Hervis : Das passiert mit Hervis nach Verkauf durch Spar

außenansicht einer Hervis Filiale in Wien

2024 haben bereits mehrere Filialen geschlossen, 134 Standorte hat Hervis noch.

- © APA/ROLAND SCHLAGER

Der Salzburger Handelskonzern Spar hat seine Sporthandelstochter Hervis nach über 50 Jahren verkauft. Man müsse nun von der Schließung einzelner, nicht rentabler Standorte ausgehen, heißt es.

Neue Eigentümer sind der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth gemeinsam mit Udo Schloemer, der Factory Berlin ins Leben rief. Sie prüfen nun erste Maßnahmen. 

"Wir gehen derzeit davon aus, dass die ersten Schritte gegen Ende Februar/Anfang März feststehen und kommuniziert werden können", so der Sprecher der neuen Eigentümer, Michael Slamanig. Aktuell laufe "die Evaluierung des gesamten Unternehmens gemeinsam mit der Geschäftsführung von Hervis". 

Lesen Sie hier, wie es Spar abseits von Hervis geht und wie hoch die Verluste waren

Am 23. Jänner wurde die Transaktion mit Spar abgeschlossen. Details zum Kaufpreis blieben vertraulich.

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Pläne für Hervis

Die neuen Hervis-Eigentümer wollen die Positionierung der Sporthandelskette ändern: Sportgeräte und Ausrüstung sowie das Online-Geschäft sollen künftig im Fokus stehen. Preiseinstiegsware und Modeartikel werden zurückgefahren. Ein Komplettumbau ist aber nicht geplant. 

"Die Marke Hervis ist gut eingeführt und steht aktuell nicht zur Diskussion", betonte der Sprecher der neuen Eigentümer.

Wer ist Sven Voth?

Keine Immobilien übernommen

Voth und Schloemer haben keine Hervis-Immobilien übernommen. 

"Hervis besitzt selbst keine Immobilien, die Standorte sind gemietete Objekte", sagt Slamanig.

Spar wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Hervis-Immobilien sich im Besitz des Handelskonzerns befinden.

Massive Verluste führten zu strategischer Neuausrichtung

Die Entscheidung von Spar Österreich, sich von Hervis zu trennen, erfolgte aufgrund erheblicher finanzieller Belastungen. Zwischen 2023 und 2024 akkumulierte die Sporthandelskette Verluste in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. Im Jahr 2023 betrug das Minus inklusive Wertberichtigungen 64 Millionen Euro, im darauffolgenden Jahr beliefen sich die Verluste auf 43 Millionen Euro. 

Parallel dazu verzeichnete der Umsatz einen Rückgang von 261 auf 253 Millionen Euro. Hans Reisch, Vorstandsvorsitzender von Spar Österreich, hatte Ende 2025 angekündigt, "weitere Entscheidungen" hinsichtlich der Zukunft der Sporthandelstochter zu treffen.

Sven Voth übernimmt komplettes Filialnetz und gesamte Belegschaft

Der neue Inhaber Sven Voth bringt umfangreiche Branchenerfahrung mit. 1998 etablierte er die Streetwear-Kette Snipes, bei der später Deichmann als Partner einstieg. 

Voth, der Wien als Lebensmittelpunkt gewählt hat, übernimmt nun sämtliche 134 Standorte von Hervis sowie die gesamte Belegschaft in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern. 

In Österreich beschäftigt die Kette derzeit rund 1.360 MitarbeiterInnen, nachdem 2024 bereits mehrere Filialen geschlossen wurden.

Rückzug aus internationalen Märkten

Schon im Herbst 2025 hatte Hervis einen konsequenten Restrukturierungsprozess eingeleitet und sich von ausländischen Tochtergesellschaften getrennt. 

Die Filialen in Ungarn und Rumänien wechselten zur britischen Frasers Group, die früher unter dem Namen Sports Direct firmierte. Vom tschechischen Markt hatte sich das Unternehmen bereits 2022 zurückgezogen.

Herausforderndes Umfeld im österreichischen Sportartikelhandel

Die Übernahme durch Sven Voth findet zu einem anspruchsvollen Zeitpunkt für den in Österreich statt. Nach einem außergewöhnlichen Umsatzanstieg während der Pandemie sorgten zurückhaltende KonsumentInnen und überhöhte Lagerbestände ab 2022 für Schwierigkeiten in der gesamten Branche. 

Lesen Sie hier, wie man das auch im Salzburger Einzelhandel bemerkt

Intersport und Sport 2000 beherrschen den Markt. Hervis rangiert laut RegioData auf Position drei. Der intensive Konkurrenzdruck beendete kürzlich auch die Österreich-Aktivitäten des norwegischen Händlers XXL Sports. Der französische Discounter Decathlon hingegen erweitert sein Netz seit 2018 kontinuierlich. (LB/APA)

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