Stadt Wels : Leerstandsmanagement: Wels Stadt steigert sich auf 97,8% Vermietungsgrad

Peter Jungreithmair, MBA (GF Wels Marketing & Touristik GmbH/WBA), Bürgermeister Dr. Andreas Rabl (Stadt Wels), Wirtschaftsstadtrat Dr. Martin Oberndorfer (Stadt Wels), Mag. Hannes Lindner (Geschäftsführer von Standort + Markt) präsentieren den City Retail Report 2026

Während Wels mit einer Vermietungsquote von 97,8 % als Musterbeispiel für erfolgreiches Standortmanagement gilt, kämpfen viele andere Städte mit steigenden Leerständen. Im Bild: Peter Jungreithmair (GF Wels Marketing & Touristik GmbH/WBA), Bürgermeister Andreas Rabl (Stadt Wels), Wirtschaftsstadtrat Martin Oberndorfer (Stadt Wels), Hannes Lindner (Geschäftsführer von Standort + Markt)

- © Wels Marketing & Touristik GmbH

Wels entwickelt sich zu einem Erfolgsmodell in Sachen Leerstandsmanagement und Einzelhandelsausstattung

Der neu veröffentlichte City-Retail-Report Österreich 2025/26 von Standort + Markt untersucht die wirtschaftliche Situation von Innenstädten österreichweit. Wels rangiert darin mit einem Vermietungsgrad von 97,8 Prozent an zweiter Stelle in Österreich. An erster Stelle kommt Mödling mit 0,8 Prozent.

Von insgesamt 323 Geschäften in der ABC-Lage stehen Ende 2025 nur zehn Läden leer. Diese Quote von 2,2 Prozent entspricht einem historischen Höchstwert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2014. Damit unterschreitet Wels deutlich den österreichweiten Durchschnitt von 5,6 Prozent.

Nie mehr die wichtigsten lokalen Wirtschaftsnachrichten aus dem Donauraum Österreichs verpassen. Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter!

Laut Standort + Markt feststellt ist dieser Erfolg kein Zufall. Die Stadt funktioniert als Best-Practice-Beispiel für erfolgreiches Leerstandsmanagement in deutschsprachigen Regionen. FachexpertInnen laden Wels regelmäßig zu Kongressen ein, um die Handlungsansätze vor Ort zu analysieren. 

Gleichzeitig würdigte das Christmas Cities Network in Kooperation mit dem Europäischen Parlament Wels im Jahr 2026 zur „European City of Christmas".

Das könnte Sie auch interessieren: Wels Tourismus investiert 800.000 Euro in Radtourismus-Ausbau bis 2027

2025 besuchten während der Welser Weihnachtswelt 1.397.200 Menschen die Welser Innenstadt (2024: 1.268.240:+10,17%).

- © lexpixelart

Wirtschaftsservice Wels als Erfolgsfaktor für Einzelhandelsmanagement

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Arbeit des Wirtschaftsservice Wels, das seit einem Jahrzehnt als Anlaufstelle für Ansiedlungen und Standortfragen fungiert. Das Team arbeitet eng mit der Wels Marketing & Touristik GmbH zusammen, deren Event- und Markenstrategie zusätzlich zur Attraktivität beiträgt. Durch frühzeitiges Erkennen von Markttrends und gezielte Maßnahmen gestaltet die Stadt den Transformationsprozess aktiv mit.

Lesen Sie hier mehr über nachhaltiges Standortmanagement in Oberösterreich

Dies wirkt sich unmittelbar auf die Besucherfrequenz aus. 2025 zählte die Welser Fußgängerzone über 6 Millionen Frequenzimpulse. Dauerhafte Belebung durch Veranstaltungen und Kommunikationsmaßnahmen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Das stadtweite Lebensraummanagement nutzt Freizeitangebote und Events gezielt als Strategie, um sowohl Besucherzahlen als auch die Lebensqualität zu steigern.

© IMMOBILIENRENDITE AG

Stabiler Einzelhandel trotz wirtschaftlicher Herausforderungen

Auch 2025 bestätigt sich die Robustheit dieser Strategie. Unter 24 untersuchten österreichischen Städten gehört Wels zu den Top-Innenstädten. Mit einer Leerstandsquote von 2,2 Prozent in der ABC-Lage – bei einer Verkaufsfläche von 46.135 Quadratmetern – rangiert die Stadt bei über 20 anderen Städten auf Rang 2 beim Kriterium Leerfläche. In der Premium-A-Lage lag der Vermietungsgrad bei 96,4 Prozent, wobei nur zwei von 69 Shops leer standen.

Besonders bemerkenswert: Eine Fluktuationsrate von 13,3 Prozent hielt nicht davon ab, dass zahlreiche Neueröffnungen entstandene Leerstände mehr als ausgleichen konnten. Das zeigt die Effizienz des Leerstandsmanagements in der Praxis. 

Leerstand muss nicht sein – Wels zeigt das deutlich. Die niedrige Leerstandsquote in der Stadt ist kein Zufall.

- © pixabay

Individueller Branchenmix stärkt die Einzelhandelsvielfalt

Wels Stadt setzt auf einen vielfältigen Branchenmix als strategisches Ziel. Es gibt zahlreiche inhabergeführte Fachgeschäfte, Boutiquen, DienstleisterInnen und Gastronomiebetriebe.

Der Bekleidungssektor bleibt mit 39,5 Prozent (55 von 155 Shops) die wichtigste Sparte im Einzelhandel der Innenstadt. Trotz eines leichten Rückgangs liegt dieser Anteil deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 30,4 Prozent. Der Modebereich umfasst insgesamt rund 10.800 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Gastronomie kontinuierlich. Inzwischen entfallen 15 Prozent der Verkaufsfläche auf Gastronomiebetriebe. Dieser stark ausgebaute Gastro-Mix gilt als wichtiger Besuchsgrund und regionalen Alleinstellungsmerkmal der Welser Innenstadt.

Mit einem Filialisierungsgrad von 26,9 Prozent bleibt Wels unter dem österreichischen Schnitt von 30,9 Prozent. Dies zeigt eine bewusste Strategie: Die hohe Zahl an inhabergeführten und individuellen Betrieben wird aktiv gefördert. In der A-Lage liegt der Anteil von Kettenbetrieben mit 45,3 Prozent dagegen höher.

Die durchschnittliche Shopfläche kommt auf 143 Quadratmeter. Das zeigt, dass Wels auf kleinteilige und spezialisierte Handelskonzepte setzt. Diese Herangehensweise ermöglicht es, sich klar von Onlineangeboten und peripheren Handelsstandorten abzugrenzen.
 

Das könnte Sie auch interessieren: Brachflächen – geheimes Potenzial für Betriebsansiedelung

Neue Geschäfte und Gastronomie bringen urbanes Flair

Das Jahr 2025 brachte zahlreiche Neueröffnungen inhabergeführter Geschäfte. Einige Beispiele: die Boutique „Mosaic – Mehr als Mode", „Dilaras Merchandise", der „Kärcher Store Plotka" oder das Blumenfachgeschäft „La vida al camp".

Im Gastronomiesektor entstanden neue Konzepte wie „GANSFein", „La Stella del Sud", „Kaiser´s Kaiserschmarren", der „Breakfast Club Wels" im Hotel Hauser, „Smashbros Burger" und das indische Restaurant „Spice Club" in der Dr. Kos-Straße. Die Gastronomie zählt mittlerweile zu den vier Hauptmotiven für Besuche in der Welser Innenstadt.

Auch Filialisten und starke Franchisesysteme bekennen sich zum Standort Wels. Beispiele sind „Sonnentor" am runderneuerten und erweiterten Standort in der Fuzo Bäckergasse oder der „A1 Shop" in der Schmidtgasse. 

Zielgruppenanalyse statt bloße Frequenzzählung

Wels beschränkt sich nicht länger auf reine Frequenzmessung. Mit Mobilitätsdaten lernt man BesucherInnen und KonsumentInnen wesentlich besser kennen: Wer kommt, woher stammen die Personen, wie lange bleiben sie? Die Daten der Welser Innenstadt vom Kaiser-Josef-Platz, den Fuzos, der Ringstraße, der Pfarrgasse bis zum Stadtplatz und Pollheimerpark entstehen auf Basis anonymisierter Mobilfunkdaten.

Die Entwicklung der Besucherzahlen während der Weihnachtswelt zeigt diese Erfolgsstory deutlich: 2025 zählte die Innenstadt dank der Welser Weihnachtswelt 1.397.200 BesucherInnen – ein Plus von 10,17 Prozent gegenüber 2024.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 2 Stunden und 34 Minuten. Die größten Besuchergruppen sind 50- bis 59-Jährige (18,4 Prozent), gefolgt von 30- bis 39-Jährigen (18,2 Prozent), 60- bis 69-Jährigen (16,4 Prozent) und 18- bis 29-Jährigen (16,2 Prozent). Mit knapp 16 Prozent folgen die 40- bis 48-Jährigen. 52,8 Prozent der BesucherInnen waren weiblich. 80 Prozent wohnten nicht weiter als 23 Kilometer vom Standort entfernt.

Die größten Anteile der BesucherInnen aus dem Umland kommen aus Linz mit 3,8 Prozent, Marchtrenk mit 3,5 Prozent und Gunskirchen mit 2,5 Prozent.

🔎 Noch mehr Wirtschaftseinblicke?

Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie über aktuelle Themen, spannende Interviews und Trends aus der Wirtschaft immer auf dem Laufenden!