Wietersdorfer Zementwerke : Wietersdorfer: international aufgestellt, regional erfolgreich?

Wietersdorfer CEO und CFO Michael Junghans und Hannes Gailer bei Pressekonferenz an einem Tisch mit Mikros.

Trotz schwieriger Rahmenbedienungen blicken Michael Junghans (CEO) und Hannes Gailer (CFO) auf erfolgreiches Geschäftsjahr 2024 zurück.

- © Wietersdorfer/kaerntenphoto

In aller Kürze: Wietersdorfer Gruppe aus Kärnten trotzt schwacher Weltkonjunktur mit 1,09 Milliarden Euro Umsatz

Bei ihrem Jahrespressegespräch der Wietersdorfer Gruppe präsentieren CEO Michael Junghans und CFO Hannes Gailer Zahlen und Einschätzungen zur Geschäftsentwicklung des Kärntner Baustoffkonzerns im Jahr 2025 sowie einen Ausblick auf 2026.

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Herausforderndes Weltwirtschaftsumfeld prägt die Wietersdorfer Gruppe

Das vergangene Jahr stellte Industrieunternehmen weltweit vor erhebliche Hürden. Die Weltkonjunktur entwickelte sich gedämpft, während Handelsbarrieren gleichzeitig für steigende Preise sorgten. Hinzu kamen international stark schwankende Projektmärkte sowie ein insgesamt schwaches Bau- und Industrieumfeld

Trotz dieser Rahmenbedingungen blieb laut der Wietersdorfer Gruppe die Nachfrage nach Infrastrukturlösungen grundsätzlich intakt.

Regional zeigte sich 2025 ein uneinheitliches Bild: Europa wuchs nur schwach bis moderat. Asien galt zwar weiterhin als Wachstumsmotor, jedoch mit deutlichen Unterschieden zwischen einzelnen Märkten. 

Nordamerika verlor im Infrastrukturbereich zusehends an Schwung. Afrika blieb strukturell wachstumsstark, gilt jedoch als finanziell und politisch anfällig. 

Lateinamerika steckte in einem politischen Umbruch und entwickelte sich wenig dynamisch. Ozeanien legte dank positiver Rohstoffentwicklung und laufender Infrastrukturinvestitionen zu.

Fünf Geschäftsfelder als Fundament

Die Wietersdorfer Gruppe stützt sich auf fünf industrielle Geschäftsfelder: 

  • Zement & Beton (Alpacem by Wietersdorfer)
  • Kalk (InterCal by Wietersdorfer)
  • glasfaserverstärkte Kunststoff-Rohrsysteme (Amiblu, O-tek, Hobas)
  • Polypropylen-Rohrsysteme (Poloplast)  
  • Industriemineralien (Calcit)

Ergänzt wird das Portfolio durch die Beteiligung an Sico, einem Zulieferer der Halbleiterindustrie.

Insgesamt betreibt der Konzern 121 Produktions- und Vertriebsstandorte in 29 Ländern und ist mit Vertriebsaktivitäten in 76 Ländern präsent.

Umsatzentwicklung: Wietersdorfer Zement behauptet sich trotz Gegenwind

Der Gruppenumsatz sank 2025 im Jahresvergleich um 1,3 Prozent auf 1.091 Millionen Euro. Zuvor war der Umsatz kontinuierlich gestiegen: von 974 Millionen Euro im Jahr 2022 über 1.071 Millionen Euro 2023 bis zum bisherigen Höchstwert von 1.105 Millionen Euro im Jahr 2024.

Für den leichten Rückgang nennt das Unternehmen mehrere Ursachen. Die Integration neu erworbener Gesellschaften habe die Umsatzbasis zwar stabilisiert, das Auslaufen einzelner Großprojekte aus dem Jahr 2024 habe den Vorjahresvergleich jedoch belastet. Zusätzlich setzten Preis- und Margendruck dem Unternehmen zu, obwohl sich der Absatz solide entwickelte. Handelsspannungen, Zölle und Währungseffekte erhöhten außerdem die allgemeine Planungsunsicherheit.

Bei der Betrachtung nach Geschäftsfeldern inklusive Innenumsätze zeigt sich ein differenziertes Bild für 2025: 

Zement & Beton wuchs um 17,6 Prozent auf 323,4 Millionen Euro und damit auf einen Umsatzanteil von 30 Prozent. Die Kalksparte legte moderat um 0,9 Prozent auf 44,3 Millionen Euro zu (4 Prozent Anteil). Die GFK-Rohrsysteme, mit 432,1 Millionen Euro und 39 Prozent Anteil der größte Umsatzbringer der Gruppe, verzeichneten hingegen ein Minus von 16,1 Prozent. Die PP-Rohrsysteme gingen um 2,4 Prozent auf 87,5 Millionen Euro zurück (8 Prozent Anteil), während die Industriemineralien um 4,5 Prozent auf 193,0 Millionen Euro zulegten (18 Prozent Anteil). Die Beteiligung Sico trug 15,7 Millionen Euro bei, was einem Anteil von 1,4 Prozent entspricht und gegenüber dem Vorjahr unverändert blieb.

Wo kommt Wietersdorfer international zum Einsatz?

Bedeutende aktuelle Infrastrukturprojekte mit Wietersdorfer-Lösungen:

In Rio Grande do Norte in Brasilien liefert O-tek Komponenten für ein Trinkwasserversorgungssystem. In Cortina d'Ampezzo in Italien ist Alpacem am Bau der Bob- und Rodelbahn beteiligt. Amiblu wirkt in Brunsbüttel, Deutschland am LNG-Terminal mit.

Wietersdorfer Klagenfurt und die Alpe-Adria-Region als tragende Umsatzsäule

Rund drei Viertel des Umsatzes erwirtschaftete die Wietersdorfer Gruppe 2025 in Europa: 830,7 Millionen Euro beziehungsweise 76 Prozent. Amerika kam auf 189 Millionen Euro (17 Prozent), Afrika auf 37 Millionen Euro (3 Prozent), Asien auf 17 Millionen Euro und Ozeanien auf 17,2 Millionen Euro (jeweils 2 Prozent).

Innerhalb der Alpe-Adria-Region bleiben die traditionellen Märkte zentral. Österreich führt die Liste der umsatzstärksten Länder mit einem Anteil von 15,3 Prozent an und wuchs um 6,7 Prozent, getrieben von Inflation, intensiverer Marktbearbeitung und dem Erwerb der Sico-Beteiligung. 

Die USA folgen mit 15,0 Prozent Anteil, verzeichneten aber ein Minus von 7,7 Prozent infolge von Währungseffekten und sinkenden Rohstoff- und Verkaufspreisen. Italien legte dank der Übernahme des Zementwerks Fanna um 37,9 Prozent zu und kommt auf einen Anteil von 13,5 Prozent. Deutschland (13,1 Prozent, minus 2,9 Prozent) und Slowenien (12,6 Prozent, minus 3,5 Prozent) runden die größten Märkte ab. 

Deutlich zulegen konnte Spanien mit einem Plus von 59,7 Prozent, angetrieben durch Bewässerungsprojekte und den Ausbau des Industriegeschäfts. Marokko brach aufgrund der Volatilität im Projektgeschäft um 29,8 Prozent ein. Polen wuchs um 3,3 Prozent, Kroatien um 11,5 Prozent.

In Afrika errichtet die Wietersdorfer Tochter Amiblu Marokk Entsalzungsanlagen, Bewässerungssysteme oder Trinkwasserversorgungen.

- © Amiblu Marokk

Investitionen stärken Standorte, Effizienz und Dekarbonisierung

Weltweit investierte die Wietersdorfer Gruppe 2025 insgesamt 105,6 Millionen Euro. Davon entfielen 20,7 Millionen Euro auf Österreich, wovon wiederum 13,3 Millionen Euro nach Kärnten flossen.

Zwei konkrete Beispiele veranschaulichen die Investitionstätigkeit: Am Standort Houston in den USA baut die Sparte GFK-Rohrsysteme mit 11,2 Millionen Euro ein neues Bürogebäude. Am Stammsitz Wietersdorf in Österreich investiert die Sparte Zement & Beton 3 Millionen Euro in eine im Gleitbau errichtete Siloanlage, die der Entwicklung weiterer nachhaltiger Produkte dienen soll.

Seit 2024 ist die Wietersdorfer Gruppe auch in Australien mit einem Tochterunternehmen tätig.

- © RPC Pipe Systems

Internationalisierung und Belegschaft der Wietersdorfer Gruppe

Die internationale Ausrichtung des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1987 zurück, als der Schritt nach Nordamerika erfolgte. 2020 kam Afrika als Markt hinzu, 2023 folgte Lateinamerika, 2024 schließlich Ozeanien. 

Aktuell beschäftigt die Wietersdorfer Gruppe insgesamt 3.783 MitarbeiterInnen, davon 748 in Österreich und 328 in Kärnten. 

65 Prozent der Belegschaft arbeiten im Rohrbereich, verteilt auf GFK-Rohrsysteme (55 Prozent) und PP-Rohrsysteme (10 Prozent). Auf Zement & Beton entfallen 20 Prozent der Beschäftigten, auf Industriemineralien 8 Prozent, auf die Beteiligung Sico 3 Prozent, auf Kalk ebenfalls 3 Prozent und auf die Holding 1 Prozent. 

Regional betrachtet arbeiten drei Viertel der Mitarbeitenden in Europa (76 Prozent), 15 Prozent in Amerika, 6 Prozent in Afrika sowie jeweils ein bis zwei Prozent in Asien und Ozeanien.

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