Handel in Österreich : Handel in Zahlen: Regionale Hochburgen und wie Österreich Milliarden einsparen kann
Inhalt
- Österreichischer Handel Statistik: Starke Zahlen trotz Herausforderungen
- Arbeitsplätze im Handel: Zweitgrößter Arbeitgeber mit steigender Teilzeitquote
- Retail Austria im Bundesländervergleich: Regionale Handelsverteilung
- Handelsbetriebe als Wirtschaftsmotor: Zweitgrößter Sektor Österreichs
- Lebensmittelhandel Kennzahlen: Nahversorgung als Stärke
- EU-Handel in Zahlen: Österreich im internationalen Kontext
- Handelskrise und Herausforderungen: Sinkende Rentabilität belastet Branche
- Wirtschaftsausblick: Vorsichtige Erholung bei anhaltenden Problemen
- Bürokratieabbau als Hoffnungsträger: Politik und Handel suchen Lösungen
Der Großhandel hat derzeit eine Umsatzrentabilität von 6,9%.
- © FotoKachnaEine umfassende Datenanalyse der KMU Forschung Österreich zeigt:
Der heimische Handel bleibt ein zentraler Pfeiler der österreichischen Volkswirtschaft. Das neue "Jahrbuch Handel" 2025, erstellt im Auftrag des Handelsverbandes (HV), präsentiert die aktuellsten Kennzahlen zur Branchenentwicklung.
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Im europäischen Vergleich positioniert sich Österreich solide: Rang 11 bei der Beschäftigtenzahl und Platz 9 beim Umsatz. Deutschland führt die EU-Statistik mit 6,3 Millionen Beschäftigten und 2,6 Billionen Euro Jahresumsatz an.
Österreichischer Handel Statistik: Starke Zahlen trotz Herausforderungen
Die aktuellsten Daten verdeutlichen die Dimensionen des heimischen Handels.
Zu Jahresbeginn 2024 umfasste der Einzelhandel 52.500 Unternehmen. Gemeinsam schaffen sie 345.000 Arbeitsplätze.
Der Großhandel stellt mit 24.900 Betrieben weitere 194.000 Beschäftigungsplätze zur Verfügung.
Im Kfz-Handel arbeiten 76.000 Menschen in 14.900 Unternehmen.
Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Rentabilitätswerte. Während der Großhandel eine Umsatzrentabilität von 6,9% erreicht, liegt der Einzelhandel bei 2,9% und der Kfz-Handel bei 2,7%.
Arbeitsplätze im Handel: Zweitgrößter Arbeitgeber mit steigender Teilzeitquote
Mit 615.000 unselbständig Beschäftigten rangiert der Handel als zweitgrößter Arbeitgeber Österreichs. Allein der Einzelhandel stellt 351.150 Arbeitsplätze bereit.
Eine wichtige Entwicklung zeigt sich bei der Beschäftigung: Die Teilzeitquote im Einzelhandel stieg von 47,1% auf 47,7%. Die sektorübergreifende Teilzeitquote liegt bei 36%.
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Retail Austria im Bundesländervergleich: Regionale Handelsverteilung
Die regionale Aufteilung der Handelsumsätze zeigt klare Schwerpunkte. Wien dominiert mit 33% aller Handelserlöse, gefolgt von Niederösterreich und Oberösterreich mit jeweils 16%.
Dass sich ein Drittel aller Handelserlöse auf die Bundeshauptstadt konzentriert, ist teilweise auf die starke Präsenz des Großhandels zurückzuführen.
Lesen Sie hier über weitere regionale Unterschiede im Handel
Ähnlich bei den Handelsstandorten: Niederösterreich und Wien beheimaten jeweils rund 20% aller Arbeitsstätten, Oberösterreich folgt mit 17%.
Bei den Beschäftigtenzahlen führt Wien mit 21%, gefolgt von Niederösterreich (20%) und Oberösterreich (17%).
"Wien, Niederösterreich und Oberösterreich sind die heimischen Retail-Hochburgen", sagt HV-Chef Rainer Will.
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Handelsbetriebe als Wirtschaftsmotor: Zweitgrößter Sektor Österreichs
"Der heimische Handel ist mit insgesamt 92.000 Unternehmen und Umsätzen in der Höhe von fast 303 Milliarden Euro für die österreichische Wirtschaft von größter Bedeutung", sagt Will. "Die Branche stellt nicht nur die meisten Unternehmen der marktorientierten Gesamtwirtschaft, sie ist überdies der zweitgrößte Arbeitgeber und der zweitgrößte Wirtschaftsbereich mit einem Anteil von 17% an der österreichischen Wertschöpfung."
Der Einzelhandel führt innerhalb des Handelssektors mit den meisten Unternehmen (52.500) und Beschäftigten (345.000). Mit 93,3 Milliarden Euro entfallen 31% der gesamten Handelsumsätze auf diesen Bereich.
Lebensmittelhandel Kennzahlen: Nahversorgung als Stärke
Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bildet das Rückgrat der Branche. Fast 4.000 LEH-Unternehmen beschäftigen über 121.000 Mitarbeiter und erwirtschaften Umsätze von etwa 31,5 Milliarden Euro. Mit 9.400 Verkaufsstandorten gewährleisten sie die flächendeckende Versorgung.
"Der Lebensmittelhandel hat in den letzten fünf Jahren trotz hoher allgemeiner Inflation auf eine systematische Erhöhung seiner Gewinnmargen verzichtet", sagt Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch. "Er sichert mit 9.400 Verkaufsstandorten die wohnortnahe Versorgung der rund neun Millionen Menschen, die in Österreich leben."
EU-Handel in Zahlen: Österreich im internationalen Kontext
Europaweit zeigt der Handel beeindruckende Dimensionen. 6 Millionen Handelsunternehmen beschäftigen 30 Millionen Menschen und erzielen Jahresumsätze von 11,5 Billionen Euro. Der Sektor repräsentiert etwa 18% aller Unternehmen und knapp 20% aller Beschäftigten in der EU.
Italien führt bei der Unternehmensanzahl (17% aller EU-Handelsunternehmen), während Deutschland bei Beschäftigung (21%) und Umsatz (23%) dominiert. Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen bilden die stärksten Handelsnationen der EU-27.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hebt Österreichs Position hervor: „Österreich liegt angesichts seiner Größe im Spitzenfeld: Auf unser Land entfallen 2% aller Handelsunternehmen, 2% aller Beschäftigten sowie 3% aller Handelsumsätze in der gesamten EU. Das zeigt, dass unser Handel im europäischen Vergleich stark aufgestellt ist, aber er darf durch unfairen Wettbewerb nicht geschwächt werden."
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"Die Branche stellt nicht nur die meisten Unternehmen der marktorientierten Gesamtwirtschaft, sie ist überdies der zweitgrößte Arbeitgeber und der zweitgrößte Wirtschaftsbereich mit einem Anteil von 17% an der österreichischen Wertschöpfung."Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband
Handelskrise und Herausforderungen: Sinkende Rentabilität belastet Branche
Geopolitische Verwerfungen und drei aufeinanderfolgende Rezessionsjahre hinterließen Spuren im österreichischen Handel. Die Unternehmensanzahl schrumpfte seit 2019 merklich.
Die Umsatzrentabilität sank auf 5,2%, wobei Kleinstunternehmen besonders betroffen sind und nur noch 3,9% durchschnittliche Rendite erzielen.
Der Lebensmittelhandel kämpft mit real sinkenden Umsätzen (-3,2% in 2022, -1% in 2023) bei sehr niedriger Umsatzrentabilität zwischen 0,5% und 2,5%. Die Branche wirkte in den vergangenen drei Jahren inflationsdämpfend, oft zulasten der eigenen Gewinnmargen.
Wirtschaftsausblick: Vorsichtige Erholung bei anhaltenden Problemen
Nach schwierigen Rezessionsjahren zeichnet sich eine langsame Erholung ab. Das prognostizierte reale BIP-Wachstum wird für 2025 auf 0,6% und für 2026 auf 1,2% geschätzt. Die Sparquote bleibt voraussichtlich bei rund 12%.
HV-Präsident Stephan Mayer-Heinisch warnt jedoch: "Die Inflation stellt nach wie vor ein großes Problem dar. Seit dem Jahr 2019 ist jedenfalls eine signifikante Diskrepanz zwischen der realen und der nominellen Entwicklung der Umsatzerlöse im Handelssektor erkennbar. Zudem manifestiert sich ein deutlicher Überhang an Unternehmensschließungen im Vergleich zu Neugründungen, die Insolvenzquoten sind hoch."
Bürokratieabbau als Hoffnungsträger: Politik und Handel suchen Lösungen
Steigende Reallöhne und eine mögliche geldpolitische Lockerung könnten dem Einzelhandel helfen.
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer verspricht Unterstützung: „Wir sehen erstmals wieder einen kleinen Aufschwung, und genau jetzt braucht es den Schulterschluss von Politik und Handel, um diesen zu stärken. Die Bundesregierung unterstützt den heimischen Handel dabei mit klaren Maßnahmen."
Der Handelsverband kämpft weiterhin für faire Wettbewerbsbedingungen und weniger Bürokratie. Österreich belegt laut EU-Retail Restrictiveness Indicator den vorletzten Platz in Europa. Nur Frankreich reguliert den Handel noch strenger.
Rainer Will schließt ab: "9 von 10 heimischen Händlern empfinden die Bürokratie als belastend – und sie beklagen eine zunehmende Bürokratiebelastung in den letzten fünf Jahren. Das Einsparpotenzial liegt bei 15 Milliarden Euro jährlich."
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