festzumachen. Was wir wirklich brauchen, ist vielmehr eine neue Art und Weise, Bauprojekte zu denken, zu planen und umzusetzen.

Unser Ziel in der Rhomberg Bau Gruppe ist es, Lebensräume für die Menschen zu gestalten. Und  Digitalisierung, Technologie und Innovation sind wertvolle Mittel zu diesem Zweck. Die eigentliche Aufgabe ist es aber, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich begegnen und wohlfühlen – generationenübergreifend, nachhaltig und sinnstiftend.

Unser Weg dorthin ist die Transformation unseres Unternehmens zu einem Gesamtleister, der mit den Menschen, die ihm ihr Vertrauen aussprechen, gemeinsam in einem konsequenten Prozess die beste Lösung für ihr individuelles Bedürfnis findet. Dabei werden Bautrends wie Nachverdichtung, Kreislaufwirtschaft oder (Holz-)Systembau in den kommenden Jahren sicherlich eine entscheidende Rolle spielen – und Bauprojekte auch wieder wirtschaftlicher machen. 

Matthias Moosbrugger, CMO der Rhomberg Bau Gruppe
Matthias Moosbrugger, CMO der Rhomberg Bau Gruppe - © Rhomberg Bau

Leistbares Wohnen: Baukosten unter 2.000 Euro pro Quadratmeter

Karl-Heinz Strauss, CEO bei Porr

Leistbarer Wohnraum ist ein Grundbedürfnis. Wir können auf Urlaube verzichten und wir können vermeiden, auswärts zu essen und zu trinken. Aber wir können nicht aufhören, zu wohnen. Leistbaren Wohnraum zu schaffen, gehört daher zu den dringlichsten Aufgaben und der Bau kann hier einiges dazu beitragen. 

Besonders innovative Anwendungsmöglichkeiten bietet der Elementbau. Dabei können wir effizient mit vorgefertigten Komponenten aus Stahlbeton und Holz unterschiedlichste Grundrisse anfertigen und dabei die Stärken von beiden Baustoffen nutzen. Wir optimieren vom Rohbau über den Innenausbau bis zur Haustechnik den gesamten Ablauf. So können wir Wohnraum mit Baukosten von weniger als 2.000 Euro pro Quadratmeter schaffen. 

Die Porr bietet bereits ein solches System an und der Widerhall vom Markt ist sehr positiv. Man merkt, wie groß auch seitens der Wohnbauträger der Bedarf ist. 

Karl-Heinz Strauss, CEO bei Porr
Karl-Heinz Strauss, CEO bei Porr - © Astrid Knie

Serielle Fertigung: Klare Regeln und Mut

Stefan Kratochwill, CEO bei Strabag  

Der Wohnbau hat in Österreich traditionell hohe gesellschaftliche Bedeutung – und steht heute wie selten zuvor unter Druck. Steigende Bau- und Finanzierungskosten, fehlende Grundstücke und zurückhaltende Kreditvergabe bremsen den Markt, während der Bedarf an leistbarem Wohnraum rapide wächst.

Serielles Bauen kann hier gezielt Abhilfe schaffen: Es senkt die Baukosten, verkürzt die Bauzeit deutlich und sorgt für effizienteren Gebäudebetrieb. Zusätzlich ist diese Bauweise besonders nachhaltig: Über die Lebensdauer des Gebäudes lassen sich bis zu 50 Prozent CO₂-Emissionen einsparen. Technologien wie die Betonkernaktivierung reduzieren den Energiebedarf für Heizen und Kühlung um mindestens 22 Prozent – ohne Mehrkosten bei der Errichtung.

Mit unserem seriellen Bausystem TETRIQX zeigen wir, wie solche Bauweisen österreichweit funktionieren können. Innovation allein reicht jedoch nicht: Ohne klare Regeln und den Mut, Neues zuzulassen, bleibt sie Stückwerk. Leistbares Wohnen ist und bleibt eine Aufgabe für uns alle. 

Strabag SE-Vorstandsvorsitzender Stefan Kratochwill
Stefan Kratochwill, CEO bei Strabag - © Stefan Gergely

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