Sonntagsöffnung Österreich : Mehrheit ist dagegen: Sonntagsöffnung in Wien würde viele Probleme bringen

Ansicht der unteren Körperhälfte einer Person mit Einkaufskorb in der Hand vor dem vollen Regal eines Geschäfts.

Die GPA macht auf eine von ihr in Auftrag gegeben IFES-Umfrage aus dem Jahr 2020 aufmerksam: Darin sprechen sich 71 % der Wiener Bevölkerung für einen freien Sonntag im Handel aus.

- © thebigland45

Hinweis: Update des Artikels von 14.08.

Wäre eine Sonntagsöffnung eine genutzte wirtschaftliche Chance oder eher sozialer Rückschritt?

Die Diskussion über Tourismuszonen und erweiterte Ladenöffnungszeiten in Österreich entzündet sich vor allem am Sonntag. Was für die einen ein Impuls für Handel und Gästezufriedenheit ist, sehen andere als Gefahr für Beschäftigte und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Laut Medienberichten über eine Linzer Institut-Studie würde etwa die Hälfte der Befragten die sonntägliche Geschäftsöffnung befürworten. 

ÖVP und NEOS sprechen sich für erweiterte Ladenöffnungszeiten in touristischen Zonen aus – zur Belebung des stationären Handels.
 

SPÖ und Grüne sehen darin potenzielle Risiken für Beschäftigte und fordern faire Lösungen in enger Abstimmung mit Sozialpartnern.

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Zahlreiche Geschäfte in Wien sind bereits sonntags geöffnet.

- © Adobestock/Seventyfour

Die Gewerkschaft GPA ist weiter strikt gegen eine Ausweitung der
Sonntagsöffnung in Wien. 

„Wenn in einer aktuellen Befragung der Uni Linz knapp über 60 % der Befragten in Wien sagen, sie würden vielleicht ab und zu an Sonntagen einkaufen, bedeutet das nicht, dass es eine Mehrheit für einen Sonntagsöffnung und eine entsprechende Gesetzesänderung gibt“, sagt die Gewerkschaftsvorsitzende Barbara Teiber

Die GPA macht auch auf eine von ihr in Auftrag gegeben IFES-Umfrage aus dem Jahr 2020 aufmerksam: Darin sprechen sich 71 % der Wiener Bevölkerung für einen freien Sonntag im Handel aus.

„Wir sind außerdem den Interessen der Handelsangestellten verpflichtet, die sich in Wien mit überwältigender Mehrheit von über 90 % klar gegen eine Sonntagsöffnung im Handel aussprechen. Mit bedenken muss man auch Faktoren wie zusätzliches Verkehrsaufkommen, höhere Energiekosten und fehlende Kinderbetreuung. Profitieren würden vielleicht einzelne Handelsbetriebe, generell würde sich aber am Umsatz der Branche nichts ändern“, so Teiber.

„Die Politik soll sich den drängenden wirtschaftlichen Themen zuwenden, wie den überhöhten Lebensmittelpreisen, der Sicherung der Kaufkraft und dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Es ist auch kein Zufall, dass eine generelle Sonntagsöffnung weder im Bund noch in Wien Teil des Regierungsübereinkommens ist. Die Handelsbeschäftigten müssen sich darauf verlassen können, dass die Politik zu ihren Vorhaben steht “, schließt die GPA-Vorsitzende.

Politischer Widerstand gegen Lockerung

ÖAAB-Landesobmann und Vizepräsident des Bundesrates Günther Ruprecht positioniert sich eindeutig gegen eine generelle Sonntagsöffnung Österreich. Er warnt vor einem „Ausverkauf des Sonntags" und lehnt sowohl eine komplette Freigabe als auch eine schrittweise Lockerung des Sonntagsschutzes kategorisch ab. Gesellschaftliche Interessen würden über individuellen Wünschen stehen. 

Bei unverzichtbarer Arbeit an Sonn- oder Feiertagen müssen faire Zuschläge bestehen bleiben. "Wo Sonntags- oder Feiertagsarbeit unbedingt notwendig ist, ist die Bereitschaft zu arbeiten mit fairen Sonn- und Feiertagszuschlägen abzugelten", so Ruprecht.

„Der Sonntag ist für viele Menschen der einzige gemeinsame Ruhetag in der Woche. Für Familien, für Ehrenamtliche, für das gesellschaftliche Miteinander ist dieser Tag unglaublich wichtig", betont Ruprecht.

© Roman Babakin

Arbeitsfreier Sonntag Schutz: Soziales Gefüge im Fokus

Die schrittweise Umwandlung des Sonntags zum Arbeitstag gefährdet laut Ruprecht das soziale Gefüge und erhöht den Druck auf Handelsbeschäftigte. Besonders Teilzeitkräfte und Frauen, die im Einzelhandel überrepräsentiert sind, würden unter zusätzlichen Belastungen leiden. 

„Auch diese Beschäftigten brauchen planbare Freizeit – nicht zusätzliche Schichten an Sonn- und Feiertagen", so Ruprecht weiter.

Sonntagsarbeit Zuschläge: Steuerliche Problematik bei Feiertagsarbeit

Die ÖAAB-FCG-Fraktion in der Arbeiterkammer fordert derweil dringend eine Gesetzesreparatur

Eine Entscheidung des Bundesfinanzgerichts stufte nämlich das Feiertagsarbeitsentgelt als steuerpflichtigen Arbeitslohn ein und kippte damit die bisherige Steuerfreiheit der Feiertagszuschläge

„Das macht es noch belastender, an Feiertagen zu arbeiten. Diese Änderung führt zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und zu einem höheren administrativen Aufwand für Arbeitgeber. Wir fordern, dass Feiertagszuschläge in Zukunft wieder steuerfrei sind", so FCG-Landesvorsitzender Guido Mauerhofer und ÖAAB-FCG-Fraktionsvorsitzender Lukas Tödling.

Ein entsprechender Antrag in der AK-Vollversammlung fand breite Zustimmung. Alle Fraktionen außer der Linksaußen-Fraktion GLB-KPÖ stimmten zu.

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Sonntagsöffnung Wien: Tourismus-Argument wird widerlegt

Fritz Pöltl, Fraktionsvorsitzender der FCG-ÖAAB-Fraktion in der Arbeiterkammer Wien, betont die Notwendigkeit, den freien Sonntag kontinuierlich zu verteidigen. Wiederholt fordern Stimmen eine Sonntagsöffnung Wien in der Bundeshauptstadt. Touristen seien enttäuscht über geschlossene Geschäfte am Sonntag. Der Städtetrip werde für manche zum „Anti-Konsum-Debakel" – so argumentieren Befürworter der Handelsöffnung am Sonntag.

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„Da kann ich nur schmunzeln. Ich stelle mir verzweifelte Tourist:innen auf der Suche nach geöffneten Shops vor", so Pöltl. Das Gegenteil sei der Fall, zeigt sich der FCG-ÖAAB-AK Vorsitzende überzeugt.

Wien wird jährlich zur lebenswertesten Stadt gekürt – der handelsfreie Sonntag trägt maßgeblich dazu bei. 

„Neben den vielen Vergleichsparametern gegenüber anderen Städten, wie etwa Kunst, Kultur und Infrastruktur, darf sich der handelsfreie Sonntag in Wien einen großen Anteil davon zuschreiben", ist sich Pöltl sicher. 

Die Sonntagsruhe erfreut nicht nur Bewohner. Auch Touristen nehmen das Kulturgut „arbeitsfreier Sonntag" positiv mit nach Hause.

Handelsöffnung Feiertage: Systemerhaltung als einzige Ausnahme

Pöltl erinnert daran, dass bereits zahlreiche Geschäfte in Wien sonntags geöffnet sind. Viele Dienstleistungen wie der öffentliche Verkehr funktionieren nur durch die Bereitschaft von Menschen, auch sonntags zu arbeiten. Das österreichische Arbeitsrecht entlohnt diese Bereitschaft mit Sonn- und Feiertagszuschlägen.

„Und das muss auch in Zukunft so bleiben. Das Arbeitsleben darf sich nur auf die notwendigen Berufsgruppen, rund um die Systemerhaltung, beschränken", betont der Fraktionsvorsitzende abschließend. (LB/APA)

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